Gabriele blickte den Sprecher mit weit offenen Augen an. --

»Jener Fremde ... _jener_ ist es, königliche Hoheit?«

»Gewiß! Sie erwarteten auch eine ganz andere Erscheinung in dem

Einsiedler aus der Bärenhöhle?«

»Findest du wirklich, Vater, daß er so völlig von Europens Kultur

beleckt ist?« lachte Prinz Karl Emil mit zwinkerndem Blick: »Der

tadellos zugeschnittene Rock und die Krawatte =à la fin de siècle=

machen es nicht allein! Ich finde, der Graf sieht trotz all des

Goldschnitts, mit dem man ihn >neu eingebunden< hat, doch aus, wie ein

etwas verstaubter Foliant, welchen man aus wurmstichigem Archiv holt!«

Leises Gelächter, die Herzogin und einer der Flügeladjutanten sind

herzugetreten und beteiligen sich voll Interesse an dem Gespräch, sie

lachen ebenfalls über den drolligen Vergleich des Prinzen, nur der

Herzog zuckt etwas ungeduldig die Schultern.

»Motiviere deine Ansicht!« sagt er kurz, »was mutet dich >verstaubt< an

der blühenden, reckenhaften Gestalt des jungen Mannes an?«

»Sein Anzug nicht, das haben wir bereits konstatiert!« fährt der

Prinz mit lustig blitzenden Augen fort, »ich bin sogar überzeugt, daß

Parzival das modernste Parfüm ins Schnupftuch goß, welches jemals

Blumenmädchen fabrizierten. Aber ... es ist der Ton, welcher die Musik

macht -- und die Art und Weise, _wie_ ein Mensch seine Kleider trägt,

ist maßgebend für seine Persönlichkeit!«

»Ganz recht, -- _wie_ aber trägt Graf Guntram Krafft seinen Rock?«

»Wie ein Mann, der sich höchst fremd und höchst unbehaglich in der neuen

Fasson vorkommt!«

»So? Das ist mir noch nicht aufgefallen!«

»Beobachte ihn! Jede seiner Bewegungen ist geniert, ungeschickt, -- in

Wahrheit >bärenhaft<! Man sieht, daß der junge Einsiedler es gewohnt

ist, mehr mit Keulen dreinzuschlagen, als wie mit dem Operngucker zu

hantieren!« --

»Mich überrascht am meisten der Ausdruck seines Gesichtes!« schaltete

die Herzogin ein, »fraglos ist der Graf ein schöner Mann! Seine Züge

haben etwas Edles, ich möchte beinahe sagen Heldenhaftes! Aber ihr

Ausdruck nimmt ihnen vollständig diesen Charakter!«

»Er ist von all dem Neuen befangen!...«

»Und das wohl auch mit Recht! Seine Augen haben einen schier kindlichen

Blick, so naiv wie er schaut kaum noch ein Backfischchen drein! -- Was

er denkt und fühlt, spiegelt sich auf seinem Antlitz, das beobachtete

ich während der Vorstellung. Wenn er bemerkt, daß sich aller Augen aus

dem Publikum auf ihn richten, wird er verlegen wie ein schämiges

Jüngferchen, -- ich möchte darauf wetten, daß er sogar errötet!« --

»Dies alles deucht mir kein Fehler!«

»Gewiß nicht, -- aber auch kein Vorzug für einen Mann!« --

»Wir müssen bedenken, wie groß der Umschwung der Verhältnisse für den

Ärmsten ist! In tiefster Einsamkeit aufgewachsen, steht er urplötzlich

in dem bunten hochflutenden Strom großstädtischen Lebens, -- sonst

gewöhnt, stets die strenge, energische Mutter zur Seite zu haben, welche

alles für ihn bedenkt und leitet ... ist er plötzlich ganz allein auf

sich selbst angewiesen und muß sich ohne Kompaß und Steuer durch die

Flut völlig fremder Verhältnisse lavieren ...«

»Er steht daheim vollständig unter dem Einfluß der Mutter?«

