Die Elbe gelten meist als schön und licht, besonders die Elbinnen

sind stets von strahlender Schönheit. Die Snorra Edda unterscheidet

zwischen Lichtelben (_ljósalfar_), die in Alfheim wohnen und schöner

als die Sonne erschimmern, und Dunkelelben (_døkkalfar_), die in

Erdhöhlen hausen und pechschwarz aussehen. Die Elbe sind wolgebildet,

ebenmässig, nur gewöhnlich klein und winzig gedacht, die Erdelben,

die Zwerge aber sind oft hässlich und missgestaltet. Das ags.

Eigenschaftswort _ælfsciene_, elbschön, die nordische Wendung _fríd sem

alfkona_ bezeichnet die vollkommenste weibliche Schönheit. Im Ruodlieb

17, 27 ruft ein gefangener Zwerg seine Frau aus der Höhle herbei,

alsobald erscheint sie klein, aber ausnehmend schön, goldgeschmückt

und prächtig gekleidet (_parva, nimis pulchra, sed et auro vesteque

compta_). Das Elbenvolk war weit schöner als alle Menschen, heisst

es im Sǫgubrot (Fornaldar Sögur 1, 387). Die Wald- und Wasserminnen,

die freilich nach dem Maasse menschlicher Gestalt in den Sagen so

häufig beschrieben werden, entzücken den Beschauer zu heisser Liebe.

Lange, blonde Haare zeichnen die lichten Elbe aus. Leicht vermischen

sich widerstreitende Züge in einer und derselben Gestalt. So beim

+Alberich+ der altdeutschen Gedichte.[84] Im Ortnit 20 ff. ruht er als

kleines vierjähriges Kind von schöner Gestalt und mit ritterlichem

Gewande unter der breitästigen Linde. Der Held wähnt, das Kindlein

mühelos forttragen zu können. Zu seinem Erstaunen erfährt er die

gewaltige Kraft des Elbenkönigs, der sich als seinen Vater zu erkennen

gibt und Ortnit mit Schwert und Brünne beschenkt. Ob zwar an Gestalt

und Antlitz ein vierjähriger Knabe ist Alberich mehr denn 500 Jahre

alt. Auberon, der auf den Ruf des Wunderhornes dem Huon mit einem

grossen Heere zu Hilfe eilt, wird ebenso als klein, aber wunderschön

geschildert. Auberon, vermutlich eine Kurzform zu Auberi, Alberik, ist

aber mit dem deutschen Alberich eins. Im Nibelungenliede dagegen ist

Alberich ein alter, bärtiger Mann, ein hässlicher Zwerg. Der Kobold

Hinzelmann (Deutsche Sagen Nr. 76) mischt sich unter die spielenden

Kinder als ein vierjähriges Knäblein von schönem Angesicht mit gelben,

über die Schulter hängenden, krausen Haaren, in einen Sammetrock

gekleidet. Andern Leuten zeigt er sich in wenig anmutiger Gestalt.

