C. Erklärung der abgekürzten Autornamen.

*Alb. et Schw.* = J. B. v. Albertini, 1769-1831, und L. D. v.

Schweinitz, 1780-1834, Vorsteher der Herrnhuter Gemeinde in Niesky

(Lausitz).

*Batsch* = A. G. K. Batsch, 1761-1802, Professor der Medizin und

Naturgeschichte in Jena.

*Bull.* = Pierre Bulliard, 1742-1793, Naturforscher in Paris.

*Fr.* = Elias Fries, 1794-1878, Professor der Botanik und Direktor des

botanischen Gartens und Museums der Universität Upsala. Sein berühmtes

Pilzwerk »Die Systematik der Blätterpilze« hat von dieser Zeit ab die

Grundlage für alle Pilzforschungen gebildet.

*Horn.* = J. W. Hornemann, 1770-1841, Professor der Botanik in

Kopenhagen.

*Huds.* = W. Hudson, 1730-1793, Apotheker und Botaniker in London.

*L.* = Karl v. Linné (Linnaeus), 1707-1778, Professor der Botanik in

Upsala.

*Pers.* = Christ. Heinrich Persoon, 1755-1837, bedeutender Mykologe,

Göttingen, Paris, Begründer des ersten Systems der Pilze.

*Quel.* = L. Quélet, + 1899, Mykologe in Frankreich.

*Schaeff.* = Jacob Christian Schaeffer, 1718-1790, Superintendent zu

Regensburg, gab das erste Pilzwerk mit handkolorierten Abbildungen

heraus.

*Scop.* = J. A. Scopoli, 1723-1788, Professor in Schemnitz (Ungarn) und

Pavia.

*Sw.* = Olof Swartz, 1760-1818, Professor in Stockholm.

Welchen Wert haben die Pilze?

So alt, als es Menschen und Pilze gibt, ist wohl die Verwertung der

Pilze als Nahrungs- und Genußmittel. Früher wurden von unseren vielen

eßbaren Sorten nur hier und da einzelne als Volksnahrungsmittel benutzt,

obgleich sie sich in pilzreichen Jahren in ungeheurer Menge so mühe- und

kostenlos sammeln ließen, daß Tausende von armen Menschen vorzüglich

schmeckende und nährstoffreiche Mahlzeiten hätten haben können. In

neuerer Zeit hat die Verbreitung der Pilzkenntnisse durch Pilzbücher,

Schulunterricht und behördliche Hinweise erfreulich zugenommen und ist

in weiterem Fortschritte begriffen.

