Sprachen. Freyr weist auf urgerm. _fraujaz_; neben der starken Form,
welche der Göttername bewahrt, steht sonst die schwache, das Thema
_fraujan_, im got. _frauja_ as. _frôio_ ags. _frígea_, daneben
Ableitungen ohne j (Kluge, Nominale Stammbildungslehre der altgerm.
Dialekte, Halle 1886, § 14) ags. _fréa_ as. _frô frao_ ahd. _frô_.
Das Wort wird dem weltlichen Herrn, mit Vorliebe aber Gott beigelegt.
Wulfila übersetzt κύριος damit. Vgl. Kluge, Etymol. Wb. unter „frohn“.
Eine neue Deutung schlägt Kögel (ZfdA. 37, 272) vor. Der Göttername
urgerm. _*Fraƕias_, an. _Freyr_ ist von dem adj. _fraƕa-_ froh, heiter,
sanft abgeleitet, wie sanskrit Bhavya von Bhava. Nur diese Ableitung
wird dem Wesen des Gottes, in dem die milde, wärmende Frühjahrssonne
verkörpert ist, völlig gerecht. Dagegen ist got. _frauja_ Herr nebst
dem entsprechenden Femin, ahd. _frouƕa_ (aus _frauƕjâ_) fern zu halten.
_frauja_ ist eine Steigerungsform zu _*fraƕa_, ahd. as. _frô_ ags.
_fréa_ Herr; dieses adj. _*fraƕa_ ist wurzelverwandt mit aind. _pûrva_
der vordere, got. _fruma_ der erste. Der Gleichklang von _fraƕa_ froh
und _fraƕa_-Herr beruht also auf Zufall.
[183] Zu idg. _nertu-_ Fick, Vergleichendes Wb. d. idg. Sprachen I, 4.
Aufl. 98, 503; Kauffmann, Beiträge 18, 145. Ältere Erklärungsversuche
stellt Schade. Altd. Wb. I, 645 zusammen. Kögel, Gesch. d. deutschen
Litt. I, 1, 22 und Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre 209 vergleichen
Nerthus mit νέρτεροι, „die Unterirdischen“, νέρτατος u. Ä.
[184] Über den Zusammenhang von Nerthus mit Njord-Freyr u. über die
Wanen Uhland, Schriften 6, 150 ff.; 7, 494 ff. Müllenhoff, Schmidts
Zeitschrift f. Gesch. 8, 227 ff.; Deutsche Alterthumskunde 5, 1, 39
ff., 95 ff.; Weinhold. Über den Mythus vom Wanenkrieg, Sitzungsberichte
der Berliner Akademie 1890, S. 611 ff. Spuren vom Wanenkrieg glauben
Detter und Heinzel, Beiträge 18, 542 ff. in mehreren Erzählungen Saxos
nachweisen zu können. Ganz anders erklärt H. E. Meyer, Völuspa. S. 93
ff. den Wanenkrieg aus christlichen Vorstellungen.
[185] Njord heisst _vananiđr_, _vanr_ Skáldsk. Kap. 6; Vafþm. 39,
In Wanaheim ward er von weisen Mächten geschaffen,
und als Geisel den Göttern gesandt;
doch dereinst wird er kehren am Ende der Welt
zu den weisen Wanen zurück.
Freyr heisst _vaningi_ Skírn. 38; _vanaguđ_ Skáldsk. Kap. 7; Freyja
_vanadís_ Gylfag. Kap. 35; Skáldsk. Kap. 20 _vanagođ_; ebenda Kap. 37
_vanabrúđr_. Sonst steht der Ausdruck noch in der Ynglingasaga.
[186] Im Heliand begegnet ein Adj. _ƕanum_, hell, glänzend, dazu
Adv. _ƕanamo_ und Subst. _ƕanamî_. Vielleicht gehören dazu die ahd.