»Selbstverständlich! Er wird der Gräfin jetzt wohl mit Ausübung aller

praktischen Arbeit zur Hand gehen, aber sicherlich Frau Herzeleide

ebenso als >hohe Obrigkeit< ansehen, wie Parzival der Ältere, ehe ihn

sein Tatendrang hinaus in die Welt führte!«

»Die Verhältnisse sollen ja geradezu glänzende geworden sein! Man sagt,

die Gräfin habe sich vollkommen arrangiert und das verlorene Vermögen

sozusagen zurückgewonnen!«

»Hut ab! Sie ist eine vortreffliche Frau, welche jedermann die höchste

Achtung abnötigt! Was diese Bärin für ihr Junges getan, macht ihr so

leicht kein Mann nach!«

»Sie muß eine geradezu geniale Landwirtin, eine geborene Agrarierin

sein! Allerdings hat sie auch viel Glück bei der Sache gehabt! Schon der

Umstand, daß der alte Wattenburg seinen Sohn verlor und nun nicht mehr

viel Interesse am Landbesitz hat! Dem allein verdankt sie es doch, daß

sie Walsleben so >portionsweise< zurückkaufen kann!«

»Nächstens geht das Gut wohl wieder völlig in ihren Besitz über! Der

alte Inspektor hat mal kürzlich unserem Domänenrat erzählt, die Gräfin

hätte es schon vor zwei Jahren kaufen können, die Barsumme läge bereit;

aber sie ist so sehr vorsichtig, daß sie sich nie völlig verausgabt,

sondern stets mit allen möglichen Eventualitäten rechnet, Mißernten

usw., wo es gilt, die Löcher mit Kapital stopfen!«

»Sehr klug und vernünftig gedacht! -- Ich bin sehr gespannt, den Sohn

kennenzulernen, ob er von den großen Anlagen der Mutter geerbt hat!«

»Vorläufig machen Mutter und Sohn ja zusammen noch eine >Zehne< aus!«

zuckte Prinz Karl Emil voll Humor die Achseln.

»Was heißt das?«

»Nun -- sie ist die eins -- und er ... die Null!« --

Abermals ein leises Gelächter, nur der Herzog klappte mit verräterischem

Zucken um die Lippen den Sohn mit dem Handschuh gegen den Arm und

schalt: »Unverbesserlicher Spötter! Bei dir und deiner beklagenswerten

Mama ist es freilich umgekehrt!«

In den Korridoren ertönte das Klingelzeichen, die hohen Herrschaften

traten nach sehr huldvoller Verabschiedung in die Loge zurück, und

Gabriele eilte, die Begleitung des Kammerherrn dankend ablehnend, zu

Frau von Sprendlingen zurück.

Ihr Atem ging schnell und unruhig, ihr Herz schlug aufgeregt in der

Brust.

Sie setzte sich schweigend auf ihren Platz nieder, und ein finsterer,

beinahe verächtlicher Blick streifte den Grafen von Hohen-Esp, welcher

sich mit aufleuchtenden Augen vorneigte und durchaus kein Hehl von

seinem Entzücken machte, sie wiederzusehen. Also das Muttersöhnchen aus

der Bärenhöhle war der mutige Retter, welcher mit so gewaltigen Fäusten

ihren Schlitten ausgerichtet hatte, daß der Kutscher gar nicht genug

davon schwärmen konnte, war der höfliche Mann, welcher sie emporgehoben

und mit solch unverhohlener Bewunderung in ihr Antlitz geblickt hatte,

daß sie lächeln mußte!

Der Bär von Hohen-Esp! Jener Held, welcher wegen einer kaum

beachtenswerten Verletzung am Fuß nicht Soldat ward, welcher sich feige

und schlapp hinter der Mutter Schürze verkroch, anstatt voll kühnen

Wagemuts hinaus in die Welt zu stürmen, um Gut und Blut zu Kaisers Ehren

zu wagen!

Und den nennen sie einen Parzival? Sie möchte schallend auflachen, und

beißt doch wie unter physischem Schmerz die Zähne zusammen.

