»Jener Fremde ... _jener_ ist es, königliche Hoheit?«
»Gewiß! Sie erwarteten auch eine ganz andere Erscheinung in dem
Einsiedler aus der Bärenhöhle?«
»Findest du wirklich, Vater, daß er so völlig von Europens Kultur
beleckt ist?« lachte Prinz Karl Emil mit zwinkerndem Blick: »Der
tadellos zugeschnittene Rock und die Krawatte =à la fin de siècle=
machen es nicht allein! Ich finde, der Graf sieht trotz all des
Goldschnitts, mit dem man ihn >neu eingebunden< hat, doch aus, wie ein
etwas verstaubter Foliant, welchen man aus wurmstichigem Archiv holt!«
Leises Gelächter, die Herzogin und einer der Flügeladjutanten sind
herzugetreten und beteiligen sich voll Interesse an dem Gespräch, sie
lachen ebenfalls über den drolligen Vergleich des Prinzen, nur der
Herzog zuckt etwas ungeduldig die Schultern.
»Motiviere deine Ansicht!« sagt er kurz, »was mutet dich >verstaubt< an
der blühenden, reckenhaften Gestalt des jungen Mannes an?«
»Sein Anzug nicht, das haben wir bereits konstatiert!« fährt der
Prinz mit lustig blitzenden Augen fort, »ich bin sogar überzeugt, daß
Parzival das modernste Parfüm ins Schnupftuch goß, welches jemals
Blumenmädchen fabrizierten. Aber ... es ist der Ton, welcher die Musik
macht -- und die Art und Weise, _wie_ ein Mensch seine Kleider trägt,
ist maßgebend für seine Persönlichkeit!«
»Ganz recht, -- _wie_ aber trägt Graf Guntram Krafft seinen Rock?«
»Wie ein Mann, der sich höchst fremd und höchst unbehaglich in der neuen
Fasson vorkommt!«
»So? Das ist mir noch nicht aufgefallen!«
»Beobachte ihn! Jede seiner Bewegungen ist geniert, ungeschickt, -- in
Wahrheit >bärenhaft<! Man sieht, daß der junge Einsiedler es gewohnt
ist, mehr mit Keulen dreinzuschlagen, als wie mit dem Operngucker zu
hantieren!« --
»Mich überrascht am meisten der Ausdruck seines Gesichtes!« schaltete
die Herzogin ein, »fraglos ist der Graf ein schöner Mann! Seine Züge
haben etwas Edles, ich möchte beinahe sagen Heldenhaftes! Aber ihr
Ausdruck nimmt ihnen vollständig diesen Charakter!«
»Er ist von all dem Neuen befangen!...«
»Und das wohl auch mit Recht! Seine Augen haben einen schier kindlichen
Blick, so naiv wie er schaut kaum noch ein Backfischchen drein! -- Was
er denkt und fühlt, spiegelt sich auf seinem Antlitz, das beobachtete
ich während der Vorstellung. Wenn er bemerkt, daß sich aller Augen aus
dem Publikum auf ihn richten, wird er verlegen wie ein schämiges
Jüngferchen, -- ich möchte darauf wetten, daß er sogar errötet!« --
»Dies alles deucht mir kein Fehler!«
»Gewiß nicht, -- aber auch kein Vorzug für einen Mann!« --
»Wir müssen bedenken, wie groß der Umschwung der Verhältnisse für den
Ärmsten ist! In tiefster Einsamkeit aufgewachsen, steht er urplötzlich
in dem bunten hochflutenden Strom großstädtischen Lebens, -- sonst
gewöhnt, stets die strenge, energische Mutter zur Seite zu haben, welche
alles für ihn bedenkt und leitet ... ist er plötzlich ganz allein auf
sich selbst angewiesen und muß sich ohne Kompaß und Steuer durch die
Flut völlig fremder Verhältnisse lavieren ...«
»Er steht daheim vollständig unter dem Einfluß der Mutter?«
»Selbstverständlich! Er wird der Gräfin jetzt wohl mit Ausübung aller
