Unter den Versuchen, den alten und echten Kern, „eine Offenbarung
Odins in seiner ganzen Herrlichkeit und Furchtbarkeit“, herauszulösen,
sind die wichtigsten Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 5, 159 ff.
und Finnur Jónsson, Litteraturs historie 1, 141 ff. Die Einkleidung
des Liedes hält Bugge, Studien 456 für eine Nachahmung der Vindicta
Salvatoris.
[408] Über die Vafþrúþmesmǫ́l Müllenhoff, Altertumskunde 5, 237 ff;
Finnur Jónsson, Litteraturshistorie 1, 137 ff. Der Name _Vafþrúþner_,
der sonst nirgends vorkommt, heisst nach Gudbrand Vigfusson dictionary
673ᵇ u. 747ᵃ „der im Verwickeln, in Rätseln Starke“ und wäre also für
den Inhalt des Gedichtes, das Wettgespräch erfunden; so auch Müllenhoff
a. a. O. 237/8.
[409] Über die Gestsagen vgl. Uhland, Schriften 6, 305 ff.; 7, 321
ff. Die Quellen sind die Hervararsaga Kap. 12; Olafssaga Tryggvasonar
(Heimskringla) Kap. 71; jüngere Olafssaga Tryggvasonar Kap. 197/8
(Fornmanna sögur 2, 138); Olafssaga helga, Anhang in den Fornmanna
sögur 5, 171 ff. Þáttr Tóka Tókasonar (Fornm. sögur 5, 299) und
Nornagests þáttr.
[410] Vǫl. 17/8; Bragar. Kap. 2; Skáldsk. Kap. 5. Vgl. Bugge, Studien
S. 16.
[411] Ulf Uggason nennt die Dichtkunst _Grímnis gjǫf_, SE. 1, 250; den
Dichter _Yggs ǫl-beri_ SE. 1, 466.
[412] Gautrekssaga Kap. 7 _Odinn mælti: ek gef honum skáldskap, at hann
skal eigi seinna yrkja enn mæla_. Entsprechend bei Saxo VI 278 _Othinus
Starcatherum non solum animi fortitudine, seil etiam condendorum
carminum peritia illustravit._
[413] Grimnesmǫ́l 7; Gylfag. Kap. 35; der Name kommt häufig bei den
Skalden vor, bei Kormak corpus poet. 2, 334 und öfters; vgl. Sveinbjörn
Egilsson, Lex. poet. 678. Der Name hat langes _á_, _Sága_, wie der
Genitiv _Ságu_ z. B. in _Ságunes_ Helg. Hund. I, 40 lehrt. Damit ist
jeder Zusammenhang mit _saga_, Gen. _sǫgu_, den J. Grimm, Myth. 863
und Mogk, Pauls Grdr. 1, 1079 behaupten, ausgeschlossen. Sága ist
unerklärlich und mit dem Namen bleibt uns auch ihr eigentliches Wesen,
warum Odin zu ihr geht, verborgen. Wer Saga für richtig hält, denkt
daran, dass Odin geschichtliche Weisheit bei ihr schöpft, dass er
Weisheit trinkt.
[414] Über Mimir Vǫl. 27-29; 46; Sigrdr. 13, 14; Vafþr. 45; Fjǫlsv.
14; Gylfag. Kap. 12; Ynglingasaga Kap. 4; Mimirs Freund heisst Odin
schon bei den Skalden des 10. Jahrhunderts SE. 1, 233 Anm. 19, 238,
240. Über Mimir handelt vortrefflich Uhland, Schriften 6, 197 ff.; vgl.
auch Weinhold, Die Riesen des germ. Mythus (Wiener Sitzungsberichte
26, 1858) S. 243 ff. u. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 5, 101 ff.
Über den Namen, dem kurzes _ĭ_ zukommt und der mit Μέμνων, _memor_
urverwandt ist (ags. _mimor_, _mimerian_) Sievers, Beiträge 6, 286,
314, 354 f.
[415] Odin am Galgen Bugge, Studien 317 ff. Vgl. schon Munch, Das
heroische Zeitalter der nord. germ. Völker S. 22 Anm. 2. Kauffmann,
Beiträge 15, 195 ff. wendet sich gegen die Ableitung aus christl.
