den Namen für einen slavischen gelten zu lassen, vielmehr hält er
unser Crossen, sowie alle Orte, welche dieselbe Benennung haben,
für fränkische Ansiedelungen. Er verweist dabei auf die in deren
Nähe liegenden Orte Frankenau (2 Stunden von Crossen bei Mitweida,
3 Stunden von Crossen bei Zeitz) und Franken (6 Stunden von Crossen
bei Luckau); Crossen bei Zwickau ist von einem Frankenau ungefähr 3
Stunden entfernt.
549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc.
von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet, 1766. Manuskript.)
Gersdorf soll vor Zeiten ganz anders gelegen und die Kirche oben
im Hofgraben gestanden haben, bis sie durch Kriegsverwüstung ihren
Untergang allda gefunden hat. Das Dorf soll nicht weiter als bis
dahin, wo jetzt Hüllbert wohnt, gegangen sein. Die obere Hammermühle
soll damals in einem dicken Walde gestanden haben und davon umgeben
gewesen sein. Da aber der Bach vorher den Namen »Gersche« geführt haben
soll, so hätte das Dorf, nachdem es weiter abwärts angebaut und auch
die Kirche weiter herunter gesetzt worden wäre, vom Wasser den Namen
Gersdorf bekommen.
550. Der Ursprung des Namens Silberstraße.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1102.)
Edelmann von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe, ein alter und getreuer
Diener der Kurfürsten von Sachsen, brachte einst zu Zwickau bei einem
Landesfürsten folgende Bitte mündlich vor: Dieweil aus Gottes Segen
das reiche Bergwerk zu Schneeberg geoffenbaret und desselben Lob in
aller Welt erschollen wäre, zögen viel Fürsten, Grafen, Herren, Ritter,
Edel- und andere gute, redliche Leute nach demselben, und müßten dabei
meist bei ihm durch, wodurch sein und seines Geschlechtes Namen weithin
bekannt würde. Aber es stünde nicht wohl, wenn man fragete, wer er sei?
und geantwortet würde: Es ist der von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe.
Da nun das Erz und Silber bei ihm nach Zwickau durchgeführt würde,
so bäte er unterthänigst, man wolle ihm seines Gutes und Dörfleins
Namen »die Armen-Ruhe« in der Landtafel auslöschen und dasselbe dafür
die »Silberstraße« nennen zu lassen. Dies würde ihn in ein größer
Ansehen bei den Leuten bringen, da er doch ohne das, wenn nur sein Name
nicht also bekannt werden sollte, wohl mit dem alten Namen zufrieden
gewesen wäre. -- Diese Bitte wurde dem Uttenhoff gewährt, und der
Armen-Ruhe Namen also geändert, daß bis diese Stunde noch das Dorf die
»Silberstraße« und die dabei befindliche Muldenbrücke die Silberstraßer
Brücke heißt.
551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda, und
Rechenberg.
(Mündlich, desgl. bei Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein,
1748, S. 19.)
Auf der jetzt in Ruinen liegenden Burg Rechenberg hausten einmal
mächtige Ritter. Dieselben hatten in Frauenstein ihre Frauen, in
Purschenstein ihre Burschen, in Pfaffroda wohnte ihr Pfaffe und in
Rechenberg machten sie die Rechnung und teilten den Raub. -- Die
genannten Schlösser sollen auch durch unterirdische Gänge mit einander
verbunden gewesen sein.
552. Der Name des Fleckens Bockau.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen,
No. 579.)
Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten sich
sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den Handel
damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen, Pillen und dgl.
mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer häufig im
deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt, es habe sich
einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau liegt, ein
Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen. Sein
Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter den kostbaren
Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich den Platz genau
gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den Verkauf jener Kräuter
sehr bald wohlhabend geworden. Nach und nach hätten sich daselbst
mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort zur Erinnerung an seinen
Ursprung Bockau genannt.
Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer
erst gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann.
Die in dem Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst
zwei Brüder Weiß, füllten ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten
medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche sie an Apotheker und
Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute verkauften.
(Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346--355).
In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits
darauf hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen
~bóh~, d. i. Gott, sondern von dem slav. ~buk~, die Buche, und dem
davon gebildeten Adjektivum ~bukowy~ abzuleiten ist. Aus ~bukowy~
entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald oder Buchholz zu
übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen Bockwa bei
Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben.
