Ist dies wahrlich nur eine Komödie?
Ihm ist's, als wehe die kalte, scharfe Seeluft in die Loge empor, -- ihm
ist's, als woge das Meer vor seinen Blicken ... ihm ist's, als stehe er
selber am Strand und schaue aus nach jenem Schiff, von welchem die
sehnsüchtigen Klänge über die Wasser ziehn ... »Blas lieber Südwind!...«
Guntram Krafft richtet sich höher auf, wie wildes Heimweh überkommt es
ihn, voll sehnsüchtigen Entzückens leuchten seine Augen! -- Er möchte
die nervigen Arme recken und dehnen, möchte aus rauher Seemannskehle den
Fremden auf der Bühne zujauchzen: »Ho ho johe! ich hol' euch über!! --«
Vergessen hat er, wo er ist, er weiß es nicht, daß ein Lichtstrahl aus
den Kulissen hervor just sein weit vorgeneigtes, begeistertes Antlitz
trifft, er ahnt es nicht, wie schön ihn die Erregung macht, wie
auffällig er sich in diesem Augenblick benimmt.
Er weiß es auch nicht, daß zwei Mädchenaugen in langem Schauen auf ihm
haften, daß es in ihnen aufleuchtet wie geheime Leidenschaft und
brennendes Interesse, -- seine Nachbarin, Komtesse Thea, welche keinen
Blick von ihm wendet.
In die gegenüberliegende Loge sind leise zwei Damen getreten und haben
unbemerkt Platz genommen.
Die Jüngere ist es, die mit langem Blick den Grafen von Hohen-Esp
mustert und ihrer Nachbarin zuflüstert: »Sieh, Mama, da drüben steht der
fremde Herr, welcher mich gestern unter dem Schlitten hervorgeholt hat!«
Frau von Sprendlingen, die noch immer auffallend schöne und elegante
Frau des seit etlichen Jahren pensionierten Generals, hob die Lorgnette.
»Ah! Das interessiert mich! Eine auffallend schöne und stattliche
Erscheinung! Er scheint ja überaus begeistert von der Aufführung --
sogar von diesem ersten langweiligen Akt! -- Sonst bekommen die Herren
in der Regel erst Augen und Ohren, wenn die Senta erscheint! -- Sieh nur
diesen Ausdruck in dem Gesicht deines Retters! Nächstens fällt er auf
die Bühne herunter! Seine Augen _leuchten_ ja förmlich! Wer mag es sein,
hörtest du es nicht, Gabriele?«