Vorstellungen. Seine Ausführungen sind auf ziemlich willkürlich zurecht
gemachter Überlieferung aufgebaut, 140 wird als ursprünglich angesehen
(gegen Müllenhoff, Altertumskunde 5, 270) und dann mit „_prolepsis_“
in den Zusammenhang gezwungen. Die Hauptsache, dass Odin sich selber
opfert und dass der Baum darum Weltbaum ist, findet gar keine
Berücksichtigung. Christlichen Ursprung nimmt auch E. H. Meyer, Völuspa
23 ff. an.
[416] Anspielungen auf den Dichtermet bei den Skalden sammelt Gudbrand
Vigfusson, Corpus poeticum II, 462 f.
[417] Nach dieser Stelle, nach Hǫ́v. 140, ist Odrerir Name des Kessels,
der den Trank aufbewahrt, nach Hǫ́v. 106 ist der Met selber damit
gemeint. Der Name haftet am Kessel auch beim Skald Einar skálaglamm,
wenn er die Dichtkunst als „die Woge Odrerirs“ bezeichnet.
[418] Bragar. 3 u. 4; daher gehören auch Hǫ́v, 13/4:
Über Gastungen schwebt der Vergessenheit Reiher,
Der den Verstand uns stiehlt;
Dieses Vogels Gefieder umfächelte mich,
Als in Gunnlods Grotte ich sass.
Trunken ward ich, ward todtrunken
In des sinnreichen Fjalar Saal;
Am besten ist’s, bringt man vom Trunke
Einen klaren Kopf nach Haus.
Da wird also dem Trank berauschende Wirkung zugeschrieben, worauf
der Name Suttung aus _suþ-þungr_, vom Sud beschwert, betrunken, auch
hinweist. Für Suttung steht hier Fjalar, der [Met]berger, Metbewahrer
(zu _fela_, bergen). Im Grimnirlied 50 hat Odin den Raub des Odrerir im
Auge:
Swidur und Swidrir hiess ich bei Sokmimir
Und täuschte den Thursengreis;
Midwidnirs Sohne zum Mörder ward ich,
Dem Trefflichen, ich allein.
Swidrir und Swidur, der Brennende, heisst Odin als Sonnengott. Bei
Sonnenuntergang kehrt er im Berge ein. Sokmimir, Streiterreger,
ist Suttung, der Berauschte, da im Rausche leicht Streit auskommt.
Midvidnir ist der mit Met Fesselnde. Alle Namen des Riesen, der Odrerir
inne hat, entstammen demselben Gedanken: der Berauschende. Über weitere
mit dem Met zusammenhängende Züge vgl. Noreen, Uppsalastudier 198 u.
205 ff. Kwasir kommt nur Gylfag. Kap. 50 noch einmal vor: er erkannte
als der weiseste der Asen das Netz, das Loki ins Feuer geworfen hatte,
noch in der Asche als Vorrichtung zum Fischfang. Yngl. Kap. 4 erzählt
von der Edda abweichend, die Wanen hätten ihn als den Klügsten in ihrer
Schar den Asen vergeiselt. In Gedichten findet er sich nur bei Einar
skálaglamm aus dem Ende des 10. Jahrhunderts, der die Dichtung „Kvásis
dreyra“, Blut des Kwasir nennt SE. 1, 244.
[419] A. Kuhn, die Herabkunft des Feuers und des Göttertranks. Berlin
1859, S. 138 ff.
[420] Orions Erzeugung Ovid. fast. 5, 495-535; Hygin, fab. 195. Die
Übereinstimmung merkt J. Grimm, Myth. Vorrede XXXIV an. Wenn Simrock,
Myth.⁵ 224 die Übereinstimmung soweit gehen lässt, dass Orion aus
dem Speichel der Götter entsteht, so ist das eigene Erfindung. Die
hässliche Geschichte entstand durch volksetymologische Vergleichung des
Namens Orion, Urion mit Urin.
[421]
_afl gól hann ǫ́som, en ǫlfom frama,
hyggjo Hroptatý._
Zu Thiodreyrir Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 5, 273 ff., der aber
keine befriedigende Erklärung weiss.