Die Gewandung der Elbe ist teils prächtig, teils auch unscheinbar,

dunkelfarbig, grau, moosfarbig, grün, ihrer jeweiligen Art und Umgebung

angepasst. Die Elbe tragen Mützen oder Kappen, durch welche sie sich

unsichtbar zu machen fähig sind. Ein Kobold heisst Hodeken, Hütchen,

nach seinem grossen Schlapphut. Wer des Albs Kopfbedeckung an sich

reisst, bringt ihn dadurch in seine Gewalt. Laurin und Euglin, die

Zwergkönige deutscher Heldensage, besitzen solche Nebelkappen; Euglin

wirft die seinige über Sigfrid und entzieht ihn dadurch den Augen des

Riesen. Alberich im Nibelungenlied führt eine solche Tarnkappe, die

Sigfrid ihm abgewinnt. Dadurch wird Alberich mit seinem ganzen Reich

dem Helden unterthan. Das Land der Lichtalfen, Alfheim, weist das

Grimnirlied 5 dem Freyr zu. Alfen und Wanen, die in Luft und Licht

wohnen, werden als zusammengehörig betrachtet. Aber die sonstige

Sagenüberlieferung versetzt die Elbe in ein ausgedehntes Reich in

Bergen, wilden und unzugänglichen Schluchten, Hügeln und Klüften,

überhaupt unter die Erde. Dort haben sie ordentliche Wohnung, oft

prächtig ausgestattet, mit Gold und Silber angefüllt. Die Wasserelbe

wohnen unter den Gewässern. Oben auf der Erde haben die Elbe

Lieblingsplätze, Wiesengründe, einsame eingeschlossene Waldgegenden,

besondere Bäume, unter denen sie gerne ausruhen, wie Alberich im Ortnit

unter der Linde. Der Wald ist ja überhaupt von Geistern aller Art,

elbischen und riesischen, bevölkert. Menschen gelangen manchmal in die

unterirdischen Wohnungen der Elbe, wo ihnen die Zeit wundersam schnell

verstreicht. Ein paar Stunden oder Tage, die das Menschenkind bei den

Elben verbracht zu haben vermeint, erweisen sich bei der Rückkehr

zur Oberwelt oft als Jahre oder Jahrzehnte. Die Elbe lieben Tanz und

Spiel. Unermüdlich bringen sie ganze Nächte mit diesem Vergnügen zu,

nur der Strahl der aufgehenden Sonne, den die Unterirdischen scheuen,

zwingt sie einzuhalten und sich zu verbergen. Man erblickt ihre Spuren,

Kreise, die sie ins tauige Gras getreten. Der Jüngling, der den Tanz

der Elbinnen im Mondschein sieht, kann die Augen nicht davon abwenden,

so verführerisch ist er. Wird er aber in den Reigen gezogen, dann

ists um ihn geschehen. Die musikalische Begabung der Elbe gipfelt im

„_albleich_“, im Albliede. Schwedisch heisst die wunderbare Weise

_elfvalek_, Elfspiel, norwegisch _huldreslaat_, Schlag des Huldrevolks,

neuisländisch _ljuflingsmál_, _ljuflingslag_, Weise und Schlag der

Lieblinge d. h. der Elbe. Besonders der Nix ist des Stückes mächtig.

Menschen können das Spiel von den Elben erlernen. Was die griechische

Sage von Orpheus und Amphion erzählt, das berichtet deutsche Sage

vom Albleich. Wenn die Weise ertönt, da horchen alle Wesen auf,

Menschen und Tiere, der Eichwald stillt sein Rauschen, der Strom

seinen Lauf. Der Gesang der Elbinnen ist ebenso unwiderstehlich als

das Spiel der Elbe. Niemand entzieht sich dem süssen sinnberückenden

Zauber solchen Getöns. Die Elbe wissen die Zukunft voraus, so gut

wie sie wissen, was in der Entfernung geschieht. Sie weissagen und

verkündigen bevorstehendes Unglück, wie die Wasserminnen dem Hagen der

Nibelungen Not ansagen. In den Alvísmǫ́l tritt der allwissende Zwerg

Alwis dem Thor gegenüber; er weiss Bescheid in allen Welten und bleibt

auf keine Frage die Antwort schuldig. Die Kunstfertigkeit der Elbe

übertrifft alles, was Menschen zu leisten im Stande sind. Die Zwerge

sind die geschicktesten Schmiede, aus deren Arbeit Kleinode und Waffen

hervorgehen. Die Schmiedekunst wird für gewöhnlich den Zwergen allein

zugeschrieben. Aber Wölund heisst _alfa ljóþi_, _alfa vísi_ d. h.

der Elbe Fürst und Beherrscher. Die Schmiedekunst wird ursprünglich

den Elben überhaupt zugehört haben und erst allmälig den Zwergen

insbesondere überwiesen worden sein. Ihre eigenen Fähigkeiten, ihr

Wissen vergaben die Elbe manchmal an besonders bevorzugte Günstlinge.

Die Elbe können jede Gestalt annehmen. Unter den Menschen erscheinen

sie meistens in menschlicher Grösse. Nixen, die ans Land steigen,

gleichen den schönsten Mädchen, sind auch wie Menschen gekleidet,

nur dass zum Zeichen ihrer Abkunft die Säume ihrer Kleider oder ein

Zipfel daran beständig nass bleiben. Der Hausgeist fliegt als weisse

Feder bei dem Auszug seines Herrn neben dem Wagen her, er entspringt

als Marder oder zeigt sich als Schlange. Sinnesart und Neigungen der

Elbe zeigen eine eigentümliche Mischung von gut und böse, List und

Aufrichtigkeit, sie vereinigen zwei entgegengesetzte Eigenschaften.

Die Elbe sind edel und hilfreich, aber auch äusserst boshaft, im

ganzen halten sie sich in zweifelhafter Mitte, worin der Grundzug

ihres Wesens beruht. Die Elbe necken, höhnen und spotten gerne, ohne

den Menschen dabei eigentlichen Schaden thun zu wollen. So erlustigt

sich ein Kobold daran, die Leute an einander zu hetzen, trägt aber

vorher alle Waffen bei Seite, damit sie sich kein Leid anthun können

(Deutsche Sagen Nr. 76). Auch Alberich im Ortnit äfft und verspottet

unsichtbar die Heiden. Dem Ortnit selber gegenüber kehrt er diese

Seite hervor. Er lockt ihm den wunderbaren Ring, womit er zum Dienst

des Helden verpflichtet ist, ab, macht sich dann unsichtbar, verlacht

ihn und spottet seiner fruchtlosen Drohungen, gibt aber schliesslich

gutwillig den Ring wieder zurück. Die Wichte in den Bergwerken necken

die Bergleute durch unschädliche Steinwürfe; sie rufen, und wenn dann

die Arbeiter herbei eilen, finden sie niemand. Auch vertragen sie das

Werkzeug, bringen es aber mit Lachen und Spotten zurück (Deutsche Sagen

Nr. 35). Die Elbe selber dulden aber keinen Scherz von Seiten der

Menschen, sie werden darüber ernstlich böse. List und Verschlagenheit

zeigt Alberich im Ortnit. Er weiss mit Klugheit alles zu erlangen, so

bringt er Ortnits Ring an sich und stiehlt die heidnischen Schiffe.

In der Þiđrekssaga Kap. 16 heisst Alfrik der grosse Dieb (_hinn mikli

stelari_); er ist der geschickteste aller Zwerge. In der Vǫlospǫ́ 11

wird einem Zwerg der Name Althjof, Alldieb, beigelegt. Die Zwerge

stehlen gern Lebensmittel, Erbsen und Brot (Deutsche Sagen, Nr. 153,

154, 156), aber auch Kinder und Jungfrauen. In der Karlssage heisst ein

berüchtigter Dieb, der die Eier unter den Vögeln wegstiehlt, Elbegast.

