»Darum komm herüber und setz dich neben mich,« sagt er.
Ach, wie gerne sie das tut!
Aber als sie ihm näher kommt, da fällt ihr Blick auf die Sackleinwand,
die zwischen seinen Füßen liegt und die sie bisher nicht bemerkt hat.
Wie sie die wiedersieht, wird ihr ganz schlecht. Sie sinkt auf die
Mittelbank nieder und lehnt ihren Rücken gegen den Mast.
»Warum kommst du nicht?« fragt er fast unwirsch.
Nun weiß sie nicht, was sie tun soll. Soll sie ihn fragen, soll sie's
mit Stillschweigen übergehen? Aber das weiß sie: dorthin, wo prall und
rund der Sack liegt, um dessen Inhalt er sie belügt, dorthin kann sie
die Füße nicht setzen. Sie würde glauben, auf ein Nest von Schlangen zu
treten.
Und da kommt ihr der Gedanke, Klarheit zu schaffen über das, was gewesen
ist. Jetzt gleich im Augenblick. Denn später kommt sie vielleicht nie.
Sie faßt sich also ein Herz.
»Willst du mir nicht sagen, mein Ansaschen, was du in der Sackleinwand
hast?«
Er fährt hoch, als hätte ihn eine aus dem Schlangennest in den Fuß
gebissen, aber er schweigt und wendet den Kopf weg. Sie kann sehen, wie
er zittert.
Da erhebt sie sich und legt die Hand auf seine Schulter, aber sie hütet
sich wohl, der Sackleinwand zu nahe zu kommen.
»Mein Ansaschen,« sagt sie, »es ist ja jetzt wieder ganz gut zwischen
uns, aber ehe du nicht alles gestehst, geht die Erinnerung an das Böse
nicht weg.«
Er bleibt ganz still, aber sie fühlt, wie es ihn schüttelt.
»Und dann, mein Ansaschen,« sagt sie weiter, »geht es auch wegen des
lieben Gottes nicht anders. Ich hab' vorhin beten wollen, aber die Worte
blieben mir im Halse. Denn du standest mir nicht bei. Darum sag es
schon, und dann beten wir beide zusammen.«
Da fällt er vor ihr auf seine Kniee, schlingt die Arme um ihre Kniee und
gesteht alles.
»Mein armes Ansaschen,« sagt sie, als er zu Ende ist, und streichelt
seinen Kopf. »Da müssen wir aber _tüchtig_ beten, damit der liebe Gott
uns verzeiht.«
Und sie läßt sich neben ihm auf die Kniee nieder, faltet ihre Hände mit
den seinen zusammen, und so beten sie lange. Nur manchmal muß er nach
dem Steuer sehen, und dann wartet sie, bis er fertig ist.
Zum Schluß segnet sie ihn, und er segnet sie, und dann stehen sie wieder
auf und sind guter Dinge.
Nur was in der Sackleinwand ist, hat er vergessen zu sagen.
Sie zeigt darauf hin und will es wissen.
Aber er wendet sich ab. Er schämt sich zu sehr.
Da sagt sie: »Ich werde selber öffnen.« Und er wehrt ihr nicht.
Und wie sie den Sack aufreißt, was findet sie da? Zwei Bündel grüne
Binsen findet sie, mit Bindfaden aneinander gebunden. Weiter nichts.