[422] Hǫ́v. 44
_nam ek at mǫnnom þeim enom aldrǿnom,
es búa í heimes haugom._
Gering, Edda S. 49 Anm. 6 versteht Tote darunter, was namentlich wegen
Str. 45 angezeigt ist; Mogk, Grundriss 1, 1078 schliesst auf einen Alb,
ein bejahrtes Männlein im Hügel der Erde, einen alten vielkundigen
Zwerg, etwa wie Thjodreyrir.
[423] Bur als Vater Odins, Wilis und Wes begegnet ausser Gylfag. Kap.
6 nur Vǫl. 4 und Hyndl. 31; Buri nur beim Skald Thorwald Blendaskald
um 1120 (Corpus poet. 2, 250); Bestla und Bolthorn Hǫ́v. 140. Über
die Herkunft der Namen Buri, Bur und Vili, Vé (_vé_, Gen. _véa_, Pl.
_véar_ ist das schwache Adj. wie etwa ahd. _ƕîho_, sanctus) aus der
Dreieinigkeit vgl. E. H. Meyer, Völuspa S. 66 u. 81 f.; die eddische
Kosmogonie S. 67 f.; Mythologie 265 f.
[424] Hauptquelle der Odinsnamen sind die Grimnesmǫl 46 ff.; weiteres
bieten die Skaldengedichte und die SE. Versuche, die Namen zu sammeln
und auszulegen bei Finn Magnusen, Lex. myth. 365 ff.; Snorra Edda Bd.
4, 821 f.; viel Gutes bietet Sveinbjörn Egilsson, Lex. poet, unter den
einzelnen Namen. Aus Skaldengedichten stellt Gudbrand Vigfusson, Corpus
poet. 2, 461 f. einiges zusammen.
[425] Detter, Beiträge 18, 202 f. stellt Odins Name _hár_ zu got.
_haihs_, einäugig (vgl. got. _faihs_, ahd. _fè_, an. _fár_). Hár ist
also der einäugige Gott. Die spätere Zeit missverstand _hár_ (got.
_hauhs_) und deutete _hávi_, der Hohe.
[426] Hyndl. 2 u. 3. Die Sage von Hermod ist nicht überliefert.
Wahrscheinlich kommt ihr hohes Alter zu. In den Hǫ́konarmǫ́l ist Hermod
in Walhall und begrüsst mit Bragi den König. Bei Baldrs Tod wird
Hermod, der ein Sohn Odins heisst, zur Hel entsandt, Baldr loszubitten;
Gylfag. Kap. 49. In den ags. Stammtafeln steht Heremod unter Wodans
Ahnen. Im Béow. 902 ff. u. 1710 ist Heremod ein dänischer König, in der
Jugend durch Gottes Gunst über alle Helden erhoben, im Alter aber so
unmild und blutgierig, dass ihn die eignen Leute verliessen. Die Sage
wurde also bereits von Angeln oder Jüten nach Britannien geführt. Wie
den Sigmund betrachtete die Sage auch Hermod als Abkömmling Odins. Der
Gott begabte ihn und nahm ihn am Ende seiner Laufbahn nach Walhall.
[427] Heimdallr, die schwache Form Heimdali in der Vísa der Grettissaga
(Islendinga sögur 1, 231). Der Name zerlegt sich in _heimr_, Welt und
*_dallr_, ein verlorenes an. Eigenschaftswort, das im Ags. _dealt_,
stolz, berühmt erhalten ist; so Bugge, norrœn fornkvæði S. 68; J.
Grimm, Myth. 3, 81. Als lichtester der Götter wird Heimdall in der
Þrymsk. 14 bezeichnet:
Þá kvaþ þat Heimdallr, hvítastr ása,
visse vel fram sem vaner aþrer.
Man darf nicht übersetzen: „Er wusste wol die Zukunft wie andre
Wanen“ und schliessen: also war Heimdall eigentlich ein Wane (Mogk,
Grdr. 1, 1057), sondern „wie sonst die Wanen“, eine Konstruktion, die
bekanntlich im Griech. ganz gewöhnlich ist; vgl. Gering, Glossar S.
