und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich lange Zeit
grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß, sehen lassen, welche
die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und Dohnen gefangenen
Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange auf den Hauensteiner
Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom Vogelherd weggejagt, die
Vögel erbissen und gefressen, und als der Schütz nach ihr geschossen,
hat er an der Spur im langen Waldgras abnehmen können, daß sie eines
Scheitholzes dick und viel Ellen lang gewesen, dafür sich alle Bauern
umher gefürchtet.
Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre 1530 des
Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif waren, etwas
vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens eines aus den
Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit erhabenen Ohren gewahr, in
Gestalt eines Fuchses, der die Beeren abfraß. Und weil er meinte, es
wäre ein so vermutztes Reh, gab er Feuer und traf den Wurm an den Kopf,
daß er 3 Ellen lang in die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug,
bis ihm der Schütze vollends den Rest gab. Er erschrak über das
häßliche Wildpret, schlang es an eine Winde und schleppte es Wunders
wegen nach Joachimsthal. Die Herren ließen den Balg abziehen und nach
Prag bringen.
725. Die Freiberger Bauerhasen.
(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. -- Geschäftsanzeige der
Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.)
Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen
Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre 1292
gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche und
geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich
auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft
gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste,
um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene
Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen
gewaltigen Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte
er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer
einen duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon
wollte sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da
rief der Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein
Fasttag angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre
denn wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück
Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte:
»Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere Sünde.
Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die sogar am
Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht. Nehmt Euch
ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe ich keinen
Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten Herrn
betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den schönen Braten
wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne Gewissensbisse
verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den gestrengen
Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in seinen Wagen
tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der Burg Freistein
traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und jetzt brachte
nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten auf
die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten, dem sündhaften
Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß er den Fasttag
nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel setze. Der
Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase, den
jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu
fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den
Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar
wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in der
bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger selbst
nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem
schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von
der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder
aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die
Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den
Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit
solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht
wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln
habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen
statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck
auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese
Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen zu
Ehren seines Erfinders.
Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen deutschen
Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet, und auch
noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt Freiberg,
ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen.
726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.
(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731 S.
21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger
Zeitung 1883. No. 31.)
Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene Freiheiten,
welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten
hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf Pfund
Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,« wenn der
Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in der Urkunde
heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen, nur einß in dem
Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren, wodurch der
Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung von allen sonstigen
Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser Kaiser, der ein
Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern einmal mit seinem
Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann oder Holzarbeiter
heraus nach Schöneck geführt worden. Nach einer andern Sage ist der
Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad aufgehalten hat, von
Räubern überfallen und verfolgt worden, so daß er sich mit seinen
Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo ihm die Bürger von Schöneck
Beistand leisteten und von den Räubern erretteten. Zum Danke dafür
hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien erhalten.
Die Urkunde, laut welcher der Stadt Elbogen bereits vor Schöneck ein
gleicher Freiheitsbrief von Karl IV. erteilt wurde, stammt aus dem
Jahre 1352.
727. Das Märktlein Markersbach.
(Chronica der freien Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 24.)
Die Kirche in Markersbach ist eine der ältesten im Gebirge. Sie hat
vor Zeiten unter den Abt zu Grünhain gehört, der auch mit seinen
Ordensleuten und anderen öfters dorthin Wallfahrten gehalten. Infolge
dessen hat das Dorf früher besondere Freiheiten besessen und wurde das
»Märktlein Markersbach« genannt.
728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.
(Mündlich.)
Ein Wald auf der Höhe zwischen Schneeberg und Aue, gegenüber dem
Gasthofe zum Brünlasberge, heißt der Hoyer. Daselbst sieht man noch
links von der Chaussee, welche von Schneeberg nach Aue führt, einen
Hohlweg, welcher einst Straße war; und an derselben stand in alten
Zeiten mitten im Walde ein Wirtshaus. Der Wirt in demselben war ein
Räuber. Einst kehrte daselbst des Abends ein Fremder ein, der von dem
Klösterlein Zelle kam und vieles Geld bei sich trug. Er wollte in dem
Hause übernachten; aber ein Mädchen offenbarte ihm heimlich, daß er
nicht lebend wieder hinausgehen werde. Da übergab der Fremde dem Wirte
seine Tasche mit dem Gelde und sagte, daß er einem Freunde, der auch
von Zelle her mit noch mehr Geld als er habe, komme, entgegen gehen
müsse, der Wirt solle nur einstweilen sein Geld in Verwahrung nehmen.