Nein! Parzival war zwar auch ein Kind weltabgeschiedenster Einsamkeit,

welches die Mutter gegängelt hatte, solange sein Arm noch schwach und

sein Schwert noch kurz war, -- als aber dem jungen Löwen das Haus zu eng

ward, als er die königliche Kraft in Herz und Faust verspürte, da riß er

sich los von dem unwürdigen Gängelband, von Weiberrock und Schürze,

sattelte hochgemut sein Roß und zog aus, in seines Königs Landen Frau

Aventure die Fehde anzusagen!

Parzival, der weise Tor, ward ein Held, in dessen markiger Hand der

Speer, der heilige, leuchtete; was aber ist Graf Guntram Krafft?

Wahrlich ein Bär, welcher kampfmutig hervorbricht aus der Höhle, Sieg

und Beute zu suchen? --

Nein, wahrlich nicht!

Er sitzt hinter dem Ofen und läßt Weiberhände für sich arbeiten, er

erntet nur die Saat, welche die fleißige Mutter für ihn ausgestreut.

Und was tut er für Kaiser und Reich?

Nichts!

Für wen setzt er seine Bärenkräfte ein?

Nur für sich selbst!

Sagt er es sich nicht selbst, daß er als Mann, -- als Edelmann heilige

Pflichten zu erfüllen hat?

Nein!

In behaglicher Ruhe genießt er sein inhaltloses Leben, läßt das Schwert

an der Wand rosten und stellt das Schild der Ahnen in die Rumpelkammer!

Was will er hier?

Sich gar ein Weib suchen, welches sein Schlaraffenleben mit ihm teilt?

Ein verächtliches Zucken um Gabrieles Lippen.

Auch eine solche wird sich wohl für ihn finden; es gibt Mädchen, welche

wenig, sehr wenig von einem Mann verlangen, lediglich einen Trauring.

Gehört Gabriele von Sprendlingen zu diesen bescheidenen Seelen?

Nein, und tausendmal nein! In ihrer Brust glüht ein Feuer heiliger

Vaterlandsliebe und stolzer Begeisterung, vor dessen Flammenschein

selbst die reckenhafte Bärengestalt des reichen Grafen von Hohen-Esp wie

ein Schatten kläglich zusammenschrumpft!

Ja, kläglich!

Gabriele ist wie eine Elfengestalt winzig und zierlich neben dem Riesen

Guntram Krafft, und doch deucht es ihr, als blicke sie tief auf ihn

herab, so tief, daß er gar nicht mehr für sie existiert!

Als die letzten Musikklänge verrauscht sind und der tosende Beifall sich

gelegt hat, erhebt sich das junge Mädchen und schreitet hastig dem

Ausgang zu; für den Grafen von Hohen-Esp, welcher noch immer zögernd in

der Loge steht und zu ihr hinüberschaut, hat sie keinen Blick mehr.

In der großen Halle drunten stehen die jungen Offiziere und plaudern mit

den Damen, welche hier das Vorfahren der Wagen erwarten. Auch Leutnant

von Heidler ist Gabriele sporenklirrend entgegengetreten, küßt Frau von

Sprendlingen die Hand und erkundigt sich nach dem Befinden der Damen.

Er hat Gabriele bereits auf dem Bahnhof begrüßt -- daß seine Anwesenheit

daselbst ein Zufall gewesen, hat er weder behauptet, noch hat es die

junge Dame angenommen; auch jetzt blickt er ihr mit den kühnen,

siegesgewissen Augen, wie in selbstverständlicher Vertraulichkeit in das

reizende Antlitz und versichert ihr, daß die Residenz schauderhaft öde

ohne sie gewesen sei und daß es eine ganze Menge zu erzählen gäbe!

Gestern habe er mit etlichen Kameraden eine -- =soit dit= Schnitzeljagd

auf Schnee und Glatteis geritten, um die Dauerhaftigkeit der Gäule

auszuprobieren, die guten Resultate habe man selbstredend mit etwas

Alkohol gefeiert, und zwar sei die Sitzung so ausgedehnt worden, daß er

nicht mehr dazu gekommen sei, einen von ihm beabsichtigten Besuch in

Villa Monrepos zu machen. Ob er denselben jetzt noch nachholen und eine

Tasse Tee bei den Damen trinken dürfe?

