(Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II. 1656. S. 131.)

Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest

angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden

Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht

alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie ein

gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen, den

Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists gekommen,

daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf noch

jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen.

775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen wurde.

(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II. 1656. S. 181.)

Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen, daß

die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu allen vier

Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem Kürschner in

der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat damals die wichtigsten

Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine Sage gegangen, daß von

der Zeit an kein Kürschner mehr zum Ratstand gezogen worden sei.

776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.

(Mündlich.)

Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden

die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine Ausnahme davon

aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von Seiffen und die

Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch während der Zeit,

da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die Märkte der Stadt

und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere die Töpfer von

Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin frei und ungehindert diese

Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde ihnen solches Privilegium von

den Kurfürsten wiederholt und unter anderem auch von August dem Starken

bestätigt, jedoch mit dem Zusatze, daß jeder Meister nur einen Korb

Waren mitbringen und nur »einen Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag

lang) verkaufen dürfe.

777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.

(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.)

Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche, aber

keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich dem

Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt, daß

einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt habe. Der

letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern seiner Gemeinde

nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich in dem Biere etwas

gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand ein Streit, der immer

hitziger wurde und damit endete, daß der allein als Partei auf einer

Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde. Dies geschah in dem Walde

zwischen Griesbach und Lindenau. Der Körper des Erschlagenen aber wurde

in dem Walde verborgen und noch heute soll sich die Gestalt dieses

Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst sehen lassen. Die Griesbacher

Gemeinde hat aber seitdem keinen eigenen Pfarrer mehr erhalten.

Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die

Griesbacher Kirche, ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus

verwaltet wurde, stets ein Filial von Neustädtel gewesen; sie hatte

also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern hatte sie St.

Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule

desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden

Almosen für Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil.

Martin hoch zu Roß vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen

Bauernweiber brachten ihm, als einem besonderen Schutzpatrone des

Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen. (Kirchengalerie

a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen

durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle

Wuotans.

778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche zu Schneeberg

eine Thür von außen erhielt.

(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.)

Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St.

Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor

der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe in

die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre

fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich.

Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt:

Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des

vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die

ganze Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die

damals nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber

obschon er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine

Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch nicht

gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit

für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche ihm

wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt sein

könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach

Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen

konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller

Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend

einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles, wenn

es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem

Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals

seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander.

Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während des

gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre in drei

Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man thun? Die Thüre

blieb bis auf den heutigen Tag.

779. Der erste Klöppel in Annaberg.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.)

Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg aufbaute, kam

einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete den Galgen und

sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die Chronik den dicken

Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne Glocke! Nun, ich

will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein wird!« Nicht lange

darauf fing man einen Dieb, und wer war's? Klingensporn. Er ward zum

Strange verurteilt und hing nach wenig Tagen als der erste Klöppel in

der großen steinernen Glocke vor der Stadt. Seinen Tod aber haben die

Alten angesehen für ein göttliches Warnungszeichen, daß man über ernste

Dinge nicht mutwillig scherzen solle.

780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.

(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.)

Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus, welche, vom

Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser verzehrte.

Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches jetzt das Museum heißt,

ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna Biener. Der Bruder krankte

seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn, so daß er mit Ketten an

die Wand gefesselt werden mußte. Als nun der Markt bereits in vollen

Flammen stand, da suchte Benigna in Todesangst nach dem Schlüssel,

um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen und ihn fortzuführen, aber der

Schlüssel war nicht zu finden; sie suchte die Ketten zu zerschlagen,

aber das Eisen trotzte der schwachen Mädchenhand. Schon schlug die Lohe

zu den Fenstern und der Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht

von ihrem Bruder. Die Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden

Schutt und Gebälke lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten

Tage darauf zog man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen

unter den Trümmern hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der

schreckliche Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen

durch die Todesangst ein lichter Augenblick gekommen?

Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten

Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames Grab zeigt

man noch jetzt.

781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.

(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.)

Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll ehedem

sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf der einen

Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen steht. Der

Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll, nachdem er mit

dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt und also den

Bau mit seinem Blute versiegelt haben.

Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die

anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein,

nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er

schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll

viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf

von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell in

Spanien.