Als dies geschehen war, eilte der Reisende schnell nach dem Kloster
und kam bald darauf mit nahmhafter Hülfe zurück. Seine Begleiter
umzingelten das Haus und nahmen den Wirt gefangen. Als sie das Haus
durchsuchten, fanden sie neben vielem Gelde auch Totengerippe zum
Beweise, daß es vordem schon vielen Reisenden ebenso ergangen war, wie
es dem Fremden, wenn ihn das Mädchen nicht gewarnt hätte, hätte ergehen
müssen. Viele mochten in der Herberge eingekehrt, aber nicht wieder
herausgekommen sein.
Der Wirt aber, welcher ein Räuberhauptmann war, hieß Hoyer, und von
diesem hat nun auch der Wald, wo das Gasthaus einst stand, den Namen
Hoyer erhalten.
729. Wittichs Schloß bei Glashütte.
(I. Schumann, Lex. v. Sachsen, 13. B. S. 204. II. Peccenstein,
~Theatrum Sax.~ I. S. 88.)
I. Eine Höhle über dem Müglitzthale, eine halbe Stunde von Glashütte,
welche sich oberhalb der Herrenmühle in einem schwer zu erklimmenden
Gneisfelsen befindet, heißt Wittichs Schloß. Nach der Sage war diese
Höhle ehemals durch Befestigung ein noch sicherer Zufluchtsort als
jetzt, und wurde im 15. Jahrhundert von einem Räuber Wittigo oder
Wittich bewohnt, den der Ritter Weichold von Bärenstein auf Lugau bei
Glashütte erschlug. Als Belohnung dafür erbat er sich vom Markgrafen,
der auf Wittichs Einlieferung einen hohen Preis gesetzt hatte, sehr
genügsam nichts weiter, als daß er ein Wild, welches er auf seinem
Gebiete überall gehetzt habe, auch außerdem, und selbst auf der
Dresdner Brücke, die damals als Asyl galt, verfolgen dürfe.
II. Es waren vor Zeiten viele Raubhäuser an dem böhmischen Gebirge,
und soll insonderheit ein Räuber, namens Wittich, seinen Aufenthalt
in einem starken Felsen gehabt haben, so unter der jetzigen Bergstadt
Glashütte gelegen. Da dieser Räuber mehrere böse Buben zu sich gezogen,
auch ganz Meißen beunruhigt und unsicher gemacht, so hat der Markgraf
auf des Raubritters Wittich Kopf einen hohen Preis setzen lassen.
Obschon nun Wittich dadurch hätte vorsichtig gemacht werden sollen, so
hat er dies dennoch nicht gethan, vielmehr sich noch fürchterlicher
machen wollen, indem er einstmals in der Morgenzeit mit etlichen
seiner Leute sich vor des Ritters Weichold von Bärenstein Wohnung
gegen der Lochow begeben, ein Gespräch mit ihm begehret, und als der
von Bärenstein, keiner Gefahr sich versehend, ihm solches gewährt und
zu ihm vors Haus getreten, thut der Bösewicht mit einer Armbrust auf
ihn drei Schüsse, doch ohne Schaden. Der von Bärenstein rufet in der
Eile seine Leute herbei, folget den Räubern auf dem Fuße nach, welche
er auch über dem Rittersitze Reinhardtsgrimma, damals denen von Karras
zuständig, erreichet. Ob nun gleich Wittich und seine Gesellen der Wehr
wohl kundig, so hat doch der von Bärenstein die Oberhand behalten,
den Räuber erlegt und umgebracht, sein Raubhaus, so auf steilem hohen
Felsen an der Müglitz gelegen, eingenommen und zerbrochen, wiewohl
dieser Ort von ihm bis auf den heutigen Tag noch Wittichs Schloß
genannt wird. Auf der Stelle, wo der Räuber erlegt worden, steht ein
Kreuz. Der Ritter Weichold von Bärenstein aber hat die ihm gebotene
Belohnung großmütig ausgeschlagen und erklärt, daß er diese That bloß,
um dem Vaterlande zu dienen, verrichtet habe.
730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.
(Mündlich.)
In dem schönen Pöbelbachthale oberhalb Schmiedeberg liegt die
Putzmühle, so genannt, weil man früher hier das Silbererz, welches
man in der Nähe grub, »geputzt«, d. h. gereinigt haben soll. Oberhalb
dieser Mühle sieht man dann die Überreste einiger Grundmauern und die
Spuren eines Wassergrabens; hier lag die dürre Bretmühle, welche ihren
Namen von dem Umstande führte, daß sie häufig nicht genug Wasser hatte.
