Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft worden,

weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen Frauenvolk

geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem Karren vom

Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil er insgemein von

den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich von den Gerichten

eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt worden, daß er die große

Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge, da, wo jetzt das Rathaus

steht, ausstürzen, und pflastern lassen solle. Trotz seiner Beschwerde

wurde diese Strafe auch vom Herzog Georg bekräftigt. Das Pflaster aber,

zu dem er über hundert Fuder Steine haben mußte, wurde lange Zeit

nachher noch des Keglers Pflaster genannt.

708. Die übermütige Rede eines Schneeberges wird bestraft.

(Mündlich.)

Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das früher

Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet sich auch

als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden Zunge. Von

dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter, aber wird erzählt,

daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher einst Vorstellungen wegen

des übermäßigen, an dem Hause angebrachten Luxus machte, in seinem

Hochmute geantwortet habe, er sei so reich, daß er dies und noch mehr

thun könne, er könne sogar die ganze Zobelgasse mit preußischen Thalern

pflastern. Worauf ihm der Vater antwortete: »Du wirst es noch so weit

bringen, daß Dich einmal in Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so,

wie es der Vater prophezeit, ist es endlich auch gekommen.

709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen

Fischkessel.

(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1165.)

Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse in

Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte, so daß

ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden 13 fl. und

ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel 1500 Gulden dieses

leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen gehabt, und da er noch

die Unkosten darauf gewendet und das Silber und Kupfer von einander

scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt, daß er einen silbernen

Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus hat machen lassen können.

710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 912 und 920.)

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu

Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht

und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß sie

sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben ließen.

Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab greifen

mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche um Almosen bat.

Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt

worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, daß er

aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. Dasselbe

Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter Zeit mit

seinem Weibe in Rheinwein badete.

In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, die

unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern

auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit Malvasier

begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, sagte sie,

sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde sonst wenig an

ihn gedacht haben.

711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.

(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 904.)

Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um 1500 Gulden

verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern für eine solche

Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für den Barchent eine

Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die Nachtigall einen Kux

auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, welcher anfangs nicht

groß geachtet worden, gegeben. Und da der Kux so herrliche Ausbeute

und zwar an die 1500 Gulden gebracht, hat man die Vogelbirne und die

Ausbeute mit einander verglichen.

712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.

(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier,

1881, S. 71.)

Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und

Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein

mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme vorstelle,

was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der Teurung 1772

hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals Trebra'schen Hause

berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen für 25 Thaler verkauft

worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause erzählt man übrigens

noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, wenn man das Bild an der

Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder aufhörte, sobald die Figur an

ihre alte Stelle gebracht wurde.

713. Historia, wie Silberz in Holz gewachsen.

(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.)

Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit aus

einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den Strecken

übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen und

Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel über 20

Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner ~Sarepta~ mit

diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie sagen,

von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube auf dem Abertham

innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen und dies laufende 1556

Jahr aus der Grube gekommen ist.

Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet, wird

er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art« im

Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als wäre das

Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der Sicherung«

weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet worden

wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark. Wie er sich

aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er seiner gewahr in

der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden Feld, das oben

und unten, hinten und vorn verfahren, welches nur seine Bergfeste noch

hatte, kaum drei oder vier Spannen dick, und siehet, daß eine weiße

Guhr oder molkenfarbiges Wasser erstlich auf den Stempel »gesiegen oder

gesiefert«, und aus dem Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach

im Liegenden herabgeflossen und sich allda »geliefert,« angelegt und

»erherscht« hatte. Wie er aber den Stempel ausschlägt, findet er in

»Strauben« und Spalten gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich

Haken schneiden ließen.«

714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.

(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.)

Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus den vielen

daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher auch noch

hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach Annaberg die

Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor Zeiten mit so großer

Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12 Apostel in Lebensgröße aus

Silber hergestellt wurden, welche darauf nach Grünhain gekommen sein

sollen.

715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.

(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 144.)

Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der

Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf Meiners und

Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß dazu solcher Sand

kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser wert gewesen, welches

man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit und nasse Pochwerke

gehabt, nicht verstanden.

716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.

(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 917.)

Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist eine Zeche

gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat geheißen

Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger hat

geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und der Junge

Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet, herein gekommen,

und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute auf der Zeche

gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber, es ist kein guter

Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als Hundsfliegen, Rücker,

Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man da für gute Hoffnung haben?

