fries. Rechtsgeschichte 2, 459 ff. Die Aufzeichnung entstammt erst dem
14. Jahrh. und wurde im 16. Jahrh. gedruckt. Die wichtigsten Worte
lauten im Original: _Da sagen se een tretteensta oen der stioerne
sitten, ende een axa op synre aexla_ (Var. _ene gildene axe ƕt siner
axla_), _deer hy mey toe lande stioerde toienst straem ende ƕynd. Da
se toe lande coemen, da ƕorp hy mitter axa op dat land, ende ƕorp een
tura op_ (Var. _ene turƕe op_); _da ontsprongh deer een burna, al
daerom haet dat to Axenthove. Ende to Eeswey comen se to land ende
seten om dae burna ..... al deerom schillet aldeer in da land ƕessa
trettien aesgen, ende hyara domen schillet hya dela to Axenthove ende
to Eeswey_. Die niederdeutsche Fassung der Sage lässt den Dreizehnten
ein Krummholz in der Hand führen, J. Douwama im _boeck der partijen_,
um 1526 verfasst, eine Axt, ein Beil. Die Quelle nennt er _Axsborn_.
Sollte der hammerbewehrte Donar gemeint sein? So erklärt E. H.
Meyer, German. Myth. § 251, S. 188. Eine Verwechslung zwischen Axe
und Ax (Axt) ist ja begreiflich. Beziehung auf Wodan, Richthofen,
Untersuchungen 2, 463 ist nicht gerechtfertigt.
[476] Mit Ullr ist got. _ƕulþus_, Herrlichkeit, verwandt, vgl. Noreen,
An. Gramm.² §215; _ƕulþus_ erscheint in ostgotischen Eigennamen,
vgl. Wrede, Über die Sprache der Ostgoten in Italien (Quellen und
Forschungen 68), Strassburg 1891, S. 85 u. 147, z. B. Sigiswuldus;
altdeutsche Namen in Förstemanns Namenbuch 1, 1338 Wuldebert, Wuldulf.
Zu Ullr vgl. Simrock, Myth.⁵ 290; Kauffmann, Beiträge 18, 188;
Rödiger, ZfdPh. 27, 11 ff. Munch, Die nord. german. Völker S. 223 „ein
solcher Name scheint demnach eher ein Beiname des höchsten Gottes sein
zu müssen, als irgend eine besondere Persönlichkeit bezeichnen zu
können.“ Ullr und _ƕulþus_ stellte zuerst Bachlechner, ZfdA. 8, 201 ff.
zusammen; dazu Weinhold, Riesen, Wiener Sitzungsberichte 26, 1858, S.
264 f.
[477] Von Ullr berichtet Gylfag. Kap. 31; Grímn. 5; seine Namen SE. 1,
266.
[478] Die Skaldenstellen, welche den Schild das Schiff Ulls nennen,
stehen SE. 1, 246, 346, 414, 420; vgl. auch Sveinbjörn Egilsson, Lex.
poet. 831. Much, Beiträge 20, 35 f. meint, der Schneeschuh (_skíđ_)
Ulls sei als sein Schiff und Fahrzeug bildlich bezeichnet worden.
_skíđ_, „Schneeschuh“ sei irrtümlich als _skíđ_, „Schild“ (vgl. kelt.
_skēto_, Schild) gefasst und durch das gangbare skjǫldr ersetzt
worden. Die Kenning _skjaldar áss_ sei eigentlich _*skiđs áss_ und
gleichbedeutend mit _ǫndráss_, Schlittschuhgott.
[479] Ortsnamen mit Ullr aus Norwegen sammelt O. Rygh in P. A. Munchs
norröne gudesagn 2. udg. Christiania 1880; vgl. das Register; aus
Schweden Lundgren, språkliga intyg, Göteborg 1878, S. 71 ff.
[480] Die Sage von Ollerus bei Saxo III S. 130 f., die andern Berichte
wurden bereits im Abschnitt über Odin (vgl. oben S. 306 ff.), soweit
sie hergehören, mitgeteilt. Zu Ollerus P. E. Müller, Notae uberiores
122 f.
