Und die Gespenster hohnlachten. Und ihre Stimmen glichen denen von
tausend Fischadlern, die zumal schrieen. Und der Tod schwang seine
Hippe.
„Hörst Du sie?“ sagte Ulenspiegel; „das sind die Raubvögel der armen
Menschen. Sie nähren sich von kleinen Vögeln, nämlich den Schlichten
und Guten.“
Die sieben Sterngekrönten riefen: „Liebe, Gerechtigkeit,
Barmherzigkeit!“
Und die sieben Gespenster hohnlachten. Und ihre Stimmen glichen denen
von tausend Fischadlern, die zumal schreien. Und der Tod peitschte sie.
Und das Schiff fuhr mitten hindurch und schnitt Kriegsschiffe, Boote,
Männer, Weiber und Kinder entzwei. Die Klagen der Opfer, die „Erbarmen“
riefen, widerhallten auf dem Meere. Und das rote Schiff segelte über
sie alle hinweg, dieweil die lachenden Gespenster gleich Seeadlern
schrieen. Und der Tod trank hohnlachend das blutige Wasser.
Da das Schiff im Nebel verschwunden war, hörte die Schlacht auf und die
sieben Sterngekrönten vergingen.
Und Ulenspiegel und Nele sahen nichts mehr denn den schwarzen
Himmel, die hochgehende See, die düstern Wetterwolken, die auf dem
phosphorschimmernden Wasser heranzogen, und ganz nahe rote Sterne. Es
waren die Laternen der zweiundzwanzig Kuffs. Das Meer und der Donner
grollten dumpf.
Und Ulenspiegel läutete sacht die Alarmglocke und rief: „Der Spanier,
der Spanier! Er segelt auf Vlissingen!“ Und der Ruf hallte wider durch
die ganze Flotte.
Und Ulenspiegel sagte zu Nele:
„Ein grauer Schimmer breitet sich über Himmel und Meer aus. Die
Laternen leuchten nur noch schwach; der Tag bricht an, der Wind frischt
auf, die Wogen schleudern ihren Schaum über das Deck der Schiffe,
ein starker Regen fällt und hört sogleich wieder auf. Die Sonne geht
strahlend auf und vergoldet die Wogenkämme; das ist Dein Lächeln, Nele,
frisch wie der Morgen, sanft wie der Sonnenstrahl.“
Die zweiundzwanzig Kuffs segeln vorbei. Auf den Schiffen der Geusen
dröhnen die Trommeln und schrillen die Pfeifen; de Lumey ruft:
„Auf Befehl des Prinzen: Klar zum Entern!“ Ewont Pietersen Wort,
Vizeadmiral, ruft: „Auf Befehl Seiner Gnaden von Oranien und des Herrn
Admirals: Klar zum Entern!“ Auf allen Schiffen, „Johanna“, „Schwan“,
„Anne-Mie“, „Geuse“, „Kompromiß“, „von Egmont“, „von Hoorn“, „Willem de
Zwyger“, rufen alle Kapitäne: „Auf Befehl seiner Gnaden von Oranien und
des Herrn Admirals: Klar zum Entern!“
„Klar zum Entern! es lebe der Geuse!“ rufen die Soldaten und Matrosen.
Très-Longs Hucker, „Briel“ genannt, auf dem Ulenspiegel und Lamm sind,
gefolgt von „Johanna“, „Schwan“ und „Geuse“, erobert vier Kuffs.
Die Geusen werfen alles, was spanisch ist, ins Wasser, nehmen die
Niederländer gefangen, leeren die Schiffe aus wie Eierschalen und
lassen sie ohne Mast noch Segel in die Rhede treiben. Dann machen sie
Jagd auf die achtzehn andern. Der Wind weht heftig von Antwerpen,
die Längsseiten der schnellen Schiffe neigen sich unter der Wucht
der geschwellten Segel ins Wasser des Flusses, wie Mönchswangen beim
Winde, der aus den Küchen kommt. Die Kuffs fahren schnell; die Geusen
verfolgen sie bis in die Rhede von Middelburg unter dem Feuer der
Forts. Da entspinnt sich eine blutige Schlacht. Die Geusen schwingen
sich mit Äxten auf die Decks der Schiffe, die alsbald mit abgehauenen
Armen und Beinen übersäet sind, also daß sie nach der Schlacht
körbeweise in die Fluten geworfen werden müssen. Die Forts feuern auf
sie; sie spotten ihrer, und mit dem Ruf: „Es lebe der Geuse!“ nehmen
sie Pulver, Bomben, Kugeln und Getreide aus den Kuffs. Nachdem sie
sie entleert haben, stecken sie sie in Brand, lassen sie rauchend und
brennend in der Rhede zurück und segeln nach Vlissingen.
Von dort werden sie Mannschaft aussenden, um die Deiche von Holland
und Zeeland zu durchstechen und beim Bau neuer Schiffe zu helfen,
sonderlich der Vliebote von hundertundvierzig Tonnen, welche bis zu
zwanzig gußeiserne Feldstücke tragen können.