Der Name deutet auf einen ursprünglichen Alb. Das Verhältniss der

Elbe zu den Menschen ist bald freundlich, bald feindlich. Die Elbe

sind ein stilles, gutes, friedliches Volk, das auf gute Nachbarschaft

hält. Die Zwerge bei der Stadt Achen entliehen Kessel und Töpfe und

allerlei Küchengeschirr bei den Einwohnern (Deutsche Sagen, Nr. 33),

die bei Quedlinburg borgten ihr eignes Zinnwerk den Leuten zu ihren

Hochzeiten aus (ebenda Nr. 36). Für empfangene Wolthaten und geleistete

Dienste erweisen sich die Elbe erkenntlich. Die Gǫngu-Hrolfssaga Kap.

15 erzählt, wie Hrolf durch einen wunderbaren Hirsch zu einem Hügel

im Walde gelockt ward; der Hügel that sich vor ihm auf, und eine

_alfkona_, eine Elbin, trat heraus, die ihm verwies, dass er ihr Tier

jage, aber zugleich erklärte, dass sie es selbst ausgesandt habe, ihn

heran zu locken. Sie bat ihn sofort, ihr an das Lager ihrer Tochter zu

folgen, die nur ein Mensch aus ihren Geburtsnöten erlösen könne; da

Hrolf ihr folgte und die verlangte Hilfe leistete, erhielt er nicht nur

jenen Hirsch, sondern überdies noch einen Ring, dem die Eigenschaft

inne wohnte, dass sein Träger bei Tag und Nacht sich nie verirren

konnte. Zugleich ward er vor einem ihm drohenden Verrate gewarnt. In

schwerer Gefahr bewährte sich später die Kraft des Ringes (ebenda Kap.

28). Die Elbe machen Geschenke, die, solange sie erhalten bleiben,

dem Eigentümer Glück bringen (Deutsche Sagen, Nr. 35, 71). Oft müssen

diese Gutthaten verschwiegen werden, man darf das Geheimniss nicht

beschreien, das an die Gabe geknüpfte Gebot des Albs nicht brechen,

sonst verliert sie ihren Segen (Deutsche Sagen, Nr. 7). Die Elbe

verlangen von den Menschen namentlich Hilfe bei Geburt ihrer eignen

Kinder. Am häufigsten bezeugt ist die Sage, wie Menschenweiber von

den Elben im Berg oder im Wasser geholt werden, um Hebammendienste zu

leisten. Dass den Elben Heilkraft gegeben war, lehrt die Kormakssaga

Kap. 22. Der Isländer Thorward war von Kormak im Zweikampf schwer

verwundet worden. Sein Befinden besserte sich nur langsam. Wie er

auf den Füssen stehen konnte, ging er zur klugen Thordis und fragte

sie, was ihm am ersten zur Besserung seiner Gesundheit dienlich wäre.

Sie sprach: Ein Hügel ist in geringer Entfernung von da, in welchem

Alfar wohnen. Den Stier, den Kormak als Opfer nach dem Zweikampf

schlachtete, sollst du dir verschaffen, und das Blut des Stieres aussen

um den Hügel streichen, und aus dem Fleische den Alfen ein Opfermahl

bereiten; damit wird es dir besser werden. Thorward befolgte den Rat

und erlangte schnelle Heilung. Der Kobold schliesst sich ans Haus und

seinen Besitzer aufs innigste an und nimmt bei den Menschen Wohnung.

Von ehelichen Verbindungen zwischen Menschen und Elben berichten

zahlreiche ältere und neuere Sagen. Die Elbe sind treu und verlangen

Treue von den Menschen, mit denen sie sich einlassen. Alberich ist

Sigfrid von dem Augenblicke an, wo er ihm Treue gelobt hat, völlig und

aufrichtig ergeben. Alberich im Ortnit bewährt sich ebenso treu und

zuverlässig in hilfreicher That. Im Ruodlieb vergleicht ein gefangener

Zwerg sein Geschlecht mit den Menschen. Die Menschen seien treulos

und darum kurzlebig, während die Zwerge, weil sie redlich seien (_non

aliter loquimur nisi sicut corde tenemus_) und einfache Speisen

essen, lang und gesund leben. Klagend rufen die Zwerge: O wie ist der

Himmel so hoch und die Untreue so gross! und verziehen sich aus der

Gegend (Deutsche Sagen Nr. 148/49). So sehr die Elbe einerseits dem

Menschen sich nähern, so weichen sie auch andrerseits vor ihm zurück.

Glockenschall nahegelegener Kirchen, Reuten der Wälder, neue Hammer-

und Pochwerke, Fluchen und Neckereien der Leute vertreiben sie. Dann

erfolgt ein grosser Auszug der Unterirdischen. Sie schliessen einen

Vertrag mit einem Fährmann ab und werden übergefahren, um niemehr zur

alten Heimat zurückzukehren. Oft nehmen sie Glück und Gedeihen mit sich

fort (vgl. Deutsche Sagen Nr. 153/55). Aus der Bekehrungszeit Islands

bietet sich eine schöne und rührende Alfensage dar. Die Kristnisaga

Kap. 2 berichtet in Kürze: „Thorwald hiess seinen Vater Kodran sich

taufen lassen, der aber zeigte wenig Lust dazu. Zu Gilja stand ein

Stein, welchen die gesamte Verwandtschaft angebetet hatte, und von

dem sie sagten, dass ihr dienstbarer Geist (_ármađr_) darin wohne.