Daselbst ist es einst geschehen, daß Räuber einbrachen, welche den
Müller auf einen Klotz banden und mit durchsägen ließen. Seitdem ist
die Mühle liegen geblieben, niemand wollte mehr in derselben wohnen,
und so ist sie dann nach und nach verfallen.
731. Der schwarze Teich auf Henneberg und der Teufelsstein bei
Johanngeorgenstadt.
(Nach einer novellistischen Bearbeitung im Unterhaltungsblatte zum
Erzgebirgischen Volksfreund, 1884, No. 53.)
Als noch in unseren Gauen und insbesondere auf dem Erzgebirge das
Christen- und Heidentum mit einander im Kampfe lagen, wohnte auf einer
Burg im Egerthale ein böser Ritter. Zwar war derselbe als Christ
getauft worden, jedoch hatte er im Herzen noch nicht dem Heidentume
entsagt, und Raubzüge und blutige Fehden galten ihm für kein Unrecht.
Das Gegenteil von ihm war seine fromme Gemahlin, welche mit Hülfe ihres
Bruders, der als Einsiedler in der Nähe der Burg lebte und oft in
derselben verkehrte, ihre beiden Kinder, einen Sohn und eine Tochter,
christlich erzog. Dem wilden Gemahl aber mißfiel die Frömmigkeit von
Frau und Kindern, und ganz besonders erzürnte er sich über seinen Sohn,
weil derselbe keinen Gefallen an dem wilden Waffenhandwerke fand. Als
er nun einst zu einer Fehde gegen den ihm verhaßten Burgherrn von
Königsberg auszog und seinen Sohn, obschon derselbe des Königsbergers
einzige Tochter innig liebte, zwang, daran teilzunehmen, geschah es,
daß der Sohn beim Ritte von der Burg vom Pferde stürzte und verwundet
ins Schloß zurückgetragen werden mußte. Ingrimmig gab nun der Vater
der Erziehung und dem Einflusse seines Schwagers die Schuld an dem
Unglücke, und er nahm sich vor, mit Härte einzugreifen. Sein Sohn genaß
zwar unter der sorgsamen Pflege von Mutter und Schwester bald wieder,
doch um dessen Ruhe war es für immer geschehen. Ja alle fühlten, daß
der Vater böse Gedanken sowohl gegen den Sohn als auch Schwager im
Herzen hegte und es ward von beiden die Flucht beschlossen. Dieselbe
wurde bald darauf nach dem damals unwegsamen Erzgebirge ausgeführt, als
der Vater wieder zum Kampfe gegen den Königsberger ausgezogen war und
dabei den Sohn nicht mitgenommen hatte. Bei der Rückkehr in seine Burg
kannte der Zorn des Ritters keine Grenzen, und da er ganz richtig in
Frau und Tochter Mitwisserinnen der Flucht seines Sohnes erblickte, so
mußten dieselben von ihm harte Mißhandlungen erdulden. Er veranstaltete
zwar sogleich Streifzüge durch das Gebirge, doch konnte er die
Flüchtigen nicht auffinden.
Auf dem Kamme des Erzgebirges lag im dichten Walde ein freundlicher
See; die Maisonne am blauen Himmel spiegelte sich in demselben. Aus
dem Dickichte aber trat schüchtern ein Reh mit zwei weißgefleckten
Zicklein, und gegenüber brach aus dem Walde ein weißer Hirsch, welcher
sich in dem klaren Wasser des Sees widerspiegelte. Abseits stand eine
mit grünem Rasen gedeckte Erdhütte, aus der eine bläuliche Rauchwolke
aufstieg. Diese Hütte hatten sich die beiden Flüchtlinge erbaut. Sie
traten eben zur Wanderung gerüstet daraus hervor, denn sie wollten
versuchen, die duldende Mutter und Tochter heimlich von der Burg des
harten Gemahls und Vaters zu entführen und hierher in diese von dem
menschlichen Verkehre abgeschlossene Wildnis in Sicherheit zu bringen.