Ich will hinfort nicht mehr bauen.«

Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben am Gleeßberge

geschürft und einen schönen Gang entblößet und die darauf angelegte

Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber auf eine Zeit hat er

seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten Manne, auch einen Teil

angeboten und geschenkt. Da derselbe aber von ungefähr der Zeche Namen

gehört, hat er gesagt: »Mein lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück

mit meinem Kuxbauen, der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist

90 Jahre alt geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch

so lange warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein.

Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.«

717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1164.)

Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer Menge

zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen und sehr

viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche dann, wenn

sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über demselben

Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der Fuhre in bösem

Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach Zwickau geführt. Da man

nun drinnen vermeinte, daß man noch länger in der Schmelzhütte kalt

liegen müsse, ist in solchen Gedanken ein Schmelzer nach einem Regen

hinaus auf einen Schlackenhaufen spazieren gegangen, und weil ihm

die Schlacken, als wenn Silberflitzschen darauf lägen, in die Augen

geschimmert, hat er dieselben genommen, durchgesetzt, und so die Tage

über mehr Silber aufs neue, als je zuvor daraus gemacht. Da nun der

Hauptmann oder Verwalter (andere wollen wissen, es sei Römer gewesen),

welcher zu ihm gekommen, gefragt, woher das Silber käme, und er dessen,

was sich begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die

Knie gefallen und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken

und Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so

unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher

Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären.

718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.

(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und

Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52.

-- Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804, S. 52. W. Clauß,

Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.)

Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus acht

zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone

ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das

man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere Stellen

alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte silberne

Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden infolge dieses

Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von Theler aber, welcher

wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen aufschlagen und wo

er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben eines dieser etwa

verloren gegangenen silbernen Hufeisen von seiten seiner Unterthanen

verbot, damit man wisse, welchen Weges die Theler gezogen, soll am 9.

Sonntag nach Trinitatis, am 25. August 1557, um es in seinem Hochmut

dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche zu Schneeberg gleich zu

thun, der Ritterschaft der Umgegend ein glänzendes Gastmahl in seiner

reichen Silbergrube »Zur Edlen Krone« gegeben haben, in welcher die

Knappen Tische und Bänke aus den edelsten Metallen gehauen und alles

Geschirr der Tafel von gediegenem Gold und Silber gewesen sei. Als

man nun tief unter der Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit

silbernen Kugeln nach silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von

Bärwalde her ein furchtbares Gewitter aufgezogen und habe sich unter

orkanähnlichem Sturme mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden

Weißeritz entladen und der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß

habe sich mit solcher Macht in das offen stehende Stollenmundloch der

Edlen Krone gestürzt, daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen

und Dienern da unten ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur

Prunkschau aufgestelltes Silbererz verschüttet und verschwemmt worden

sei. Seitdem ist der dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen;

daß er aber einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge

Stollenmundlöcher, beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens

und von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr.

Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche

aus, vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen

Schüsseln in die Grube getragen worden, und die Aufwartung von den

Bergleuten der Edlen Krone und anderer Werke geschehen. Bei dem

Banket habe ein ganzes Chor Musikanten aufgespielt und der Überschuß

der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel zur Schau

aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und

besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter

nach Bärwalde gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute

gesehen und es den Schmaußenden in der Grube vermeldet, auch erinnert

auszufahren, weil man nicht wissen könne, was der große Gott etwa

verhängen möchte, haben darauf einige von den Sauf- und Freßbrüdern

gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären in der

Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da

denn sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde

hernieder gefallen, auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die

Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet, daß das Wasser

das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen hinuntergelaufen,

so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf Arbeit

gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei

der Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren,

da sind fast alle beschädigt worden, weil von der grausamen

Erschütterung die Tonnenbretter und ganze Zimmerung in den Schachten

ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen, und dies

ohne großen Schaden nicht abgegangen.

So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr

berühmten Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze

Silberservice, die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen

verunglückten Menschen in der Grube«.

Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten

sächsischen Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts

erwähnen nichts von dem Gastmahle. Historisch ist wohl nur die

Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch am 25. August 1557.

Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen nur

geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben

für unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf

mit dem Rechte des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000

meißnische Gulden. Bis in das 17. Jahrhundert müssen einzelne

Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche wurden

hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt;

im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone«

und »Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen

Bergbau wieder in Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.)