12
Es schneit auf die Schiffe. Ganz weiß ist die Luft bis weit in die
Ferne und ohn Unterlaß fällt der Schnee und sinkt weich in die schwarze
Flut, wo er schmilzt.
Es schneit auf das Land, ganz weiß sind die Wege, ganz weiß die
schwarzen Umrisse der entblätterten Bäume. Kein Laut als die fernen
Glocken von Haarlem, welche die Stunde läuten, und das fröhliche
Glockenspiel, das seine gedämpften Töne in die dicke Luft hinaussendet.
„Ihr Glocken, läutet nicht, Ihr Glocken, spielt nicht Eure schlichten,
holden Weisen: Don Federigo naht, der junge Blutherzog. Er marschiert
auf Dich los, und ihm folgen fünfunddreißig Fähnlein Spanier, Deine
tödlichen Feinde, o Haarlem, Stadt der Freiheit; zweiundzwanzig
Fähnlein Wallonen, achtzehn Fähnlein Deutsche, achthundert Pferde und
viel Geschütz. Hörst Du das Dröhnen dieses mörderischen Eisenwerks
auf den Lafetten? Falkonetts, Feldschlangen, kurze Kanonen mit
großem Rachen, all das ist für Dich, Haarlem. Glocken, läutet nicht,
Glockenspiel, sende nicht Deine frohen Weisen in die dicke Schneeluft
hinauf.“
„Wir Glocken werden läuten; ich, das Glockenspiel, werde meine kühnen
Klänge in die dicke Schneeluft hinaufsenden.“ Haarlem ist die Stadt
der tapferen Herzen, der mutigen Frauen. Ohne Furcht sieht sie von
ihren Glockentürmen die schwarzen Scharen ihrer Henker wie höllische
Ameisenhaufen kribbeln. Ulenspiegel, Lamm und hundert Meergeusen sind
in ihren Mauern. Ihre Flotte kreuzt auf dem See.“
„Mögen sie kommen!“ sagen die Einwohner. „Wir sind nur Bürger, Fischer,
Seeleute und Frauen. Um bei uns einzudringen, braucht Herzog Albas
Sohn, so sagt er, keine andren Schlüssel als sein Geschütz. Möge er die
schwachen Tore öffnen, wenn er kann; er wird Männer dahinter finden.
Läutet, Glocken; sende Deine fröhlichen Weisen, o Glockenspiel, in die
schwere Schneeluft hinauf.
„Wir haben nur schwache Mauern und Gräben nach alter Art. Vierzehn
Kanonen speien ihre sechsundvierzigpfündigen Kugeln auf die
~Cruys-poort~. Stellt Männer hin, wo Steine fehlen. Die Nacht kommt,
ein jeder arbeitet; es ist, als habe das Geschütz nie hindurch
geschossen. Auf die ~Cruys-poort~ haben sie sechshundertachtzig Kugeln
geschossen, auf die Porte Saint-Jean sechshundertfünfundsiebzig. Diese
Schlüssel schließen nicht, denn siehe, dahinter erhebt sich ein neues
Bollwerk. Läutet, Glocken, sende, Glockenspiel, Deine fröhlichen Weisen
in die schwere Schneeluft hinauf.
„Das Geschütz schießt, schießt immerfort gegen die Mauern; die Steine
springen ab, die Mauerecken stürzen ein. Die Bresche ist weit genug,
daß eine Kompagnie in Front hindurch könnte. „Sturm! Tod! Tod!“
schreien sie. Sie stürmen an, es sind ihrer zehntausend. Laßt sie mit
ihren Laufbrücken und Sturmleitern die Festungsgräben passieren. Unser
Geschütz ist bereit. Das ist die Schar der Todgeweihten. Grüßt sie,
Kanonen der Freiheit! Sie grüßen: die Kettenkugeln, die brennenden
Pechkränze, die zischend fliegen und die Masse der Stürmenden
durchbrechen, zerschlagen, in Brand setzen und blenden, also daß sie
weichen und in Verwirrung fliehen. Fünfzehnhundert Tote erfüllen den
Graben. Läutet, Glocken, und Du, Glockenspiel, sende Deine fröhlichen
Weisen in die schwere Schneeluft hinauf!
„Erneuert den Sturm! Sie wagen es nicht. Sie verlegen sich wieder aufs
Schießen und Minenlegen. Wir verstehen uns auch auf diese Kunst. Unter
ihnen, unter ihnen zündet die Lunte an; lauft, wir werden ein schönes
Schauspiel sehen. Vierhundert Spanier fliegen in die Luft. Das ist
nicht der Weg nach dem ewigen Feuer. O, der schöne Tanz beim silbernen
Klang unserer Glocken, bei der fröhlichen Musik unseres Glockenspiels!