[481] Vgl. W. Müller, Zur Mythologie der griechischen und deutschen
Heldensage, Heilbronn 1889, S. 101 u. 159, der hier mit Recht den
„historischen“ Mythus der natursymbolischen Deutung vorzieht. Dass
Odin unter dem Namen Brúni dem Finnenkönig Gusi im Streit um die
Herrschaft gegenüber tritt, dass hier dieselbe Sage wie die von Odin
und Ullr vorliege, dass also die geschichtliche Thatsache des Sieges
der Nordgermanen über die Finnen im mythischen Gewande behandelt werde,
sucht Detter, ZfdA. 32, 449 ff. zu erweisen.
[482] Dass Widar nach Vǫl. 53 R der Sohn Odins und der Hlodyn genannt
wird, dass demnach Hlodyn und Grid gleich und wol nur aus der Erdgöttin
abgezweigt sind, erweist Kauffmann, Beiträge 18, 135 ff.
[483] Von Widar weiss nur die Liedersammlung und die Snorra Edda. Die
Stellen, die in Betracht kommen, sind Vǫl. 54, Grimn. 17, Vafþr. 51,
Lokas. 10, Gylfag. Kap. 29, 33, 43, 51, Bragar. Kap. 1, Skáldsk. Kap.
2. Vgl. ausserdem die Benennungen Widars als Eigner des Eisenschuhes,
Feind und Töter des Fenriswolfes, Rächer der Götter, Bewohner der
Vatershalle, Sohn Odins und Bruder der Götter SE. 1, 266. Ortsnamen
mit Widar sammelt Kauffmann, Beiträge 18, 157 Anm. _Viþarshof_,
_Viþarsgarþr_ nach M. Arnesen, minder om hedensk gudsdyrkelse S. 62;
_Widarsleff_, Lundgren språkliga íntyg S. 78; _Viđarhellisgjógv_ bei
Hammershaimb, færösk antologi 350, 3.
[484] _Viđarr_ als _viđ-hari_ zu _viđr_, Wald, stellt Rödiger, ZfdPh.
27, 5; Grimm, Myth. 3, 245 _Viđarr_, ahd. _Witheri_; Kauffmann,
Beiträge 18, 168 Anm., der überhaupt in Widar den Hauptgott der
Germanen, den grossen Waldesgott erblickt, erklärt Widar als „Gott, der
einen Stab, ein Reis vom Weidenholz führt.“
[485] Von Váli berichten Vǫl. 33, Baldrs Dr. 11, Vafþr. 51, Hyndl. 30,
Gylfag. Kap. 30, 36, 53; seine Namen SE. 1, 266. Unklar bleibt sein
Verhältniss zu Váli, dem Sohne Lokis, der Vǫl. H. 35 und Gylfag. Kap.
50 erscheint; Kauffmann, Beiträge 18, 168 glaubt nachweisen zu können,
dass nur Váli als Sohn Odins bezeugt und aus Missverständniss zu Lokis
Sohn geworden sei. Viðarr und Váli seien thatsächlich nur Namen einer
und derselben Gottheit, die, wo die Weltordnung bedroht ist, sie mit
sicherer Kraft in den Fugen hält. Auf Váli geht wol auch Grógaldr 6, wo
Gróa den Zauber singt, den einst Rind dem Ran (Wali?) gesungen; vgl.
Sijmons zur Stelle. Zur Sage Bugge, Studien 215 ff.; Sievers, Beiträge
18, 582 f. erklärt Váli aus Vǫnli, Vǫli, d. i. Wanula, Wanila und
ebenso Ali aus Anula, Anila. Váli, Vǫnli knüpft somit an die _vanir_
an. Einer Deutung enthält sich Sievers, sie wird von Detter, Beiträge
19, 509 versucht.
[486] Über Hönir Vol. 18 u. 63; seine Namen SE. 1, 266 f. Die Stellen
der Haustlǫng, die sein Verhältniss zu Odin und Loki voraussetzen, SE.
1, 308, 310, 314; Hönirs Vergeiselung an die Wanen Ynglingasaga Kap. 4.