782. Die Zipperleinkur in Annaberg.

(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.)

Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in

Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher

schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen war,

sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer war

gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu schlagen.

Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen Rammel nicht

wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn. Dieser schrie

zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh darüber, denn das

Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und ist auch bis an seinen

Tod nicht wiedergekehrt.

In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch, daß ein

geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen hatte,

unversehens los ging.

783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.

(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom

Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.)

Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche nach jedem

Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister Hans Hünerkopf

den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz von Annaberg erstochen

haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters Frau) nachgegangen

war.«

Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des

Annen-Tempels zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die

gelehrten Elterleiner, 1739.

Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein

ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein

Feld bei Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche

aber fand man eine Messingtafel mit dem Hünerkopfschen Wappen und

folgender Inschrift: »~Anno~ 1533 ist verschieden der Erbare Hans

Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott gnädig sey.« Dieser

Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren von Schönburg

geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein.

Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu

Elterlein rührt von einer zur Familie der ~Chroococcaceen~ gehörige

Alge her.

784. Die Bäuerin in Frohnau.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.)

In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude

»himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche

Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in Frohnau als

Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in kurzer Zeit sehr

reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein und trieb allerlei

Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie sich täglich in dem

teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und um nun denselben nicht

umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit Semmelbrocken vermischt, den

Armen als Kaltschale zu trinken. Diese wußten nicht, was die Bäuerin

erst mit dem Weine gemacht hatte, aßen mit vieler Lust und dankten

der reichen Geberin viel tausend Mal für die köstliche Erquickung.

Aber als sie die Badegeschichte erfuhren, da ekelte sie und warfen der

übermütigen Bäuerin die Fenster ein und sangen Spottlieder auf sie,

so daß sie sich nicht mehr öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens

muß sie auch noch andere recht unziemliche Dinge verübt haben, denn

der Klerus war darüber so erzürnt, daß er Gott öffentlich bat, den

Bergsegen zu vermindern.

Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin« am

Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll.

785. Die beiden Brüder zu Frohnau.

(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.)

Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544 zwei Brüder,

die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause und hatten

etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken, raunt ihnen einer zu,

es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen und raube dort die

Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre Schwerter und nahmen

die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von jener Seite das

Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische. So schleichen

sie denn heran und als einer den andern im Dunkel erblickt, stürzen sie

in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf einander los und einer erhält

eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei erkennt ihn der Sieger

als seinen Bruder, man eilt herbei und als der schwer Getroffene noch

in derselben Nacht an seinen Wunden stirbt, ergreift der unglückliche

Brudermörder die Flucht, und erhielt nur unter der Bedingung Verzeihung

von dem Herzoge Moritz, daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau

und Kinder des Erschlagenen abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord

geschah, wird noch jetzt gezeigt.

786. Das Mönchskalb zu Freiberg.

(Moller, ~Theatr. Freibg.~ I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz d.

K. Sachsen, No. 279.)

Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe in einer

geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, das

sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb hat einen runden

ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte wie ein Pfaffe,

samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit dem Untermaule ist es

einem Menschen, mit dem obern und der Nase einem Kalbe gleich, sonst

aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat die Zunge lang aus dem Munde

herausgestreckt; die Haut am Halse und Rücken herunter hat wie eine

gewundene Mönchskutte ausgesehen, an den Seiten aber vorn und an den

Beinen ist es voller Ritze und Schnitte gewesen, als wenn die Kutte

zerhauen oder zerschnitten wäre. Solches Ungeheuer ist von ~Dr.~ M.

Luther in seinen Schriften, wo es auch abgebildet wird, neben der

Beschreibung des Papstesels, den man 1496 zu Rom gefangen, gedeutet

worden, Melanchthon aber meinte, daß durch dieses Kalb die Verderbnis

der lutherischen Lehre in fleischliche und verderbliche Meinungen, wie

sie zu selbiger Zeit im Schwunge gewesen, angezeigt worden, inmaßen

auch bald hierauf ein Schwein zu Halle in den Osterfeiertagen ein

Ferklein geworfen, welches einem Pfaffen in Gestalt des damaligen

Habits ganz ähnlich gesehen. Es hat aber gedachtes Mönchskalb die

Autorität der Geistlichen, so dem Papste zugethan gewesen, sehr

verringert, also daß auch die Bergleute ein besonderes schimpfliches

Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen und Pfaffen zu Spott und

Hohn lange Zeit allhier gesungen mit Bezug darauf, daß der Fleischer

mit Vorbedacht und Willen das Fleisch von der Kuh, in welcher man das

besagte Mönchskalb gefunden, niemandem als den Canonicis, Mönchen und

andern Geistlichen gelassen und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.