„Sie ahnen nicht, daß der Prinz über uns wacht, daß alle Tage Schlitten
mit Getreide und Pulver durch wohlbewachte Zugänge zu uns gelangen;
das Getreide für uns, das Pulver für sie. Wo sind ihre sechshundert
Deutschen, die wir im Haarlemer Wald erschlugen und ertränkten? Wo
sind die elf Fahnen, die wir ihnen abnahmen, die sechs Geschütze und
fünfzig Ochsen? Wir hatten einen Mauergürtel, jetzt haben wir deren
zwei. Selbst die Frauen kämpfen, und Kennan führt ihre tapfere Schar.
Kommt, Henker, rückt in unsere Gassen ein, die Kinder werden Euch mit
ihren kleinen Messern die Kniekehlen zerschneiden. Läutet, Ihr Glocken,
und du, Glockenspiel, sende Deine fröhlichen Weisen in die dicke Luft
hinauf!
„Aber das Glück ist nicht mit uns. Die Flotte der Geusen ist auf
dem See geschlagen. Geschlagen sind die Truppen, die Oranien uns zu
Hilfe geschickt hatte. Es friert, es friert stark. Keine Hilfe! Auch
leisten wir, tausend gegen zehntausend, fünf Monate lang Widerstand.
Jetzt müssen wir mit unsern Peinigern unterhandeln. Wird der junge
Blutherzog, der uns den Untergang schwor, von keinem Vergleich hören
wollen? Wir wollen alle Soldaten mit ihren Waffen ausfallen lassen, sie
werden die feindlichen Scharen durchbrechen. Aber die Frauen sind an
den Toren und fürchten, man werde sie allein die Stadt bewachen lassen.
Glocken, läutet nicht mehr; Glockenspiel, sende Deine fröhlichen Weisen
nicht mehr in die Luft hinauf!
„Jetzt haben wir Juni, das Heu duftet, das Getreide wird gülden in der
Sonne, die Vögel singen; wir haben fünf Monde lang Hunger gelitten,
die Stadt ist in Trauer. Wir ziehen alle aus Haarlem heraus, die
Schützen voran, um den Weg zu bahnen, die Frauen und die Kinder und der
Magistrat hinterdrein, beschützt vor dem Fußvolk, das über die Bresche
Wacht hält. Ein Brief, ein Brief des jungen Blutherzogs. Ist’s Tod, was
er kündet? Nein, Leben für alles, was in der Stadt ist. O unerwartete
Güte -- Lüge vielleicht! Wirst Du wiederum singen, fröhliches
Glockenspiel? Sie rücken in die Stadt ein.“
Ulenspiegel, Lamm und Nele hatten die Tracht der deutschen Söldner
angelegt, die, sechshundert an der Zahl, mit ihnen im Kloster der
Augustiner eingesperrt waren.
„Wir werden heute sterben,“ sagte Ulenspiegel ganz leise zu Lamm.
Und er preßte Neles reizenden Körper, der vor Furcht bebte, an seine
Brust.
„Ach, meine Frau, die werde ich nicht wiedersehen,“ sprach Lamm. „Aber
vielleicht wird uns unsere deutsche Soldatentracht das Leben retten?“
Ulenspiegel schüttelte den Kopf zum Zeichen, daß er an keine Gnade
glaubte.
„Ich höre den Lärm des Plünderns nicht,“ sagte Lamm.
Ulenspiegel erwiderte:
„Die Bürger haben dem Abkommen gemäß Plünderung und Leben um die Summe
von zweihundertvierzigtausend Gülden erkauft. Sie werden binnen zwölf
Tagen hunderttausend Gülden bar und den Rest drei Monate später zahlen.
Den Frauen ist anbefohlen, sich in die Kirche zurückzuziehen. Ohne
Zweifel werden sie jetzt mit dem Morden beginnen. Hörst Du, wie sie
Blutgerüste nageln und die Galgen aufrichten.“
„Ach, wir werden sterben,“ sagte Nele; „mich hungert!“
„Ja,“ flüsterte Lamm Ulenspiegel zu, „der junge Blutherzog hat gesagt,
daß wir ausgehungert gefügiger sein werden, wenn man uns zum Tode
führt.“
„Mich hungert so sehr,“ sagte Nele.
Am Abend kamen Soldaten und verteilten ein Brot für sechs Mann.
„Dreihundert wallonische Soldaten sind auf dem Markt gehenkt worden,“
sagten sie. „Bald werdet Ihr drankommen. Es war von jeher Hochzeit der
Geusen mit dem Strick.“
Am nächsten Abend kamen sie wiederum mit ihrem Brot für sechs Mann:
„Vier vornehme Bürger sind enthauptet worden,“ sagten sie.
„Zweihundertneunundvierzig Soldaten sind zwei zu zweit zusammen
gebunden und ins Meer geworfen. Die Krabben werden dies Jahr fett
werden. Ihr anderen habt kein gutes Aussehen seit dem 7. Juli, wo Ihr
hier seid. Die Niederländer sind Fresser und Säufer; wir Spanier haben
an zwei Feigen zum Nachtmahl genug.“
„Darum also,“ antwortete Ulenspiegel, „muß man Euch überall beim
Bürger vier Mahlzeiten von Fleisch, Geflügel, Rahmspeisen, Wein und
Eingemachten bereiten; darum braucht Ihr Milch, um die Leiber Eurer
~Mustachos~ zu waschen, und Wein, um die Füße Eurer Pferde zu baden?“
Am 18. Juli sagte Nele:
„Ich habe nasse Füße; was ist das?“
„Blut,“ sagte Ulenspiegel.