Über den Nährwert der Pilze hat die Ansicht in wissenschaftlichen Kreisen

sehr gewechselt. Einst wurde er besonders hoch eingeschätzt, weil die durch

chemische Untersuchungen gefundenen Stickstoffverbindungen als zum größten

Teil verdaulich angenommen wurden. Später wurde diese Ansicht als unrichtig

bestritten, weil ein beträchtlicher Teil der Stickstoffverbindungen

unlöslich sei. Diese Feststellungen gründeten sich indessen nicht auf

Verdauungsversuche beim Menschen selbst, sondern auf künstliche chemische

Verdauungsversuche im Laboratorium. Hierzu kommt, daß bis jetzt eine

einheitliche Art und Weise für die chemische Untersuchung der Pilze noch

nicht gefunden ist und deshalb die betreffenden Ergebnisse der Chemiker

sehr verschieden ausfallen. In dem Werke von Dr. _J. Zeller_, welches alle

Untersuchungen über die chemische Zusammensetzung der Pilze enthält, wird

auf Seite 218 darauf hingewiesen, wie wenig Wert den bisherigen

Untersuchungen nach der wissenschaftlichen Seite hin beizumessen sei. Diese

Behauptung wird begründet mit den zur Zeit noch nicht einheitlich

festgestellten Untersuchungsweisen, dem außerordentlich schwankenden

Wassergehalte der Pilze, dem verschiedenen Einflusse der

Ernährungsverhältnisse, der Mannigfaltigkeit der Bodenarten und anderen

Lebens- und Entwicklungsbedingungen. Aus diesen Gründen kann an dieser

Stelle von der Aufführung der Untersuchungstabellen bezüglich des

Eiweißgehaltes der Pilze Abstand genommen werden; es dürfte genügen, nur

die Durchschnittszahlen anzugeben. Nach Zeller sollen die Pilze im frischen

Zustande 2-3 Prozent, im trockenen 20-30 Prozent Proteinkörper

(Stickstoffverbindungen) enthalten, während die nicht proteinartigen

stickstoffhaltigen Körper etwa 5-20 Prozent betragen; ferner sind 60-80

Prozent der stickstoffhaltigen Bestandteile und 45-71 Prozent der

eigentlichen Eiweißkörper verdaulich. Als weiteren Nachweis über die

einzelnen Bestandteile der Pilze, insbesondere des Edelpilzes (Champignon)

und die Verhältnisse zum Fleische und Gemüsearten diene beistehende

übersichtliche Zusammenstellung:

