Es ist doch besser so! --

Schauspielerin.

Herr Graf, Sie sind ein Poseur!

Graf.

Ich -- warum denn?

Schauspielerin.

Was glauben Sie, wie glücklich wär' mancher, wenn er an Ihrer Stelle

sein dürfte!

Graf.

Ich bin sehr glücklich.

Schauspielerin.

Nun, ich dachte, es gibt kein Glück. Wie schaust du mich denn an? Ich

glaube Sie haben Angst vor mir, Herr Graf!

Graf.

Ich sag's ja, Fräulein, Sie sind ein Problem.

Schauspielerin.

Ach laß' du mich in Frieden mit der Philosophie .... komm' zu mir. Und

jetzt bitt' mich um irgend 'was .... du kannst alles haben, was du

willst. Du bist zu schön.

Graf.

Also ich bitte um die Erlaubnis (ihre Hand küssend), daß ich heute

abends wiederkommen darf.

Schauspielerin.

Heut Abend .... ich spiele ja.

Graf.

Nach dem Theater.

Schauspielerin.

Um was anderes bittest du nicht?

Graf.

Um alles andere werde ich nach dem Theater bitten.

Schauspielerin (verletzt).

Da kannst du lange bitten, du elender Poseur.

Graf.

Ja schauen Sie, oder schau, wir sind doch bis jetzt so aufrichtig

miteinander gewesen ... Ich fände das alles viel schöner am Abend nach

dem Theater ... gemütlicher als jetzt, wo ... ich hab' immer so die

Empfindung, als könnte die Thür aufgeh'n ....

Schauspielerin.

Die geht nicht von außen auf.

Graf.

Schau' ich find', man soll sich nicht leichtsinnig von vornherein 'was

verderben, was möglicherweise sehr schön sein könnte.

Schauspielerin.

Möglicherweise!....

Graf.

In der Früh', wenn ich die Wahrheit sagen soll, find' ich die Liebe

gräßlich.

Schauspielerin.

Nun -- du bist wohl das irrsinnigste, was mir je vorgekommen ist!

Graf.

Ich red' ja nicht von beliebigen Frauenzimmern .... schließlich im

allgemeinen ist's ja egal. Aber Frauen wie du ... nein, du kannst mich

hundertmal einen Narren heißen. Aber Frauen wie du .... nimmt man nicht

vor dem Frühstück zu sich. Und so .... weißt .... so ....

Schauspielerin.

Gott, was bist du süß!

Graf.

Siehst du das ein, was ich g'sagt hab', nicht wahr. Ich stell mir das so

vor --

Schauspielerin.

Nun, wie stellst du dir das vor?

Graf.

Ich denk' mir ..... ich wart' nach dem Theater auf dich in ein' Wagen,

dann fahren wir zusammen also irgendwohin soupieren --

Schauspielerin.

Ich bin nicht das Fräulein Birken.

Graf.

Das hab' ich ja nicht gesagt. Ich find' nur, zu allem g'hört Stimmung.

Ich komm' immer erst beim Souper in Stimmung. Das ist dann das schönste,

wenn man so vom Souper zusamm' nach Haus fahrt, dann ....

Schauspielerin.

Was ist _dann_?

Graf.

Also dann ... liegt das in der Entwicklung der Dinge.

Schauspielerin.

Setz' dich doch näher. Näher.

Graf (sich aufs Bett setzend).

Ich muß schon sagen, aus den Polstern kommt so ein ... Reseda ist das --

nicht?

Schauspielerin.

Es ist sehr heiß hier, findest du nicht?

Graf (neigt sich und küßt ihren Hals).

Schauspielerin.

Oh, Herr Graf, das ist ja gegen Ihr Programm.

Graf.

Wer sagt denn das? Ich hab' kein Programm.

Schauspielerin (zieht ihn an sich).

Graf.

Es ist wirklich heiß.

Schauspielerin.

Findest du? Und so dunkel, wie wenn's Abend wär'..... (reißt ihn an

sich.) Es ist Abend .... es ist Nacht .... Mach' die Augen zu, wenn's

dir zu licht ist. Komm!... Komm!....

Graf (wehrt sich nicht mehr).

* * * * *

Schauspielerin.

Nun, wie ist das jetzt mit der Stimmung, du Poseur?

Graf.

Du bist ein kleiner Teufel.

Schauspielerin.

Was ist das für ein Ausdruck?

Graf.

Na, also ein Engel.

Schauspielerin.

Und du hättest Schauspieler werden sollen! Wahrhaftig! Du kennst die

Frauen! Und weißt du, was ich jetzt tun werde?

Graf.

Nun?

Schauspielerin.

Ich werde dir sagen, daß ich dich nie wiedersehen will.

Graf.

Warum denn?

Schauspielerin.

Nein, nein. Du bist mir zu gefährlich! Du machst ja ein Weib toll. Jetzt

stehst du plötzlich vor mir, als wär' nichts gescheh'n.

Graf.

Aber .....

Schauspielerin.

Ich bitte sich zu erinnern, Herr Graf, ich bin soeben Ihre Geliebte

gewesen.

Graf.

Ich werd's nie vergessen!

Schauspielerin.

Und wie ist das mit heute Abend?

Graf.

Wie meinst du das?

Schauspielerin.

Nun -- du wolltest mich ja nach dem Theater erwarten?

Graf.

Ja, also gut, zum Beispiel übermorgen.

Schauspielerin.

Was heißt das, übermorgen? Es war doch von heute die Rede.

Graf.

Das hätte keinen rechten Sinn.

Schauspielerin.

Du Greis!

Graf.

Du verstehst mich nicht recht. Ich mein' das mehr, was, wie soll ich

mich ausdrücken, was die Seele anbelangt.

Schauspielerin.

Was geht mich deine Seele an?

Graf.

Glaub' mir, sie gehört mit dazu. Ich halte das für eine falsche Ansicht,

daß man das so voneinander trennen kann.

Schauspielerin.

Laß mich mit deiner Philosophie in Frieden. Wenn ich das haben will,

lese ich Bücher.

Graf.

Aus Büchern lernt man ja doch nie.

Schauspielerin.

Das ist wohl wahr! Drum sollst du mich heut' Abend erwarten. Wegen der

Seele werden wir uns schon einigen, du Schurke!

Graf.

Also wenn du erlaubst, so werde ich mit meinem Wagen .....

Schauspielerin.

Reigen: Zehn Dialoge · 第 83 / 87 题