8 s. v. _annarr_. Heimdall heisst auch _Vindhler_ SE. 1, 266 u. 500,
d. h. der den Wind stillt. Unklar ist sein Name _Hallinskíđi_ SE. 1,
100. Seltsamer Weise stehen die Namen _Heimdali_ und _Hallinskíđi_ auch
unter den Bezeichnungen des Widders (SE. 1, 589 u. 588), ohne dass ein
Grund dafür ersichtlich ist. Über Heimdall Uhland, Schriften 6, 14;
Müllenhoff, Schmidts Zeitschr. f. Geschichte 8, 250 ff.; ZfdA. 30, 245
ff.
[428] Kögel, Indogerman. Forschungen 4, 313 erklärt _hai-mo_ als
_m_-Ableitung neben _hai-do_, Glanz, _hai-dro_, glänzend, heiter. Vgl.
fries. _hêmliacht_, Hell-Licht; somit ist Heimdallr der Hellstrahlende,
nicht der über die Welt Strahlende.
[429] So erklären E. H. Meyer, Myth. 228 und Noreen, fornnordisk
religion, mytologi och teologi S. 7 den Gott.
[430] Nach Ulf Uggason, Húsdrápa und Gylfag. Kap. 49.
[431] Gylfag. Kap. 27.
[432] Himmelberge sind hohe, in die Wolken reichende Berge, oft als
Eigennamen wie an. _himinfjǫll_, altdeutsch _himilinberg_, Himmelsberg
u. a. Vgl. J. Grimm, Myth. 2, 662 Anm.
[433] Lokas. 48.
[434] Vǫl. 27, wozu Bugge, Studien 579 und Vǫl. 46.
[435] Über die Bedeutung des Wortes _nadd-gǫfugr_, eigentlich berühmt
durch Spitze (_naddr_ bedeutet eine kleine Spitze oder einen spitzen
Keil, dann Nagel, Geschoss u. s. w.) Roediger, ZfdPh. 27, 8 f.
[436] Str. 39 ist ins Hyndlalied eingeschaltet aus dem zweiten
Gudrunlied 22. Dort passen die Verse allein, da darin von den
Bestandteilen eines Zaubertrankes die Rede ist. Damit fallen alle
mythologischen Deutungen von selbst.
[437] Str. 40 ist stark verderbt. Sie kann auch auf Thor gehen, als
Sohn der Jǫrð (_sá vas aukenn jarþar megne_) und Gemahl der Sif (_sif
sifjaþan sjǫtom gǫrvǫllom_).
[438] Die Töchter der Ran SE. 1, 500; ihre Namen sind freilich
von denen der Heimdallsmütter durchaus verschieden. Über den
Seemannsglauben der heutigen Isländer Jón Árnason, þjóðsögur 1, 660;
deutsch bei Lehmann-Filhés, Isländische Volkssagen, Neue Folge, Berlin
1891, S. 35. W. Müller, Geschichte und System der altdsch. Rel. S. 229
deutete zuerst die Heimdallsmütter als Töchter der Ran, was Müllenhoff,
Schmidts Zeitschrift f. Geschichte 8, 251 billigte.
[439] Im sögubrot af nokkrum fornkonungum Kap. 3 (Fornaldar sögur 1,
373); auch im Corpus poeticum boreale 1, 125. Kauffmann, Beiträge 18,
173 knüpft weitgehende Folgerungen daran. Nach Bugge, Studien 37 Anm. 1
muss statt „_heimdallr_“ „_havđr_“ gelesen werden; Hod, Baldrs Bruder
sei gemeint.
[440] Skáldsk. Kap. 8 SE. 1, 264.
[441] SE. 1, 268.
[442] ZfdA. 30, 228.
[443] Über Heimdalls Schwert SE. 1, 100; 264; 538; zur Deutung
Müllenhoff, ZfdA. 30, 252 ff., wo folgender Wortlaut als ursprünglich
angesetzt wird: [_Heimdallar sverđ hǫfuđ heitir, svá er sagt, at hann
var lostinn manns hǫfđi igǫgnum._] _um þat er kveđit í Heimdallar
galdri, ok er siđan kallat hǫfuđ miǫtuđr Heimdallar: sverđit heitir
manns miǫtuđr._
[444] In der erst um 1300 niedergeschriebenen, mit romantischen und
fabelhaften Bestandteilen versetzten Grettissaga, in welcher auch die
vísur meist jung sind, heisst es: _verđ ek Heimdala at hirđa hjǫr;
bjǫgom svá fjǫrvi_. Die fragliche Strophe, da sie auch in der Landnáma
(Islendinga sögur 1, 231) steht, ist aber vermutlich eine der wenigen
älteren. Vgl. Gudbrand Vigfusson, Corpus poet. bor. 2, 114.
