Bezeichnung ~G. D.~ und einer Schneiderschere, nebst der Jahreszahl
1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre ein aus
Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr aus
der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem
Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren
und in Fürstenwalde beerdigt worden.
666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.
(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im
Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 10.)
Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei Kreuze aus
Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes
Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler einer Mordthat
hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten daselbst
Fleischerknechte totgeschlagen hätten.
667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.
(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)
Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche
Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und
vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis
eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei,
und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.
668. Die drei Kreuze bei Brand.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)
Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters
her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im
Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß
an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und
1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren
wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der
Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg
belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen,
diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn
zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre,
so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den
Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie
womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt
sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch
die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager
gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch
durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum
Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben
müssen, die drei Kreuze errichten lassen.
669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von
Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf
ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen
knüpft sich folgende Sage:
Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska,
nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und
das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern
ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste,
als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin
aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten,
als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen,
welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten
die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie
weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur
Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen
die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem
Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz
unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst
stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.
670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)
Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen Wirtshauses
»Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, in welcher
es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, als ein
schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende Donner, wie
der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung der Lustbarkeiten.
Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden Zeichen; die Ausbrüche
wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die Musik begann ein munteres
Tanzstück zu spielen und unter Lärmen und Johlen drehten sich die
Paare im Kreise. Diesem frevelhaften Treiben konnte die Strafe des
Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter hatte seine ganze Macht
entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten grell das Halbdunkel und
das betäubende Krachen des Donners vermischte sich mit dem Brausen des
wütenden Sturmes. Den tollen Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein
fürchterlicher Schlag, alle Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde
lang sonnenhell beleuchtet und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein
mächtiger Blitzstrahl hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem
gräßlich gähnenden Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen
darin Anwesenden spurlos versank. -- An der Stelle, wo die Schenke
stand, wurde später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz
errichtet. Dieses ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name
»Beim roten Kreuz« jedoch bis heute geblieben.
671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.
(Mündlich.)
Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden Höhe am
rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst soll ein Mann
mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne daß weder er noch
seine Pferde Schaden genommen haben.
672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.
(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)
In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, ein großer
Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz sieht. Die Sage
erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem heftigen Gewitter
zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig donnerte, spotteten
sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort oben fährt der liebe
Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber hatte er diese Worte gesagt,
so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. Der Knabe wurde darauf an
dem Orte begraben, und zur Erinnerung an diese Begebenheit meißelte man
ein Kreuz in den großen Stein, der bereits an dem Platze gelegen hatte,
wo dies geschehen war.
673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.
(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit des
sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, 1860, S.
3.)
Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen
Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt man
sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August Bachmann
stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite ein
Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche
zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er nämlich,
heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der Landstraße gegen
Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel hatte aufschlagen
lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen Schar
ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine Gefährten in den
Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt selbst dem
Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende Lichter erblickt
werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, bezweifeln selbst
die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit des Kaisers Arnulf
geschehen.
Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.
674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)
In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde führt.
Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr stark und
zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo ein Mensch
verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem
Kruzifix, welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat,
herrührt. -- Erwähnt mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den
Platz vermutet, an welchem 892 die Ermordung des Bischofs Arno von
Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv für sächs. Gesch. 2. S.
175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen zu den
Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.
675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)
In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal von
Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei
Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen
gehauen haben, so daß beide gestorben sind.
676. Das Marienbild in Maria-Kulm.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)
Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten und
unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet
wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber
ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch
wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine
Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord unsicher
gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein Ritter
aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der Kapelle
auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen und dem
Strafgerichte in Eger übergeben wurden.
677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.
(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)
Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck und
Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine hölzerne
Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in der Hand
hält und folgende Umschrift hat:
»Das Zedels-Bild bin ich genannt
Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt
Sie komen her zu mir
Und suchen auf dem Abschied
Der Wölfe ihr Quartir
Drincke auch gehrne gutes Bir
Anno 1695.«
An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch gemalt,
aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich ist das Bild
ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo die letzten
Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß das Bild früher
etwas weiter im Walde angebracht war und daß es die Stelle bezeichnete,
wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.
678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)
Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll von
dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein. Über die
Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der Künstler
sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, vorher
diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, aber er soll
seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen Worte
gemäß niemals jene Strafe verbüßte.
679. Die Walfischrippen in Zwota.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)
In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren am Wege
zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des Walfisches,
zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben in einem Garten
des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an dem jetzt eingegangenen
Hammerwerke, welches nach der Überlieferung des Volkes das feinste
und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden haben, und es
wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten Fuhrleute nach dem
Hammer kamen, um das weit und breit geschätzte Eisen zu holen. Von
solchen Fuhrleuten sollen die genannten »Walfischrippen« mitgebracht
worden sein.
680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.
(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im
Zellwalde, 1874, S. 7.)
Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche zu
Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten
Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt worden sein.