Eigennamen _Wanine_, _Wanilo_, mit Umlaut _Wenilo_, _Wenila_. Ob
_ƕänum_ oder _ƕânum_ anzusetzen ist, darüber gehen die Ansichten
auseinander. Entweder gehören die nord. _vanir_ oder das an. _vænu_,
schön dazu. Zum Wort J. Grimm, Gött. gel. Anz. 1831 n. 8, S. 74;
Geschichte der ds. Spr. 653 f.; Vilmar, Deutsche Altertümer im Heliand,
Marburg 1845, 17 ff.; Müllenhoff, Schmidts Zeitschr. 8, 240; Behaghel,
Germania 21, 143; Sievers, Heliand S. 505 zu 168 u. S. 539 zu 5766. Aus
den verwandten Sprachen bietet sich zum Vergleich _Venus_, _venustus_,
sanskrit _vanas_, Reiz, Wonne. Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre,
Strassburg 1894, S. 50 u. 53 zieht aind. _vanam_, Wasser heran, ags.
_ƕos_ an. _vás_ (aus _ƕans_) Nässe und erklärt Vanir als Seegötter. Der
altschwedische Seename _Væ̂nir_ stehe im Ablaut zu Vanir. Freyr und
Njord als Seegötter wären teilweise wol zu verstehen.
[187] Als Gylfis Verblendung (Gylfaginning) erzählt Snorri seine
nordische Mythologie. König Gylfi wandert nach Asgard, um die Macht
der Asen zu erkunden. Diese, welche seine Ankunft voraus wussten,
machten ihm als Blendwerk eine hohe Halle vor. Von drei Männern auf
drei Hochsitzen erhält Gylfi Belehrung über die gesamte Göttersage.
Zum Schluss verschwand die Halle mit starkem Getöse und Gylfi sah sich
plötzlich allein auf freiem Feld.
[188] Über Freyr ausser den Skírnismǫ́l Lokas. 35-37; 42-44; Grímn. 5,
43; Hyndl. 31; Sigurþarkv. skamma 24; Gylfag. Kap. 24, 34, 37, 43, 49,
51; Skáldsk. Kap. 3.
[189] Freys Goldhelm bei Munch, norr. gudesagn S. 11; Noreen,
Uppsalastudier 207; Uhland, Schriften 6, 159 ff.
[190] Über Njord Lokas. 34-36; Vafþr. 38, 39; Grímn. 16; Gylfag. Kap.
23, 24; Bragar. Kap. 2.
[191] Vatnsdœlasaga S. 80.
[192] _Uppsalir_ sind die hohen, hochliegenden Säle, wie _Uppland_ die
Hochlande. Dass damit eigentlich die Himmelssäle (vgl. _upphiminn_)
gemeint seien, behauptet Noreen, fornnordisk religion, mythologi
och teologi (Vortrag vom 9. März 1892) S. 8. _Freyr í Uppsǫlom_ sei
eigentlich der Herr im Himmel und diese Bezeichnung verursachte die
feste Anknüpfung des Freysdienstes an Uppsala in Schweden.
[193] _Freys áttungr_ Ynglingasaga Kap. 33; Haralds saga hárfagra Kap.
13; _Freys afspringr_ Ynglingasaga Kap. 23.
[194] Vgl. die Hrafnkelssaga Freysgoða. Über das Ross Faxi
Vatnsdœlasaga Kap. 34; über Eiðfaxi Landnáma III Kap. 8.
[195] Þorðr Freysgoði Landnáma IV Kap. 10; die Freysgyðlingar ebenda
IV Kap. 13 und V Kap. 15; zu Þorgrim Gisla saga Súrssonar hrsg. von K.
Gislason S. 32 und 116. _Freys vinr_ heisst Sigurd in der Sigurþarkv.
skamma 24; _Fréaƕine_ in den ags. Stammtafeln, _Froƕinus_ bei Saxo
Gramm. und in ahd. Urkunden; vgl. J. Grimm, Myth. 192.
[196] Aus dem Strassburger Blutsegen (Müllenhoff-Scherer, Denkmäler
IV, 6), wo die Namen _Vro unde Lazakere_ in einer sonst verderbten
Überlieferung vorkommen, entnimmt J. Grimm, Kl. Schriften 2, 48 eine
Bestätigung des Frokultes; vgl. dazu MSD. II³ 52; Kögel, Gesch. d.
deutschen Litt I, 1, 263 f., wo auch weitere unsichere Vermutungen über
den Mythengehalt des Segens.
[197] Vigaglúmssaga Kap. 9 u. 26.
