Schon geraume Zeit vor Beginn der Vorstellung hatte sich Graf Hohen-Esp
in dem Theater eingefunden.
Er war der erste Gast im Haus, fast allein in der Loge, und betrachtete
voll nachdenklichen Interesses das Gemälde des Vorhangs, die
geschmackvolle Pracht des Goldstucks ringsum. Als Anton ihm zum
erstenmal ein Billett in die Fremdenloge besorgt hatte, war der so
sparsam gewöhnte Einsiedler entsetzt über den hohen Preis und fragte:
»ob denn nicht noch billigere Plätze vorhanden seien?«
Anton aber schüttelte ebenso respektvoll wie energisch den grauen Kopf
und antwortete: »Nein, Herr Graf! Es ist Befehl der gnädigsten Frau
Gräfin daheim, daß Euer Gnaden hier in allen Dingen standesgemäß
auftreten. Wir haben es ja jetzt wieder dazu, an Geld ist kein Mangel
mehr, seit die Güter in dero Besitz sind, und wenn in der Burg so
sparsam gewirtschaftet wird, so ist das um des Prinzips willen, -- wenn
es gilt, den Namen zu repräsentieren, soll es mit dem altgewohnten Glanz
geschehen, -- so haben es die Frau Gräfin-Mutter bestimmt.«
Guntram Krafft war es seit Kindesbeinen gewöhnt, einen Befehl der Mutter
blindlings zu erfüllen, und so saß er auch jetzt wieder in der Loge, und
wenn er diesen Platz auch noch viel zu prunkvoll für seine schlichten
Ansprüche fand, so freute er sich doch, daß er ihm ein so unauffälliges
Ausschauen nach allen Seiten gestattete.
Sobald eine Tür klappte, richtete sich sein Blick wie in ungeduldigem
Forschen den neu Eintretenden zu, und so viel anmutige junge Mädchen und
selbstbewußte schöne Frauen auch erschienen, Guntram Krafft sah
jedesmal enttäuscht aus. --
Mehr und mehr Menschen drängten sich nach ihren Plätzen, immer bunter,
immer farbenprächtiger ward das Bild ringsum, -- auch die Loge füllte
sich mit Gästen.
Ein paar höhere Offiziere mit ihren Damen nahmen neben dem Grafen Platz,
die Erscheinung des fremden Herrn mit schnellen Blicken musternd und
alsdann hinter dem Fächer in unauffälliger Weise nur das eine Wort
flüsternd: »Der Parzival!«