Sie war verwirrt. „Nein, ich denke nur so.“

Da sagte der alte Mann zu seiner Frau: „Mir scheint, unsere kleine

Leonore ist ein Fräulein geworden. Wie sie plaudern gelernt hat!“

In jedem andern Augenblick würde dieses Wort Leonore zum Verstummen

gebracht haben. Jetzt dachte sie nur, der Großvater soll nicht immer

glauben, daß er sterben muß. Wenn nur der Pastor nicht kommt, was kann

der helfen? Der Großvater hat immer seine Sachen allein gemacht. Und

alle Redefähigkeit, die sie draußen mit Frau Zeine, mit Klemens und

Graf Kurtzen gehabt hatte, stellte sich ein.

Als später Klemens mit scheuen Augen kam und seine Eichenzweige

brachte, fand er, daß man in der Krankenstube geradezu vergnügt war.

Leonore saß da -- sie zitterte, und Kälte stieg in ihr auf und ab, aber

sie erzählte. Sie erzählte von ihren Taten und Träumen mit Klemens.

Dabei kam verhalten zutage, wie sehr sie alles hier liebten, das

Schloß, die Gärten, das Land, die Großeltern.

Der alte Mann, der bald sterben mußte, konnte wissen: noch in manchem

fernen Jahr würden seine Enkel mit heißem Herzen an die Heimat denken,

die er ihnen hatte geben können.

Und es kam, daß die Kinder sich nicht mehr fürchteten. Sie waren um

den Großvater, und er wurde ihnen zu ihresgleichen. Ja, es kam, daß er

selbst redete, daß er selbst zurückging in die Zeit, als er so jung

gewesen war wie die Kinder. --

Der Arzt ging ab und zu. Er hatte nicht viel zu sagen. Der Großvater

war so alt. An einem Abend sagte er zu den Kindern: „Kommt mir nur

morgen bald, Ihr seid jetzt meine Hofkavaliere, die mich unterhalten.“

Am andern Morgen war der Großvater tot. Und die Kinder fürchteten sich

nicht. Sie waren bei ihm -- und sie weinten. Es war ihnen wie eine

Erlösung, daß sie weinen durften und nicht mehr gefaßt und tapfer sein

mußten.

Draußen im Garten blühten noch immer die Blumen. In grellen, fröhlichen

Farben standen sie da bestrahlt von der Herbstsonne. Die Kinder gingen

nebeneinander -- und holten Blumen für den Großvater. Leonore sagte:

„daß es alles nicht mehr sein kann, das ist“ -- sie wandte sich ab. Sie

sah nicht, daß in den Zügen des Freundes ein Kummer lag, der ihr galt.

Klemens wußte -- sein Vater, der gekommen war, hatte es ihm gesagt

-- bald nach dem Großvater würden auch Leonore und sie alle von

Kapellendorf fortgehen -- freilich einen andern Weg. --

Der Großvater wurde begraben -- in heimatlicher Erde bestattet, in

heimatlicher Erde, die Kinder und Enkeln teuer bleiben wird, sagte der

Pfarrer. Er war ein Freund des Großvaters, von weit hergekommen.

Kapellendorf · 第 10 / 43 题