Am Abend kamen die Soldaten abermals mit ihrem Brote für sechs.
„Wo der Strick nicht mehr hinreicht, tut das Schwert die Arbeit,“
sagten sie. „Dreihundert Soldaten und siebenundzwanzig Bürger, die aus
der Stadt zu entfliehen gedachten, lustwandeln jetzt mit dem Kopf in
der Hand in die Hölle.“
Am folgenden Tag drang das Blut wiederum ins Kloster. Die Soldaten
kamen, nicht um Brot zu bringen, sondern nur, um die Gefangenen zu
betrachten. Sie sagten:
„Die fünfhundert Wallonen, Engländer und Schotten, so gestern geköpft
sind, sahen gesünder aus. Diese da haben gewißlich Hunger; aber wer
sollte Hungers sterben, wenn nicht der Geuse?“
Und wahrlich, bleich, abgezehrt, kraftlos und in kaltem Fieber
erzitternd, waren sie alle Gespenstern gleich.
Am sechzehnten August um fünf Uhr abends traten die Soldaten lachend
ein und gaben ihnen Brot, Käse und Bier. Lamm sprach:
„Das ist die Henkersmahlzeit.“
Um zehn Uhr kamen vier Fähnlein; die Kapitäne ließen die Türen des
Klosters öffnen und befahlen den Gefangenen, zu viert hinter den
Pfeifern und Trommlern zu marschieren, bis an den Ort, wo man ihnen
Halt gebieten würde. Manche Straßen waren rot, und sie schritten nach
dem Galgenfeld.
Hier und da waren die Wiesen mit Blutlachen befleckt; Blut war rings
um die Mauern. Die Raben kamen von allen Seiten in Scharen; die Sonne
verbarg sich in einer Nebelschicht. Der Himmel war noch hell, und in
seinen Tiefen tauchten zaghaft die Sterne auf. Plötzlich vernahmen sie
klägliches Geheul.
Die Soldaten sagten:
„Die da schreien, sind die Geusen aus dem Fort Fuycke, außerhalb der
Stadt; man läßt sie Hungers sterben.“
„Auch wir werden sterben,“ sagte Nele.
Und sie weinte.
„Die Asche brennt auf meinem Herzen,“ sagte Ulenspiegel.
„Ach,“ sprach Lamm auf Vlämisch / die Soldaten des Geleits verstanden
diese stolze Sprache nicht / „ach,“ sprach Lamm, „wenn ich diesen
Blutherzog halten und ihn zwingen könnte, alle Stricke, Galgen,
Folterbänke, hölzerne Pferde, Gewichte und spanische Stiefel zu
fressen, bis ihm die Haut platzte; wenn ich ihm das von ihm vergossene
Blut eingießen könnte, und daß Holzsplitter und Eisenstücke durch
seine zerissene Haut und seine entblößten Eingeweide drängen! Und
wenn er noch nicht den Geist aufgäbe, würde ich ihm das Herz aus der
Brust reißen und es ihn roh und giftig fressen lassen. Dann würde er
sicherlich aus dem Leben abscheiden und in den Schwefelpfuhl fallen, wo
der Teufel es ihn für und für essen ließe. Und so während der ganzen
langen Ewigkeit.“
„Amen,“ sagten Ulenspiegel und Nele.
„Aber siehst Du nichts?“ fragte sie.
„Nein,“ sagte er.
„Ich sehe im Westen fünf Männer und zwei Frauen im Kreise sitzen,“
sagte sie. „Der eine ist mit Purpur bekleidet und tragt eine güldene
Krone. Er scheint das Haupt der andern zu sein, die alle zerlumpt und
bettelhaft sind. Von Osten her seh ich eine andere Schar von sieben
kommen. Auch ihnen gebeut einer, der in Purpur gekleidet ist, doch er
trägt keine Krone. Und sie stoßen auf die aus Westen, und sie kämpfen
in der Wolke gegen sie; aber ich sehe nichts mehr.“
„Die Sieben,“ sprach Ulenspiegel.
„Ich höre,“ sagte Nele, „neben uns im Laub eine Stimme gleich einem
Hauch sprechen:
„Durch Krieg und Feuer,
Durch Piken und Schwerter
Suche;
In Tod und Blut,
In Trümmern und Tränen
Finde.“
„Andere als wir werden das Land Flandern befreien,“ erwiderte
Ulenspiegel. „Die Nacht wird schwarz, die Soldaten zünden Fackeln an.
Wir sind beim Galgenfeld. O, süße Liebste, warum bist Du mir gefolgt?