Frau von Sprendlingen hat durchaus nichts dagegen, obwohl ihr Lächeln

ein wenig kühler scheint, wie sonst; Gabriele aber errötet unter dem

zarten Spitzenschleier, welcher ihr Köpfchen verhüllt, und die

Nixenaugen blitzen voll Interesse auf.

»Einen Übungsritt =à la= Heidler?« ruft sie lebhaft, »davon müssen Sie

erzählen! Wie geht es Ihrer >Gudrun< -- hat sie das Glatteis mit

bekannter Verve genommen?« --

»>Gudrun< hat brillant durchgehalten, aber Massenbach hat Pech mit

seinem >Slusohr< gehabt, -- nahm einen Graben ... gegen die Sonne ...

war natürlich geblendet und sprang zu kurz ...«

»O weh! Und >Slusohr<?« --

»Kocht bereits im Wurstkessel!«

»=Pour condoler!=« --

»Dem Besitzer des seligen Rosses oder denen, die es verspeisen müssen?!«

Sie lachen und bemerken kaum die hohe Männergestalt, welche dicht neben

ihnen an einer Säule steht und keinen Blick von Gabriele verwendet. Nur

Frau von Sprendlingen sieht den Erben von Hohen-Esp und zeigt ihm ein

ganz besonders freundliches Gesicht.

Der Wagen wird gemeldet, Herr von Heidler bietet der Baronin den Arm,

und Gabriele folgt.

Guntram Krafft schreitet so dicht an ihrer Seite, daß der lichtblaue,

mit weißem Tibet besetzte Samt ihres Theatermantels ihn streift.

Die junge Dame bemerkte es nicht.

Wieder weht der süße Veilchenduft zu ihm empor und benimmt ihm schier

den Atem, -- der Einsiedler aus der Bärenhöhle hat nur Augen und Sinn

für die schlanke Mädchengestalt neben ihm, -- aber das stolze Antlitz

wendet sich nicht ein einziges Mal ihm zu.

Er steht und sieht, wie der Dragoneroffizier sie in den Wagen hebt und

dann selber einsteigt, -- die Pferde ziehen an, und neue Wagen und Rosse

drängen vor das Portal.

Wie im Traum schreitet der junge Graf in die kalte Winternacht hinaus.

In seinem Kopf wirbelt es von neuen, wundersamen Eindrücken.

Sein Herz schlägt heiß und ungestüm in seiner Brust; wie eine

leidenschaftliche Glückseligkeit, eine jauchzende Lebensfreude kommt es

über ihn. Morgen wird er seine Besuche fahren, er wird all die vielen,

heiteren, freundlich lachenden Menschen kennenlernen, -- auch Gabriele

von Sprendlingen, -- und dann ist er ihr kein Fremder mehr, er darf sie

grüßen, darf mit ihr plaudern ... und sie wird ihn mit den süßen,

rätselhaften Augen ebenso anblicken, wie vorhin den Dragoner ...

Noch nie hat sich der weltfremde Mann so frohen Herzens zum Schlafe

niedergelegt, wie an diesem Abend, -- vor seinen Ohren rauschen die

Wogen des Meeres, klingen die Zauberweisen des »Fliegenden Holländers«

-- Sentas Antlitz trägt Gabrieles Züge, und sie breitet die Arme nach

ihm aus und singt leise wie ein Hauch: »Ach, wann wirst du, bleicher

Seemann, sie finden? Betet zum Himmel, daß bald ein Weib -- die Treue

ihm hält!« -- Hohojohe! --

* * * * *

Die Villa Monrepos, welche der pensionierte General von Sprendlingen

bewohnte, lag in einer jener stillen Vorstadtstraßen, in welchen nur

Equipagen und elegante Passanten verkehren, wo kunstvolle Eisengitter

die prächtig gepflegten Gärten einhegen und weiße Steinbilder aus Taxus

und Lebensbäumen ragen.

Über den verschneiten Gartenweg eilte eine junge Dame in fußfreiem

Tuchkostüm, welches die sehr kleinen Juchtenstiefelchen genügend sehen

ließ, ein weiches Pelzkäppchen auf dem lose gepufften Haar, und die

dicke lange Boa von rötlich-hellem Pelz um den zierlichen Hals

geschlungen, zog eilig die Glocke und ging mit kaum merklichem Gruß an

dem Portier vorüber, um die teppichbelegte Treppe emporzuhasten.

