Ein Lächeln, Raunen, Flüstern -- --

Ja, der moderne Parzival, welchen die besorgte Mutter so ängstlich

gehütet, welchen sie in tiefer Waldeinsamkeit erzog und nun doch hinaus

in die gehaßte Welt schicken muß, weil das Herz des jungen Recken voll

glühender, tatendurstiger Ungeduld nach Aventure verlangt.

Die ganze Residenz wußte es bereits, daß der Graf von Hohen-Esp im Hotel

Quartier genommen und gekommen war, die Feste der Saison zu besuchen, um

sich eine Burgherrin für die ferne Bärenhöhle zu erwählen.

Voll lebhaften Interesses sahen Mütter und Töchter der guten Partie

entgegen, und manch neugierig forschender, oder zärtlich lächelnder

Blick streifte den jungen Mann, wenn er seine Spaziergänge durch die

Straßen machte und sich so völlig fremd und unbekannt in der Stadt

wähnte.

Auch jetzt waren fast alle Blicke auf den Bären von Hohen-Esp gerichtet,

welcher ahnungslos über die Menge hinwegblickte und nur eine einzige

unter allen suchte.

Er bemerkte es auch nicht, wie eine junge Dame in der Nebenloge, welche

sich lebhaft mit den Insassen seiner Loge begrüßt hatte, die Blicke

immer wieder auf ihn heftete und sichtlich bemüht war, seine

Aufmerksamkeit zu erregen.

Wie schwer aber war das bei einem derart naiven und harmlosen Menschen

wie diesem modernen Parzival!

Er hörte mit halbem Ohr der Begrüßung und Unterhaltung zu, vernahm, daß

der eine der Offiziere sie »gnädigste Komtesse« -- eine der Damen als

»liebste Thea« anredeten, daß man über einen Ball bei dem Kammerherrn

von Stach sprach und fragte, warum eigentlich Fräulein von Sprendlingen

nicht zugegen gewesen sei ...

Dann aber setzte die Musik ein, und ihre wundervolle Eigenart

interessierte den Grafen mehr, wie das verstummende Geplauder neben ihm.

Soeben wollte sich seiner eine gewisse Mißstimmung über die

Enttäuschung, welche er erfahren, bemächtigen, aber der eigenartige

Seemannsruf, das so faszinierende: »Ho -- Hoho johe!« -- riß ihn empor

aus seinen Gedanken, atemlos hinabzulauschen, wo aus Flöten und Geigen

schier spukhaft der ganze Zauber des Seemannslebens emporrauschte.

Und als sich der Vorhang hob -- da erhob sich ganz unwillkürlich auch

Guntram Krafft und schaute starren Blickes, tief aufatmend, voll

unendlichen Staunens auf das mächtig wogende Meer, auf welchem das

Schiff des fliegenden Holländers heranfliegt!

Und nun er selber, der verwünschte, ruhelose Mann, just so, wie sein

altes, verräuchertes Bild in der »blauen Woge« daheim hängt, so bleich,

wie Krischan Klaaden ihn deutlich gesehen hat, als er in wilder

Sturmnacht am Kap Horn an ihnen vorüberraste!

»Blutrot die Segel -- schwarz der Mast! --« Und alle Segel vollgesetzt,

so wie das bei einem Schiff aus Holz und Eisen unmöglich gewesen, kein

Licht an Bord -- keine Mannschaft auf Deck -- kein Pfeifen und Schrillen

um Rahen und Wanten -- still und geisterhaft wie ein Schatten flog's

vorbei, -- Elmsfeuer blitzen, und nur auf dem Vorderschiff eine düstere

Gestalt mit schneeweißem Gesicht ... so ... just so, wie sie jetzt

drunten auf der Bühne steht!

Die Bären von Hohen-Esp: Roman · 第 32 / 110 题