Kodran erklärte, sich nicht taufen zu lassen, ehe er wisse, wer mehr

vermöge, der Bischof oder der Geist im Steine. Hierauf ging der Bischof

zu dem Steine und sang darüber, bis der Stein zersprang; da meinte

Kodran einzusehen, dass der Dienstgeist besiegt sei, und er liess

sich sofort taufen und sein ganzes Haus; nur sein Sohn Orm wollte den

Glauben nicht annehmen.“ Die Thorvaldssaga Kap. 3 führt die Erzählung

mehr ins Einzelne aus. Kodran rühmt von seinem Dienstgeist, er sei

ein Weissager (_spámađr_), der ihm grossen Nutzen bringe; er sage ihm

Ungeschehenes voraus, er warte das Vieh und mache ihn aufmerksam, was

er thun und lassen solle; darum habe er grosses Vertrauen auf ihn und

verehre ihn seit vielen Jahren. Als der Bischof den Stein mit geweihtem

Wasser begoss, kam der Geist in der folgenden Nacht zu Kodran, mit

traurigem Aussehen und ängstlich. Er sprach zu Kodran: Übel hast du

gethan, da du die Leute hieher einludst, die dich zu betrügen vorhaben,

indem sie versuchen, mich aus meiner Wohnstätte zu vertreiben; denn

sie gossen siedendes Wasser über meine Herberge, sodass meine Kinder

nicht geringe Qual von den brennenden Tropfen leiden, die durch die

Decke herabfallen, und obwol dergleichen mir selbst nicht viel thut, so

ist es doch immer hart, die Klagen der Kinder zu hören, wenn sie des

Brennens wegen schreien. Tags darauf setzt der Bischof die Beschwörung

fort. In der Nacht erschien der Geist dem Kodran wieder, aber nicht wie

früher mit hellem, glänzendem Antlitz und herrlichem Gewand, sondern in

einem hässlichen alten Lederkittel und mit finsterem, üblem Aussehen.

Und er sprach: Diese Leute arbeiten eifrig daran, uns beide unsrer

Güter und Vorteile zu berauben, da sie mich von meinem Erb und Eigen

vertreiben, dir aber unsre liebevolle Fürsorge und zukunftskundige

Weissagungen entziehen wollen. In der dritten Nacht wehklagt er: Dieser

schlechte Bischof hat mich um all mein Eigen gebracht, meine Herberge

hat er verdorben, mich mit siedendem Wasser begossen, mir und meiner

Familie busslos mit Brand Schaden gethan und damit mich gewaltsam weit

hinausgetrieben in die Verbannung und Wildniss. Jetzt müssen wir beide

Freundschaft und Zusammenleben brechen. Besinne dich nur, wer von jetzt

an deiner Güter getreulich warten wird, wie ich ihrer bisher gewartet

habe. Damit trennten sich der Geist und Kodran mit Zorn und keiner

Freundschaft.

Es gibt aber auch feindselige, schädliche Elbe, deren Anblick Krankheit

und Tod bringt. Schon der blosse Anblick der Elbe kann Erblindung

verursachen. Mit Schuss und Schlag wissen sie zu schädigen. _Ylfa

gescot_, norw. _alfskud_, dän. _elveskud_ ist die Lähmung, welche ihr

Geschoss hervorruft. Die norweg. _alfkula_, Albkugel ist ein Knäul,

der im Magen des kranken Viehes gefunden wird und von den Elben

dorthinein geschossen wurde. Das berühmte dänische Lied von Herrn

Olaf, der ausreitet, seine Gäste zur Hochzeit zu entbieten, erzählt,

wie die Elbinnen ihn zum Reigen auffordern. Als er sich standhaft

weigert, da am nächsten Morgen sein Hochzeitstag aufdämmere, stösst

ihn die Elbin aufs Herz. Noch nie empfand er solchen Schlag. Er

reitet heim, aber am andern Morgen liegt er tot. Auf den bösen Blick

der Elbin spielt Heinrich von Morungen an. Elbischer Hauch bringt

Gefahr, Elbhauch (norw. _alvgust_, _elfblaest_, schwed. _elfveblåst_)

ist Gliedergeschwulst. Blödsinnige, geistesschwache Leute heissen

Elbentrötsch, ihr Sinn ist durch die Elbe verwirrt. Die verfilzten

Haare der Pferde sind Alp- oder Wichtelzöpfe. Die Krankheiten, die

nach dem Volksglauben als Würmer oder sonstige Parasiten den Leib des

Menschen in Besitz nehmen, heissen geradewegs fliegende Elbe[85].

Angeflogene Geister bringen den Menschen in Siechtum und müssen zu

seiner Heilung wieder vertrieben werden. Schon die oberdeutsche

Bedeutung des Wortes Alp lehrt, dass die Elbe auch den Marendruck

ausüben. Die Elbe tragen nach kleinen, gesunden Kindern Verlangen und

legen an ihrer Statt Wechselbälge in die Wiege. Wer elbische Speise und

Trank berührt, verfällt dadurch den Unterirdischen. Wer in ihr Reich

gelangt, wird überhaupt gerne daselbst festgehalten oder kehrt nur

stumpfsinnig und wahnwitzig, „_elbisch_“, unter die Leute zurück.