Sie schien kein seltener Gast bei Fräulein von Sprendlingen zu sein,

denn der Diener öffnete sogleich wie ganz selbstverständlich die

weißlackierten Flügeltüren und sagte mit kurzer Verbeugung: »Darf ich

bitten, in das Musikzimmer, Komtesse, -- das gnädige Fräulein spielen

soeben!«

»Hm!« sagte Gräfin Thea von Sevarille, den Gruß ebenso unhöflich

erwidernd wie zuvor denjenigen des Portiers, staubte die letzten

Schneesternchen von dem Muff und schritt durch eine Flucht beinahe

übereleganter Salons nach dem kleinen, turmähnlichen Anbau, in welchem

Gabriele ihren Flügel aufgestellt hatte.

Fräulein von Sprendlingen klappte die Noten zu und erhob sich.

»Endlich, Thea! Es war mir schon ganz unheimlich, daß du noch nicht hier

warst! Während meiner Abwesenheit hat sich doch gewiß mancherlei hier

ereignet, was wichtig genug ist, um rapportiert zu werden! Komm mit

hinüber, ich finde es heute kalt hier!«

»Dein eisiges Herz kühlt die Temperatur zu schnell ab!« lachte Thea und

legte den Arm um die Schultern der Freundin. »Mir ist es recht, warm zu

sitzen, ich bin bis zum Eiszapfen gefroren!« --

Sie traten in das lauschige Boudoir, in welchem sie ehemals schon als

Backfische so oft beisammen gesessen; Komtesse Sevarille warf die

Pelzjacke und Boa ab, zog den weißen Schleier über das spitze,

scharfmarkierte Näschen empor und ließ sich wohlig vor dem Kamin in eins

der hellseidenen Sesselchen sinken.

»Neuigkeiten!« lachte sie; »wenn du gehst, Liebste, steht die Zeit bei

uns still, -- und sowie du wieder auf der Bildfläche erscheinst, häufen

sich die Ereignisse! Nummer 1! Du bist mit dem Schlitten umgekippt?« --

»=En passant=, -- es war nicht der Rede wert!«

»Es genügte, um dich einem höchst gefährlichen Retter in die Arme zu

führen!!« --

Thea dachte an den alten Dienstmann, von welchem man im Theater

gesprochen, und belachte ihren harmlosen Witz sehr vergnüglich; um so

mehr überraschte sie der plötzlich so ganz veränderte Ausdruck in dem

schönen Antlitz ihres Gegenübers.

»Ein gefährlicher Retter?« spottete Gabriele, und ihre Augen wurden so

groß und durchsichtig, als wollten sie einen Blick bis in ihr tiefstes

Herz gestatten. »Wenn mir alle Menschen so ungefährlich wären wie der

Bär von Hohen-Esp, so wäre es gut um mich bestellt!«

Schier atemlos starrte Thea sie an. »Der Bär von Hohen-Esp?« wiederholte

sie gedehnt.

»Verlangst du, daß ich ihn voll ersterbenden Respekts Herr Graf nenne?!«

--

»Der Hohen-Esper rettete dich?«

Gabriele zuckte beinahe ungeduldig die Achseln.

»Mein Gott, du fragst mich ja nach meinem Retter, und da muß ich dir

doch begreiflich machen, daß nichts an der ganzen Sache gefährlich war,

weder er noch der umgekippte Schlitten, noch die durchgehenden Pferde!

Nichts von alledem hat eine Spur hinterlassen!«

Einen Augenblick starrte Gräfin Sevarille, noch aufs höchste betroffen,

in das lodernde Kaminfeuer, dann faßte sie sich schnell und nickte sehr

lebhaft: »Du sollst mir die ganze Begegnung mit dem sagenhaften Menschen

einmal genau beschreiben! Ihr lerntet euch also bereits kennen?«

»Ebenso wie man sich mit einem Eckensteher kennenlernt, der zuspringt,

wenn einem der Schirm hinfällt!«

Die Bären von Hohen-Esp: Roman · 第 42 / 110 题