[487] Das färöische Lied „_Lokka táttur_“ bei V. U. Hammershaimb,
färöiske kväder, Kopenhagen 1851, Bd. 1, 140 ff. Zur Erklärung
des Liedes Uhland, Schriften 6, 193 ff.; 7, 367 ff. Eine deutsche
Übersetzung gibt auch Simrock, Mythologie⁵ 106 ff.
[488] Vǫl. 63
_þá kná Hœ́ner_ _hlautviþ kjósa_;
zur Auslegung der Stelle Müllenhoff, Altertumskunde 5, 100 f.; Gering,
Edda S. 15, Anm. 1; Kauffmann, Beiträge 18, 189 erklärt, dass Hönir in
der zukünftigen Welt jedem Einzelnen sein Loos zuteilt.
[489] Über Hönir vgl. Weinhold, ZfdA. 7, 24 f.f, wozu Mogk, Grundriss
1, 1086, der an den slavischen Hennil, Hainal, den Gott der Morgenröte,
denkt; Uhland, Schriften 6, 188 ff.; Müllenhoff, Altertumskunde 1,
34; Hoffory, Gött. gel. Anz. 1888, S. 161; Nachrichten d. Gött.
Gesellschaft, Dec. 1888; Eddastudien 108 ff.; Kauffmann, Beiträge 18,
175 u. 189; Rödiger, ZfdPh. 27, 9 f.; Detter u. Heinzel. Beiträge 18,
542 ff.
[490] Beiträge 18, 547 ff.
[491] Über Bragi vgl. Uhland, Schriften 6, 277 ff.; Mogk, Beiträge 12,
383 ff.; Bugge, Beiträge 13, 187 ff.; Mogk, Beiträge 14, 81 ff.
[492] Grímn. 44.
[493] Sigrdr. 16.
[494] Zur Erklärung von Lokas. 16 Bugge, Beiträge 13, 188 ff.
[495] Die Stelle der Hǫfuðlausn lautet nach Finnur Jónssons Ausgabe
_njóte bauga sem Brage auga!_
Im Sonatorrek 3 heisst es, nachdem von der Entführung des Trankes die
Rede war:
_lastalauss es lifnaþe
á „nockvers“ nǫkkva Brage._
In „_nockvers_“ vermutet Bugge Verderbniss für „_nǫ́ttvers_“,
Nachtaufenthalt, „_á nǫttvers nǫkkva_“ umschreibt im Bett. Die älteren
Deutungen bei Sveinbjörn Egilsson Lex. poet. 604 f. Bragis Erzeugung
durch Odin und Gunnlod lesen aus den Worten heraus Gisli Brynjúlfsson,
antiquarisk tidsskrift 1855/7, S. 148 ff. und Bugge, Beiträge 13, 195
ff.
[496] Über Bragi Boddason Uhland, Schriften 6, 281 ff.; SE. 3, 307 ff.
Gering, _kvæþa brot Braga ens gamla_, Halle 1886; Bugge, _bidrag til
den ældste skaldedigtnings historie_, Christiania 1894, wo die Echtheit
der dem Bragi zugeschriebenen Gedichte mit starken Gründen angefochten
wird.
[497] Bragi als Heldenname Helgakv. Hund. 2, 18; SE. 1, 522; im
Ortsnamen Bragalund Helgakv. Hund. 2, 8; _bragnar_ steht für *_bragar_,
dem alten regelrechten Plural zum Singular _bragi_, Noreen, An. Gramm.²
§ 334, 4. _bragr_ im Sinne von _princeps_ in _bragr ása, kvenna, karla_
u. s. f. bei Uhland, Schriften 6, 294; Mogk, Beiträge 14, 82 ff. Ags.
_brego_, der Herrscher, wird gleich angewandt, vgl. J. Grimm, Myth.
215; es steht im Wurzelablaut zu an. _bragr_, Sievers, Beiträge 11,
355. _bragafull_, Bragibecher, ist nur falsche Lesart minderwertiger
Handschriften statt _bragarfull_. Vgl. Gudbrand Vigfusson, Dictionary
S. 76; Mogk, Beiträge 14, 83; man darf nicht mit Uhland a. a. O. 279
ff. dem feierlichen Odins, Freys, Njords Vollhorn einen entsprechenden
Bragibecher gegenüber stellen.
