Seb. Er muß gestern Abends noch sich verloren haben. Als ich gegen
Mitternacht nach Hause kam, lag dieser Brief auf seinem Schreibpult -- ich
sah mit Schaudern und Beben, daß er fort sey.
Bengler erbrach den Brief an ihn, den ihm Sebald überreichte, und las
befremdet:
_Lollys Vater_!
»Ich liebte deine Tochter -- ich liebe sie noch. Aber ich kenne die Pflicht
des Freundes, und weiß mich aufzuopfern, mit Freuden aufzuopfern. Sebald
mein Bruder hängt mit voller Liebe an ihr -- er wäre verlohren, blieb ich
da --«
Ein unseliger Irrthum! -- unterbrach Sebald den Leser -- Ein unglücklicher
Mißverstand! Ich will dir die Sache erzählen.
Bengler las mit Erstaunen weiter:
»Auch Lolly liebt ihn, ich bin überzeugt --«
Bei der Würde des Kaisers nicht! -- rief Sebald hastig! -- Doch lies nur
weiter!
»Dieses Menschenpaar, das mir unendlich theuer ist, das ich unaussprechlich
schätze, kann nie anders glücklich seyn, als durch meine Entfernung. Ich
gehe also dahin, wo ich Ruhe und Vergessenheit des Seelensturms mir holen
kann, daß die Geliebten ungestört von mir einen beneidenswerthen Himmel
ihrer Seligkeiten geniessen können. Denkt dann -- an den unglücklichen
Freund