[198] Brandkrossa þáttr hrsg. von G. Þorðarson S. 59.
[199] Hervararsaga, hrsg. von Bugge, S. 233 u. 332.
[200] In der um 1330 auf Island verfassten ausführlicheren Olafssaga
Tryggvasonar Flateyjarbók I. 337 ff.
[201] In der ausführlichen Olafssaga Tryggvasonar Flateyjarbók I, 400
ff.
[202] Kristnisaga K. 6; Gudbrand Vigfússon, _biskupa sögur_ I 10.
_heldr getu vér at valdi,
vera munu bǫnd í londum,_
_geisar á međ ísi,
ásríki gný slíkum._
Var. (_allríkr Freyr [gný] slíkum._)
Götter sind im Lande, der Fluss geht mit Eis; wir glauben, solchen
Tosens walte der Asen Macht (Var. der allherrschende Freyr).
[203] Haralds saga Hárfagra Kap. 16.
_úti vill jól drekka, ef skul einn ráđa,
fylkir framlyndi, ok Freys leik heyja._
Der tapfere Fürst will draussen (auf Heerfahrt) das Julgelage und die
Festzeit feiern. Man darf nicht übersetzen: Kampf erheben, _Freys leik_
= _Hildar leik_, der Ausdruck steht parallel zu _jól drekka_. Vgl.
Simrock, Myth. 5, 324; H. Petersen, om nordboernes gudedyrkelse og
gudetro S. 88.
[204] Hákonar saga góða Kap. 16; nach der späten isl. Bósasaga Kap. 12
wird Freyjas Minne neben der Thors und Odins getrunken; natürlich liegt
hier Verwechslung vor, eine Formel, die ursprünglich Thor, Odin und
Freyr nannte, schwebt dem Verfasser vor.
[205] Die Eidformel der Ulfljótslǫg nach Hauksbók und Melabók,
Islendinga sögur I 258 u. 334; Ares Isländerbuch, hrsg. von W. Golther,
Halle 1892, S. 32.
[206] Vatnsdæla Saga in den Fornsögur, hrsg. von Guðbrandr Vigfüsson S.
19, 22, 186, 190.
[207] Hallfredarsaga Kap. 5; grosse Olafssaga Tryggvasonar Kap. 154.
[208] Egils saga Skallagrimssonar Kap. 58.
[209] Vafþr. 38 von Njord in einem allerdings vermutlich eingeschobenen
Vers: _hofum ok hǫrgom, hann rǽþr-hundmǫrgom_. Ausser dem schwedischen
und drontheimischen Haupttempel Freys sind auf Island die Ingimunds
im Vatnsdal und Hrafnkells bekannt. Ortsnamen mit Frö und Njord in
Schweden bei Lundgren, språkliga intyg om hednisk gudatro i Sverige,
Göteborg 1878, S. 66 u. 74; in Norwegen bei O. Rygh, minder om guderne
i norske stedsnavne im Anhang zur 2. Aufl. von Munch, norröne gude-
og heltesagn. _Freville_, das 2 mal neben 10 maligem _Turville_ in
der Normandie begegnet, weist auf Frö zurück; Petersen, nordboernes
gudedyrkelse, S. 47.