praktischen Arbeit zur Hand gehen, aber sicherlich Frau Herzeleide
ebenso als >hohe Obrigkeit< ansehen, wie Parzival der Ältere, ehe ihn
sein Tatendrang hinaus in die Welt führte!«
»Die Verhältnisse sollen ja geradezu glänzende geworden sein! Man sagt,
die Gräfin habe sich vollkommen arrangiert und das verlorene Vermögen
sozusagen zurückgewonnen!«
»Hut ab! Sie ist eine vortreffliche Frau, welche jedermann die höchste
Achtung abnötigt! Was diese Bärin für ihr Junges getan, macht ihr so
leicht kein Mann nach!«
»Sie muß eine geradezu geniale Landwirtin, eine geborene Agrarierin
sein! Allerdings hat sie auch viel Glück bei der Sache gehabt! Schon der
Umstand, daß der alte Wattenburg seinen Sohn verlor und nun nicht mehr
viel Interesse am Landbesitz hat! Dem allein verdankt sie es doch, daß
sie Walsleben so >portionsweise< zurückkaufen kann!«
»Nächstens geht das Gut wohl wieder völlig in ihren Besitz über! Der
alte Inspektor hat mal kürzlich unserem Domänenrat erzählt, die Gräfin
hätte es schon vor zwei Jahren kaufen können, die Barsumme läge bereit;
aber sie ist so sehr vorsichtig, daß sie sich nie völlig verausgabt,
sondern stets mit allen möglichen Eventualitäten rechnet, Mißernten
usw., wo es gilt, die Löcher mit Kapital stopfen!«
»Sehr klug und vernünftig gedacht! -- Ich bin sehr gespannt, den Sohn
kennenzulernen, ob er von den großen Anlagen der Mutter geerbt hat!«
»Vorläufig machen Mutter und Sohn ja zusammen noch eine >Zehne< aus!«
zuckte Prinz Karl Emil voll Humor die Achseln.
»Was heißt das?«
»Nun -- sie ist die eins -- und er ... die Null!« --
Abermals ein leises Gelächter, nur der Herzog klappte mit verräterischem
Zucken um die Lippen den Sohn mit dem Handschuh gegen den Arm und
schalt: »Unverbesserlicher Spötter! Bei dir und deiner beklagenswerten
Mama ist es freilich umgekehrt!«
In den Korridoren ertönte das Klingelzeichen, die hohen Herrschaften
traten nach sehr huldvoller Verabschiedung in die Loge zurück, und
Gabriele eilte, die Begleitung des Kammerherrn dankend ablehnend, zu
Frau von Sprendlingen zurück.
Ihr Atem ging schnell und unruhig, ihr Herz schlug aufgeregt in der
Brust.
Sie setzte sich schweigend auf ihren Platz nieder, und ein finsterer,
beinahe verächtlicher Blick streifte den Grafen von Hohen-Esp, welcher
sich mit aufleuchtenden Augen vorneigte und durchaus kein Hehl von
seinem Entzücken machte, sie wiederzusehen. Also das Muttersöhnchen aus
der Bärenhöhle war der mutige Retter, welcher mit so gewaltigen Fäusten
ihren Schlitten ausgerichtet hatte, daß der Kutscher gar nicht genug
davon schwärmen konnte, war der höfliche Mann, welcher sie emporgehoben
und mit solch unverhohlener Bewunderung in ihr Antlitz geblickt hatte,
daß sie lächeln mußte!
Der Bär von Hohen-Esp! Jener Held, welcher wegen einer kaum
beachtenswerten Verletzung am Fuß nicht Soldat ward, welcher sich feige
und schlapp hinter der Mutter Schürze verkroch, anstatt voll kühnen
Wagemuts hinaus in die Welt zu stürmen, um Gut und Blut zu Kaisers Ehren
zu wagen!
Und den nennen sie einen Parzival? Sie möchte schallend auflachen, und
beißt doch wie unter physischem Schmerz die Zähne zusammen.