Die Elbe bilden ein Volk unter Königen. Darauf weist schon der Name

Alberich, König der Elbe. Im Ortnit trägt er auch Krone und beherrscht

grosse unterirdische Reiche. Im Nibelungenlied ist er ein Dienstmann

der Könige Schilbung und Nibelung. Die deutsche Heldensage weiss

von Zwergkönigen Laurin, Walberan, Goldemar. Alberich und Laurin

kommen auf kleinen Pferden angeritten. Ebenso Euglin, der Zwergkönig

im Seyfridsliede; der jagt auf kohlschwarzem Rosse durch den Tann,

angethan mit herrlichem Seidengewand, das mit Gold besetzt und mit

Zobel verbrämt ist. Auf dem Haupt schimmert eine mit Edelsteinen

geschmückte Krone. Er ist mit seinen Zwergen im Berge dem Riesen

Kuperan zinspflichtig und steht nun Seyfrid im Kampfe gegen den Unhold

mit seiner Nebelkappe bei. Er stärkt ihn mit Speise und Trank und

weissagt ihm die Zukunft. Aber auch Eugel muss erst mit Gewalt dazu

gebracht werden, dem Helden zu dienen. In den Harzsagen ist Gübich

König der Zwerge (Pröhle, Harzsagen² 105), in den Deutschen Sagen Nr.

152 ist Heiling Fürst der Zwerge. Auf Island gab es zwei Alfakönige.

Jedes Jahr musste abwechselnd einer von ihnen in Begleitung einiger

seiner Leute nach Norwegen hinüber reisen, um dem dort herrschenden

Oberkönige über den Zustand seines Reiches Bericht zu erstatten und

selbst gegen etwaige Anklagen seiner Unterthanen zu Recht zu stehen. So

erzählt Finnur Jónsson in seiner _historia ecclesiastica Islandiae_ 2,

368 f.

Die neuere isländische, ebenso die færöische Volkssage haben überhaupt

die Auffassung der Elbe eigentümlich entfaltet. Die _álfar_[86] heissen

auch _huldufolk_, verborgenes Volk, _ljúflingar_, Lieblinge. Sie hausen

in Steinen und Erdhügeln, in Klippen und Schlüften, mitten unter den

Menschen. Ortsnamen auf Island erinnern häufig an ihr Dasein. Sie

sind durchaus menschenähnlich gedacht, auch in Bezug auf Gestalt und

Grösse. Sie führen auch dieselbe Lebensweise wie die Menschen. Sie

werden geboren und sterben, nur dass ihnen eine ungewöhnlich lange

Lebensdauer beschieden ist; sie essen und trinken und belustigen sich

gerne mit Musik und Tanz, zumal in festlichen Zeiten, wo man dann ihre

Wohnungen weithin hell beleuchtet sieht. Sie haben ihr eigenes Vieh von

ganz besonderer Güte; sie rudern in See auf Fischfang, wobei man ihren

Ruderschlag vernimmt und die Spur ihrer Kähne im Wasser sieht. Sie

haben eigene Kirchen und gottesdienstliche Bräuche, ja selbst Bischöfe.

Bei aller Ähnlichkeit bleiben indessen die álfar von den Menschen

scharf geschieden, ihr Gemeinwesen ist von dem menschlichen durchaus

getrennt. Sie selbst sind im Besitz übernatürlicher Kräfte, durch

welche sie den Menschen zu nützen, aber auch zu schaden im Stande sind.

Nur ausnahmsweise werden sie dem menschlichen Auge sichtbar. Sie sind

auf kleine Kinder aus und vertauschen sie vor der Taufe gern mit ihren

Wechselbälgen. Alfmädchen suchen Jünglinge in den Berg zu locken, auch

knüpfen álfar mit Mädchen Liebschaften an. Menschliche Hilfeleistung

verlangen die álfar namentlich bei Niederkunft ihrer Frauen. Dafür

helfen sie wiederum den Menschen, verschaffen ihnen verlaufenes Vieh,

schenken ihnen wunderkräftige Gegenstände und heilen von Siechtum. Den

álfar der neuisländischen und færöischen Volkssage ist namentlich der

Umstand eigentümlich, dass sie nie als klein geschildert werden und

keine Schmiedekunst ausüben, obwol im übrigen ihre Art derjenigen der

Bergelbe, also der Zwerge, entspricht. Auf Island ist Name und Begriff

der dvergar überhaupt verschwunden. Die altnordischen Quellen aber

gedenken der Zwerge oft, ihr Andenken haftet auf Island nur noch an

einigen Ortsnamen wie _Dvergasteinn_, _Dverghól_ u. ä. Auf den Færöern

treffen wir in Lied und Sage (_færösk anthologi_ 2, 326) die _dvörgar_

um so häufiger neben dem sonst gleich geschilderten _huldufólk_ der

_álvar_.

1. Zwerge.

Alle germanischen Mundarten bieten Wort und Begriff „+Zwerg+“ dar,

ahd. _twerg_, mhd. _getwerc_, obds. _zwerch_, mds. _querch_, ags.