[210] Die Vígaglúms saga K. 19 berichtet von Vigfúss, der wegen
Todschlags des Landes verwiesen wird. Da er trotzdem in Uppsalir
bleibt, wird er zur vollen Acht verurteilt (_alsekr_). _en þvi skyldu
eigi sekir menn þar vera, at Freyr leyfđi eigi, er hof þat átti er þar
var._
[211] Saxo I (Ausg. von P. E. Müller) S. 50 [Hadingus] _propitiandorum
numinum gratia Frö deo rem divinam furvis hostiis fecit. quem
litationis morem annuo feriarum circuitu repetitum posteris imitandum
reliquit. Fröblod Sveones vocant._ Saxo VIII S. 383 _Sveonum fortissimi
hi fuere: Ar, Backi, Keclu, Karll, Croc agrestis, Guthfast, Gummi
e Gyslamarchia. qui quidem Frö dei necessarii erant et fidissimi
numinum arbitri. Ingi quoque et Oly, Alver, Folki, patre Elrico nati,
Ringonis militiam amplectuntur .... iidem quoque ad Frö deum generis
sui principium referebant._ Saxo XI S. 278 _Starcatherus Sveonum fines
ingreditur. ubi cum filiis Frö septennio feriatus, ab his tandem ad
Haconem Daniae tyrannum se contulit, quod apud Upsalam sacrificiorum
tempore constitutus effoeminatus corporum motus scenicosque mimorum
plausus ac mollia nolarum crepitacula fastidiret._ Saxo III S. 120
_Frö quoque deorum satrapa sedem haud procul Upsala cepit, ubi veterem
litationis morem, tot gentibus ac seculis usurpatum, tristi infandoque
piaculo mutavit. siquidem humani generis hostias mactare aggressus,
foeda superis libamenta persolvit._ Nach Adam von Bremen 4, 27 stehen
im Tempel zu Uppsala drei Götterbilder, Thor als der mächtigste in der
Mitte, links und rechts Wodan und Fricco. _tertius est Fricco, pacem
voluptatemque largiens mortalibus, cujus etiam simulacrum fingunt
ingenti priapo; si nuptiae celebrandae sunt, (sacrificia offerunt)
Fricconi._ Adams Fricco beruht auf einer Namensverwechslung mit Frigg.
Saxo gibt die ostnordische Form _Frö_ für das westnord. _Freyr_,
_Fröyr_, vgl. wn. _dröyma_, _dreyma_, _öy_, _ey_ zu on. _dröma, ö_;
Noreen, Gesch. d. nord. Sprachen § 143 (in Pauls Grundriss I, S. 479).
[212] Zur Erklärung des Namens Yngvefreyr und Ingunarfreyr Noreen,
Uppsalastudier 223.
[213] Munch, Das heroische Zeitalter der nord. germ. Völker, S. 20,
Anm. 2. „Von dem Ing oder Ingwi haben vermutlich alle ingwinsche oder
gotische Fürstengeschlechter ursprünglich ihre Herkunft abgeleitet,
wie es auch nicht an Beispielen fehlt, dass der Name mehr als einem
Geschlecht beigelegt worden ist.“
[214] Lokas. 43-46; 56. _byggwir_ bedeutet Anwohner; Zusammensetzungen
wie _hrein_-, _jarđbyggvir_ u. a. Sveinbjörn Egilsson, lex. poet.
89; _beyggvir_ stellt man zu _beygja_, biegen. Die natursymbolische
Auslegung bei Uhland Schriften 6, 96 (Bieger und Biegung sind
Sommerlüfte, die nur leicht und schmeichelnd Gezweig und Halme biegen)
und Müllenhoff, ZfdA. 7, 420 (Bieger und Buckel, Windgottheiten, die
gleichmässige Senkung und Erhebung der Wellen andeutend) ist doch zu
wenig begründet. Byggwir und Beyla sind nach Sievers, Beiträge 18, 583
f. „Herr Gerstenkorn und Frau Bohne“, eine passende Dienerschaft des
Fruchtbarkeit spendenden Freyr.
[215] Skírnesǫ́l; daraus Gylfag. Kap. 37. Vgl. Uhland, Schriften 6, 417
ff.; Niedner, ZfdA. 30, 132 ff.; Finnur Jónsson, Litteraturs historie
I, 171 ff.
[216] Zu Freys Kampf mit Beli vgl. die Vermutungen Detters in den
Beiträgen 18, 89.
[217] Die Svipdagsmǫ́l (Groogaldr und Fjǫlsvinsmǫ́l) nach Sijmons, die
Lieder der Edda I. 196 ff. Vgl. Bugge, Danmarks gaml. folkeviser II,
667 ff.; Bugge, forbindelsen mellem Grógaldr og Fjölsvinnsmál oplyst
ved sammenligning med den dansk-svenske folkevise om Sveidal (forhandl.
i videnskabs-selsk. i Christiania 1860); Bugge, norrœn fornkvæði,
Christiania 1867, S. 352 ff.; 445ᵃ. Zur mythischen Grundlage,
Müllenhoff, ZfdA. 30, 219. Zum Liede Finnur Jónsson, Litteraturs
historie, I, 217 ff.