Nein! Parzival war zwar auch ein Kind weltabgeschiedenster Einsamkeit,
welches die Mutter gegängelt hatte, solange sein Arm noch schwach und
sein Schwert noch kurz war, -- als aber dem jungen Löwen das Haus zu eng
ward, als er die königliche Kraft in Herz und Faust verspürte, da riß er
sich los von dem unwürdigen Gängelband, von Weiberrock und Schürze,
sattelte hochgemut sein Roß und zog aus, in seines Königs Landen Frau
Aventure die Fehde anzusagen!
Parzival, der weise Tor, ward ein Held, in dessen markiger Hand der
Speer, der heilige, leuchtete; was aber ist Graf Guntram Krafft?
Wahrlich ein Bär, welcher kampfmutig hervorbricht aus der Höhle, Sieg
und Beute zu suchen? --
Nein, wahrlich nicht!
Er sitzt hinter dem Ofen und läßt Weiberhände für sich arbeiten, er
erntet nur die Saat, welche die fleißige Mutter für ihn ausgestreut.
Und was tut er für Kaiser und Reich?
Nichts!
Für wen setzt er seine Bärenkräfte ein?
Nur für sich selbst!
Sagt er es sich nicht selbst, daß er als Mann, -- als Edelmann heilige
Pflichten zu erfüllen hat?
Nein!
In behaglicher Ruhe genießt er sein inhaltloses Leben, läßt das Schwert
an der Wand rosten und stellt das Schild der Ahnen in die Rumpelkammer!
Was will er hier?
Sich gar ein Weib suchen, welches sein Schlaraffenleben mit ihm teilt?
Ein verächtliches Zucken um Gabrieles Lippen.
Auch eine solche wird sich wohl für ihn finden; es gibt Mädchen, welche
wenig, sehr wenig von einem Mann verlangen, lediglich einen Trauring.
Gehört Gabriele von Sprendlingen zu diesen bescheidenen Seelen?
Nein, und tausendmal nein! In ihrer Brust glüht ein Feuer heiliger
Vaterlandsliebe und stolzer Begeisterung, vor dessen Flammenschein
selbst die reckenhafte Bärengestalt des reichen Grafen von Hohen-Esp wie
ein Schatten kläglich zusammenschrumpft!
Ja, kläglich!
Gabriele ist wie eine Elfengestalt winzig und zierlich neben dem Riesen
Guntram Krafft, und doch deucht es ihr, als blicke sie tief auf ihn
herab, so tief, daß er gar nicht mehr für sie existiert!
Als die letzten Musikklänge verrauscht sind und der tosende Beifall sich
gelegt hat, erhebt sich das junge Mädchen und schreitet hastig dem
Ausgang zu; für den Grafen von Hohen-Esp, welcher noch immer zögernd in
der Loge steht und zu ihr hinüberschaut, hat sie keinen Blick mehr.
In der großen Halle drunten stehen die jungen Offiziere und plaudern mit
den Damen, welche hier das Vorfahren der Wagen erwarten. Auch Leutnant
von Heidler ist Gabriele sporenklirrend entgegengetreten, küßt Frau von
Sprendlingen die Hand und erkundigt sich nach dem Befinden der Damen.
Er hat Gabriele bereits auf dem Bahnhof begrüßt -- daß seine Anwesenheit
daselbst ein Zufall gewesen, hat er weder behauptet, noch hat es die
junge Dame angenommen; auch jetzt blickt er ihr mit den kühnen,
siegesgewissen Augen, wie in selbstverständlicher Vertraulichkeit in das
reizende Antlitz und versichert ihr, daß die Residenz schauderhaft öde
ohne sie gewesen sei und daß es eine ganze Menge zu erzählen gäbe!
Gestern habe er mit etlichen Kameraden eine -- =soit dit= Schnitzeljagd
auf Schnee und Glatteis geritten, um die Dauerhaftigkeit der Gäule
auszuprobieren, die guten Resultate habe man selbstredend mit etwas
Alkohol gefeiert, und zwar sei die Sitzung so ausgedehnt worden, daß er
nicht mehr dazu gekommen sei, einen von ihm beabsichtigten Besuch in
Villa Monrepos zu machen. Ob er denselben jetzt noch nachholen und eine
Tasse Tee bei den Damen trinken dürfe?