[498] Den Stein machte Zangemeister in den Bonner Jahrbüchern des
Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Heft 81, 78 ff. bekannt;
ebenda gibt Holthausen eine Deutung; vgl. ferner Holthausen, Beiträge
16, 342 ff.; Much u. Schröder, ZfdA. 35, 375 ff.; Kauffmann, Beiträge
18, 190 ff.; Rödiger, ZfdPh. 27, 12 f.; v. Grienberger, Beiträge 19,
528 ff.
[499] Loki verhält sich zu _lúka_, schliessen, wie _broti_ zu _brjóta_,
_skoti_ zu _skjóta_. Vgl. _lok_, der Schluss, das Ende. So erklärte
Uhland, Schriften 6, 14. Bugge, Studien 73 ff. glaubt, dass der Name
Loki unter dem Einfluss von Lucifer (gespr. Lukifer) entstand, als
Abkürzung und nordische Umbildung des fremden Namens aufgefasst werden
müsse; vgl. noch Bugge, bidrag til den ældste skaldedigtnings historie
S. 122. Auch J. Grimm, Myth. 3, 82, deutet Ähnliches an: „man könnte
gar noch auf eine Kürzung aus Lucifer fallen“. Als Beiname einer
geschichtlichen Persönlichkeit, des Thorbjorn Loki, steht der Name
in der Landnáma 2. Kap. 23 (Islendinga sögur 1, 132). Von besondern
Arbeiten über Loki vgl. Weinhold, ZfdA. 7, 1 ff. Nach Weinhold ist
Loki ursprünglich eine gütige, mächtige Gottheit („der Hauptkern
des Gottes ist und bleibt die eine Seite des alten Himmelsgottes“,
Mogk, Pauls Grundriss 1, 1088) und erst später zu einem bösartigen
Dämon herabgesunken. Lokis Abfall vom Guten zum Bösen ist freilich
zweifellos und wird auch von Wislicenus, Loki, Zürich 1867 nach Gebühr
hervorgehoben. Aber man darf darum nicht gleich Loki mit einem der
germanischen Hauptgötter zusammenwerfen.
[500] Logi als Bruder der Elemente Wasser (Hlér) und Luft (Kári) und
Sohn des Riesen Fornjótr erscheint im Fundinn Noregr (Fornaldarsögur 2,
3 ff.); ausserdem Gylfag. Kap. 46, wo Loki in schwankhafter Weise sich
selber in doppelter Gestalt gegenüber gestellt wird, dem Logi und dem
Utgardaloki, dem Schadfeuer und dem Höllenfürsten.
[501] Lokis Eltern erklärt Bugge, Studien 80.
[502] Über Lokis Fortdauer in Redensarten des nordischen Volkes vgl.
Finn Magnusen, Lex. myth. 232; J. Grimm, Myth. 221 f.; Bugge, a. a. O.
80 f. Vol. 25 Loki hatte die Luft vergiftet (_lævi blandit_), meint wol
die verderbliche Schwüle.
[503] Loptr steht Lokas. 6; Hyndl. 43; Fjǫlsv. 26; Haustlǫng 31 (corpus
2, 15; SE. 1, 310) und Eilifs þorsdrápa SE. 1, 290. Loptr ist übrigens
ein gebräuchlicher nordischer Personenname, vgl. Islendingasögur 1,
428 im Register und Loptr Pálsson SE. 3, 672, Loptr Hálfdánson ebenda
751; im Frauennamen Lopthœna begegnet derselbe Stamm wie in deutschen
Namen mit Luft, z. B. Lufthildis. Bugge, Studien 81 verweist auf die
schon bei Tatian zum Ausdruck gelangte Auffassung, dass die Leiber der
Dämonen aus Feuer und Luft seien.
[504] Nordisk tidskrift for filologi, ny række 4. Bd. S. 28 ff.