[445] Vǫl. 1 bittet die Wolwa um Gehör _allar helgar kinder meire
ok minne mǫgo Heimdallar_. Über die Rigsþula Finnur Jónsson,
Litteraturshistorie 1, 186 ff.
[446] So J. Grimm, Myth. 3, 81; Bugge, Studien 17 behauptet: St.
Michael wird zu Heimdall umgewandelt, ohne den Gedanken weiter
auszuführen. Die Deutungen E. H. Meyers, Völuspa 17, 21, 26 treffen
schwerlich das Richtige; doch verdient die Vergleichung der Geburt
Heimdalls mit der Christi Beachtung. H. Falk, aarböger f. nord.
oldkyndighed 2, 6 (1891), S. 270 Anm. glaubt, man habe Heimdall mit
einem Widderkopf sich vorgestellt. Deshalb heisse der Widder auch
_heimdalli_ und andererseits der Gott nach dem Widder _hallinskiđi_.
Des Widders Haupt ist seine Waffe, sein Schwert, daher ist „_hǫfuđ
Heimdallar sverđ_“. Der widderköpfige Heimdall ist dem _corniger
Ammon_, dem gehörnten Juppiter, nachgeahmt.
[447] Eine idg. Wurzel „_bhal_“ liegt im griech. φαλός und φάλιος,
weiss, glänzend, vor und bildete wol auch ein germanisches Adjektiv
*_balaȥ_, got. *_bals_, in der schwachen Form _bala_ als Rossname wie
griech. φάλιος gebräuchlich. Vgl. den Rossnamen „_belche_“=_bläss._
Im Ags. begegnet _Bældæg_, heller Tag. Ein idg. _bhaltos_ 1) hell,
schimmernd, glänzend; 2) schnell, kühn, zeigt sich in lit. _baltas_,
weiss, germ. _balþaz_, kühn. Aus _bhal-tṛ́_ wird germ. _balđr_, der
Leuchtende, Licht verbreitende. Ob in dem German. _balđr_ die beiden
Bedeutungen „hell“ und „schnell“ vorlagen, woraus der kühne Lichtgott
und der Fürst (an. _baldr_, ags. _bealdor_) unabhängig erwuchsen, ob
der Göttername in der ags. und an. Dichtung zum Hauptwort für König,
Fürst herabsank, lässt sich nicht sagen. Vgl. E. Schröder, ZfdA.
35, 237 ff. Die Wurzel zeigt sich germ. in mehreren Ableitungen: 1)
_bhal-os_, φαλός, _balaȥ_, got. _bala_, ags. _bæl_, ahd. _bal_, _pal_
in Eigennamen; 2) _bhal-nós_ in Eigennamen wie _Ballo_, _Ballomer_; 3)
_bhal-tos_, lit. _baltas_, germ. _balþaȥ_, got. _balþs_, an. _baltr_,
ahd. _bald_; 4) _bhal-tṛ́_, germ. _balđr_, an. _baldr_, ags. _bealdor_,
ahd. _balder_. Zur Baldrsage kommt vor allem die Schrift von Bugge,
Studien über die Entstehung der nordischen Götter- und Heldensagen,
München 1889, S. 34/313, auch wenn man ihren Ergebnissen nicht
beipflichtet, als die wichtigste und wertvollste sagengeschichtliche
Arbeit in Betracht.
[448] P. E. Müller in der Ausgabe des Saxo S. 120 führt an, die
dänische Volkssage dieses Jahrh. lasse den Quell dadurch entspringen,
dass Balders Pferd mit seinem Hufe scharrte. Vgl. Thiele, danske
folkesagn 2, 341.
[449] Grímn. 12.