(Immisch, a. a. O., S. 8.)
553. Ursprung des Ortsnamens Remse.
(Kirchengalerie von Sachsen, 12 B., S. 87.)
Der Name des Kirchdorfes Remse zwischen Glauchau und Waldenburg scheint
auf das lateinische ~remissa~, die Erlassung, hinzuweisen. Eine
Sage erzählt, es habe sich in dem früher daselbst befindlichen und
in dem 12. Jahrhundert gestifteten Nonnenkloster ein wunderthätiges
Marienbild befunden, zu dem die Ablaß Suchenden aus der Nähe und Ferne
wallfahrteten. Von einem Erker des jetzt sogenannten roten Stockes aus
habe dann der Probst den Segen erteilt und die Gläubigen mit den Worten
entlassen: »~peccata sunt vobis +remissa+~« (d. h. die Sünden sind euch
vergeben). Daher der Name Remse.
554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.
(Comotovia, 2. Jahrg. 1876., S. 10.)
Es wird erzählt, daß im Jahre 1364 der Prager Bürger Johlin Rotlöw
mit Bewilligung Karls IV. seinen besten Bergmeister in die Gegend des
Gebirgs, wo jetzt Sebastiansberg liegt, sandte, um Erze zu suchen. Er
hatte so glücklichen Erfolg, daß sich die Bergleute sogleich die ersten
Häuser bauten. Man nannte nun den neuen Ort Paßberg, weil bereits der
Berg, auf welchem die Stadt steht, und welcher die Grenze bildete und
zum Aufpaß und zur Sicherung der Fuhrleute und Reisenden mit einem
Militärposten besetzt war, den Namen Paßberg führte. Aus Paßberg soll
mit der Zeit der Name Sebastiansberg entstanden sein. Nach einer
anderen Sage soll jedoch Sebastiansberg anfänglich den Namen Neustadtl
geführt haben.
Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von
Weitmühl verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues
wegen, aber keinesfalls vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch
eine kleine Kirche, die auf Wunsch seiner Unterthanen nach seinem
Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde. Von der Kirche ging der
Name auch auf die ganze Ansiedelung über.
555. Der Name der Stadt Sonnenberg.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 71.)
Die Veranlassung zur Gründung der Stadt Sonnenberg gab der in
dortiger Gegend einst stark betriebene Bergbau auf Silber, Kupfer,
Zinn und Blei. An einem nebligen Morgen, in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts, so erzählt die Sage, sandte der Grundherr, der ein
Lobkowitz auf Hassenstein war, einige seiner erfahrenen Bergleute auf
die Höhen mit dem Auftrage, dort, wo die Sonne am ersten durch das
trübe Gewölk brechen würde, einzuschlagen und das Bergglück zu suchen.
An dem Orte nun, wo jetzt Sonnenberg steht, erschien sie ihnen zuerst.
Es wurde gleich mit Schlägel und Eisen Hand an die Arbeit gelegt, und
die Mühe belohnte sich reichlich. Man baute dann einzelne Hütten für
die Bergleute. Mit dem wachsenden Bergglück vermehrten sich beide. Die
Sonne gab diesem Orte den Namen, und aus dem wüsten Waldorte wurde in
kurzem ein Bergflecken. Durch spätere Begnadigung erwuchs er endlich zu
einer Bergstadt.
556. Der Name der Stadt Falkenau.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.)
Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben, daß ein
Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine Ansiedelung
hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe und schließlich
zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am Marktplatze in
Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner dar, der ein
Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite hat. Es soll dies
die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer der Stadt gilt und
dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian) heißt.
Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß
auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht
im 12. Jahrhunderte, da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern
auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen mit Leidenschaft hingaben,
eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr dafür, daß zu
obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem
Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt
und es ist daher jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst
1724 errichtete Falknerstatue nur eine Ausschmückung des Stadtwappens.
Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in
deutschen, als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung
dieser Benennungen ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem Dorfe
~Sokolec~ (~Sokol~ = Falke) bei Podiebrad wird erzählt, daß man
daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader Jäger Falken
abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem Namen
eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.
557. Die Entstehung des Namens Neudeck.
(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 4.)