[218] Noreen, Uppsalastudier 208 ff. sucht in mythischen Königssagen
der Schweden einen Nachklang der von ihm anders ausgelegten Göttersage:
der Sonnengott (Freyr, Skirner, Suipdagr, Vanlandi, d. h. der aus dem
Vanenlande, Vísburr) besiegt einen winterlichen Riesen (Frosti, den
Frost, oder den Nordsturm Þiazi, Beli), aber nimmt ein Weib aus ihrem
Geschlecht, das Nordlicht (Gerðr, Menglǫð, Skiǫlf) oder die glänzende
Schneetrift (Drífa) oder den Nordwind (Skaði), doch nur indem er seine
eigenen Gaben, den Sonnenstrahl (das Schwert oder das Halsband) dafür
fahren lässt. Dadurch verfällt er dem Tod. Die geistvollen Deutungen
Noreens haben fast durchweg den Fehler, dass sie allzu einseitig auf
Etymologie begründet sind und daher keine sichere Gewähr besitzen.
[219] Über Njord und Skadi Bragar. Kap. 2; Gylfag. Kap. 23.
[220] Über Hading und Regnild Saxo I S. 50 ff. Das Gedicht lautet:
_Hadingus:_ _Quid moror in latebris opacis,_
_collibus implicitus scruposis,_
_nec mare more sequor priori?_
_eripit ex oculis quietem_
_agminis increvitans lupini_
_stridor et usque polum levatus_
_questus inutilium ferarum_
_impatiensque rigor leonum._
_tristia sunt iuga vastitasque_
_pectoribus truciora fisis._
_officiunt scopuli rigentes_
_difficilisque situs locorum_
_mentibus aequor amare svetis._
_nam freta remigiis probare,_
_officii potioris esset,_
_mercibus ac spoliis ovare,_
_aera aliena sequi locello,_
_aequoreis inhiare lucris,_
_quam salebras nemorumque flexus_
_et steriles habitare saltus._
_Regnild:_ _me canorus angit ales immorantem littori_
_et soporis indigentem garriendo concilat._
_hinc sonorus aestuosae motionis impetus_
_ex ocello dormientis mite demit otium,_
_nec sinit pausare noctu mergus alte garrulus,_
_auribus fastidiosa delicatis inserens,_
_nec volentem decubare recreari sustinet,_
_tristiore flexione dirae vocis obstrepens._
_tutius sylvis fruendum dulciusque censeo._
_quis minor quietis usus luce, nocte carpitur,_
_quam marinis immorari fluctuando motibus._
[221] Die Sage von Frodi Skáldsk. Kap. 8; Frotho bei Saxo Buch II,
Frotho III Buch V, Fridlev Buch VI; über Fruote M. Haupt, Vorrede zum
Engelhart S. XI f. Vgl. W. Müller, ZfdA. 3, 43; Munch, das heroische
Zeitalter der nordgerman. Völker, Lübeck 1854, S. 33 ff.; Uhland,
Schriften I, 99 ff.; 495 ff. Die Namen in den ags. Stammtafeln J.
Grimm, Myth. 3, 386 ff.
[222] Wenn, wie Kögel ZfdA. 37, 272 behauptet, der Gottname Frawias
vom Appellativum got. _frauja_, ahd. as. _frô_, ags. _fréa_ zu trennen
ist, dann machen allerdings die mit Frôi-, Frewi- zusammengesetzten
deutschen Eigennamen den Kult des Frawias wahrscheinlich. Der an.
Freygerð begegnet die deutsche Frewigarda. Die Eigennamen (Förstemann,
Namenbuch 1, 414 ff.) weisen auf die Sitte, nach dem Gotte Kinder zu
benennen.
[223] Der Name lautet ahd. _Donar_, as. _Thunaer_(im sächs.
Taufgelöbniss MSD. Nr. LI, Braune ahd. Lesebuch Nr. XXXXV), ags.
_þunor_. An. ist _þórr_ überliefert; das Metrum verlangt für die
älteren Lieder die unverkürzte Form _þonarr_, Sijmons, Edda I, XXIV;
der Dativ _þonre_ wurde zu _þóre_, durch Formausgleich drang die
einsilbige Form auch in die andern Kasus; Noreen, An. Gr.² § 239, 3;
294, 2. Der german. Grundform _þunaraȥ_ entspricht genau der keltische
_Tanaros_ (aus der Weihinschrift _Jovi Tanaro_ zu erschliessen).