Hörst Du nichts mehr, Nele?“
„Doch,“ sprach sie, „ein Klirren von Waffen in den Kornfeldern. Und
da über diesem Hügel, welcher den Weg, den wir einschlagen, überragt,
siehst Du den roten Fackelschein auf dem Erz blinken? Ich sehe feurige
Punkte von Büchsenlunten. Schlafen unsere Wächter, oder sind sie blind?
Hörst Du den Donnerschlag? Siehst Du die Spanier von Kugeln durchbohrt
fallen? Hörst Du: „Es lebe der Geuse!“ Sie stürmen den Pfad hinauf mit
vorgestreckter Pike; mit Äxten steigen sie längs des Hügels hinunter.
Es lebe der Geuse!“
„Es lebe der Geuse!“ riefen Lamm und Ulenspiegel.
„Schau, da sind Soldaten, die uns Waffen geben,“ sagte Nele. „Nimm,
Lamm, nimm, mein Geliebter. Es lebe der Geuse!“
„Es lebe der Geuse!“ ruft die ganze Schar der Gefangenen.
„Die Büchsen hören nicht auf zu schießen,“ sagte Nele. „So beleuchtet
vom Fackelschein, fallen sie wie die Fliegen. Es lebe der Geuse!“
„Es lebe der Geuse!“ ruft die Schar der Retter.
„Es lebe der Geuse!“ rufen Ulenspiegel und die Gefangenen. „Die Spanier
sind in einem Feuerkreis. Tod! Tod! Nicht einer soll leben bleiben!
Tod! Kein Mitleid! Krieg ohne Erbarmen! Und nun laßt uns unser Bündel
schnüren und bis Enckhuysen eilen. Wer hat die Tuch- und Seidenkleider
der Henker? Wer hat ihre Waffen?“
„Alle, alle!“ schrieen sie. „Es lebe der Geuse!“
Gesagt, getan. Sie fahren im Boot nach Enckhuysen, wo die befreiten
Deutschen bei ihnen bleiben, um die Stadt zu bewachen.
Und Lamm, Nele und Ulenspiegel finden ihre Schiffe wieder. Und da
singen sie zum andern Mal auf offnem Meer: „Es lebe der Geuse!“
Und sie kreuzen in der Rhede von Vlissingen.
13
Da ward Lamm wiederum frohgemut. Er ging gern an Land und machte auf
Ochsen, Schafe und Geflügel Jagd, als wären es Hasen, Hirsche und
Fettammern.
Auf dieser nährsamen Jagd war er nicht allein. Es war eine Freude,
die Jäger heimkehren zu sehen. Mit Lamm an der Spitze, zogen sie das
Großvieh an den Hörnern, das Kleinvieh stießen sie vor sich her, mit
der Gerte lenkten sie Gänseherden, und am Ende ihrer Bootshaken trugen
sie Hühner, Kücken, Kapaune trotz des Verbotes.
Dann gab es Schmaus und Gelage auf den Schiffen. Und Lamm sagte: „Der
Geruch der Brühen steigt bis zum Himmel und ergötzt dort die Herren
Engel, welche sagen: Das ist das beste am Fleisch.“
Dieweil sie kreuzten, kam eine Kauffahrerflotte aus Lissabon, deren
Kommandant nicht wußte, daß Vlissingen in die Hände der Geusen gefallen
war. Man befiehlt ihr, die Anker zu werfen, und schließt sie ein.
Trommeln und Pfeifen geben das Zeichen zum Entern. Die Kaufleute haben
Kanonen. Piken, Beile und Hakenbüchsen.
Von den Schiffen der Geusen regnet es Musketen- und Stückkugeln. Ihre
Scharfschützen, hinter ihren Brustwehren um den Großmast verschanzt,
schießen sicher und gefahrlos. Die Kaufleute fallen wie Fliegen.
„Vorwärts!“ sprach Ulenspiegel zu Lamm und Nele, „Vorwärts! Hier sind
Gewürze, Juwelen, kostbare Eßwaren, Zucker, Muskat, Nelken, Ingwer,
und glänzende Reale, Dukaten und Gold-Moutons. Es sind mehr als
fünfhunderttausend Stück. Der Spanier wird die Kriegskosten tragen.
Laßt uns trinken! Wir wollen die Geusenmesse singen, das ist die
Schlacht!“
Und Ulenspiegel und Lamm griffen überall an wie Löwen. Nele blies die
Pfeife im Schutze der hölzernen Schanze. Die ganze Flotte ward erbeutet.
