Sal. Erhohlung hätt ich nöthig!
Seb. Wir machen einen Spazierritt aufs Land.
Sal. Weit?
Seb. Wie du willst!
Sal. Wann kommen wir zurück?
Seb. Morgen!
Sal. Meinetwegen.
Seb. In einem Dorfe 4 Stunden von der Stadt ist das Lager abgesteckt für
die Armee. Der Kaiser selbst wird dahin sich begeben, um das Heer zu
mustern, sich den Soldaten zu zeigen, und ihnen Muth und Liebe einzuflößen.
Man hat Bemerkungen gemacht, daß die unruhigen Normänner sich zu einem
Streifzug ins nördliche Germanien rüsten. Der Sicherheit halber kampirt
unsrer Armeen eine gegen Norden bin.
Sal. Reuten wir allein, oder in Gesellschaft?
Seb. Wie du willst.
Sal. Also allein.
Sie meldeten sich dem Fürsten von Tellmann drum und fort im flüchtigen
Gallopp flogen die rüstigen Pferde durch Gassen und Strassen zum Thore.
Sie erreichten bald das erste der Dörfer. Eine Menge geschmückter Jünglinge
und Mädchen, tanzten in Reigen in einem Wiesenthale. Sie feierten das
Aerntefest. Die Musik hallte so lieblich aus der Ferne den Reutenden
entgegen. Büsche und Hecken rauschten, und der Wind säuselte den
Wiederklang der Töne.
Neuntes Kapitel.
Die Einsiedelei.
Die sanfthallende Harmonie regte Beiden Empfindungen auf, sie ließen den
Zaum aus der Hand sinken, und hörten nur die lieblichen Töne, sahen nur
nach der volkreichen fröhlichen Wiese. So traf es sich daß sie die Strasse
abritten, und ihren Irrthum nicht eher als hinter dem Dorfe bei einem Bach
gewahrten, über den keine Brücke führte.
Wohin sind wir gerathen?
Wo hatten wir die Augen?
Riefen beide, und bemerkten die verfehlte Strasse.
Wir müssen lings gegen Norden zu!
Da geht kein Weg durch den Wald!
Je -- so müssen wir ihn uns suchen!
Gesagt! Gethan! Und sie ritten dem Wald zu, ernahen einen etwas unbefahrnen
Fuhrweg, der sie grade in das dunkelste Dickicht des Waldes führte, Tannen,
Fichten kaum über die Spitzen zu schauen, verschlangen sich mit ihren
Aesten, und selten blizte durch der Zweige dicke Dämmerung ein Sonnenstrahl
auf das feuchte Waldmoos. Immer dunkler wurde der Wald -- 3 lange Stunden
irrten sie darinn nicht auf Wegen und Stegen, -- von diesen waren längst
alle Spuren vergebens aufgesucht: wo ein etwas breiteres Pläzchen
durchzukommen war, da ritten sie, stiegen hundertmal ab, und führten die
Pferde sich nach.
Seb. Wir rittern ja doch etwa nicht im 12ten Jahrhundert?
Sal. Wenn uns doch ein Abentheuer mit Geistern und Hexen aufstieße.
Seb. Wie kämpften wir denn? mit Fingern?
Sal. Narrchen -- da liegen Stöcke und Aeste genug!
Seb. Ja wohl -- wir könnten eine Fichte zum Spaß aus dem Boden wurzeln, und
sie als Schwerdt brauchen.
Sal. Oder die Felsenstücke wie Kartätschen verschleudern!
Seb. Horch! Da klingt so ein menschlicher Ton aus dem Walde.
Sie standen und horchten.
Sal. Wahrhaftig -- das tönt ja wie ein Euphonklang!
Seb. O du Euphonschläger! Warum nicht gar wie ein Nachtigallied!
Sal. Wahrhaftig -- ich irre nicht! Ich vernehm es immer deutlicher! Wie ein
Mädchengesang!
Seb. Ey wenn wir doch auf ein Feenschlos kämen!
Sal. Und ein Duzend verzauberte Prinzessinnen enthexen müßten!
Seb. Halt! da wirds heller vor uns!
Sal. Die Waldnacht dämmert! -- Still! horch! -- Nun wenn da kein Euphon
mollirt: so will ich keins gehört haben! -- Pst! -- Hörst du wie die
Harmonie so klagend durch die Bäume rauscht? -- Da wohnen Menschen.
Seb. Richtig -- der Wald ist zu Ende -- junge Schläge grünen da vor uns!
Sal. Die Tannen und Fichten wechseln mit lichtern Birken, und dort wehen
hohe Buchen.
Seb. Da seh ich einen Fußsteig! Wir sind zu Ende!
Sal. Aber wo? Sieh links zur Seite -- da dämmert zwischen den dichten
Buchen ein Gebäude!
Seb. Wahrhaftig -- eine Siedeley! Nun, nun Herr Bruder, wir sind richtig in
einer alten Ritterwelt!
Sal. Ey! da wird er ja betrettner. Ein dunkler Buchenwald mit einer grauen
Mauer umgeben -- was --