_dweorh_, engl. _dwarf_, an. _dvergr_. Germanischer Ursprung des Wortes

ist zweifellos, die Etymologie aber dunkel. Laistner (AnzfdA. 13,

44) denkt an Zusammenhang mit dem starken mhd. Zeitwort „_zwergen_“

drücken und führt somit bereits den Zwergnamen auf den Kreis der

Maren, der Druckgeister zurück; Noreen (Abriss der urgermanischen

Lautlehre S. 224) stellt die Wurzeln _dhuer_ und _dhru_ zu einander

und gewinnt damit gleiche Urbedeutung der Zwerge und Draugen. Die

Zwerge scheinen also Verbindung mit Maren und Seelen zu halten. Die

Zwerge gehören zu den Elben, wie schon die Bezeichnung des Wölund,

des Hauptvertreters zwergischer Kunst, als Alfenfürst, _alfa vísi_

beweist. Snorri meint mit seinen Dunkelelben, mit den _dökkalfar_

ebenso Zwerge. Ihre Eigenschaften wurzeln auch alle in der Art der

Elbe. Die Zwerge erscheinen im Volksglauben vorwiegend als die

kunstreichen Elben, als die Schmiede. Die Zwergsagen fanden ihre

Ausbildung zumeist in Gebirgsländern, wo Bergbau betrieben ward. In der

Ebene ist ihre zwergische Eigenart von der allgemeinen elbischen kaum

unterschieden, auch wird der Name „Zwerg“ selten angewandt, sie heissen

die _Unterirdischen_ und sind die Elbe, die in Hügeln wohnen. Weitere

Benennungen der echten Zwerge, die auf ihre Wohnung und Thätigkeit

zielen, sind _Bergmännlein_, _Bjergfolk_, _Bjergmand_, _Erdmännchen_,

_Erdleute_, _Erdschmiedlein_, _Bergschmiede_. Wichtel, Wichtelmännlein

heissen sie wegen ihrer kleinen, winzigen Gestalt. Die Zwerge sind fast

immer missgestaltig, dickköpfig, alt, graubärtig, höckrig, von bleicher

Gesichtsfarbe (_fǫlr um nasar_ Alvísmǫ́l 2), zuweilen enten- oder

geissfüssig, unscheinbar gekleidet. Nur die Könige tragen prächtige

Gewandung. Die Frauen der Zwerge bewahren aber die elbische Schönheit.

Die Zwerge sind so gross wie ein drei- oder vierjähriges Kind, manchmal

noch kleiner, zwei oder drei Spannen hoch, daumengross (Däumlinge).

Sie sind geschickt, klug und listig. Sie machen sich mit einer Kapuze

(_helkappe_, _nebelkappe_, _tarnkappe_, _tarnhût_, an. _hulidshjalmr_,

ags. _hæleđhelm_) unsichtbar. Gemeint ist wol ein Zaubernebel, in dem

sie selber verschwinden oder mit dem sie die andern verblenden. Das

Nebelspiel, das plötzliche Erscheinen und Vergehen kleiner Wölkchen,

wie sie besonders an Bergen zu beobachten sind, mag zur Ausbildung

solcher Vorstellungen wesentlich beigetragen haben. Im Laurin (191

ff., 535 ff., 1174 ff.) wird eines Gürtels und eines Ringes gedacht,

wodurch der kleine Zwerg zwölf Männer Kraft gewinnt. Aus dem Laurin,

durch Vermittlung der dänischen im 15. Jahrhundert verfassten _kong

Laurins krönike_ scheint dieser Kraftgürtel auch in die færöische

Volkssage der Gegenwart (_færösk anthologi_ 1, 326) gedrungen zu sein.

Die nordische Sprache nennt das Echo _dvergmál_, Zwergenrede. Ebenso

begegnet _dvörgamál_ in den færöischen Liedern. Die Helden führen so

starke Streiche, dass Zwergrede aus Klippen und Bergen widerklingt. Die

Berggeister antworten also der rufenden Stimme oder sonstigem Hall.

Die Zwerge wohnen in hohlen Bergen, ihre Säle sind herrlich mit Gold

und Edelsteinen ausgeschmückt. Vor Laurins Berg ist eine blühende, von

Linden beschattete Aue, wo Vogelsang erschallt und friedlich allerlei

Getier spielt. Dort hinaus ziehen die Zwerge aus ihren Höhlen, um sich

am Tanz in freier Luft zu erfreuen. Aber viel schöner ists im Berge

selbst. Mit allen erdenklichen Kleinoden ist die Decke behangen, die

goldenen Bänke leuchten von Edelsteinen. Allerlei Kurzweil herrscht.

Zwei reichgekleidete Zwerge spielen auf rotgoldenen kostbaren Fiedeln,

deren Saiten süss erklingen. Die Zwerginnen sind schön und wol

geschaffen, reich in Seide gekleidet und mit Geschmeide behängt. Aber

nur Sonntagskindern, besonders auserkorenen Sterblichen eröffnet sich

ein Einblick in die unterirdische Pracht. Die Könige der Elbe sind in

den Tiroler Sagen des Mittelalters zu Beherrschern des Zwergvolkes

geworden. Die Zwerge kehren gern in menschliche Wohnungen ein. Nach

Abzug der Senner wirtschaften die Zwerge in den verlassenen Almhütten

(Wolf, Beiträge zur deutschen Myth. 2, 311). Auf der Eilenburg in

Sachsen wollte einmal das kleine Volk Hochzeit halten und zog bei Nacht

in den Sal. Der alte Graf, der erwachte, wurde von einem kleinen Herold

geziemend eingeladen, am Feste teilzunehmen (Deutsche Sagen No. 31).