Die Toten wurden gezählt; es waren ihrer tausend auf Seiten der
Spanier, dreihundert auf Seiten der Geusen, unter ihnen der Schiffskoch
des Vliebootes „Briel.“
Ulenspiegel verlangte vor Très-Long und den Matrosen zu reden, welches
Très-Long ihm gern zugestand. Und er hielt ihnen diese Rede:
„Herr Kapitän und ihr, Kameraden und Freunde, wir haben viel Spezereien
geerbt, und hier haben wir Lamm, den guten Dickwanst, welcher meint,
daß der arme Tote da, Gott habe ihn selig, kein großer Meister in
Fleischgerichten war. Laßt uns ihn an seiner Stelle erwählen, und er
wird Euch himmlische Ragouts und paradiesische Suppen bereiten.“
„Das wollen wir,“ sagten Très-Long und die andern. „Lamm soll Oberkoch
des Schiffes sein. Er soll die große, hölzerne Kelle tragen, um den
Schaum von seinen Brühen abzulöffeln.“
„Herr Kapitän, Kameraden und Freunde,“ sprach Lamm, „Ihr sehet mich
vor Freude weinen, denn ich verdiene eine so große Ehre nicht. Da Ihr
jedoch geruht, Euch an meine unwürdige Person zu wenden, so nehme ich
die edlen Pflichten eines Meisters der Kochkunst auf dem wackeren
Vlieboot „Briel“ an. Aber zugleich bitte ich Euch demütig, mir das
höchste Kommando der Küche zu verleihen, solchergestalt, daß Euer
Oberkoch / das werde ich sein / durch Recht, Gesetz und Gewalt einem
jeden verwehren kann, der Andren Portion aufzuessen.“
Très-Long und die andern riefen aus:
„Es lebe Lamm! Recht, Gesetz und Macht soll dir zustehen!“
„Aber ich habe Euch noch eine andere Bitte demütig zu stellen. Ich
bin fett, groß und stark, tief ist mein Bauch, tief mein Magen. Meine
arme Frau / Gott gebe sie mir wieder, / gab mir allzeit zwei Portionen
anstatt einer. Bewilligt mir die gleiche Gunst.“
Très-Long, Ulenspiegel und die Matrosen sagten:
„Du sollst zwei Portionen haben, Lamm.“
Und Lamm sagte, plötzlich melancholisch werdend:
„Mein Weib, mein süßes Liebchen, wenn irgend etwas mich über Deine
Abwesenheit trösten kann, so wird es das sein, daß ich mich bei meinem
Tun deiner himmlischen Kochkunst in unserm trauten Heim erinnere.“
„Du mußt den Eid ablegen, mein Sohn,“ sagte Ulenspiegel. „Bringt die
große, hölzerne Kelle und den großen Kupferkessel herbei.“
„Ich schwöre bei Gott, der mir hierin beistehe,“ sprach Lamm, „ich
schwöre Treue seiner Gnaden, dem Prinzen von Oranien, genannt der
Schweiger, der für den König die Provinzen Holland und Zeeland regiert;
Treue auch Messire de Lumey, dem kommandierenden Admiral unsrer edlen
Flotte, und Herrn Très-Long, Vizeadmiral und Kapitän des Schiffes
„Briel“. Ich schwöre, das Fleisch und Geflügel, so Fortuna uns
bewilligt, nach meinen geringen Kräften zu bereiten, gemäß den Bräuchen
und Gepflogenheiten der großen Köche von ehemals, die schöne Bücher mit
Bildern über die erhabene Kochkunst hinterlassen haben; ich schwöre,
besagten Herrn Kapitän Très-Long zu speisen und seinen Leutnant, meinen
Freund Ulenspiegel, desgleichen Euch alle, Oberbootsmann, Steuermann,
Aufseher, Kameraden, Soldaten, Kanoniere, Mundschenk, Schiffsjunge,
Kapitänsbursche, Wundarzt, Trompeter, Matrosen und alle. Wenn der
Braten zu blutig, das Geflügel zu wenig gebräunt ist, wenn die Suppe
einen schalen Geruch ausströmt, so der guten Verdauung schädlich ist,
wenn der Duft der Brühen Euch nicht alle verlockt, Euch in die Küche
zu stürzen -- mit Vorbehalt meiner Zustimmung -- wenn ich Euch nicht
alle lustig mache und Euch kein rundes Gesicht verschaffe, so werde
ich mein edles Amt niederlegen und mich für unfähig erachten, den
Küchenthron fürder innezuhaben. So helfe mir Gott in diesem und im
künftigen Leben.“
„Es lebe der Oberkoch,“ riefen sie, „der König der Küche, der Kaiser
der Fleischgerichte. Am Sonntag soll er drei Portionen statt zweier
haben.“
Und Lamm ward Oberkoch auf dem Schiffe „Briel“. Und während die
kräftigen Suppen in den Töpfen kochten, stand er stolz an der Küchentür
und hielt seine große hölzerne Kelle wie ein Zepter.
Und am Sonntag bekam er seine drei Portionen.
Wenn die Geusen mit dem Feinde handgemein wurden, hielt er sich gern
in seinem Laboratorium für Brühen auf, kam jedoch heraus, um auf Deck
etliche Büchsenschüsse abzugeben, stieg aber alsbald wieder hinunter,
um auf seine Brühen zu achten.
Und da er also ein treuer Koch und tapferer Soldat war, so war er bei
jedem beliebt.
Aber keiner durfte seine Küche betreten, denn dann war er wie ein
Teufel und schlug und stach mit seiner Holzkelle ohne Erbarmen.
Und er ward wiederum Lamm der Löwe benamst.
