Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf dem

Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes Frauenzimmer

vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit offenem Thore

stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes oder Namenssiegel

gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno 1690 gestochen worden,

sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, der mit einem Mantel

bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes Schlachtschwert

mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über einem offenen

Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten Franken, wenn

sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter in die Erde

gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen haben.

609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.

(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)

Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben mit

gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen oder Fliegen

fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der Kirchturmspitze

ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. Damit will

man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich daselbst

aufgehalten haben, ableiten.

610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.

(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)

Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will man

vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.

611. Das Wappen der Stadt Zwickau.

(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656, S. 136.)

Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem Rate ihr

Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz rot,

oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter denen ein

Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur umgekehrt,

daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme aber gegen die

linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf dem Schilde aber

zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen Aufschläge weiß,

und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. Auf dem andern Helm

aber stehet der Ritter Moritz, welchen der Kaiser der Stadt zum Patron

gegeben.

Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten Teil

des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.

612. Das Wappen der Stadt Freiberg.

(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. Freiberg, 1653, S. 21.)

Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt einem Thore und

Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im gelben Felde darin soll

Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem eigenen Wappen der Stadt für

geleistete Dienste dazu verliehen haben.

613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.

(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge,

2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)

Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg

angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum

Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von

unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf

beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern

haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in

der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel

und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch

unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.

In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses

Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des

Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen,

und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein

Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so

fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle

es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.

614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)

Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt

ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die

Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind

zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet.

Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die

Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt

Dippoldiswalde war.

615. Siegel der Stadt Frauenstein.

(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach

Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)

Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und

in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet,

daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von

der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen

die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des

Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie

letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge

weg nach Prag auf den Königsthron holten.

Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem

rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein

zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen

den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was

bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden

Bergbau bezogen hat.

616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.

(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)

Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes Thal mit drei

hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem beckenartigen Schilde

einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das reichsgräflich von Loß'sche

Wappen am Herrenhause des Rittergutes hat einen Frosch im runden

Mittelschilde und als mittelste Helmzier. Man deutet das angebliche

Wappen von Olbernhau damit, daß sich aus dem abgetrockneten See, für

welchen man die flache Thalsohle, in welchem der Ort liegt, ansieht,

der letzte Frosch entfernt, um nach dem auf der Höhe sich zeigenden

Walde zu flüchten.

617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)

Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das Dorf

durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer Mulde

sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher in dem

Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- als

das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.

Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von den vielen

Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von dem Bache,

welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das Siegel führt

deshalb einen Auerhahn am Bache.

618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.

(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 37.)

Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große Brille in

Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, daß es ein

geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der zu Zwickau

gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker viel auf

dergleichen Zeichen zu achten pflegten.

619. Die Wahrzeichen Freibergs.

(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~, 1653, S. 29, 37 u. 138. Gräße,

Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)

Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem Dache auf

allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu sehen, wovon

die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches

derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein wolle. Etliche

meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, der

1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht worden. -- Als

Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte männliche Statue

wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. sächsischen und

Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an der Brücke befand,

sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die Stelle bezeichnet, auf

der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.

Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine mit

eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.

Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet,

auf welcher Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh.

Vulpius (~Plagium Kauffungense~, als Beigabe zu ~Dr.~ Daniel Wilh.

Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, S. 229) folgendes: »Als 1702

der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein fast in kleine

Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen neuen

an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit

des E. E. Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen

schwartz-blaulichten ungepolirten Marmor-Stein darunter, auf welchem

ein alter Silbergroschen gelegen, dessen Schrifft und Gemählde

Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern so mürbe war,

daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man auch diesen,

in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu

finden, auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten,

sonst aber gar nichts gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey

Steine hatten einerlei Große, Länge und Breite. Der Marmorstein wurde

in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster gleich kommen, und wiederum

ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit gepräget,

gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern

Merkmahl, drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf

~recta~ darauff.«

Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am

Erker des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein

steinerner Kopff, welcher für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird,

mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebel-Barte und Sturmhaube,

über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf angedeuteten

vierecketen Stein.«

620. Wahrzeichen von Crimmitschau.

(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)

Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher mitten auf

dem Markte eingemauert war.

621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.

(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)

Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein,

welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen

Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte

anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert

oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde

verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom

Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre

es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache

1415 geschehen.

Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des

sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier

mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war,

an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der

Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.

622. Das Wahrzeichen von Tharand.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)

Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und

neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene

Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit

sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der

Ort selbst Granaten hieß.

623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)

Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein

»Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen,

der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des

unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der

dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte.

Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit

jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der

Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser.

Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, wurde

vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich

eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen

Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz

Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber

berühmten Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.

624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.

(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)

Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem

ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß beim

sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner in

trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen sei. Die

Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 Häuser (jetzt nur 64!)

gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört worden sei, worauf sich

der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von Platz nach Norden und

Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut habe, und auf diese Weise

sollen die beiden Ortschaften Hohentann, d. i. bei der hohen Tanne, und

Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden sein.

625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.

(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)

Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal

erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers

des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16.

Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort

und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav und

seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter

Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre 1174 flohen,

gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der Stadt heute noch

die Burghäuser heißen und die Befreiung von der Abgabe des sogenannten

Dienerkornes genießen.

626. Die wüste Mark Kraxdorf.

(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. A.

Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)

Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus

Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe

nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Krafftsdorf

gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem westlich im Walde

gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel

gefunden wurden.

In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West

nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf

dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr

wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten hatten.

627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.

(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)

Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., welche

jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen

Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden heimgesucht.

Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, zur Nothdurfft

erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später wurde das Dorf

als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und Georg von Mügeln

verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten Sage die Pest den Ort so

von Menschen entblößt haben, daß von der ganzen Bevölkerung nur zwei

alte Jungfern am Leben blieben, welche sich im Heu verborgen hatten.

628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal und

Königswalde.

(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II, 1656, S. 157. G. Göpfert,

Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)

Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und Königswalde,

findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, welches über

einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches Berglein, weil es beraset

und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. Von diesem Gemäuer wird erzählt,

daß es ein Raubschloß gewesen sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und

ausgemauerter Brunnen, welchen die Bauern den bösen Brunnen nennen,

weil sich bisweilen Gespenster daselbst haben sehen lassen. Es sollen

hier nämlich die Geister zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht

haben, umgehen. Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf,

Rappendorf genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)

629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.

(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863,

S. 3. Der Schluß mündlich.)

Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von Dippoldiswalde

ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, gestanden habe. Man

sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur ein nach dem Berreuther

Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz und ein in der Nähe

befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. Auf dem Platze soll

eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.

630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.

(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, 1.

Teil, 1776, S. 111.)

In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein

einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern noch

in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch in

einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im

Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag

Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und

Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf am

Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein

ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie die Fluren

beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von denen ein Teil

jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz soll auch ein Dorf mit

Namen Kempfersgrün gestanden haben.

631. Die wüste Mark Oberopritz.

(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S.

92.)

Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des Räderkopfes

zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein die zu

letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll früher

das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im Hussitenkriege

zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und zwar da, wo in

dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz kommendes Bächlein

mündet, die Wüstung Niederopritz.

632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.

(~Dr.~ Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)

1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen

Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein

gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch

Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon von

Sachsen, 16. B., S. 19.)

2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer Grundes,

in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf

liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg Blankenau her,

deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben und Wällen nebst

verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna und Heinersdorf in einem

kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die Sage setzt die Einäscherung der

Burg, von der sich ein Rittergeschlecht von Blankenowe schrieb, in den

Krieg Friedrich des Gebissenen mit den Süddeutschen. (S. auch Schumann

und Schiffner a. a. O., 14. B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B.,

S. 114.)

3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen Adels-

oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, Oneritz

(Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz und

Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen Chemnitz

und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.

633. Wüste Marken bei Augustusburg.

(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)

1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der

von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende große

fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen

verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.

2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland

gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine Wüstung

und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich im

Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf

Röthenbach lag.

3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha

gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor

dem Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen

»Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben

Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere

Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen

zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, 1. B., Schneeberg,

1750, S. 268.)

634. Von früheren Festen bei Schneeberg.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik von

Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, 1. B.,

1795, S. 14.)

Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden

und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine

Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins

Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher.

Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man früher am

südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten Grunde

sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und ebenso soll

ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das Brünnlasgut

befindet, eine Warte gestanden haben.

635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)

Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in Pöhla bis an

die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand geheißen,

weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden ist.

Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf und

Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten und

Ackerbeete.

636. Die wüste Mark Eibendorf.

(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)

Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen die meisten

Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen

Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen Kriege zerstört worden

sein soll.

637. Die wüste Mark Nennigkau.

(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)

Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe

wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher im

Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha mündet.

638. Wüstungen bei Bärenstein.

(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)

Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und

Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen

Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches im

30jährigen Kriege zerstört wurde.

639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.

(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)

Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem

dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha

gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle

am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das

Dorf Kuhren stand.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 49 / 62 段