719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.

(Sachsengrün, 1860, S. 20.)

In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare die

Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen Ritter

von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im Höckendorfer

Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der Nähe des Altars

jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen worden und hatte dann

erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da unter ihren Füßen Metall

vorhanden sein müsse. Die Sage geht auch, daß die Edlen von Theler in

diesen Grüften in silbernen Särgen ruhen.

720. Vom frühern Bergbau in Niklasberg und böhmisch Moldau.

(Mündlich.)

Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und Moldau

in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen

eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und die Hussiten

nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden liegen sollen,

mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der Stollen mündete und

die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort sein, die »Schatzkammer«

genannt, an welchem aus jener Zeit noch viel reiche Silbererze liegen

sollen. Vor Jahren wollte man dieselben nach Freiberg verkaufen, der

Handel zerschlug sich aber, weil man daselbst nicht genug Geld hatte.

721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.

(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil

der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69.

Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.)

Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen in

dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt,

angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge

zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing Röschen (d.

i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man trieb einen

Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche

diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich niemand, der

bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen wollte. Nun

war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau,

dem man schon längst schuld gegeben hatte, daß er gegossene Arbeit von

einem Metall verfertige, welches dem Silber gleich komme. Er leugnete

dies aber und wollte niemals zugestehen, daß er das Metall kenne,

welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im

Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des

Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt,

was er schmelze, und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde

am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe,

um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter

gerade wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen,

um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine

etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu

einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen und

Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht

wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60 Pf. Garkupfer.

Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise

ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der Richter unverzüglich und

zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen wurde auf 20 Mutungen beim

Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf 80, und gegen 60

Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf geviert Feld. Wenn man

die Rute nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger

Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem

Gebirge damit hingehen, wohin man wollte; was war also sicherer, als

daß das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun

nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen

zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar

keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein,

daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und

braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne

Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner und Gewerken

verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es fand sich ein

Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerken ihre

Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mußten

zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe einrichten lassen.

Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten

nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens

und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina-Fundgrube zu

Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge

zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch

nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von

den Theesenwälder Gebirgsarten die Kathariner und Geyerischen Kiese

für sich allein geschmelzet worden wären. Dabei war auf einige Zeit

das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch

ein Maler aus Bilin einfand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im

Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute

machen wollte. Er verlangte die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man

erlaubte es ihm auch, aber alles ohne Erfolg.

So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis

nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum

glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu bewahren,

dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle

Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte,

weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Dies war das

Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches Silber in dem

Gesteine entdeckt.

722. Wie der zwickauische Kohlenschacht brennend wurde.

(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner,

Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.)

Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke zwischen

Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald bedeckt und wo

man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt), daher manch Fuder

Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser Berg ist um das Jahr 1479

mit einem Büchsenschuß angezündet worden, da ein Waidmann einem Fuchse

nachgejagt und so unvorsichtigerweise ein Schuß in die Grube geraten,

wodurch die Steinkohle angezündet worden. Obgleich zu gewisser Zeit

wie im Sommer das Feld daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt

dennoch das Feuer bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an

und versenget Birken und andere Bäumlein.

Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher einen Fuchs

aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die oberen Kohlen,

sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete. Noch andere suchen

die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines Ameisenhaufens und

endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen, wo die Kohlen zu

Tage standen.

723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen

Erdfall.

(Moller, ~Theatrum Freibergense, Chron.~ II., S. 38.)

Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen kam, zog

er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der Absicht, sich

dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer Treue gegen den

Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab sichs, daß sich einer

seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer hohen Halde lagerte,

um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern und die Tiefe der Gräben

zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor von Bergleuten durchfahren

worden und voll heimlicher Schächte war, ist der ganze Berg mit großem

Krachen und Prasseln eingegangen und der Oberst ist dabei elendiglich

umgekommen. Dieser Fall hat den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er

sich wieder zurückgezogen und sich nicht eher lagern wollte, bis man

alle Gelegenheit um die Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als

dann seine Quartiermeister hartes und festes Erdreich antrafen, hat er

sein Lager aufgeschlagen und darauf alles zum Angriff und Sturm auf

die Stadt vorbereiten lassen. -- Der genannte Erdfall soll vor dem

Donatsthor auf dem dürren Schönberge geschehen sein.

724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614--617.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 53 / 62 段