Bei Kelten und Germanen scheint gleichmässig die Vorstellung eines
besonderen Donnergottes entstanden zu sein, während der alte
Himmelsgott, von den Römern durch Mars wiedergegeben, wesentlich die
kriegerische Thätigkeit ausübte; vgl. Much, ZfdA. 35, 372 ff.
[224] Ahd. _donarestag_, bei Notker _toniristag_; ags. _þunres dæg_,
aengl. _þunres dai_, zu _þors- þurs- Thursday_ weiter entwickelt;
an. _þorsdagr_. Belege zu den Formen der einzelnen german. Sprachen
und Mundarten gibt Grimm, Myth. 112 ff. DWB. 2, 1252. So zahlreich
die nord. Eigennamen auf _þórr_ sich darbieten, aus Deutschland sind
nur _Donarpreht_, _Donarad_, _Albthonar_ (Förstemann, Altdeutsches
Namenbuch 1199) nachweisbar. In wie weit die Ortsnamen _Donarsberg_ in
der Rheinpfalz und in Hessen, _Donarsfeld_, _Donarsreut_ (Förstemann,
Altd. Namenbuch II² Ortsnamen S. 1456) mit dem Gott zusammenhängen,
ist zweifelhaft. In England weist Kemble, the Saxons I 347 in Surrey
_þunresfeld_, in Essex _þunresléah_ nach. Über einen alten _Donarsberg_
in Schwaben bei Nordendorf, dem vielleicht Kultbedeutung eignete, vgl.
Henning, Die deutschen Runendenkmäler S. 93.
[225] Auf Inschriften, welche von Batavern herrühren, begegnet zum
Namen Hercules ein germanisches Beiwort: _Herculi magusano_ (3 mal)
_macusano_ (2 mal) _magusan_ (2 mal). Es scheint eine aus einem german.
Dativ _magusani_ latinisierte Form. Ein german. Verbaladjectiv zu
_magan_, vermögen, kräftig sein, liegt zu Grunde: _magusô magusê_, Dat.
_magusani_. Der „starke“ Hercules ist Donar, im Nord, als _þrúþugr
áss_ starker Gott, und Vater des _Magni_ (der Kraft) bezeichnet. Vgl.
Kauffmann, Beiträge 14, 554 ff. v. Grienberger, Beiträge 19, 527 stellt
_magusanus_ zu kelt. _magos_ Feld und leugnet Beziehung zu Magni und
überhaupt zum deutschen Donar. Dass _Hercules saxanus_, den man oft
als germanische Gottheit auffasste, römisch war, erweist E. H. Meyer,
Beiträge 18, 106 ff.; das latein. Beiwort begegnet auch bei der _bona
dea subsaxana_ am Aventin.
[226] Ausser dem _dies Jovis_ wird Juppiter zur Übersetzung von Donar
verwendet in der Vita Bonifacii (MG. 2, 343). _quorum consultu alque
consilio arborem quandam mirae magnitudinis, quae prisco paganorum
vocabulo appellabatur robur Jovis, in loco, qui dicitur Gaesmere,
servis dei secum astantibus, succidere tentavit. cumque mentis
constantia confortatus arborem succidisset, magna quippe aderat copia
paganorum, qui et inimicum deorum suorum intra se diligentissime
devotabant, sed ad modicum quidem arbore praecisa confestim immensa
roboris moles, divino desuper flatu exagitata, palmitum confracto
culmine, corruit, et quasi superni nutus solatio in quatuor etiam
partes disrupta est, et quatuor ingentis magnitudinis aequali
longitudine trunci, absque fratrum labore astantium, apparuerunt. quo
viso prius devotantes pagani etiam versa vice benedictionem domino
pristina abjecta maledictione credentes reddiderunt. tunc autem summae
sanctitatis antistes consilio inito cum fratribus ex supradictae
arboris materia oratorium construxit, illudque in honore S. Petri
apostoli dedicavit._ In den Briefen des Bonifacius (Nr. 25 vom Jahr
723) wird ein _presbyter Jovi mactans_ erwähnt. In Radperts Lobgesang
auf den heiligen Gallus wenden die Bekehrer die Bewohner von Tuggen am
Züricher See vom Donarsdienste ab: (MSD. XII, 3)
_Castro de Turegum adnauigant Tucconium._
_docent fidem gentem: Jouem linquunt ardentem._
Im _indiculus superstitionum et paganiarum_ (Heyne, Ands. Denkm. Nr.
