Benglern zitterte die Hand, mit der er den Brief hielt, er saß lange da,
ohne ein Wort zu finden, das ausdrückte, was in seinem Innern vorgieng. Was
er unternommen? Warum? Erkläre --
Sebald erzählte ihm offenherzig die ganze Sache, soviel als er selbst des
deutlichen wußte. Die außerordentliche Aehnlichkeit Lollys mit einem andern
Mädchen, den Vorfall mit dem Bildniß, Salassins untrüglichen Irrthum,
selbst seine Geschichte mit Jilla von Wort zu Wort. -- Mir ist bange um
deine sanfte Tochter! -- fügte er endlich hinzu als er mit der Erklärung
fertig war. -- Was wird sein Vater -- was seine Mutter sagen! -- Salassin!
Was hast du gethan! -- rief Bengler mit zitternder Stimme, seine Stirne
furchte sich, die Hand fiel auf den Schoos, der Brief auf den Boden. --
Wohin hat dich deine Raschheit verleitet! Welchen Jammer machst du deinen
Eltern! Er der einzige Sohn, an dem sie mit aller Liebe unzertrennlich und
einzig hiengen -- die ihre 6jährige Jadilla mit unbeschreiblichem Kummer
verloren und betrauern -- auch Salassin -- ihre einzige Hoffnung -- Was
werd ich den Eltern sagen! Wie werden sie jammern die Unglücklichen! O des
traurigen Festes! Wie soll ich die Mutter vorbereiten --!
Und Lolly -- lispelte Sebald!
Ach! an sie vergaß ich schon gar beim Gedanken des elterlichen Kummers! --
Wir sagen er sey krank!
Seb. Verwünscht -- ich habe geplaudert, Salassin wäre seit der Morgenstunde
nicht zu Hause mehr gewesen!
Bengler legte bedrängt die Hand an den Kopf, und sann und wußte nicht
worauf. Das geht nun freilich nicht an -- und wenn es wäre, glaube mir, sie
lief in der leidenschaftlichen Theilnahme wohl gar mit dir, um des Kranken
zu pflegen. -- O des Leichtsinnigen! Wenn wir doch nur wüßten, wohin er
geirrt?
Nach einer tiefen Pause, in der sich beide dem bittersten Gefühl preis
gaben, sprach Bengler:
Der Kaiser zog heute in den Krieg?
Seb. Ja!
Bengler. Wenn Salassin im Heere wäre?