ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf
war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das
Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden,
und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut
Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen
soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger
Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im
Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer
gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und
Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.)
640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter
von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu
Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her
gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766.
Manuskript.)
I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der
Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege
verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch
um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen.
Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und
überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde.
Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg
geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle
des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen
Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und
Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.
II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden
»Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf,
welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348
oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb
wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder
aufgebaut wurde.
III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober-
und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der
Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich,
in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf
uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern
des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst
Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den
Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem
auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme
als Decem gehalten haben.
641. Die Wüstung Sahnau.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 109.)
In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und
Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am
Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses
Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.
642 Die Wüstung Rappendorf.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)
In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal,
Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich
die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches
wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp
oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer
alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden
sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher
mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer
in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und
Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen
und Bänder und dergleichen gefunden.
643. Die Wüstung Boberau.
(Herzog a. a. O., S. 64.)
An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld
lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu
Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.
644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.
(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)
Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht
ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich,
welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und
ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe
Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und
dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein
und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.
645. Die wüste Mark Warnsdorf.
(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S.
174)
In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große
Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und
die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem
dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese
befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch
einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer
Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer
Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier
herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben
gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.
646. Die ehemalige Burg Sohra.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)
Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das
Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf
hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im
Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren
sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne
Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen
abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring.
In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen.
647. Alt-Elbogen.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)
Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte
zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem
Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen
Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier
einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur
durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40
Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus
der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen
Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400
Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch
2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In
der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die
bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird.
Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht
wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große
Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden.
648. Die Grillenburg.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie
der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und
Dörfer, 1727, II, S. 287.)
Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die
Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für
einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit
eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen
wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus
dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das
Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche
herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich
gestatten würde.
Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg
gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht,
sie lauteten:
I.
»Meines lieben Bruders kläglich End,
Der schwere Eingang zum Regiment,
Groß Widerwärtigkeit und Gefahr
Mir schwere Sorg und Müh gebahr.
Zu vertreiben solch Fantasey,
Fieng ich diß neu Gebäu,
Die Grüllen-Burg ichs davon nennt,
In einem Jahr wurds gar vollend.
II.
Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen,
Da baut Hertzog August zu Sachsen
In einem Jahr diß Jagd-Haus behend,
Welches er die Grüllen-Burg nennt,
Vor schwerer Sorg und Gedanken,
Die ihm oblagen und bedrangten,
Und richtets an zur Lust und Freud,
Drum wird man hier der Grüllen queit.
III.
Ich bin genannt die Grüllenburg,
Darauf geschieht gar mancher Schlurg,
Gedanken und schwere Fantasey,
Legt man auf diesem Hause bey;
Gegen Hasen, Hirsch und Schwein
Vertreibt man hier die Zeit allein.
Wer nun hat Grüllen und Mücken,
Der lasse sie hinter sich zurücken.«
649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)
Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen
Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden
wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und
der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten
in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte
Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben.
650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)
Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man
eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier
einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes
Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas
sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der
Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von
Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.
651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und
Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)
Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen
Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu
gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet.
Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist
die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf
dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins
wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei
gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten.
Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die
Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung
der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt
ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die
Mutterkirche, erhielt.
652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.
(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.)
Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits
am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man
sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten
Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren
Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war
das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden,
weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und
noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.
Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13.
Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem
Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls
entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge
Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt
erhoben wurde.
653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.
(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44.
Mündliche Mitteilungen.)
Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung
des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser
Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten
Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung
von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker
dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche
Amtsgericht befindet.
Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden
haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts
hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung
an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen
unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das
Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß
man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.
Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des
Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die
einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt
am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in
Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und
errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen
des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige
Stadt Kirchberg.
654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.
(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc.
Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)
Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr
der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476
von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das
Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen
zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs.
Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain,
eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit
zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege
Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher
zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag.
Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und
der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch
beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein
Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den
Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen
aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf
freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck
und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo
dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit
Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden
»guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein
Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter
Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen
Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei
Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der
Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver
gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die
ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später
den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt.
655. Der Peststein bei Rauenstein.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S.
305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)
Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die
Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern
Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte
Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in
dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher
mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt
war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten
der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer
forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen
wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest
nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte
Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst
und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die
Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke
hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und
als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und
gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den
Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang
ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit
seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare
Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner
von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und
Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter
Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und
dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit.
656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.
(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)
Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich
im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:
Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem
Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als
Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde.
Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen
ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch
zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und
sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber
im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das
Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an
diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster.
657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist.
Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)
In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an
der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren
früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden
Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428
ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und
drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern
würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies
thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten
erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab.
An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in
den Fluten der Zschopau.
658. Zeichen auf dem Katzensteine.
(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)
Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der
wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze
und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein
Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man
einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere
gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem
Steine gefrühstückt haben.
Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von
Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf
dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel
zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage
angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will
man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.
659. Die zwei Messer zu Eibenstock.
(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)
Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner
zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr.
Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben
sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich
mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben,
darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder
herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser
auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich
Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen
im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und
solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand,
aufgerichtet worden.
660. Das Steinkreuz bei Schlettau.
(Mündlich.)
An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe
vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe
soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein
schwedischer Offizier begraben wurde.
661. Das Steinkreuz bei Werda.
(Mündlich.)
In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem
Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer
Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer
Soldat im Kampfe gefallen sei.
662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)
Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen,
an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit
eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte
von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der
Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er
deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam
zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des
Hirten.
663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.
(Mündlich.)
Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden
Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig
aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20
Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den
Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche
zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm
noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen
sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche
zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern
erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte.
664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.
(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)
An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock und
Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, steht
ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt im Walde ein alter
Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno 1799 ist an dieser Stelle
ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, nachts mit seinem Fuhrwerk
auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte des Gasthofes zu Karlsfeld
ermordet worden. Der Fuhrmann ließ sich gegen Abend vom Wirte des
genannten Gasthofes für Silbergeld neue Kupfermünze geben. Dies sahe
der Hausknecht, welcher jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke
hielt. Ihn gelüstete nach denselben, und er ging deshalb, als der
Fuhrmann bereits ein gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete
ihn und nahm ihm die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an
diese That ist der Stein gesetzt worden.
665. Der Denkstein in Fürstenwalde.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)