IX) ist die Rede von Wodans- und Donarsopfern: _de sacris Mercurii vel
Jovis_; _de feriis quae faciunt Jovi vel Mercurio_. Für die Franken
ist der _sermo s. Eligii_ († 659) wichtig: _nullus diem Jovis absque
festivitatibus sanctis nec in majo nec ullo tempore in otio observet_.
Grimm, Myth. 3, 402. Über neuen Donnerstags-Aberglauben Wuttke,
Aberglaube § 70.
[227] Tac. Germ. 3 _fuisse apud eos et Herculem memorant, primumque
omnium virorum fortium ituri in proelia canunt_. -- Germ. 9 _Martem
et Herculem concessis animalibus placant._ -- Ann. 2, 12 _Caesar
transgressus Visurgim indicio perfugae cognoscit delectum ab Arminio
locum pugnae; convenisse et alias nationes in silvam Herculi sacram._
Nach Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur I, 1, 17 heisst Donar
wegen seiner Beziehung zur Schlacht, als _primus fortium virorum, *
Wihuȥ_ (ahd. _Wigur_, an. _Véorr_) der Kämpfer. Anders erklärt Noreen,
Arkiv for nord. filologi 6, 306 den Namen, s. unten S. 251 Anm. 2.
[228] Gaismar könnte „Sprudelquell“ (zu _*gîsan_, _gais_ und _mari_),
den hl. See, Opferquell oder Opfersumpf bei der Göttereiche bedeuten;
vgl. J. Grimm. Geschichte der deutschen Sprache 578; Arnold,
Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme, Marburg 1877, S. 114 f.
[229] Auf der Nordendorfer Spange, etwa aus dem 7. Jh. stammend, stehen
die Runen
LOGAÞORE ᛚᛟᚷᚧᛟᚱᛖ
WODAN ᚹᛟᛞᚨᚿ
L ᛚ
WIGIÞONAR ᚹᛁᚷᛁᚧᛟᚾᚨᚱ
Die Götternamen Wodan und Þonar, bei welch letzterem nur das
übergeschriebene L Bedenken erregt, dürfen der Gewandspange des
alemannischen Gräberfeldes wol bestimmt zugewiesen werden. Offenbar
wird ihre Hilfe zu irgend einer feierlichen Handlung erfleht. _ƕîgi_
ist Imperativ zu *_ƕîgian_, weihen, also Þonar, weihe, heilige! *_lôga_
stf. meint Einsetzung, Verheiratung; afries. _logia_ verheiraten,
*_þoren_ (an. _þora_) bedeutet ereilen, ersiegen. Man denke an den
Brauch der Raubehe, die dem kriegerischen Wodan unterstellt gewesen
sein mag, an den Wettlauf um die Braut u. dergl. „Die Heirat ersiege,
Wodan, weihe, Donar!“ Ein alter feierlicher Hochzeitswunsch würde auf
einer Gewandspange, einem passenden Hochzeitsgeschenk sich sehr wol
ausnehmen. Darum verdient Hennings Erklärung immerhin den Vorzug, wenn
gleich ein sicheres und unzweifelhaftes Ergebniss damit nicht erreicht
ist. Zur Nordendorfer Spange Dietrich, ZfdA. 14, 75 f.; C. Hofmann,
Sitzungsberichte der Münchener Akademie 1866 Band 2, 138 ff., 207 f.
Stephens, runic monuments I, 574 ff.; III, 157; Henning, Die deutschen
Runendenkmäler, Strassburg 1889, S. 87 ff. Über die gefälschte
Runenschrift WODANAHAILAG auf der Spange von Kehrlich bei Andernach
Henning, a. a. O. 156.