[450] Gylfag. Kap. 22; nach Bragar. Kap. 2 darf Skadi einen der Götter
zum Manne wählen, aber nur die Füsse sehen. Sie nimmt den mit den
schönsten Füssen, in der Hoffnung, es sei Baldr. Es ist aber Njord.
[451] Über das Alter von Baldrs Draumar vgl. Finnur Jónsson,
Litteraturshistorie 1, 148.
[452] _Hotvetna grét--býsn þótti þat--Baldr ór helju_, Hrafns saga
biskups in biskupa sögur 1, 648; _grátaguđ_, „den beweinten Gott“,
nannten die Skalden Baldr nach SE. 1, 260; im Lied auf Ivar Viðfaðmi
(Fornaldar sögur 1, 373) ist Baldr der, den alle Götter beweinten.
[453] Vafþr. 54; ebenso fragt Odin-Gest König Heidrek in der
Hervararsaga (Bugges Ausgabe S. 263).
[454] _Hverr es Halfdán Snjalli međ ásom? hann vas Baldr međ ásom es
ǫll regin gréto_; Fornaldar sögur 1, 373; Corpus poetieum 1, 124.
[455] Gylfag. Kap. 49; Bugge, Studien S. 51 Anm. stellt aus Friggs
Worten zwei Halbstrophen her:
_Munat vǫ́pn Baldri_ _vex viđar teinungr_
_né viđir granda,_ _fyr vestan hǫll,_
_hefk af ǫllum_ _ungr sá þottumk_
_eiđa þegua._ _eiđs at krefja._
[456] Sakses oldhistorie, norröne sagaer og danske sagn, Köbenhavn
1894, S. 13 ff.
[457] Nanna zu an. _nenna_, got. _nanþjan_, ahd. _ginenden_, wagen; so
erklärt J. Grimm, Myth. 202. Vgl. Bugge, Studien 178. Vom selben Stamm
sind die deutschen Namen _Nando_, _Nandger_, _Nandƕin_, _Nandung_,
_Ferdi-nand_ gebildet. Nanna erwähnt der Skald Kormak, Corpus poet. 2,
S. 64. 25 u. 66, 75. Vǫl. 31 heissen die Walküren _Herjans nǫnnor_,
wodurch ebenfalls der Name Nanna vorausgesetzt wird.
[458] Christliche Einflüsse im isländischen Baldrmythus erweisen Bugge,
Studien S. 34 ff.; E. H. Meyer. Völuspa S. 137 ff.; 157 ff.; 198; 220.
[459] _Mistelteinn_ als Schwertname in SE. 1. 564; Hervararsaga,
Bugges Ausgabe S. 206; Hromundarsaga (Fornaldar sögur 2, 371); in
Zusammensetzungen bedeutet „_tein_“ häufig Schwert, wie _benteinn_,
_bifteinn_, _eggteinn_, _hjǫrteinn_, _hræteinn_, _sárteinn_, _valteinn_.
[460] Beiträge 18, 82 ff.; 19, 495 ff.
[461] Studien 83 ff. Vgl. namentlich S. 153 die Zusammenstellung der
beiderseits entsprechenden Züge.
[462] Mythologie 82 ff.
[463] Ortsnamen in den nordischen Ländern und sonstige Spuren, die auf
Bekanntschaft mit der Baldrsage hinweisen, verzeichnet Bugge, Studien
287 ff.
[464] Mythologie 581.
[465] Im Formáli Kap. 10SE. 1, 26 _annar son Óđins hét Beldeg,
er vér kǫllum Baldr_. Im Kap. 9 wird auch richtig Oðin mit Woden
zusammengestellt. Während fast alle Forscher Baldr und Bældæg als
gleich betrachten, was namentlich E. Schröders Erklärung ZfdA. 35, 237
ff. erhärtet, leugnet Bugge, Studien 312/3 jeden Zusammenhang.
[466] _Paltar_ belegt J. Grimm, Myth. 201 aus Meichelbeck, Historia
Frisingensis I, 2 Nr. 450, 460, 611 und Myth. 3, 78 aus Monumenta
boica 9, 23 und 837; _Baldor_ servus Polypt. de S. Remig. 55ᵃ. Der
Ortsname Baldebrunno (Myth. 207) gehört nur, wenn man „bessert“ in
Baldersbrunno, zum Gott. Jüngere Namen mit Balder können aus älterem
Baldheri stammen, Myth. 201 Anm.; 1210.