Die idg. Grundform des ind. _vṛtrá-s_ wird als _vartrás valtrás_
angesetzt, woraus germ. _vlôđraz_ abzuleiten ist. _vṛtras_ heisst der
Deckende, Verhehlende, Hemmende, von der Wurzel _var_ bedecken, hehlen,
abschliessen, abwehren gebildet. Vgl. auch Noreen, Abriss der urgerm.
Lautlehre 102. Der Name Loðurr begegnet Vǫl. 18; Haleygja tal im Corpus
poet. boreale 1, 253.
[505] Über die Namen und ihre Erklärung vgl. Bugge, Studien 75 f.
[506] Gylfag. Kap. 33; als Ase wird Loki SE. 1, 84, 142, 268, 556
bezeichnet.
[507] Die Menschenschöpfung Vol. 17/18; Gylfag. Kap. 9.
[508] SE. 1, 268 heisst Loki _Ođins sinni ok sessi_, Odins Fahrt- und
Bankgenosse; Odin heisst _Lođurs vinr_ in der Haralds saga hárfagra
Kap. 13; Islendingadrápa 1; weiteres bei Gudbrand Vigfusson, corpus 2,
471.
[509] So berichtet der Skald Thjodolf in der Haustlǫng und danach
Snorri in den Bragar. Kap. 3. Snorri fügt noch bei, wie Skadi, des
Riesen Tochter, zur Rache heranstürmt, aber versöhnt einen der Asen,
Njord, zum Mann nimmt. Loki muss sie zum Lachen bringen. Er bindet eine
Schnur an seine Scham und an den Bart einer Ziege. Beide ziehen und
schreien vor Schmerz. Dann fällt Loki in den Schooss der Skadi, dass
sie lachen muss.
[510] Möglicher Weise zielt die Bezeichnung Lokis als Bocksdieb, _þjófr
jǫtna hafrs_ SE. 1, 268 auf dieses Ereigniss. Aber im „Bocke der
Riesen“ kann auch eine andre Kenning stecken.
[511] Sörlaþáttr der Olafssaga Tryggvasonar in den Fornaldar sögur 1,
391 ff. und in der Flateyjarbók 1, 275 ff.
[512] SE. 1, 312 in der Haustlǫng heisst Loki _girþiþjófr Brísings_.
[513] Die Fliegengestalt des Teufels bei Grimm, Myth. 950 f.; 3, 295;
Bugge, Studien 76.
[514] Reginsm. 1-12, Skaldsk. Kap. 4.
[515] Lokas. 23 u. 33; vgl. Hirschfeld, Untersuchungen zur Lokas. S.
37 f. u. 44, wo die Deutungen Weinholds, ZfdA. 7, 11 ff. und Finn
Magnusens, Edda 2, 211 mitgeteilt sind. Die natursymbolische Auslegung
vertritt auch Gering, Edda S. 34. Hyndl. 43 frisst Lopt ein Frauenherz,
das halbverkohlt in der Asche liegt, und wird davon schwanger.
[516] In der Helgakv. Hund, 1, 38/40 beschuldigt Sinfjotli den Gudmund,
eine Hexe gewesen zu sein und von ihm neun Wölfe empfangen zu haben.
Auf den deutschen Bischof Friedrich, der gegen Ende des 10. Jahrh. auf
Island das Christentum verkündigte, und seinen Beschützer Thorwald
Kodransson machte ein heidnischer Dichter den Spottvers:
Es gebar neun Kinder Bischof Friedrich,
Sie alle zeugte der eine Thorwald.
Vgl. Kristnisaga Kap. 4. Über seinen Feind Thorstein Hallsson liess
der Isländer Thorhadd das Gerücht aussprengen, dass er jede neunte
Nacht ein Weib werde und mit Männern Umgang pflege; Þorsteins
þáttr Siðuhallssonar Kap. 3. Auf diesem schmählichen Vorwurf stand
Friedlosigkeit; Vigsloði Kap. 105: „Dies sind die drei Worte, auf denen
sämtlich der Waldgang steht, wenn die Rede der Leute so sehr schlimm
wird; wenn einer den andern weibisch schimpft oder sagt, er habe sich
belegen oder beschlafen lassen, und man soll so klagen wie wegen andrer
Vollbussworte und man hat gegen diese drei Worte den Totschlag frei“.
