Ich bitt' Sie, Fräulein, -- berühmt -- gefeiert --

Schauspielerin.

Ist das vielleicht ein Glück?

Graf.

Glück? Bitt' Sie Fräulein, Glück giebt's nicht. Überhaupt gerade die

Sachen, von denen am meisten g'redt wird, giebt's nicht ... z. B. Liebe.

Das ist auch so 'was.

Schauspielerin.

Da haben Sie wohl recht.

Graf.

Genuß .... Rausch .... also gut, da läßt sich nichts sagen .... das ist

'was sicheres. Jetzt genieße ich, .... gut, weiß ich, ich genieß'. Oder

ich bin berauscht, schön. Das ist auch sicher. Und ist's vorbei, so ist

es halt vorbei.

Schauspielerin (groß).

Es _ist_ vorbei!

Graf.

Aber sobald man sich nicht, wie soll ich mich denn ausdrücken, sobald

man sich nicht dem Moment hingiebt, also an später denkt oder an früher

.... na, ist es doch gleich aus. Später .... ist traurig .... früher ist

ungewiß .... mit einem Wort .... man wird nur konfus. Hab' ich nicht

recht?

Schauspielerin (nickt mit großen Augen).

Sie haben wohl den Sinn erfaßt.

Graf.

Und sehen S', Fräulein, wenn einem das einmal klar geworden ist, ist's

ganz egal, ob man in Wien lebt oder in der Pußta oder in Steinamanger.

Schaun S' zum Beispiel .... wo darf ich denn die Kappen hinlegen? So,

ich dank' schön .... wovon haben wir denn nur gesprochen?

Schauspielerin.

Von Steinamanger.

Graf.

Richtig. Also wie ich sag', der Unterschied ist nicht groß. Ob ich am

Abend im Kasino sitz' oder im Klub, ist doch alles eins.

Schauspielerin.

Und wie verhält sich denn das mit der Liebe?

Graf.

Wenn man d'ran glaubt, ist immer eine da, die einen gern' hat.

Schauspielerin.

Zum Beispiel das Fräulein Birken.

Graf.

Ich weiß wirklich nicht, Fräulein, warum Sie immer auf die kleine Birken

zu reden kommen.

Schauspielerin.

Das ist doch Ihre Geliebte.

Graf.

Wer sagt denn das?

Schauspielerin.

Jeder Mensch weiß das.

Graf.

Nur ich nicht, es ist merkwürdig.

Schauspielerin.

Sie haben doch ihretwegen ein Duell gehabt!

Graf.

Vielleicht bin ich sogar tot geschossen worden und hab's gar nicht

bemerkt.

Schauspielerin.

Nun, Herr Graf, Sie sind ein Ehrenmann. Setzen Sie sich näher.

Graf.

Bin so frei.

Schauspielerin.

Hierher (sie zieht ihn an sich, fährt ihm mit der Hand durch die Haare).

Ich hab' gewußt, daß Sie heute kommen werden!

Graf.

Wieso denn?

Schauspielerin.

Ich hab' es bereits gestern im Theater gewußt.

Graf.

Haben Sie mich denn von der Bühne aus gesehen?

Schauspielerin.

Aber Mann! Haben Sie denn nicht bemerkt, daß ich nur für Sie spiele?

Graf.

Wie ist das denn möglich?

Schauspielerin.

Ich bin ja so geflogen, wie ich Sie in der ersten Reihe sitzen sah!

Graf.

Geflogen? Meinetwegen? Ich hab' keine Ahnung gehabt, daß Sie mich

bemerken!

Schauspielerin.

Sie können einen auch mit Ihrer Vornehmheit zur Verzweiflung bringen.

Graf.

Ja Fräulein ....

Schauspielerin.

»Ja Fräulein«!... So schnallen Sie doch wenigstens Ihren Säbel ab!

Graf.

Wenn es erlaubt ist. (Schnallt ihn ab, lehnt ihn ans Bett).

Schauspielerin.

Und gib mir endlich einen Kuß.

Graf (küßt sie, sie läßt ihn nicht los).

Schauspielerin.

Dich hätte ich auch lieber nie erblicken sollen.

Graf.

Reigen: Zehn Dialoge · 第 82 / 87 题