Er antwortete, die Rede Alutens nachsprechend, daß gegen Gottes
allmächtigen Willen Menschenkraft ohnmächtig sei, und man müsse
zufrieden sein, wenn man sich nichts vorzuwerfen habe.
Da legte sie plötzlich beide Hände auf seine Schultern, sah ihn lange
mit den bohrenden Augen an, die sie jetzt immer machte, und sagte dann:
»Schlaf bei mir, Miks Bumbullis! Dann werd' ich dir etwas erzählen, was
zu wissen dir nottut.«
Er fühlte eine große Unruhe und antwortete: »Mir ist nach lockeren
Streichen nicht zumut. Erzähl es mir auch so.«
»Nein,« sagte sie, »anders tu' ich es nicht.«
»Ich werd' es mir überlegen,« antwortete er und ging aus dem Stalle.
In derselben Nacht kam die Erscheinung wieder. Sie war in ihrem
Hemdchen, hatte auf jeder Achsel einen Vogel sitzen und trug einen
Stengel in der Hand, aber das war ein Schierlingstengel.
Er sagte der Alute nichts davon. Und als der Abend kam, sparte er wieder
sein Essen auf, holte sich heimlich einen Topf und trug es darin zum
Kirchhof hinaus.
Er war des Glaubens, das alles sei unbemerkt geschehen, aber hinter dem
Hofzaun stand Alute und sah ihm nach.
Diesmal gab die Giltinne sich nicht so leicht zufrieden, denn das Kind
erschien ihm auch in der nächsten Nacht.
»Es wird wohl wieder ein Hahn sein müssen,« dachte er, aber ein
unbestimmtes Gefühl hielt ihn ab, Alute zu bitten, daß sie ihn
schlachte.
Die Erscheinung kam immer wieder, und die Unruhe verließ ihn nicht mehr.
Da faßte er sich ein Herz, und während die Frau noch auf dem Felde war,
ging er der Madlyne nach in die Kammer. Als sie ihn kommen sah, stieß
sie einen Seufzer aus und faltete die Hände wie eine, die sich bereit
macht, selig zu sterben.
So schlief er also bei ihr, und als ihr Kopf an seiner Schulter lag, da
kam es ihm zur Klarheit, daß er immer und immer nur nach ihr verlangt
hatte.
Sie weinte ohne Aufhören und küßte ihm beide Hände.
Und dann ermahnte er sie, daß sie nun ihr Versprechen erfüllen solle.
Sie kniete vor dem Bette nieder und flehte: »Verlange es nicht! Verlange
es nicht!«
Aber er verlangte es immer wieder.
Da sah sie, daß es kein Entrinnen mehr gab, und erzählte ihm, auf welche
Art Alute das Kind umgebracht hatte. Und sie würde nie und nimmer zu
überführen sein.
In seinem ersten Zorn griff er nach Madlynens Halse, um sie zu erwürgen,
weil sie die Tat nicht verhindert hatte.
Sie sagte: »Drück nur zu! Drück nur zu! Oben am Hühnerbalken kannst du
die Schlinge sehen, mit der ich mich aufhängen wollte. Und wärst du
nicht so plötzlich gekommen, hätte ich es auch getan.«