14
Auf dem Meer und auf der Schelde, bei Sonne, Regen, Schnee und Hagel,
im Sommer und Winter, fahren die Geusenschiffe, alle Segel beigesetzt,
wie Schwäne, weiße Schwäne der Freiheit, Weiß ist Freiheit, Blau Größe
und Orange ist für den Prinzen; das ist die Standarte der stolzen
Schiffe.
Alle Segel beigesetzt, so fahren die wackeren Schiffe. Die Flut schlägt
an ihre Flanken, die Wogen benetzen sie mit Schaum.
Sie segeln, jagen, fliegen auf der Flut, schnell wie Wolken vor dem
Nordwind, die stolzen Geusenschiffe, die Segel im Wasser. Hört ihr, wie
ihr Bug die Woge zerteilt? Gott der Freien. Es lebe der Geuse!
Hücker, Bujer, Vlieboote, Galeassen, schnell wie der Wind, der das
Ungewitter bringt, schnell wie die Wolke, die den Blitz birgt. Es lebe
der Geuse!
Bujer und Galeassen, flache Boote fahren den Fluß hinauf. Die Wellen
ächzen, von ihrem Kiel zerteilt, wenn sie dem Strome entgegen fahren,
mit dem mörderischen Rachen ihrer Feldschlange auf der Spitze des Bugs.
Es lebe der Geuse!
Alle Segel beigesetzt, so fahren die wackeren Schiffe. Die Flut schlägt
an ihre Flanken und benetzt sie mit Schaum.
Bei Tag und bei Nacht, bei Regen, Hagel und Schnee fahren sie! Christus
lächelt ihnen aus der Wolke, aus Sonne und Sternen zu. Es lebe der
Geuse!
15
Der Blutkönig vernahm die Kunde von ihren Siegen. Der Tod verzehrte den
Henker schon, und sein Leib war voller Würmer. Elend und menschenscheu
schritt er durch die Gänge von Valladolid, seine geschwollenen Füße und
bleischweren Beine schleppend. Er sang nimmer, der grausame Tyrann;
wenn der Tag anbrach, lachte er nicht, und wenn die Sonne sein Reich
wie ein Lächeln Gottes erhellte, so empfand er keine Freude in seinem
Herzen.
Aber Ulenspiegel, Lamm und Nele sangen wie Vögel. Sie trugen ihr Fell
zu Markt, nämlich Ulenspiegel und Lamm, und Nele ihre weiße Haut,
dieweil sie in den Tag hineinlebten. Über einen Scheiterhaufen, den die
Geusen löschten, freuten sie sich mehr, denn der schwarze König über
eine eingeäscherte Stadt.
Um jene Zeit entsetzte Wilhelm der Schweiger, Prinz von Oranien,
Herrn de Lumey de la Marck seiner Admiralswürde wegen seiner großen
Grausamkeit und ernannte Herrn Bouwen Ewoutsen Worst an seiner
Statt. Auch war er auf die Mittel bedacht, das Getreide zu bezahlen,
das die Geusen den Bauern geraubt hatten, die von ihnen erhobenen
Zwangskontributionen zu erstatten und den römischen Katholiken wie
allen die freie Ausübung ihrer Religion ohne Verfolgung noch Schmähung
zu bewilligen.
16
Auf den Schiffen der Geusen, unter dem strahlenden Himmel, auf den
klaren Fluten schrillen Pfeifen, schnarren Dudelsäcke, glucksen
Flaschen, klingen Gläser, gleißt das Eisen der Waffen.
„Wohlan,“ spricht Ulenspiegel. „Rühret die Trommel des Ruhmes, die
Trommel der Freude. Es lebe der Geuse! Spanien ist besiegt, die Harpye
gebändigt. Unser ist das Meer, Briel ist genommen. Unser ist die Küste
von Nieupoort bis Ostende und Blanckenberghe, die Inseln von Zeeland,
die Mündungen der Schelde, der Maas und des Rheines bis Helder. Unser
ist Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland, Rottum, Borkum. Es lebe der
Geuse!
„Unser ist Delft, Dordrecht. Das ist ein Lauffeuer, Gott hält die
Lunte. Die Henker verlassen Rotterdam. Das freie Gewissen, das Krallen
und Zähne der Gerechtigkeit hat wie ein Leu, nimmt Zütphen, die Städte
Deutichem, Doesburg, Goor, Oldenzaal und in der Landschaft Veluwe
Hattem, Elburg und Harderwijk.
„Das ist der Blitz, das ist der Donnerschlag: Kampen, Zwolle, Hasselt,
Steenwijk fallen uns in die Hände, desgleichen Oudewater, Gouda und
Leyden. Es lebe der Geuse!
„Unser ist Bueren und Enckhuysen. Noch haben wir nicht Amsterdam,
Schoonhoven und Middelburg. Doch mit der Zeit fällt den Geduldigen
alles zu. Es lebe der Geuse!