Der Vater aber rüstete sich ungefähr zu derselben Zeit zu einem neuen
Fehdezuge gegen den Königsberger. Letzterer aber hatte davon Kunde
erhalten und seine Burg wohl verwahrt, während sein Sohn mit einem
Häuflein Knechte dem Feinde entgegen zog. Trotz der Vorkehrungen
des Königsbergers schien es, als ob der Feind seine Burg gewinnen
werde; unaufhaltsam stürmte derselbe vorwärts, unbekümmert um den
Steinhagel, welcher ihn unausgesetzt empfing. Schon war er an der
Brücke, als dieselbe mit einem furchtbaren Krach zusammenbrach. Als
aber der Feind sich anschicken wollte, den Wallgraben mit Steinen
und Holz zu füllen, um so in die Burg zu gelangen, kam ein blutender
Bote, welcher meldete, daß die eigene Burg von des Königsbergers Sohne
eingenommen worden sei und in Flammen aufgehe. Da zogen sich die
Feinde von der bedrängten Burg zurück. Die Belagerten hatten jedoch
schon Vorbereitungen getroffen, ihnen schnell zu folgen. Es wurde eine
Notbrücke niedergelassen und bald sahen sich die Weichenden von vorn
und hinten angegriffen. Hinter ihnen kamen die Belagerten und vorn
wurden sie von des Königsbergers Sohne mit seinen Mannen bestürmt. Nur
durch rasche Flucht war es dem fehdelustigen und hartherzigen Ritter
möglich, der Gefangenschaft oder dem Tode zu entgehen. Er überschritt
mit den ihm noch übrig gebliebenen Knechten, da er in den Trümmern
seiner Burg Frau und Tochter, welche unterdeß geflohen waren, nicht
fand, den Kamm des Erzgebirgs und baute sich in wilder Gegend eine neue
Burg. Von dieser aus durchzog er nun die Wildnis nach Bären, Wölfen und
Auerochsen. Eines Tages meldete ihm einer seiner Troßbuben, daß er in
einer gewissen Gegend einen weißen Hirsch gesehen habe. Diese Nachricht
reizte den Ritter und er zog alsbald aus, die Spur des seltsamen Tieres
zu suchen. Bald hatte er dieselbe auch gefunden, und als er darauf des
Hirsches ansichtig ward, warf er seinen Jagdspieß nach demselben. Der
zu Tode getroffene Hirsch raffte sich wieder auf und floh blutend in
das Dickicht. Als nun der Ritter mit seinen Knechten durch dasselbe
drang, erreichte er das Ufer eines klaren Sees, an welchem sich eine
Erdhütte erhob. Dort lag auch der verwundete weiße Hirsch, über den
sich eine Jungfrau beugte; neben ihr standen noch drei Personen. Der
Ritter erkannte sie sehr wohl, er eilte hinzu und wurde in seiner
Wut der Mörder der Seinen. Da verhüllte eine dunkle Wolke die Sonne,
gleichsam als solle dieselbe die Unthat nicht sehen. Der klare See
aber wurde zu einem unheimlichen Sumpfe und die Fischlein wurden zu
Molchen. Noch zeigt man bei den Henneberger Häusern südwestlich von
Johanngeorgenstadt die Stelle, wo der See lag.
Als der Himmel so vernehmlich zu dem Ritter und seinen Knechten
gesprochen hatte, wollte keiner von ihnen den toten weißen Hirsch
mit zur Burg tragen; dem Ritter selbst lag auch nichts daran. In der
folgenden Nacht aber erbebte ringsum die Erde und in der Burg des
vierfachen Mörders ertönte ein furchtbares Krachen. Die Morgensonne
beschien einen gewaltigen Trümmerhaufen, und der Kopf des Ritters
schaut noch heutigen Tages von der einen Felskuppe, welche man den
Teufelsstein heißt und die sich an der Stelle der ehemaligen Burg
erhebt, nach Osten. Der Teufel hatte in der Nacht die Burg zerstört
und zum warnenden Zeichen den Kopf des Gottlosen an dem Felsen
aufgerichtet.
732. Das Schloß auf dem hohen Steine.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130.)
Als gewaltiger Markstein eines der letzten südwestlichen Ausläufer
des metallreichen Erzgebirges erhebt sich der hohe Stein mit seinen
wunderbar gestalteten Felsenmauern und Pfeilern. Vor vielen hundert
Jahren stand an der Stelle, auf welcher sich heute diese mächtigen
Felsen auftürmen, eine große feste Burg, welche mit ihren gewaltigen
Mauern weithin die Gegend überblickte. Ungeheure dichte Wälder
bedeckten die Gegend und nur auf gelichteten Stellen am Fuße des Berges
hatten sich fleißige Menschen angesiedelt und zwangen dem Boden seine
wenigen Erzeugnisse ab. Aus fernen Landen waren sie auf des Ritters Ruf
gekommen und hofften in Genügsamkeit, Ruhe und Frieden hier leben zu
können, aber nur zu bald seufzten sie unter dem harten Joche, welches
der Ritter ihnen auferlegte, unter den schweren Strafen, welche er
über sie verhängte, wenn sie seinen maßlosen Forderungen und grausamen
Befehlen nicht sogleich nachkamen. Je älter er wurde, desto mehr
schien das Mitleid von ihm zu weichen und sein Herz zu versteinern. Da
verwünschte ein Mann, dem der Schnee des Alters seinen Scheitel deckte,
den Wüterich und sein Schloß. Er, samt der Burg, wurde in grauen,
harten Stein verwandelt und viele hundert Jahre wird es währen, bis die
Sonne wieder die Zinnen der Burg mit ihrem Glanze vergolden wird.