----------------------+----------------------------------------------+

| I. In den (natürlichen lebend-) |

| frischen Pilzen |

+--------+------------+------+-----------------+

Nähere | Wasser | Stickstoff | Fett | Stickstofffreie |

Bezeichnung | | | | Extraktstoffe |

| | | | |

| % | % | % | % |

----------------------+--------+------------+------+-----------------+

Frischer Edelpilz | | | | |

(Champignon): | | | | |

Mittel aus 20 Analysen| 87,40 | 4,88 | 0,20 | 3,57 |

(König, S. 809 | | | | |

und 810) | | | | |

| | | | |

Mageres Ochsenfleisch:| | | | |

Mittel aus 10 Analysen| 76,47 | 20,56 | 1,74 | -- |

(König, S. 4) | | | | |

| | | | |

Gemüsearten: | | | | |

(Weißkohl, Spargel | | | | |

und Salat) | | | | |

Mittel aus 40 Analysen| 92,72 | 1,73 | 0,21 | 2,54 |

(König, S. 786, | | | | |

787 und 791) | | | | |

----------------------+--------+------------+------+-----------------+

-----------------+----------------------------------------------------

| II. In der Trockenmasse

|

---------+-------+------------+-----------------+-------+-------------

Rohfaser | Asche | Stickstoff | Stickstofffreie | Fett | Stickstoff

| | | Extraktstoffe | | in der

| | | | | Trockenmasse

% | % | % | % | % | %

---------+-------+------------+-----------------+-------+-------------

| | | | |

| | | | |

0,83 | 0,82 | 47,42 | 34,58 | -- | 7,59

| | | | |

| | | | |

| | | | |

| | | | |

-- | 1,17 | 87,38 | -- | 7,41 | 13,98

| | | | |

| | | | |

| | | | |

| | | | |

1,12 | 1,01 | 24,63 | 42,63 | -- | 3,94

| | | | |

| | | | |

---------+-------+------------+-----------------+-------+-------------

Die hier angeführten Mittelzahlen aus einer größeren Zahl von Analysen

zeigen, daß die frischen Edelpilze -- und ähnlich verhalten sich die

übrigen eßbaren Pilze -- nach ihrer Zusammensetzung mehr den Gemüsearten

als der Fleischnahrung gleichzusetzen wären; dies ist begründet im hohen

Wassergehalte der Pilze. Wie steht es nun aber in der Wirklichkeit? Da

die Pilze im eigenen Wasser bei der Zubereitung als Speise gekocht

werden und dieses 50-60 vom Hundert verdampft, so erhöht sich doch der

Eiweißgehalt auf das Doppelte. Noch mehr nähert sich der Eiweißgehalt

dem des Fleisches bei den getrockneten Pilzen. -- »Hier ist das Fleisch«

schreibt Professor Dr. _Falck_, »im Gegensatz zu den Gemüsesorten durch

einen etwa dreieinhalbmal so großen Gehalt an Stickstoffsubstanz

ausgezeichnet, während die Pilze etwa doppelt soviel enthalten als die

Gemüsearten, also eine mittlere Stellung einnehmen. Dafür enthält das

Gemüse etwa 40 Prozent stickstofffreie Extraktstoffe (größtenteils

Kohlehydrate), die beim Fleisch, bis auf geringe Mengen Glycogen, nahezu

vollständig fehlen. Die Pilze stehen hier wieder in der Mitte, sie

enthalten etwa 30 Prozent stickstofffreie Extraktstoffe, die auch nach

Art und Zusammensetzung von den aus den pflanzlichen Gemüsearten

gewonnenen Extraktstoffen abweichen.«

Nach allen diesen Erörterungen gehören die Pilze zu denjenigen

Nahrungsmitteln, die eine ziemlich hohe Wertschätzung beanspruchen

dürfen. Hierbei kommt weiter in Betracht, daß der nötige Eiweißbedarf

zur Vollernährung eines Menschen nicht mehr wie früher von _Voit_ und

_Pettenkofer_ angenommen, 120-140 Gramm beträgt, sondern nach den

neueren Forschungen und vor allem nach den wirklichen Erfahrungen durch

Versuche an lebenden Menschen 50-60 Gramm, ja sogar noch etwas darunter,

genügen. Es wurde bereits im Vorworte darauf hingewiesen, so daß es sich

erübrigt, hier darauf weiter einzugehen.

Außer dem Eiweißgehalte enthalten aber die Pilze auch noch andere

Stoffe, die bei der Ernährung von Wert sind, das sind die Nährsalze und

die Zuckerstoffe, der Mannit (Mannazucker) und der Traubenzucker. Ferner

enthalten sie auch Fettstoffe, die dem Gemüse fast vollständig fehlen.

Schon in den früheren Auflagen des Michaelschen »Führers für

Pilzfreunde« wurde ganz besonders auf den Wert des Pilzextraktes

hingewiesen und seine Zubereitung angegeben. Fast alle seit 1896

erschienenen Volks-Pilzbücher und die Anweisungsbücher für die

mannigfaltige Zubereitung der Pilze haben sich diese Vorschrift des

Verfassers zu eigen gemacht und sie empfohlen. Sehr erfreut war er

deshalb, daß auch Prof. Dr. Falck auf den hohen (Eiweiß-)Wert des

Pilzextraktes hinweist und ihn vollständig den verschiedenen zur Zeit in

den Handel kommenden Fleischextrakten bezüglich des Eiweißgehaltes

gleichstellt, ihn jedoch noch hochwertiger nach der Geschmacksseite

einschätzt.

Damit ist aber der Wert der Pilze noch nicht erschöpft, denn einen

ebenso hohen Wert als menschliche Speise haben sie für die tierische

Kost. Für diesen Zweck kann man alle anderen zur menschlichen Speise

unbrauchbaren Pilze verwenden, mit Ausnahme der giftigsten, wie die

Knollenblätterpilze, der Fliegen- und Königsfliegenpilz, der Satanspilz.

Warum lassen wir uns die Natur so wenig als Lehrmeisterin dienen? Wer

je einmal die Sauparke mit ihren Wildschweinen besucht hat, weiß, daß

eine Pilzausbeute in diesen Gegenden vollständig ausgeschlossen ist, da

die Säue fast alle Pilzsorten verzehren. Den Schweinen werden die Pilze

als Futter in frischem, aber in gutem, nicht verfaultem Zustande

gegeben, ebenso können sie getrocknet, dann aufgeweicht, dem Futter

beigemengt werden. Für die Hühner, die keine frischen Pilze fressen,

werden die scharfgetrockneten, dann gemahlenen Pilze dem Weichfutter

zugemischt. Hier war auch für den Verfasser die Erfahrung die

Lehrmeisterin. Schon seit vielen Jahren sind sämtliche Pilzabfälle, die

beim Putzen der Pilze entstanden, gut getrocknet und, wie oben

angegeben, dem Weichfutter beigemischt worden. Wieviel Getreideschrot

und Kleie kann da gespart werden! Die Eiererzeugung bestätigte den Wert

des Ersatzfutters. Ferner ist schon vor vielen Jahren in den

Fischereizeitungen, insbesondere der österreichischen, auf die Fütterung

der Fische mit Pilzen hingewiesen worden. Darnach sollen zehn Pfund

frischverfütterte kleingehackte Pilze ein Pfund Fleischzuwachs geben.

Wie werden die Pilze als Speise zubereitet?