Beim Grafen von Hoia erschien einst bei Nacht ein kleines Männlein

und bat, für die folgende Nacht zum Einlager der kleinen Bergmännlein

Küche und Sal geliehen zu erhalten (Deutsche Sagen No. 35). Wie allen

gespenstischen Wesen so ist auch den Zwergen Scheu vor dem Tageslichte

eigen. In den nordischen Sagen verwandeln sie sich zu Stein, sobald

ein Sonnenstrahl sie trifft. Steinverwandelte Zwerge kennt auch die

deutsche Sage (No. 32); aber die Zwerge sind aus besonderem Anlasse

versteinert worden, nicht durch die aufgehende Sonne erstarrt. Die

Thätigkeit der Zwerge besteht nun darin, dass sie die edlen Steine

und Metalle ausgraben, zu grossen Schätzen anhäufen und zu Geschmeide

aller Art verarbeiten. Sie sind Bergknappen und Schmiede zugleich.

Nach Prätorius geben die Gebrüder Grimm in den deutschen Sagen No. 37

ein Bild solcher Wichtlein. Die Zwerge haben das Aussehen eines alten

Mannes mit einem langen Barte, sind bekleidet wie Bergleute mit einer

weissen Hauptkappe am Hemd und einem Leder hinten, haben Laterne,

Schlägel und Hammer. Sie thun den Bergarbeitern kein Leid, denn wenn

sie bisweilen auch mit kleinen Steinen werfen, so fügen sie ihnen

doch selten Schaden zu, es sei denn, dass sie mit Spotten und Fluchen

erzürnt und scheltig gemacht werden. Sie lassen sich vornehmlich in

den Gängen sehen, welche Erz geben oder wo gute Hoffnung dazu ist.