Dass alte Sagen oder Kultgebräuche missverstanden oder böswillig
verdreht wurden, ist möglich; ein Kult wenigstens, derjenige der Alcis,
verlangte weibliche Haartracht des Priesters, vgl. Wolfskehl, German.
Werbungssagen S. 6 ff. Auf uralten Aberglauben an die Möglichkeit des
Geschlechtswechsels führt Weinhold, Ztschr. d. Vereins f. Volkskunde 5,
127 ff. die Sagen vom Kleidertausch zwischen Mann und Weib und von der
Weibischkeit der Männer zurück.
[517] Man kann aber auch an antiken Ursprung denken. Hermes-Merkur
wurde später auch mit Hermaphroditus, dem Sohne des Hermes und der
Aphrodite verwechselt. So heisst es z. B. bei Albericus _de deorum
imaginibus libellus 6 de Mercurio: qui de viro in feminam et de femina
in masculum se mutabat, cum volebat: et ideo pingebatur cum utroque
sexu._ Loki hat aber sicher einige Züge, z. B. die Flügelschuhe, von
Merkur.
[518] M. Hirschfeld, Untersuchungen zur Lokasenna (_acta germanica_
1), Berlin 1889; Finnur Jónsson, litteraturs historie 1, 178 ff. Über
glaubenslose Leute aus der Übergangszeit, denen der Verfasser der
Lokas. entweder selbst angehört oder die er wenigstens dabei im Auge
hat, vgl, Maurer, Die Bekehrung des norwegischen Stammes I 158 Anm. 16;
160; 163; II 247 ff.; 316 ff.
[519] Verwandte Züge zwischen Merkur und Loki zählt J. G. v. Hahn,
Sagwissenschaftliche Studien, Jena 1876, S. 162 auf. Bugge, Studien 267
ff. sucht Loki mit Apollo zu verknüpfen.
[520] Nach der Kenning der Vǫl. 35 „_ór Vala þǫrmom_“, aus Walis
Därmen seien die Fesseln gefertigt, muss hier wie auch Gylfag. Kap.
50 geändert werden: mit den Därmen seines Sohnes Wali. Vgl. Kaufmann,
Beiträge 18, 165.
[521] Dass die Eingangs- und Schlussprosa der Lokasenna eine
unabhängige Überlieferung enthalte, behaupten Jessen, ZfdPh. 3, 72,
Hirschfeld, Untersuchungen zur Lokasenna, Berlin 1889 (_acta germanica_
1), S. 11 u. 32; Kauffmann, Beiträge 18, 160.
[522] _Hvera lundr_, Wald der Klüfte, deutet Kauffmann, Beiträge 18,
165, indem er _hverr_ = Gebirgskessel, Kluft, wie Hym. 26 _hverr
holtriđa_, Schlucht der Waldberge, nimmt. Jessen, ZfdPh. 3, 37 u.
Müllenhoff, Altertumskunde 5, 9 verstanden „_hverr_“ als Kessel heisser
Quellen; es seien die heissen Quellen Islands gemeint. Gegen diese
Auffassung, welche „_lundr_“ Wald unerklärt lässt, vgl. auch Finnur
Jónsson, litteraturs historie 1, 132. Er sieht im hveralund „en vild
bjærgegn med mange huler“.
[523] Saxo Buch 8, S. 431 f.
[524] Über die Rechtsaltertümer der Lokisage vgl. Kauffmann, Beiträge
18, 159 ff.
[525] Kauffmann, Beiträge 18, 164 ff. vermutet Missverständniss der
alten Kenning, Lokis Bande seien aus „Walis Därmen“ gefertigt worden.
Walis Därme bedeute Zweige, indem Wali ein Waldgott sei. Die Stricke
waren aus Gezweig geflochten. Narfi, ein Riese, sei mit Loki gleich,
also auch ein „Wolf“. Narfi-Wolf wörtlich verstanden führte zur
Vorstellung, Narfi als Wolf habe Wali zerrissen und dann seien dessen
Därme als Fesseln gebraucht worden.