787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.

(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.)

An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt, stand

hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben

Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von

derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch

vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und

man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen

und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen

hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage: Ein Graf von

Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück und traf in

seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen Freund

als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß er beide binden

ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot er ihnen, von

einander und von dem Leben Abschied zu nehmen; nachdem sie dies gethan

hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber soll an jener Tanne

geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne erhielt.

788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg.

(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei Gräße,

Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.)

Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann, namens Georgi,

der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun sein einziger Sohn

wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben nicht aufbringen

konnte, man also deshalb mit der Beerdigung anstand nahm, steckte

er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte denselben auf einen

Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern oder neuen Gottesacker

in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter Vater, komm! laß dich von mir

begraben, dieweil die Menschen dich nicht hier begraben wollen.« Kurze

Zeit nachher soll nun aus dessen Grab eine Fichte hervorgewachsen sein,

die man heute noch sehen kann, und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel

vom Jahre 1737 deutet noch jetzt auf diese Begebenheit hin.

789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.

(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.)

Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen

Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen. Diese

sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg in

der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen Glieder des

Hauses keine derselben geschlagen werden darf.

790. Woher der Name Preißelbeere stammt.

(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs.

Erzgebirgs. I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.)

Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte

Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt Sebastian

Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und 8 Häusern;

ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung eines

Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober- und

Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die jetzt

allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler

empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar zu

machen gelehrt habe.

Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd.

~brozzen~, d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde

also mit »sprießende Beere« oder »Sprießeln«, welche letztere

Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht wird, zu deuten sein.

Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit frischem Grün

bedeckt, den Eindruck des sprießenden.

(Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.)

791. Was der Name Wismut bedeutet.

(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt.

1723. S. 188.)

Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei Farben

hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus, so

habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne

Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in

seiner meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien,

Silber bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man

Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden habe.

Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers Dach, da

dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute, sie kommen

zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn diese Bergart

länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber daraus geworden.

Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: ~wiss

majaht~, d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie

Storax schmilzt, abstammen. (Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn.,

bearbeitet von Senft, I. S. 294.)

792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.

(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt

Schneebergk. 1684. S. 163.)

Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das Münzmeisteramt

bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu gute die ersten

schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man zuvor lauter

Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist ein solcher

Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister gelohnet,

man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als einen ganzen

Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken, daß, weil der

gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht ausgesprochen,

sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von einigen Leuten,

sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber genannt wurde.

793. Redensarten.

~a.~ Zwickau gehörte zum Vogtlande.

(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.)

Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes

ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes Sprichwort:

»Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande begraben

werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart: »Er wird ins

Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben.

Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch

nie zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem

unter den Reichsrichtern des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast

immer aus dem Geschlechte der Vögte genommen wurden, und später als

markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine eigenen Untervögte,

welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten. Dies

währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte

über die Stadt erlangte.

~b.~ Der Kas is och dornoch.

(Mündlich.)

»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld wert.

Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender

Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes

Wolfsgrün, das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit

den Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte,

diesem durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen

Dukaten. Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter

im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt.

Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion

anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin

nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und Butter

konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich, daß er

einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte. Diesen

holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum Schrecken

des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb letzterer ihn

fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah sich der Pfarrer

zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer sei. Darauf folgte

die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.« Der Arbeiter aß

weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber, ich muß nur noch

bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich werden kann, wenn man

zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach der Bote, indem er das übrige

Stück Käse einpackte, »da muß ich das Übrige meiner Frau mit nach Hause

nehmen.«

Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr

ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte

Redensart in Eibenstock erhalten.

~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß

nicht wie?

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 59 / 62 段