So sieht man nun die gewaltigen Burgtürme und Rauchfänge, sowie den
riesigen Ritter versteinert emporragen, während tief unten im dunkeln
Schoße der Felsen die reichen Schätze des Burgherrn begraben liegen.
Nach einer andern Sage hat der verwünschte Ritter auf dem hohen
Steine keine Ruhe; oft hört man lautes Getöse und Wiehern von Rossen
aus den gewaltigen Felsen hervorschallen, sieht auch manchmal den
unterirdischen Stall seine Jauche entleeren, und in finstern,
unheimlichen Nächten hört man vom hohen Stein herab in der Richtung
gegen »die drei Rainsteine« (an der Graslitz-Schönbach-Sächsischen
Grenze) die wilde Jagd dahinbrausen, der sich auch der verwünschte
»hohe Stein-Ritter« anschließen muß.
733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.
(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 12.)
Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese nach
Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das alte Schloß
Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus sehr hoch und jähe ist. Dem
Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein Raubschloß, von welchem man
gegen das dem Katzensteine an der schwarzen Pockau gegenüberliegende
»Raubschloß« Losung geben konnte, gestanden haben. Man bemerkte früher
auf dem Felde noch einige Gräben. Das genannte »Raubschloß« lag am
rechten Pockauufer im Walde, ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt.
Man fand daselbst viel alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen u.
dergl., ferner Überreste von einer unterirdischen Wasserleitung. Nach
der Volkssage soll das »Raubschloß« durch Kurfürst Joh. Georg I. vom
Katzensteine aus in den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich
aber wurde es bereits im Hussitenkriege zerstört.
734. Das Raubschloß Sommerstein.
(Chronica der freyen Bergstadt S. Annaberg, II., 1748, S. 32. Grundig,
Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 2. Band, 1750, S. 171.)
Auf dem Schenkgute über der Pfarre zu Hermannsdorf liegt im Walde ein
Fels, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten ein Raubschloß
gestanden haben soll. Die Besatzung desselben lauerte gleich derjenigen
der Schlösser zu Tannenberg und Greifenstein den Kaufleuten auf,
welche von Böhmen kamen oder dorthin zogen. Man sieht noch etwas von
den Mauern nebst einen in Fels gehauenen Backofen und einen wohl
ausgemauerten viereckigen Brunnen, in welchen das Wasser durch einen
langen Graben von Westen her geleitet wurde. Erzählt wird noch, es
solle in diesen Felsen ein großes Loch gehen, darin stände ein großer
Kasten mit Gold.
735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183 und 184.)
Woher der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf den Namen habe, weiß
niemand, außer daß man sagt, es hätte ein Greif daselbst genistet.
Außerdem hat man die Vermutung, es hätte ein Raubschloß da gestanden,
von welchem die Räuber denen auf dem Schellenberge, wo jetzt
Augustusburg steht, Zeichen hätten geben können. Noch hat es das
Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen Felsen mit
Mauern eingeschlossen gewesen sei. Auch hat man zuweilen Topfscherben,
Nägel, Pfeile, Schlüssel und anderes Eisenwerk, Totengebeine,
Schweinszähne und Fischgräten daselbst gefunden. Auch ist daselbst
ein kleines silbernes Ringlein mit einem Kreuzchen und dem Namen Maria
gefunden worden.
736. Die Räuber auf dem Frauenstein.
(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 301.)
Es ist geschichtlich erwiesen, daß vor der Zerstörung des Schlosses
Frauenstein im Jahre 1438 der Ritter Dietrich von Vitzthum, welchem die
Burg vom Grafen Heinrich von Plauen zur Bewahrung anvertraut worden
war, mit böhmischen Raubrittern gemeinsame Sache machte. Um nun den
durch die versteckten Nachbarburgen und die damaligen dichten Waldungen
um Frauenstein begünstigten Bedrückungen der Wegelagerer ein Ende zu
machen, entsandte Kurfürst Friedrich der Sanftmütige Abgeordnete mit
einem Herold nach dem Frauenstein, um Vitzthum zu sofortiger Verweisung
des böhmischen Raubgesindels zu veranlassen.