[526] Zum gefesselten Loki vgl. Bugge, Studien 56 f. Die entsprechenden
Teufelssagen bei Grimm. Myth. 962; Mannhardt, German. Mythen S. 86 f.;
Simrock, Myth.⁵ 114 f. Über Sigyn gibt E. H. Meyer, Völuspa 154 ff.
Andeutungen, die er jedoch selbst nur als blosse Vermutung hinstellt,
die keineswegs befriedigen. Simrocks Vergleich zwischen Sigyn und
Wolframs Sigune a. a. O. ist belanglos.
[527] Bugge, Studien 511 vergleicht die _duodecim caeli signa_, wo
Saturnus infolge einer Gefahr verheissenden Weissagung den Neptun in
die Tiefe des Meeres, den Pluto in die Unterwelt versenkt. Lokas. 10
u. Haustlǫng heisst Loki Vater des Wolfes, in Eilifs Þorsdrápa Vater
der Schlange; im Ynglingatal ist Hel Lokis Tochter. Die Skaldenstellen,
welche diese Verwandtschaftsverhältnisse voraussetzen, sammelt Gudbrand
Vigfusson, corpus 2,471.
[528] Bäda _de ratione temporum: Leviathan animal terram, complectitur
tenetque caudam ore suo_; vgl. Finn Magnusen, Lex. myth. 212; J. Grimm,
Myth. 166 u. 950; Diemer, Beiträge zur älteren deutschen Sprache u.
Litteratur. 4. Teil. Wien 1867. S. 45; R. Köhler, Germania 13, 158 ff.;
Bugge, Studien 12.
[529] Fenrir als Verfolger des Mondes (_álfrǫđult_ der Elbensonne)
Vafþr. 46; dass Fenrir eine Wiedergeburt Lokis sei, behauptet schon J.
Grimm, Myth. 224; über seine Fesselung Kauffmann, Beiträge 18, 161 ff.
Bei Loki und Fenrir muss auch in Anschlag gebracht werden, dass der
Teufel bereits bei den Kirchenvätern und im ganzen Mittelalter als Wolf
bezeichnet wurde; vgl. J. Grimm, Myth. 948; 3, 294.
[530] Vgl. E. H. Meyer, Völuspa 198 f.
[531] Der Name der Göttin lautete urgerm. _Frijô_ = idg. _prijâ_,
woraus westgerm. _Frîja_ und nord. _Frigg_ lautlich sich entwickeln
mussten; vgl. Kögel, Beiträge 9, 544, Brugmann, Grundriss 1, 128,
Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre, Strassburg 1894, S. 160 f. Ahd.
begegnet _Frîja_ im Merseburger Zauberspruch; aus den Formen des
Wochentagnamens ahd. _frîadag_, _frîjetag_, _frîgetag_, _frîtach_
ergeben sich _Frîja_ und _Frîa_ neben einander, vgl. Braune, Ahd.
Gramm. § 117 über den Ausfall von intervokalischem j. Langobardisch
_Frea_ ist wol nur verschrieben für _Frîa_, wie _fulcfree_ für
_fulcfrî_, vgl. Carl Meyer, Sprache und Sprachdenkmäler der
Langobarden, Paderborn 1877, S. 263 u. 286; als lautliche Entwicklung
(_ija_ > _ea_) fasst Bruckner, Sprache der Langobarden S. 78 diese
Erscheinung auf. Nach dem überlieferten Tagnamen _Frígedæg_ hiess
die Göttin bei den Angelsachsen _Frig_. Zum Namen vgl. Müllenhoff,
Denkmäler 2³, 46 f. u. ZfdA. 30, 217. Afries. _frîgendei_, _frîendei_,
mndl. _vrîdach_ zeigt Bekanntschaft der Göttin bei Friesen und
Niederfranken. Mhd. heisst der Tag _frîetac_, _frîtac_, woraus nhd.
_Freitag_. Da der Wochentag übers gesamte wg. Gebiet nach Frija benannt
ist, muss die Göttin auch bei allen Stämmen Verehrung genossen haben.
Im Norden ist Frigg genügend bezeugt, aber kein Friggjardagr; an.
_frjádagr_ ist aus Deutschland entlehnt, Fritzner, Ordbog 1², 486.
