Und sie sagt: »Nun, etwa fünftausend Mark.«

Fünftausend Mark hat der Jons auf der Sparbank. Die hat er mit ihr in

zwanzig Jahren zusammengekratzt. Aber die kann die Urte nicht meinen.

Die sollen ihnen ja Stütze und Zuflucht sein für das kommende Alter.

Gewiß will sie aus eigener Tasche geben, was fehlt. Und es fehlt

womöglich noch mehr, denn der Herr Tuleweit macht eine hängende Nase und

sagt, bei einem so kleinen Anerbieten werde man leicht behandelt wie ein

nichtsnutziger Schwätzer, aber er wolle schon sehen, er wolle schon Rat

schaffen und hoffe auf spätere reiche Belohnung.

Damit trinkt er sein Weinglas leer und verspricht, in acht Tagen

wiederzukommen.

»Willst du die Fünftausend wirklich aus Eigenem geben?« fragt die Erdme

voll Dankbarkeit.

»Sehr gern wollt' ich sie geben,« sagt die Urte und lächelt; »nur, wenn

ich sie hätte, dann braucht' ich sie selber.«

»Wo sollen sie denn aber herkommen?«

»Von da, wo der Vater sie hingetragen hat,« erwidert die Urte. »Ist es

nicht schon genug, daß ich auf meine Hälfte verzichte?«

Die Erdme will reden, aber ihr ist, als sitzt ihr ein Klumpen Heede im

Schlund.

Alles soll hin! Alles soll weg! Bloß damit die Katrike ein Nest kriegt.

Und die, die solange in der Kammer gelauert hat, kommt begierig

gelaufen.

»Wer wird es? Wer ist es? Wieviel Hufen hat er? Wieviel Pferde stehen im

Stalle? Wieviel Rindvieh weidet am Ufer?«

Da kriegt die Erdme die Sprache wieder. »Wenn es um _den_ Preis geht,

dann schlag dir die Heirat nur aus dem Kopf. All sein Gespartes gibt der

Vater dir nie.«

Und die Katrike heult und wälzt sich am Boden. Ihren Besitzer will sie

nicht lassen. Der ist ihr versprochen, seit sie ein Kind war. Der kommt

ihr zu. Der gehört ihr zu eigen.

Der Erdme dreht sich das Herz im Leib um. Ihr Kind ist im Recht. Nie ist

von was Anderem die Rede gewesen. Nie hat sie selbst es sich anders

gedacht.

Sie hebt die Katrike auf und liebkost sie und verspricht ihr das Blaue

vom Himmel.

Der Jons kommt aus den Wiesen, sieht die dickgeweinten Gesichter und

wundert sich. Aber fragen tut er nichts. Das hat er sich lange schon

abgewöhnt.

Die Erdme, deren Gewissen nicht das reinste ist, geht ihm aus dem Wege,

so viel sie nur kann, aber begegnen muß sie ihm doch, und schließlich

versucht sie's mit Vorwürfen.

»Du hast kein Herz für deine Töchter,« sagt sie, »und du achtest sie wie

einen Strick um den Hals.«

Litauische Geschichten · 第 39 / 69 题