In der sehr industriellen, am Rohlauflüßchen gelegenen Stadt Neudeck
zieht der sogenannte Turmbergfels unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er
besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken. Auf diesem
Felsen steht ein uralter Glockenturm, der ehedem zu einer Burg gehört
haben soll, welche von einem Raubritter bewohnt wurde. Diesem Turme
verdankt Neudeck, wie folgende Sage berichtet, seinen Namen.
Einstmals verirrte sich auf der Jagd ein Jäger im dichten Walde
und wußte nicht, wo ein und aus. Schon viele Stunden hatte er im
Waldesdunkel nach einem rettenden Pfade gespäht, da kam er auf den
Hochtannenberg und stieg dort, um sich in der Gegend zurecht zu
finden, auf eine hohe Tanne. Hocherfreut sah er östlich im Thale ein
Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war. Darauf ging der ermüdete
Waidmann zu und fand daselbst den alten Turm, neben dem ein Häuschen
stand, welches ein Schmied, namens Waldesel, bewohnte. Er trat in die
Schmiedewerkstätte. »Lieber Waldesel«, redete er den alten Meister an,
»dem neugedeckten Turme da verdanke ich den Ausweg aus dem Walde;
deshalb heiße er samt den andern Gebäuden von jetzt an »Neudeckt!« Und
des Jägers Wunsch ging in Erfüllung; denn noch heute trägt der Ort, der
nach und nach zu einer gewerbfleißigen Stadt anwuchs, den Namen Neudeck.
558. Die Entstehung des Namens Frühbuß.
(Mündlich.)
Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das einst
weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet.
In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben sich die
Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze, welche
aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen werden konnten,
reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der Erze nahm sie auch so
in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten und ihre häuslichen Arbeiten
nur vor der Seifenarbeit vornehmen konnten, um bei dieser selbst keine
Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit aber nannte und nennt man noch
jetzt in der Gegend »Frühbuß«, und von ihr erhielt in der Folge die
Ansiedelung ihren Namen.
Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die
unterirdischen Glocken im Kranichsee« verwiesen.
Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in
Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln«
= geschäftig da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon
abgeleitete »Hausbussel«, womit ein auf diese Weise thätiger Mensch
bezeichnet wird.
559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.
(Mündlich.)
Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die
sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca.
900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack.
~M.~ Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen nützlicher
Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von
Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und seinem
Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem höchsten
Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser Seite von
einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher auf dem
kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus Nordwest nach
Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten Waldes vom
Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern erhebt, -- -- hat wohl den
Namen mit der That, weil sowohl denen Reisenden die hier vorübergehende
Straße, sonderlich bei üblem Wetter, äußerst sauer werden, als auch
denen armen Einwohnern des Ortes, welche wie die Vögel des Himmels
weder säen, ernten, noch etwas in ihre Scheuern sammeln können, -- --
nicht weniger ihr mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen
muß.« Und: »Es ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine
lange, schmale und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern
ein »Geseer« (Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem
Namen der Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.«
Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens Sauersack
folgendes:
In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, welcher
hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten Ansiedler
anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse
aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese Arbeit hatten
hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. Da geschah es
nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren Sack mit
Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln) geholt hatte und
bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist ein saurer Sack!«
So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung »Sauersack«
genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen Tage behalten hat.
560. Ursprung des Namens Sorgenthal.
(Mündlich.)
Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes Pleil.
Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal, durch
welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte. Wenn
nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große Sorge,
denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem sogenannten
Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch« ihre Herberge
hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale mit sich nach
genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen sind. In dem Thale
aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten standen, wurde nach Lichtung
des Waldes ein Ort gegründet, welcher den Namen Sorgenthal erhielt.
561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.
(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl, Chemnitz,
1874, S. 10 und 17.)
Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg genannt.
Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen die reichen
Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden, riefen sie
freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!« Davon ist dann
der Ort genannt worden.
Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der heutigen
Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo jetzt
die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die tiefste
Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach Schlettau zu
überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann, mochte er kommen,
von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg vor sich, so daß er
seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand daher an dieser Stelle
die erste Niederlassung, die eine Herberge war. Die Sage erzählt, daß
dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle war, in welcher Reisende durch
eine Fallthüre in einen Keller stürzten und dort ermordet und begraben
wurden, bis es endlich durch eine Dienstmagd, die einen jungen Mann
warnte, verraten wurde, worauf Soldaten aus Kaaden das Haus umringten
und samt den Bewohnern niederbrannten. Man hat auch unter späteren
Besitzern des Hauses, das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei
Umbauten Totengebeine im Keller gefunden.
Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden
Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal und
bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort, wo
jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung.
Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum der
Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut, erbaute
hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine Angehörigen und
Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben.
Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des
Namens Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als
schon im Jahre 1533 der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer
Zeit, zu welcher der Silberbergbau in der Gegend noch nicht begonnen
hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes vorkommt. Vielleicht wurde
auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen Wigbert geweiht
hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.
Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und
Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug
zwischen Preßnitz und Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger
Gebirge, nach Pleil und Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser
und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert und Pleil nach dem weißen
Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über den Pöhlbach und
sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz nach
Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten
ihr Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach
Böhmen holten, führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht,
und solche Fuhrleute waren es nach der Sage auch, welche in einem
Wagengleise daselbst die ersten Silbererze fanden und so die Gründung
Freibergs veranlaßten.
Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum
Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil
selbst in festem Gestein vorhanden sind.
Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des
Ortes Kuhberg von einem czechischen Worte ~küweribi~, welches er
mit »ausspannen« verdeutscht, ab. Wenn dies richtig ist, so würde
dieser Name zur Bestätigung von einer uralten Herberge am Pöhl- oder
Grenzbache dienen.
Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg
gelegene sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h.
Kuhschwanz geheißen haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach
dem Archiv für sächs. Geschichte (12. B., S. 95) erst seit dem Jahre
1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an dessen Fuße er liegt.
562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.
(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal,
mitgeteilt vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.)
Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn, auch
Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern »der Stoltze Hayn«
genannt.
In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im dichten
Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter vor die Thür
traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn, der auf
einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh, welch ein stolzer Hahn!«
und von diesem Ausrufe hat der Ort später seinen Namen bekommen.
563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.
(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens
Kirchengalerie, 8. B., S. 72.)
Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive
zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei Sayda seinen
Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor langer, langer Zeit
als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedel gehörige
Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei Brüdern verdanken.
Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei befand, denn in der
Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke, welche in der Brüderwiese
aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise der Klause der drei
Einsiedler einst angehörte.
Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung einem
Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat.
Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten
Verkehrsstraßen durch unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige
Straßen vielfach unter ihren Schutz. Klosterbrüder bauten sich an
ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit geistlichem
Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen
zu lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher
Einsiedeleien, an denen sich vielleicht auch Kapellen befanden,
später entstanden sind, ebenso wie die Namen von Brunnen oder Anhöhen
u. s. w., haben die Erinnerung an derartige Stationen erhalten. Es
ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden Ortschaften
auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine
der alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und
das jetzige Einsiedel nach Böhmen. (S. auch ~Dr.~ Alfr. Moschkau,
Oybin-Chronik, S. 197.)
564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.
(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.)
In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg führt
eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke nennt. Die Sage
erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß der Bote, welcher
Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten überbringen sollte,
hier, weil die Brücke von den Fluten der sehr angeschwollenen Mulde
weggerissen worden war, aufgehalten ward, also nicht zu rechter Zeit
eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals hergeben mußte.
565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jakob.
(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.)
Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und
St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen Dörfern, welche
damals andere Namen hatten, nur drei Männer, Ortmann, Niklas und Jakob,
am Leben geblieben sein, nach deren Namen später die Dörfer benannt
wurden.
566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.
(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.)
Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die ganze
Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf ihm ein
Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und breit bekannt
war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch das Land zog,
so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche er heimsuchte.
Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach dem Schlosse auf
dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust daselbst die Becher
und die geängstigten Bewohner des Thales sahen dann in der Nacht die
Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen sie zu einander:
»Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei verwünschten sie die
Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch von dieser Plage befreien
wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß die Burg zerfiel, und nur
einen alten Steinwall bezeichnet man als deren Reste. An dem Fuße des
Berges konnte man wieder ruhig wohnen, es bauten sich daselbst mehr
und mehr an, und die zerstreuten Ansiedelungen wurden später zu einem
Dorfe vereinigt, dem man zur Erinnerung an das Licht, welches einst
nach jedem Raubzuge der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen
gewesen war, den Namen »Lichtenberg« gab.
567. Der Ursprung des Namens Dörnthal.
(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293.
Kirchengalerie, 12. B., S. 115.)