Verdächtig aber sind eine Anzahl von Zeugnissen, die man für das
Fortleben des Frijaglaubens im MA. und in der Neuzeit in Anspruch
nahm, so die _Frigaholda_ einer Madrider Handschrift, die J. Grimm,
Kleine Schriften 5, 416 ff. mit der Göttin in Verbindung brachte, vgl.
jetzt dazu Kauffmann, Beiträge 18, 150 Anm., wonach _friga_ vielleicht
Schreibfehler einer Glosse _striga_, und besonders die nach Kuhn und
Schwartz in norddeutschen Sagen noch vorhandenen Namen _frû Frîen_,
_Vrëen_, _Fricke_, _Frëke_ u. s. w., wogegen O. Knoop in Veckenstedts
ZfVolkskunde 2, 449 ff. Verdächtig scheint auch der nordenglische Tanz
mit Anrufung „der vornehmsten Riesen“, die sie Wodan und seine Frau
Frigga nennen, was J. M. Kemble aus dem Mund eines „old Yorkshireman“
gehört haben will; vgl. J. Grimm, Myth. 281. Altdeutsche Namen mit
_frî_- (Förstemann, Namenbuch 2², 582 f.) stehen zum Adj. und dürfen
nicht von der Göttin abgeleitet werden; der Name _Fricco_ (Förstemann,
Namenbuch 1, 419 f; 2², 584 ff.) samt seinen Ableitungen gehört zum
Adj. _frech_ im alten Sinne von kampfgierig, verwegen, kühn und hat
mit der Göttin nichts zu thun. Offenbar ist neben altgerm. _freka_-
eine Ableitung _frikkjan_- anzunehmen; vgl. afz. _frique_, neuprovenz.
_fricaud_, munter, lebhaft. Weil Adam von Bremen für den nordischen
Freyr den Namen _Fricco_ gebraucht, haben J. Grimm, Myth. 278 ff. und
nach ihm andere eine deutsche _Fricca_, der an. _Frigg_, bei Saxo
latinisiert _Frigga_, gegenübergesetzt. Die neuere Lautgeschichte
erweist diese Annahme als irrig, _Frigg_ kann im Deutschen nur _Frîja_,
_Frîa_ heissen, unmöglich _Fricca_. Bei Adam liegt ein Versehen vor.
Er wusste von Freyr, Freyja und Frigg, dazu war ihm der deutsche Name
_Fricco_ geläufig. Daraus kombinierte er das Verhältniss _Freyja_:
_Freyr_ = _Frigg_: _Fricco_. Fricco muss als eine Erfindung Adams
betrachtet werden und darf nun und nimmermehr zum Ausgang sprachlicher
und mythologischer Unmöglichkeiten dienen.
[532] Über Frigg vgl. Vǫl. 34; Lokas. 29; Gylfag. Kap. 9; 20; 35; Frigg
in der Baldrsage Gylfag. Kap. 49. Friggs Beziehung zur Ehe Gylfag. Kap.
35 (SE. 1, 116) und Vǫlsungasaga Kap. 1. Ihre Attribute, Truhe und
Schuhe, sind aus Gylfag. Kap. 35 zu entnehmen, wo es von Fulla heisst:
sie trägt Friggs Truhe und bewahrt ihr Schuhzeug. Im Eingang zum
Grimnirlied heisst Fulla _eski-mær_, d. h. Mädchen, welches die Truhe
(_eski_) einer vornehmen Herrin in Verwahrung hat. Über die Bedeutung
von Friggs Schuhen und Kästchen vgl. W. Müller, Geschichte und System
der altdeutschen Religion S. 276 f. Wenn der Frigg SE. 1, 284 u. 304
ein Falkenhemd zugeschrieben wird, so liegt hier deutlich Verwechslung
mit Freyja vor, nicht ältere Sagenüberlieferung, wonach auch Frigg mit
dem Fluggewand begabt gewesen wäre; vgl. SE. 3, 2, 780 im Index.
[533] Zur Erklärung des Namens Fensalir Bugge, Studien über die
Entstehung der nordischen Götter- und Heldensagen 214 ff.