Sehr einfach ist die Vorbereitung der eßbaren Pilze zum Genuß. Man hat

nur nötig, sie nach dem Reinigen und Putzen in kleine längliche Stücke

zu schneiden, sie dann sauber zu waschen, in Schüsseln ausgebreitet

etwas zu salzen und hierauf bis zur eigentlichen Zubereitung kühl und

luftig zu stellen. Zähe und harte Stiele sind nie mitzunehmen,

abziehbare Oberhaut ist immer abzuziehen. Junges und madenfreies Futter

kann stets verwendet werden. Bei vielen Blätterpilzen würde fast nichts

übrig bleiben, wollte man das ganze Futter mit beseitigen. Zu alte oder

irgendwie angefaulte Pilze werfe man fort.

Durch langes Kochen werden die Pilze nicht verdaulicher, im Gegenteil

schwerer verdaulich, weil dann das Eiweiß noch mehr verhärtet. Gewisse

schwer verdauliche Eiweißteile sind an die Zellwandungen der Pilze,

Fungin genannt, gebunden. Im sogenannten Berliner Salz oder

doppeltkohlensaurem Natron haben wir ein unschädliches Mittel, die

chemische Auflösung dieser Zellulose einzuleiten. Auf ein Liter

geschnittene Pilze gebe man etwa eine Messerspitze voll

doppeltkohlensaures Natron, das ja auch, wie die Hausfrau weiß,

vorzügliche Dienste beim Kochen zähen Fleisches, saurer Flecke oder

Gemüse verrichtet. Hofrat Dr. _Wirt_ hat auch auf die Anwendung des

Sauerbrunnenwassers als wertvoll für das leichtere Weichkochen von

Pilzen und Hülsenfrüchten hingewiesen, denn das dem Kaseïn verwandte

Legumin (Eiweiß der Leguminosenfrüchte) löst sich leichter in schwach

alkalischem Wasser als in gewöhnlichem oder gar stark alkalischem.

Doppeltkohlensaures Natron macht eben in der angegebenen Zusatzmenge das

Wasser schwach alkalisch.

Zu beachten ist, daß zu den gewaschenen und abgetropften Pilzen niemals

Wasser zugegossen wird; man läßt vielmehr die Pilze in ihrem eigenen

Wasser kochen, von dem sie bis zu 90 Prozent enthalten. Außer Natron

wird, wenn nicht schon vorher geschehen, noch etwas Kochsalz beigegeben.

Bei Morcheln und Lorcheln muß das Reinigen und Waschen sehr sorgfältig

und mehrmals erfolgen, denn sie enthalten häufig Sand. Stockmorcheln

sind vor dem Ansetzen abzubrühen; sie enthalten ein besonderes Gift,

welches durch das Abbrühen entfernt wird. Der Verfasser hat durch Genuß

von frischen und gesunden Morcheln niemals unangenehme Folgen empfunden.

Will man getrocknete Pilze zu Suppen usw. verwenden, so müssen diese am

Abend vorher nach Abwaschen des Staubes mit soviel kaltem Wasser, wie

nötig, eingeweicht werden. Während der Nacht bleiben sie stehen, und

erst kurz vor der Verwendung werden sie in diesem Wasser gekocht. Durch

solche Vorbehandlung quellen die Pilze vorzüglich auf und werden weich

und zart. Gänzlich falsch ist es, getrocknete Pilze erst kurz vor der

Zubereitung zu nehmen. Selbst tüchtig mit Wasser oder Fleischbrühe

gekocht, werden die Zellwandungen der getrockneten Pilze auf diese Weise

nicht genügend aufgeschlossen. Die Pilze bleiben somit zum großen Teil

unverdaulich und wertlos für die Ernährung.

Es mögen hier noch einige erprobte Verwendungs-Vorschriften folgen (man

beachte auch den Abschnitt »Wie schützt man sich vor Pilzvergiftungen?«

Seite 19).

Wer eine noch ausführlichere Anweisung wünscht, dem sei das Pilzkochbuch

von _E. Herrmann_ in Dresden (Verlag von _C. Heinrich_, Dresden-N.),

Preis 70 Pfennig, empfohlen.

Führer für Pilzfreunde · 第 9 / 38 题