[230] Kemble, Salomon and Saturnus, London 1848, S. 177 sieht
mythologischen Nachklang im Kampf der Gottheit mit dem Teufel, „_se
đunor hit đrysceđ mid đære fýrenan æcxe_“ der Donner zerschmettert ihn
mit feuriger Axt. Wol liegt ein anschauliches Bild diesen Worten zu
Grunde, der Donner wirft ein Geschoss nieder. Aber es ist fraglich, ob
wir es mit einer poetischen Vorstellung, oder mit einer Erinnerung an
den Hammer werfenden Gott zu thun haben. Im Sinne Kembles entscheidet
auch Stephens, Aarböger f. nord. oldkyndighed 1883, S. 348 f.
[231] _đunurrád_, Donnerfahrt (ags. _râd_, an. _reiđ_, ahd. _reita_,
Wagen, Fahrt, Ritt) wird Psalm 103, 7 _tonitruum (a voce tonitrui
tui, from stefne đunurrâde)_ übersetzt; Stevenson in publications of
the Sursee society 1844, II, 14. Dem ags. _Thunorrád_ vergleicht sich
norweg. _Thorsreia_ J. Grimm, Myth. 3, 62. _Thunorrád_ stellt J. Grimm,
Grammatik 3, 353 zu schwed. _åska_ = _ås-aka_, Asenfahrt. Wenn im
Exeterbuch der Blitz „_rynegiestes wæpn_“ heisst, so darf das nicht als
Waffen des Wagongottes (Kemble, the Saxons in England 1, 347) ausgelegt
werden. Die Stelle bezeugt nur, dass der Blitz als die Waffe eines
persönlich gedachten Gewitterherrn gedacht wurde. Zu _rynegäst_ Grein,
Glossar 2, 386, der an profluvii hospes, Herr des Gewitterregens denkt.
[232] Bei den Ditmarschen sagt man: _nu faert de Olde all wedder da
baƕen unn haut mit syn Ex anne Räd_; Müllenhoff, Sagen, Märchen und
Lieder aus Schleswig-Holstein und Lauenburg Nr. 480. Ebenda S. 447 ein
Riese mit einem von Böcken gezogenen Wagen. Was aus späterem Brauch und
Glauben hergehört, verzeichnet E. H. Meyer, Myth. S. 205.
[233] Vgl. Scherer, Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1885, 577
ff. Müllenhoff-Scherer, Denkmäler, 3. Aufl., bes. von Steinmeyer II
300 f. Da weder Text noch Auslegung und Beziehung auf die Mythologie
sicher sind, verzichte ich auf die Anführung und verweise hiefür auf
die Denkmäler und auf Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur I, 1,
266.
[234] Vgl. besonders Henry Petersen, om Nordboernes gudedyrkelse og
gudetro i hedenold. Kjöbenhavn 1876.
[235] Thorsbilder in der Olafssaga Tryggvasonar (der Heimskringla) Kap.
76; Njálssaga Kap. 89; Olafssaga Tryggvasonar (Fornmanna sögur) Kap.
203; Adam von Bremen 4, 26; Hallfreðarsaga Kap. 6. Flateyjarbók 1, 320
beschreibt das Thorsbild im drontheimischen Haupttempel also: Thor sass
in der Mitte als der meist geehrte. Er war gross und ganz mit Gold und
Silber geschmückt. Thor sass im Wagen, der war sehr prächtig. Zwei wol
gebildete Böcke aus Holz waren davor gespannt. Wagen und Böcke gingen
auf Rädern. Die Hörner der Böcke waren mit Silber überzogen. Alles war
mit wunderbarer Geschicklichkeit gemacht.
[236] Über die Personen- und Ortsnamen, die aus Götternamen gebildet
wurden, Henry Petersen, om Nordboernes gudedyrkelse og gudetro S.
38 ff.; für Schweden Lundgren, språklig intyg om hednisk gudatro i
Sverige, Göteborg 1878; für Norwegen O. Rygh in Munchs norröne gude-ok
heltesagn, ny udgave Christiania 1880. Selbst in der Normandie sind
noch heute 10 _Turville_ und 2 _Freville_ d. h. Thorstad und Freystad
nachzuweisen, Petersen a. a. O. 47 nach dem itinéraire de la Normandie,
Caen 1828. Die Häufigkeit der Anwendung von Thor und Freyr steht da
etwa im selben Verhältniss wie auf Island.