Frau von Sprendlingen hat durchaus nichts dagegen, obwohl ihr Lächeln
ein wenig kühler scheint, wie sonst; Gabriele aber errötet unter dem
zarten Spitzenschleier, welcher ihr Köpfchen verhüllt, und die
Nixenaugen blitzen voll Interesse auf.
»Einen Übungsritt =à la= Heidler?« ruft sie lebhaft, »davon müssen Sie
erzählen! Wie geht es Ihrer >Gudrun< -- hat sie das Glatteis mit
bekannter Verve genommen?« --
»>Gudrun< hat brillant durchgehalten, aber Massenbach hat Pech mit
seinem >Slusohr< gehabt, -- nahm einen Graben ... gegen die Sonne ...
war natürlich geblendet und sprang zu kurz ...«
»O weh! Und >Slusohr<?« --
»Kocht bereits im Wurstkessel!«
»=Pour condoler!=« --
»Dem Besitzer des seligen Rosses oder denen, die es verspeisen müssen?!«
Sie lachen und bemerken kaum die hohe Männergestalt, welche dicht neben
ihnen an einer Säule steht und keinen Blick von Gabriele verwendet. Nur
Frau von Sprendlingen sieht den Erben von Hohen-Esp und zeigt ihm ein
ganz besonders freundliches Gesicht.
Der Wagen wird gemeldet, Herr von Heidler bietet der Baronin den Arm,
und Gabriele folgt.
Guntram Krafft schreitet so dicht an ihrer Seite, daß der lichtblaue,
mit weißem Tibet besetzte Samt ihres Theatermantels ihn streift.
Die junge Dame bemerkte es nicht.
Wieder weht der süße Veilchenduft zu ihm empor und benimmt ihm schier
den Atem, -- der Einsiedler aus der Bärenhöhle hat nur Augen und Sinn
für die schlanke Mädchengestalt neben ihm, -- aber das stolze Antlitz
wendet sich nicht ein einziges Mal ihm zu.
Er steht und sieht, wie der Dragoneroffizier sie in den Wagen hebt und
dann selber einsteigt, -- die Pferde ziehen an, und neue Wagen und Rosse
drängen vor das Portal.
Wie im Traum schreitet der junge Graf in die kalte Winternacht hinaus.
In seinem Kopf wirbelt es von neuen, wundersamen Eindrücken.
Sein Herz schlägt heiß und ungestüm in seiner Brust; wie eine
leidenschaftliche Glückseligkeit, eine jauchzende Lebensfreude kommt es
über ihn. Morgen wird er seine Besuche fahren, er wird all die vielen,
heiteren, freundlich lachenden Menschen kennenlernen, -- auch Gabriele
von Sprendlingen, -- und dann ist er ihr kein Fremder mehr, er darf sie
grüßen, darf mit ihr plaudern ... und sie wird ihn mit den süßen,
rätselhaften Augen ebenso anblicken, wie vorhin den Dragoner ...
Noch nie hat sich der weltfremde Mann so frohen Herzens zum Schlafe
niedergelegt, wie an diesem Abend, -- vor seinen Ohren rauschen die
Wogen des Meeres, klingen die Zauberweisen des »Fliegenden Holländers«
-- Sentas Antlitz trägt Gabrieles Züge, und sie breitet die Arme nach
ihm aus und singt leise wie ein Hauch: »Ach, wann wirst du, bleicher
Seemann, sie finden? Betet zum Himmel, daß bald ein Weib -- die Treue
ihm hält!« -- Hohojohe! --
* * * * *
Die Villa Monrepos, welche der pensionierte General von Sprendlingen
bewohnte, lag in einer jener stillen Vorstadtstraßen, in welchen nur
Equipagen und elegante Passanten verkehren, wo kunstvolle Eisengitter
die prächtig gepflegten Gärten einhegen und weiße Steinbilder aus Taxus
und Lebensbäumen ragen.
Über den verschneiten Gartenweg eilte eine junge Dame in fußfreiem
Tuchkostüm, welches die sehr kleinen Juchtenstiefelchen genügend sehen
ließ, ein weiches Pelzkäppchen auf dem lose gepufften Haar, und die
dicke lange Boa von rötlich-hellem Pelz um den zierlichen Hals
geschlungen, zog eilig die Glocke und ging mit kaum merklichem Gruß an
dem Portier vorüber, um die teppichbelegte Treppe emporzuhasten.
