Schauspielerin.
Bitte, treten Sie nur näher.
Graf.
Küß' die Hand. Pardon -- wenn man von der Straßen hereinkommt .... ich
seh' nämlich noch rein gar nichts. So .... da wären wir ja (am Bett):
Küß die Hand.
Schauspielerin.
Nehmen Sie Platz, Herr Graf.
Graf.
Frau Mama sagte mir, Fräulein sind unpäßlich .... Wird doch hoffentlich
nichts ernstes sein.
Schauspielerin.
Nichts ernstes? Ich bin dem Tode nahe gewesen!
Graf.
Um Gotteswillen, wie ist denn das möglich?
Schauspielerin.
Es ist jedenfalls sehr freundlich, daß Sie sich zu mir bemühen.
Graf.
Dem Tode nahe! Und gestern Abend haben Sie noch gespielt wie eine
Göttin.
Schauspielerin.
Es war wohl ein großer Triumph.
Graf.
Kolossal!.... Die Leute waren auch alle hingerissen. Und von mir will
ich gar nicht reden.
Schauspielerin.
Ich danke für die schönen Blumen.
Graf.
Aber bitt' Sie Fräulein.
Schauspielerin (mit den Augen auf einen großen Blumenkorb weisend, der
auf einem kleinen Tischchen auf dem Fenster steht).
Hier stehen sie.
Graf.
Sie sind gestern förmlich überschüttet worden mit Blumen und Kränzen.
Schauspielerin.
Das liegt noch alles in meiner Garderobe. Nur Ihren Korb habe ich mit
nach Hause gebracht.
Graf (küßt ihr die Hand).
Das ist lieb von Ihnen.
Schauspielerin (nimmt die seine plötzlich und küßt sie).
Graf.
Aber Fräulein.
Schauspielerin.
Erschrecken Sie nicht, Herr Graf, das verpflichtet Sie zu gar nichts.
Graf.
Sie sind ein sonderbares Wesen .... rätselhaft könnte man fast sagen. --
(Pause).
Schauspielerin.
Das Fräulein Birken ist wohl leichter aufzulösen.
Graf.
Ja die kleine Birken ist kein Problem, obzwar .... ich kenne sie ja auch
nur oberflächlich.
Schauspielerin.
Ha!
Graf.
Sie können mir's glauben. Aber Sie sind ein Problem. Danach hab' ich
immer Sehnsucht gehabt. Es ist mir eigentlich ein großer Genuß
entgangen, dadurch, daß ich Sie gestern .... das _erste_ Mal spielen
gesehen habe.
Schauspielerin.
Ist das möglich?
Graf.
Ja. Schauen Sie, Fräulein, es ist so schwer mit dem Theater. Ich bin
gewöhnt, spät zu dinieren ..... also wenn man dann hinkommt, ist's beste
vorbei. Ist's nicht wahr?
Schauspielerin.
So werden Sie eben von jetzt an früher essen.
Graf.
Ja, ich hab' auch schon daran gedacht. Oder gar nicht. Es ist ja
wirklich kein Vergnügen, das Dinieren.
Schauspielerin.
Was kennen Sie jugendlicher Greis eigentlich noch für ein Vergnügen?
Graf.
Das frag' ich mich selber manchmal! Aber ein Greis bin ich nicht. Es muß
einen anderen Grund haben.
Schauspielerin.
Glauben Sie?
Graf.
Ja. Der Lulu sagt beispielsweise, ich bin ein Philosoph. Wissen Sie,
Fräulein, er meint, ich denk' zu viel nach.
Schauspielerin.
Ja .... denken, das ist das Unglück.
Graf.
Ich hab' zu viel Zeit, d'rum denk' ich nach. Bitt' Sie, Fräulein,
schauen S', ich hab' mir gedacht, wenn s' mich nach Wien transferieren,
wird's besser. Da gibt's Zerstreuung, Anregung. Aber es ist im Grund
doch nicht anders als da oben.
Schauspielerin.
Wo ist denn das da oben?
Graf.
Na, da unten, wissen S' Fräulein, in Ungarn, in die Nester, wo ich
meistens in Garnison war.
Schauspielerin.
Ja, was haben Sie denn in Ungarn gemacht?
Graf.
Na, wie ich sag', Fräulein, Dienst.
Schauspielerin.
Ja warum sind Sie denn so lang in Ungarn geblieben?
Graf.
Ja, das kommt so.
Schauspielerin.
Da muß man ja wahnsinnig werden.
Graf.
Warum denn? Zu tun hat man eigentlich mehr wie da. Wissen S' Fräulein,
Rekruten ausbilden, Remonten reiten .... und dann ist's nicht so arg mit
der Gegend, wie man sagt. Es ist schon ganz was schönes, die Tiefebene
-- und so ein Sonnenuntergang, es ist schade, daß ich kein Maler bin,
ich hab' mir manchmal gedacht, wenn ich ein Maler wär', tät' ich's
malen. Einen haben wir gehabt beim Regiment, einen jungen Splany, der
hat's können. -- Aber was erzähl' ich Ihnen da für fade G'schichten,
Fräulein.
Schauspielerin.
Oh bitte, ich amüsiere mich königlich.
Graf.
Wissen S' Fräulein, mit Ihnen kann man plaudern, das hat mir der Lulu
schon g'sagt, und das ist's, was man selten find't.
Schauspielerin.
Nun freilich, in Ungarn.
Graf.
Aber in Wien grad' so! Die Menschen sind überall dieselben; da wo mehr
sind, ist halt das Gedräng' größer, das ist der ganze Unterschied. Sagen
S' Fräulein, haben Sie die Menschen eigentlich gern?
Schauspielerin.
Gern --?? Ich hasse sie! Ich kann keine seh'n! Ich seh' auch nie
jemanden. Ich bin immer allein, dieses Haus betritt niemand.
Graf.
Seh'n S', das hab' ich mir gedacht, daß Sie eigentlich eine
Menschenfeindin sind. Bei der Kunst muß das oft vorkommen. Wenn man so
in den höheren Regionen .... na, Sie haben's gut, Sie wissen doch
wenigstens, warum Sie leben!
Schauspielerin.
Wer sagt Ihnen das? Ich habe keine Ahnung, wozu ich lebe!
Graf.