Sie lächelte wieder: „Adieu, Vitus Kelt, und es war sehr schön.“

Er stand auf. „So gehen Kameraden nicht auseinander. Rufe mich, wenn

du mich je brauchen solltest. Wir haben uns lieb wie Geschwister. Ein

Bruder, der fortgeht, sorgt sich, wer seiner Schwester Freund und Hüter

sein wird -- Freund und Hüter im fernen Land des Lebens.“

„Ach, Vitus, in Wirklichkeit bin ich doch ein Junge. Ich werde mit

allem schon allein zu Ende kommen. Adieu, Vitus Kelt, und grüße auch

deinen Freund von mir.“

„Leb’ wohl, Leonore, ich werde dich nie vergessen.“

Wunderlich klang ihr das Wort: „ich werde dich nie vergessen.“ Dankmar

Kurtzen hatte dasselbe gesagt.

„So, Vitus, nun ist der Abschied zu Ende. Nun gehen wir heim, und du

plauderst noch.“

Sie gingen durch den Juniabend. Der war rein und still wie eine letzte

Liebe. Sanftheit lag über der Landschaft. Allen Ruhe -- allen Ruhe und

einen Schimmer von Glück. Leonore war sonderbar gerührt. Kelt ging --

und doch war alles gut. Ein junges Herz klagt nicht um einen Frühling,

der geht. Es weiß ja noch so viele junge Jahre vor sich.

* * * * *

Leonore ging die Wege die sie so oft mit Kelt gewandert war. Ueber

die weiten Höhen, die nach den Wäldern hin abfallen, ging sie -- die

Römerstraße verfolgend -- an alten Begräbnisplätzen vorüber, den

Heidenfriedhöfen des Landes. Da lag die Flur in Sommermittagsstille.

Schwer und reif war das Korn. Weiße Straßen schnitten am Himmelsrand

ab. Nur zuweilen schob sich der Wald herein, zuweilen unterbrachen

Heidenstrecken voll Thymian die Felder.

Leonore ging und hörte hinter den Wäldern aus weiter, weiter Ferne

her den Wind rauschen. Um sie war es still -- nur weit fort, von

Ewigkeit her, klang der Wind. Sie fühlte sich der Erde so nahe. Voll

Liebe fühlte sie sich. Und es war ihr, als bezauberte sie die stille

Landschaft, als schliche sich ihr verschwiegener Sommerreiz wie ein

Geliebter leise in ihr Herz.

In jähem Erschrecken dachte sie: Bin ich denn untreu geworden? Was habe

ich geweint um Kapellendorf! Und nun gehe ich über fremde Erde wie über

heiliges Land. Was ist denn! Bin ich eine von denen, die keine Treue

halten können? Nein -- nein, das will ich nicht!

Sie dachte an die alte Heimat. Die stand vor ihren Augen mit zärtlicher

Lockung. Sie dachte: einst, wenn ich mein eigenes Leben leben kann,

dann will ich es wohl beweisen, daß diese Liebe kein vergänglicher

Kindheitstraum war. Dann will ich heimgehen in das alte Land.

Leonore ging die Wege, die sie so oft mit Kelt gegangen war. Sie ging

und hörte von ferne, in weiter Ferne den Wind in Wipfeln spielen -- den

Wind rauschen wie die Brandung des Meeres. Um sie war es still -- nur

weit fort, von Ewigkeit her, klang der Wind. -- --

Kapellendorf · 第 13 / 43 题