[467] Die Göttlichkeit Balders vertritt J. Grimm, Myth. 201 ff. und
nach seinem Vorgang nahm man allgemein Balder in diesem Sinn. Dagegen
erklärte Bugge, Studien 303 ff. „_demo balderes volon_“, dem Fohlen
des Herrn mit Zustimmung Kauffmanns, Beiträge 15, 207 und Steinmeyers,
Müllenhoff-Scherer, Denkmäler, 3. Aufl., 2. Band S. 47. Die Auffassung
Grimms brachten E. Schröder, ZfdA. 35, 237 ff. und Gering, ZfdPh. 20,
145 ff. wieder zu Ehren. Vgl. auch F. Losch, Balder und der weisse
Hirsch, Stuttgart 1892; hierzu R. M. Meyer, AnzfdA. 19, 209 ff. Den
Strassburger Blutsegen (Müllenhoff-Scherer, Denkmäler Nr. IV, 6 mit
den Anm. in Band II S. 52 ff.) stellt Kögel, Geschichte der deutschen
Litteratur I, 1, 262 ff. so her:
_Genzan unde Jordan giengen sament scôzzôn,
thô verscôz Genzan Jordane the sîtun.
Vrô unde Lâzakêre giengen fold petrettôn:
verstände thiz pluot stant pluot fasto._
Eine Parallelfassung des Spruches setzt Christ und Judas für Genzan und
Jordan. In der Heidenzeit sollen Balder und Hadu dafür gestanden sein.
Damit werde die Baldersage für Deutschland bezeugt. Balder ward in der
Seite verwundet. Vrô und Lâzakêre wurden entsandt, um Erde zu betreten.
Das Rasenstück, auf die Wunde gelegt, stillte das Blut. Das ist
natürlich alles sehr ungewiss und darf zu keinen bindenden Schlüssen
über deutschen Götterglauben verführen.
[468] Ortsnamen mit Phol J. Grimm, ZfdA. 2, 252 ff.; Myth. 206 ff.;
3, 79; dass die Ortsnamen mit Pfahl (oder auch Pfuhl) zusammenhängen,
ist sehr wol möglich; vgl. W. Arnold, Ansiedlungen und Wanderungen
deutscher Stämme, Marburg 1877, S. 22. Apollo-Balder erklärt Gering,
ZfdPh. 26, 146. Hierzu noch Kauffmann ebd. 26, 456 ff. und Gerings
Erwiderung S. 462 ff. In Phôl, Pôl, erkennt Bugge, Studien 301, den
Apostel Paulus. An Vol denkt Scherer bei Mannhardt, Myth. Forschungen
(in Quellen und Forschungen 51, XXVII); als Nom. Sing. zum Gen. Volla
nimmt Kauffmann, Beiträge 15, 208 ff. das Wort. Aber die Göttin könnte
kaum vor Wodan genannt sein, ebensowenig die Vol als Frija (Bugge,
Studien 305). Zu Phol. vgl. noch von Grienberger, ZfdPh. 27, 453 ff.
[469] Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur 91 f.
[470] Die Sage von Baltram und Sintram bei den Brüdern Grimm, Deutsche
Sagen Nr. 220; Wackernagel, ZfdA. 6, 158; vgl. dazu Müllenhoff, ZfdA.
12, 329 und 353; Bugge, Studien 310 f.
[471] Laistner, Nebelsagen, Stuttgart 1879, S. 196 ff.
[472] Forseti ist nur Grímn. 15 und Gylfag. Kap. 32 mit den oben
angeführten Worten erwähnt, sonst völlig unbekannt. Bugge, Studien 290
Anm. 2: „Der Hofname _Forsetelund_ in Onsö, Smaalenene (Matr. 119), _í
Fosætte lundi_ Röde Bog S. 515, deutet auf Verehrung des Forseti hin.
Er kann von den Norwegern gekannt und verehrt worden sein, ehe er zu
Baldrs Sohn gemacht wurde.“
[473] Der Gott hiess nach Alchuine _Fosite_, die Insel _Fositesland_.