681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau
ausgewühlt worden.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, was
man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 Jahren ~a~)
wegen der Kirchen, ~b~) wegen des Thurms und ~c~) wegen derer Glocken
gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage derer Kirchen
Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am Grunde an
dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder sagen, es wäre
ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und die Einwohner dieses
Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und des sündigen Wesens so hoch
getrieben, daß Gottes Strafe über sie ergangen und der Ort versunken
wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei Viehhirten ohnweit des ehemaligen
Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet haben, und solche hätten wahrgenommen,
daß eine wilde Sau zwei Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine
gesagt. »Diese Glocke will ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.«
Der andere habe gesprochen: »Das laß ich wohl bleiben; ich will mit
meiner Glocke mir etwas zu gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche
Glocke wieder in die Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten
Männer haben erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren
Vätern und Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten
gefundene Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar
geben sie nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie
gleichsam taktweise ihren Klang hätte.
»Baum maum Kirchberg,
Kirchberg ist mein Vaterland,
Da mich die wilde Sau umwandt«.
Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.
682. Die Glocke von Jahnsgrün.
(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)
Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün bei
Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen gelegen
haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche Weise,
untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden worden, als
eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen Boden wühlte. Diese
Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu Bärenwalde hängen. Man hat
über die Begebenheit folgendes Volkslied:
»Gahnsgri is uner goange,
Gahnsgri is verschwunden
Ä wilde Sau hot ä Glock' ausgegrob'n,
Ä Bettelma hot's gefunden«.
Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus
manchen Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will,
daß die Gegend von Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark
bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders bemerkenswert, daß die Sage
noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt, welche durch Schweine
aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu Marienei und
die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En
wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch
im Vogtlande, S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in
der viel Silber war, so daß sie sich durch ihren schönen Klang
auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 36.), die
Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a. O., S. 403.),
zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf
mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus),
genannt sein.
Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen
Zusammenhang zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen
aus Teichen und Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser
(Odhins Hut) ein Symbol für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende
Sturm. Er bringt damit die Benennung »Sauzagel« für Wirbelwind in
Verbindung. Die Sau aber ist Finderin der im Dunkeln verborgenen
Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und darum als
Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283
a.) Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten,
erhellte die Nacht taghell.
683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein gegen
2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes
Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra und
Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen Fläche
einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos waren, daß
Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an einem dritten
Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes Jahr an
diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen Glocken der
versunkenen Stadt läuten hören.
S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland.
Da, wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine
Stadt, welche versunken ist; man hört noch die Glocken in der
Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 66.) Auf dem
Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges in Thüringen,
soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken
ließ, weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der
Sage nicht die Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine
wurde einst auf dem Platze eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch,
auch als man sie umgegossen hatte, einen abscheulichen Klang gab. S.
übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. (Richter, Deutscher
Sagenschatz, 3. H., No. 18.)
684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.
(Mündlich.)
Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk großer
Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die Überreste
eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die Produkte
der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges angegriffen
wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne übrig blieben.
Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine Stadt gestanden
habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.
685. Die große Glocke in Geyer.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)
Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam auf
einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt die Sage,
daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch
eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor ausgewühlt und von den
Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden sei, aber
nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben habe, bis ein Priester
sie zu ihrer heiligen Bestimmung feierlich eingeweiht.
Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen
Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz von
Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst
Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der
Prinzenraub darauf abgebildet.
686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide.
(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)
Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen
am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der
Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde jedoch
diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen und das
Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf übergeführt.
Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und 16 Schritt breite,
jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem Antonius, an welchen
der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser ausgezeichnete
Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen Barbara erbaut worden
sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, auf welcher ehemals
die Antoniusklause gestanden haben soll.
In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in
Rabenau, daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche
genannt, sei eine Wallfahrtskirche gewesen, der historischen
Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr den Namen
»Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine
solche sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war
der Patron der Kaufleute und an der an der alten Grenze von Meißen
und Böhmen gelegenen Kapelle führte jedenfalls in früheren Zeiten
die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden vorüber. Nach einer
anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster Zelle
Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf
befindliche Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die
Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei,
da eine andere Nachricht mitteilt, daß sie im dreißigjährigen Kriege
eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler
des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)
687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5--7.
Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 147.)
Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als
ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf
einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen
Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an diesem
Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen aber
stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres Schuppens
ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte es den
»gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte herum aber ist
das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf einer grünen Wiese
gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, dem erst später
die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet ward, erbaute man an
dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine Kapelle, nach derem
Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die daselbst befindlich
gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie ihnen zu gewisser
Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren von Schönburg,
welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den Gerichten von
Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe zur Erinnerung
an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf beiden Seiten und
auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.
688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.
(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)
Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz
stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit einem
wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich lockte. Wenn
dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal gehaltenen Messen
angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz, welche unter den
»Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post standen, abgehalten
wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der heiligen Wiese führte und
den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals die Vorlage und besteht
teilweise noch heute unter dem Namen »die Vorel« oder »Vurel« in der
Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke in Abtei-Lungwitz.