„Laßt uns spanischen Wein trinken. Aus den Kelchen, aus denen sie
das Blut der Opfer tranken. Wir werden durch den Zuydersee, durch
Ströme, Flüsse und Kanäle fahren. Nord-Holland, Süd-Holland und Zeeland
haben wir, Ost- und Westfriesland werden wir noch erobern; Briel wird
die Zuflucht unserer Schiffe sein, das Nest für die Bruthennen der
Freiheit. Es lebe der Geuse!
„Horcht, wie in Flandern, dem teuren Vaterland, der Racheschrei
losbricht! Waffen werden geschmiedet, Schwerter geschärft. Alles ist
in Bewegung und erzittert wie die Saiten einer Harfe beim warmen
Hauch, beim Hauche der Seelen, der aus Gruben und Scheiterhaufen von
den blutigen Leichen der Opfer aufsteigt. Alle: Hennegau, Brabant,
Luxemburg, Limburg, Namur, Lüttich, die freie Stadt, alle! Das Blut
keimt und befruchtet. Die Ernte ist reif für die Sichel. Es lebe der
Geuse!
„Die Nordsee ist unser, die weite Nordsee, und die guten Kanonen, die
stolzen Schiffe, die kühne Schar der gefürchteten Seeleute: Bettler,
Lumpen, Priester in Waffen, Edelleute, Bürger und Arbeiter, die vor der
Verfolgung fliehen. Mit uns allen vereint zum Werke der Freiheit. Es
lebe der Geuse!
„Blutkönig Philipp, wo bist Du? Alba, wo bist Du? Mit dem geweihten
Hute, des Papstes Geschenk, auf dem Haupt, schmälst und lästerst Du.
Schlaget die Freudentrommel. Es lebe der Geuse! Laßt uns trinken.
„Der Wein fließt in die güldenen Kelche. Schlürfet ihn fröhlich. Die
Meßgewänder, welche die rauhen Männer tragen, sind mit rotem Naß
getränkt. Die römischen Kirchenbanner flattern im Winde. Allzeit Musik!
Auf Euer Wohl, schrillende Pfeifen, schnarrende Dudelsäcke, Ruhm
wirbelnde Trommeln! Es lebe der Geuse!“
17
Die Welt war im Wolfsmond, welches der Monat Dezember ist. Eisiger
Regen fiel gleich Nadeln ins Wasser. Die Geusen kreuzten im Zuydersee.
Der Herr Admiral ließ durch Trompetensignal die Käpitäne der Hucker und
Vlieboote und mit ihnen Ulenspiegel auf sein Schiff entbieten.
„Wohlan,“ sagte er, zuerst zu ihm redend: „Der Prinz will Deine guten
Taten und getreuen Dienste anerkennen und ernennt Dich zum Kapitän
des Schiffes „Briel“, und ich übergebe Dir hiermit das Patent auf
Pergament.“
„Euch sei Dank, Herr Admiral,“ erwiderte Ulenspiegel, „ich werde all
meine geringe Kraft daransetzen, ein guter Hauptmann zu sein, und
durch solche Hauptmannschaft hoffe ich sehr, so Gott mir beisteht,
Flandern und Holland von Spanien zu enthaupten. Ich will Nord- und
Süd-Niederlande.“
„Das ist gut,“ sprach der Admiral. „Und jetzo,“ fügte er hinzu, zu
allen redend, „will ich Euch sagen, daß die aus dem katholischen
Amsterdam Enckhuysen belagern wollen. Noch sind sie nicht aus dem
Y-Kanal heraus; kreuzen wir davor, damit sie drinnen bleiben. Nieder
mit jedem ihrer Schiffe, daß seinen tyrannischen Rumpf im Zuydersee
blicken läßt.“
Sie antworteten:
„Wir werden sie in den Grund bohren. Es lebe der Geuse!“
Wieder an Bord seines Schiffes, ließ Ulenspiegel seine Matrosen und die
Soldaten auf Deck zusammentreten und verkündete ihnen, was der Admiral
bestimmt hatte.
Sie antworteten:
„Wir haben Flügel, das sind unsere Segel, Schlittschuhe, das sind die
Kiele unserer Schiffe, Riesenhände, das sind die Enterhaken. Es lebe
der Geuse!“
Die Flotte segelte ab und kreuzte eine Seemeile vor Amsterdam,
dergestalt, daß niemand ohne ihren Willen ein- und ausfahren konnte.
Am fünften Tage hörte es auf zu regnen, der Wind wehte schärfer bei
hellem Himmel, die Amsterdamer rührten sich nicht.
Plötzlich sah Ulenspiegel Lamm auf Deck steigen. Mit gewaltigen
Schlägen seiner Holzkelle trieb er den Truxman, den Dolmetsch des
Bootes vor sich her, einen jungen Kerl, der in der vlämischen und
französischen Sprache bewandert war, aber seinen Schnabel noch besser
zum Essen gebrauchen konnte.
„Taugenichts,“ sagte Lamm, „wähntest Du, meine Fleischgerichte
ungestraft vor der Zeit essen zu können? Klettere auf den Mast und sieh
zu, ob sich auf den Amsterdamer Schiffen nichts rührt. Damit wirst Du
etwas Gutes tun.“