Altfried hat _Fosetesland_, Adam von Bremen _Fosetisland_. Da beide
aus Alchuine schöpfen, ist unsicher, wie der Name eigentlich lautete,
_Fosite, Fosete, Foseti_. Will man mit J. Grimm den Namen zum
nordischen Forseti halten, so kann nur alter Schreibfehler angenommen
werden. Denn Forsete konnte sich lautlich nicht zu Fosete entwickeln.
Richthofen, Untersuchungen über friesische Rechtsgeschichte, 2. Teil,
Berlin 1882, S. 434 f. Die Ansicht Grimms von der Zusammengehörigkeit
des Forseti und Fosete wird allgemein geteilt, besonders von
Müllenhoff, Altertumskunde 5, 39 und Mogk, Pauls Grundriss 1, 1066.
Kauffmann, Beitr. 18, 181 äussert Bedenken. Zu Forseti: Fosete vgl.
das norwegische _í Fosætte lundi_ bei Bugge, Studien 290 Anm. 2. F.
Buitenrust Hettema, in tijdschr. v. ned. taal- en letterkunde 1893,
S. 281-288, führt den Fosete, Fosite, Foste (letztere Form entnommen
aus den „_delubra Jovis et Foste_“ in der um 1400 gefälschten _vita
Suiberti_) auf _Donar fôsite_, Donar, den Furchtbaren, zurück. _Fôsite_
sei zu schwed. _fasa_, ags. _fésian_, „schaudern“ und zu dem Namen der
_Fosi_ (Tac.) an der Elbe zu stellen.
[474] Der heilige Willebrord wurde einmal zwischen 690 und 714 nach
Helgoland verschlagen. _Alchuine_ in der _vita Willebrordi_ Kap. 10,
Jaffé, _Bibliotheca rerum germanicarum_ VI, 1873, S. 47 erzählt: _et
dum pius verbi Dei praedicator iter agebat, pervenit in confinio
Fresonum et Danorum ad quandam insulam, quae a quodam deo suo Fosite ab
accolis terrae Fositesland appellabatur, quia in ea eiusdem dei fana
fuere constructa. qui locus a paganis in tanta veneratione habebatur,
ut nihil in ea vel animalium ibi pascentium vel aliarum quarumlibet
rerum auisquam gentilium tangere audebat, nec etiam a fonte qui ibi
ebulliebat aquam haurire nisi tacens praesumebat. quo cum vir Dei
tempestate iactatus est, mansit ibidem aliquot dies, quousque sepositis
tempestatibus opportunum navigandi tempus adveniret. Sed parvipendens
stultam loci illius religionem vel ferocissimum regis animum, qui
violatores sacrorum illius atrocissima morte damnare solebat, igitur
tres homines in eo fonte cum invocatione sanctae trinitatis baptizavit;
sed et animalia in ea terra pascentia in cibaria suis mactare
praecepit. quod pagani intuentes arbitrabantur, eos vel in furorem
verti vel etiam veloci morte perire; quos cum nihil mali cernebant
pati, stupore perterriti regi tamen Rabbodo quod videbant, factum
retulerunt. qui nimio furore succensus in sacerdotem Dei vivi suorum
iniurias deorum ulcisci cogitabat, et per tres dies semper tribus
vicibus sortes suo more mittebat, et numquam damnatorum sors, deo vero
defendente suos, super servum Dei aut aliquem ex suis cadere potuit;
nisi unus tantum ex sociis sorte monstratus et martyrio coronatus est._
Danach Altfried in der _Vita Liudgeri_ I Kap. 19. Liudger zerstörte
die dem Fosete erbauten Tempel und errichtete statt ihrer Kirchen; aus
der heiligen Quelle taufte er die Bewohner der Insel. Das geschah nach
785. Die Kirchen hatten keinen Bestand. Nach Adam von Bremen 4. Kap.
3 ist Fosetisland Helgoland (Heiligland). Erst in den Tagen Adalberts
von Bremen (1072) sei es entdeckt und durch Erbauung eines Klosters zum
Wohnsitz für Einsiedler gemacht worden.