Daher erschrecken die Bergleute nicht vor ihnen, sondern halten es

für eine gute Anzeige, wenn sie erscheinen. Sie schweifen in Gruben

und Schachten herum; bald ists, als durchgrüben sie einen Gang oder

eine Ader, bald als fassten sie das Gegrabene in den Eimer, bald als

arbeiteten sie an der Rolle und wollten etwas hinaufziehen, aber sie

necken nur die Bergleute damit und machen sie irre. Bisweilen rufen

sie; wenn man hinkommt, ist niemand da. Am Kuttenberg in Böhmen hat

man sie oft in grosser Anzahl aus den Gruben heraus und hinein ziehen

sehen. Wenn kein Bergknappe drunten, besonders wenn gross Unglück oder

Schaden vorstand (sie klopfen dem Bergmann dreimal den Tod an), hat

man die Wichtlein hören scharren, graben, stossen, stampfen und andere

Bergarbeiten mehr vorstellen; bisweilen auch, nach gewisser Maasse, wie

die Schmiede auf dem Amboss pflegen, das Eisen umkehren und mit Hämmern

schmieden. Eben in diesem Bergwerke hörte man sie vielmals klopfen,

hämmern, picken, als ob drei oder vier Schmiede etwas stiessen. In

Idria stellen ihnen die Bergleute täglich ein Töpflein mit Speisen

an einen besondern Ort. Auch kaufen sie jährlich zu gewissen Zeiten

ein rotes Röcklein, der Länge nach einem Knaben gerecht, und machen

ihnen ein Geschenk damit. Unterlassen sie es, so werden die Kleinen

zornig und ungnädig. Die in der Erde verborgenen Schätze, von denen

die Volkssage so gern erzählt, werden darum häufig auf die Zwerge

zurückgeführt. Ist irgendwo ein versunkener Hort, so ist meistens ein

kleines graues Männchen mit im Spiele. Der berühmteste Zwergschatz ist

der Nibelungs; auf ihm liegt die goldene Wünschelrute, die verhindert,

dass er sich vermindert. Auch nach dem Liede vom hürnen Seyfrid ruht

Nibelungs Hort von den Zwergen gehütet im Berge. Nach nordischer Sage

war der Zwerg Andwari so zauberkundig, dass er zuweilen als Fisch im

Wasser lebte. Loki fing ihn und verlangte, dass er, um sein Leben zu

lösen, alles Gold ausliefern solle, das er in seinem Stein habe. Der

Zwerg gab all sein Gold her, doch barg er in seiner Hand einen kleinen

Goldring. Das sah Loki und verlangte, dass er auch diesen Ring ihm

überantworte. Der Zwerg bat, ihm diesen Ring nicht fortzunehmen, da

er durch ihn seinen Besitz wieder vermehren könne; Loki aber sagte,

er dürfe keinen Pfennig zurückbehalten, nahm ihm den Ring fort und

wandte sich zum Gehen. Da sprach der Zwerg, dass der Ring jedem, der

ihn besitze, den Tod bringen werde. So berichten die Regins mǫ́l und

die Skaldskapar mǫ́l. Elbengewirk, das in Menschenhände gerät, ist

öfters Segen und Fluch bringend. Die Zwerge verstehen sich meisterhaft

darauf, die angesammelten Schätze zu verarbeiten. Den glänzenden

Bergkrystall nennt man in Norwegen _dvergsmie_, Zwerggeschmeid. Doch

mehr als in Schmucksachen zeichnen sich die Zwerge durch Anfertigung

hochberühmter und vielbegehrter Waffenstücke aus. Sowol ihres Wissens

wie ihrer Geschicklichkeit halber taugen sie als treffliche Lehrmeister

junger Heldensöhne. Regin war geschickter als alle Menschen und seinem

Wuchse nach ein Zwerg. Er war klug, grimmig und zauberkundig. Zu

ihm kam Sigurd in Unterweisung und Lehre. Regin verfertigte ihm das

Schwert Gram. In der Thidreks saga Kap. 57 heisst der ausgezeichnete

Schmied Mimir. Zu ihm kommt auch Welent in die Lehre, dass er Eisen

zu schmieden lerne. Später aber brachte ihn sein Vater Wadi zu zwei

Zwergen, die in einem Berge in Westfalen wohnten. Diese Zwerge

verfertigten besser, als irgendwo sonst Menschen es konnten, aus Eisen

allerhand Waffen, Schwerter, Brünnen und Helme; aus Gold und Silber

machten sie allerhand Kleinode. Darum sind auch die besten Waffen in

deutscher Heldensage Zwergenarbeit. Wird aber die Arbeit erzwungen, so

legen die Zwerge ihren Fluch darauf. So erzählt die Herwararsaga vom

Schwerte Tyrfing. König Sigrlami hatte einst zwei kunstfertige Zwerge

ausserhalb ihrer Steinbehausung überrascht. Er nahm sie gefangen und

bedrohte sie am Leben. Zur Lösung schufen sie das Siegschwert Tyrfing,

legten aber den Fluch darauf, dass drei Neidingswerke damit verübt

werden mussten. In der SE. führt Hagen, Hildes Vater, das Schwert

Dainsleif, das Zwerge schmiedeten und das eines Menschen Tod sein muss,

so oft es aus der Scheide gezogen ist, das nie im Hiebe Halt macht und

dessen Verwundungen nimmer heilen. In der märchenhaften Egils saga ok

Asmundar Kap. 11 beschenkt der einhändige Egill, der schwer an seiner

Wunde leidet, ein ihm begegnendes Zwergenkind. Zum Dank heilt ihm

dessen Vater die Wunde und schmiedet ihm überdies ein Schwert, das an

den Ellenbogen befestigt sich ebenso gut regieren lässt, als wenn Egill

seine Hand noch hätte. In der nordischen Göttersage gehen Odins Speer

und goldener Ring, Thors Hammer, Freys Schiff und goldborstiger Eber,

Sifs Goldhaar aus der Esse der Zwerge hervor. Die Weisheit der Zwerge

deutet die nordische Sage mit dem Namen Alwis an, ferner dadurch, dass

der Dichtermet ursprünglich im Besitze zweier Zwerge, des Fjalar und

Galar sich befindet. Die Beziehungen zwischen Menschen und Zwergen sind

die bei allen Elben üblichen. Die Zwerge verlangen menschliche Hilfe

bei schwerer Geburt ihrer Frauen. Sie erweisen sich aber auch dankbar

dafür. Die Zwerge unterschieben Wechselbälge (ahd. _wihselinga_,

nord. _bytingar_, _skiftingar_, _umskiptingar_) und rauben dafür

menschliche Kinder. Um den Wechselbalg zu erkennen und seinen Umtausch

zu bewirken, bedarf es besonderer Bräuche. Man thut irgend etwas

Ungewöhnliches, braut Bier in Eierschalen oder siedet Wasser darin.

Dann erhebt der Wechselbalg verwundert sein Sprüchlein: Nun bin ich so

alt wie der Wald und hab so was nicht gesehen! Oft genügt schon das

Geständniss seiner Herkunft zum Verschwinden, oft muss man ihn aber

auch misshandeln, peitschen oder sich anstellen, als ob man ihn in

den siedenden Kessel werfen wolle. Dann bringen die Zwerge das rechte

Kind zurück. Die Zwerge sind erpicht auf schöne Mädchen. Die Alvísmǫ́l

beruhen auf solcher Sage. Alwis der weise Zwerg will die Tochter des

Thor als Braut heimholen, wird aber solange hingehalten, bis das

Tageslicht ihn versteint. Der Laurin 735 ff. schildert eine Entführung.

Künhild lustwandelt vor der Burg zu Steier zu einer Linde auf grüner

Aue. Plötzlich verschwindet sie den Augen ihres Gefolges. Laurin war

herangeritten, hatte sie in seine Nebelkappe gehüllt und führte sie

unsichtbar hinweg in seine Tiroler Berge. Aber zur geplanten Heirat

kommt es nicht, die Berner Helden befreien die Maid aus der Gewalt des

bitterlich klagenden Zwergkönigs. Dietrich von Bern fand auf seinen

Fahrten einmal einen Berg, der von wilden Zwergen bewohnt war. Die

hatten ein schönes Mädchen bei sich. Es war eine Königstochter, welche

der Zwergkönig Goldemar geraubt hatte. Dietrich gewann sie dem Zwerge

mit grosser Mühe ab und nahm sie selber sich zur Frau. Im schwedischen

Volkslied holt der Bergkönig die Jungfrau in sein unterirdisches Reich,

sie bleibt acht Jahre bei ihm und gebiert ihm Kinder.

Handbuch der Germanischen Mythologie · 第 13 / 68 段