Sie schien kein seltener Gast bei Fräulein von Sprendlingen zu sein,
denn der Diener öffnete sogleich wie ganz selbstverständlich die
weißlackierten Flügeltüren und sagte mit kurzer Verbeugung: »Darf ich
bitten, in das Musikzimmer, Komtesse, -- das gnädige Fräulein spielen
soeben!«
»Hm!« sagte Gräfin Thea von Sevarille, den Gruß ebenso unhöflich
erwidernd wie zuvor denjenigen des Portiers, staubte die letzten
Schneesternchen von dem Muff und schritt durch eine Flucht beinahe
übereleganter Salons nach dem kleinen, turmähnlichen Anbau, in welchem
Gabriele ihren Flügel aufgestellt hatte.
Fräulein von Sprendlingen klappte die Noten zu und erhob sich.
»Endlich, Thea! Es war mir schon ganz unheimlich, daß du noch nicht hier
warst! Während meiner Abwesenheit hat sich doch gewiß mancherlei hier
ereignet, was wichtig genug ist, um rapportiert zu werden! Komm mit
hinüber, ich finde es heute kalt hier!«
»Dein eisiges Herz kühlt die Temperatur zu schnell ab!« lachte Thea und
legte den Arm um die Schultern der Freundin. »Mir ist es recht, warm zu
sitzen, ich bin bis zum Eiszapfen gefroren!« --
Sie traten in das lauschige Boudoir, in welchem sie ehemals schon als
Backfische so oft beisammen gesessen; Komtesse Sevarille warf die
Pelzjacke und Boa ab, zog den weißen Schleier über das spitze,
scharfmarkierte Näschen empor und ließ sich wohlig vor dem Kamin in eins
der hellseidenen Sesselchen sinken.
»Neuigkeiten!« lachte sie; »wenn du gehst, Liebste, steht die Zeit bei
uns still, -- und sowie du wieder auf der Bildfläche erscheinst, häufen
sich die Ereignisse! Nummer 1! Du bist mit dem Schlitten umgekippt?« --
»=En passant=, -- es war nicht der Rede wert!«
»Es genügte, um dich einem höchst gefährlichen Retter in die Arme zu
führen!!« --
Thea dachte an den alten Dienstmann, von welchem man im Theater
gesprochen, und belachte ihren harmlosen Witz sehr vergnüglich; um so
mehr überraschte sie der plötzlich so ganz veränderte Ausdruck in dem
schönen Antlitz ihres Gegenübers.
»Ein gefährlicher Retter?« spottete Gabriele, und ihre Augen wurden so
groß und durchsichtig, als wollten sie einen Blick bis in ihr tiefstes
Herz gestatten. »Wenn mir alle Menschen so ungefährlich wären wie der
Bär von Hohen-Esp, so wäre es gut um mich bestellt!«
Schier atemlos starrte Thea sie an. »Der Bär von Hohen-Esp?« wiederholte
sie gedehnt.
»Verlangst du, daß ich ihn voll ersterbenden Respekts Herr Graf nenne?!«
--
»Der Hohen-Esper rettete dich?«
Gabriele zuckte beinahe ungeduldig die Achseln.
»Mein Gott, du fragst mich ja nach meinem Retter, und da muß ich dir
doch begreiflich machen, daß nichts an der ganzen Sache gefährlich war,
weder er noch der umgekippte Schlitten, noch die durchgehenden Pferde!
Nichts von alledem hat eine Spur hinterlassen!«
Einen Augenblick starrte Gräfin Sevarille, noch aufs höchste betroffen,
in das lodernde Kaminfeuer, dann faßte sie sich schnell und nickte sehr
lebhaft: »Du sollst mir die ganze Begegnung mit dem sagenhaften Menschen
einmal genau beschreiben! Ihr lerntet euch also bereits kennen?«
»Ebenso wie man sich mit einem Eckensteher kennenlernt, der zuspringt,
wenn einem der Schirm hinfällt!«