Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der Gegend

von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der Nähe, wo jetzt

Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, um welches

sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung gewährten.

Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß für die allmählige

Erbauung des Städtchens, welches in seinem Ratssiegel ein Altärlein

mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur Stunde führt. Lange Zeit noch

erhielt sich die Tradition, daß die Reisenden gemeiniglich unterwegs

den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum Altärlein kommen, wollen wir uns

Messe halten lassen; daher sei es gekommen, daß der Ort selbst nach und

nach Altärlein, oder wie man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet

worden.«

Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten

zusammengetragenen Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen

Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil

(Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das

ältere Lehen«, ~respectu~ Schlettau, welches bereits vormals den

Schönburgischen Herrn zugestanden.«

Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben.

Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren

Jahrhunderten war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise

Gott um Schutz anflehten und nach derselben für seinen Schutz

dankten. Diesem Bedürfnisse kam die Kirche dadurch entgegen, daß z.

B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch Erzbischof Liutbert

dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle

oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären

Messe halten zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt

Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster Grünhain errichtet

worden sein. Das Recht, derartige Altäre im Freien anzustellen,

gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster.

(S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.)

529. Ursprung des Namens Hermannsdorf bei Elterlein.

(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.)

Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben, Hermann

genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen. Dessen drei

hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad, hätten die

drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und Konradsdorf angebaut

und bewohnt.

Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden, also,

daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft geholt, die

Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen.

530. Ursprung des Namens Crandorf.

(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.)

Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur Zeit des

Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen habe, da

einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in dortiger Gegend

ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann mit Holzschlagen

und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun in den Waldungen

mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die Köhler, anzutreffen

gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen anfangs nur

solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram« nicht unähnlich

geschienen, so hätte man den Ort anfänglich »Cramdorf« genannt, woraus

später »Crandorf« geworden sei.

531. Ursprung des Namens Grünhain.

(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.)

Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin die

Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich die

Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut.

532. Von dem Namen Hermannsdorf bei Weißbach.

(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens

Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.)

Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach. Seinen

Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben, dessen

Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo man beim

Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten tief in der

Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet auch noch

heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines kleinen, nördlich

von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt, als »Hermannsgrab.«

Dicht an demselben führt ein Weg vorüber, welcher sich links von dem

von Griesbach nach dem Orte führenden Wege abzweigt, und wenn man in

unmittelbarer Nähe des Felsens auf diesem Wege scharf auftritt, so

klingt es hohl, als ob man sich über einem Gewölbe befinde. Hier soll

der genannte Hermann, welcher auch ein berühmter Heerführer gewesen

sein soll, in einem silbernen Sarge begraben liegen. Manche erzählen,

daß von dem Hermannsgrabe ein unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf

führe. In dem anstoßenden Walde sind schon viele Leute des Nachts durch

Lichter irre geführt worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten

Felsen den Schlangenkönig mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß

die Schützen von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit

Musik nach diesem Platze zogen.

Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit uralten

Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre 1753 im

Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten nennt einen

»Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß dies ein Sohn

Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029 und 1032 von den

aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt die Volkssage in

die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche zu Weißbach, dicht

am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher mit einem Walle

umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die Rammels-, Rommels-

oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll jener Hermann gegen die

Sorben zu Felde gezogen sein.

Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine

Grünschieferplatte ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit

die Inschriften für die ältesten Denkmäler obersächsischer Mundart

erklärt. Sie lauten: ~1. Voir glabbe alla in ainen Got Vade Vahan.~

(Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines Kreuzes.)

~2. Diser hogn ist im tuszend and tr... nati Chrs. 3. Da laitgodsa

hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa

üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4.

Daristain haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia

Hermandr barrtn sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das

Gebat~ (eine Überschrift des nun folgenden, aber nur bruchstückweise

noch vorhandenen Vaterunsers) ~Voder onser du bist im Himel ... dein

Voill gescho ...~

Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes:

Wir glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone,

der Geißel und des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist

im tausend und dritten (13ten oder 30sten) Jahre ~Nat. Christi~.

Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher Mann hienieden, viel

(vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden (um der

Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des

Eichhügels. Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der

Stein enthüllt zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt

wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner) wurden (sind) wohlgefahren

(selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (~santan~ wahrscheinlich von

~sanctum~, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis ihrer

Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres

Herrgotts wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w.

533. Entstehung des Namens Gottesgab.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein in

der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.)

Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und

frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen

Erzgebirges liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die

höchstgelegene Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Ursprünglich Wintersgrün genannt, erhielt dieses Städtchen seiner

Silbererze wegen, die hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert

wurden, gar bald von frommen und dankbaren Bergleuten den

bedeutungsvollen Namen: Gottes Gabe.

Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens dem

Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich eines

Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal zu Sachsen

gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm, setzte man

ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen

vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den Worten

abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt hinfüro

genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt Gottesgab.

Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst mit

seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da traf

es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend, ein

ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen

Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!« Und

darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden reichen

Silbererze entstehende Ansiedelung genannt.

534. Die Entstehung des Namens Abertham.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.)

An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am Fuße

des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem

rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen

Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr 1529

ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte und

bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem Fremden,

der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der Angeredete,

welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte kurz und

schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges weiter, kam aber

nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den emsigen Bergmann bei der

nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal werde ich mit der Antwort

glücklicher sein, dachte der Fremde und sprach: »Guter Freund, sagt

mir doch, was für Arbeit Ihr da vollführt?« Allein der Bergmann gab

ärgerlich, weil ihm entweder die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er

den Fragesteller, dem er schon einmal Rede gestanden, wieder erkannte,

zur Antwort: »Aber einen Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue

Bergkolonie der Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham«

dem Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen noch

die alte übliche Benennung: »Am Abertham.«

535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.

(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.)

Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom ~Petro

Plateano~, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten

Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in Joachimsthal

fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft haben soll, wie

auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe mit etlichen großen

Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge hinaus gelaufen,

geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da er in der Schul

~laboriren~ sollen.

536. Ursprung und Namensentstehung von Bärringen.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)

Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch mit einem

dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in welchem Eber,

Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären hausten. Auf das

Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen von Plätzen hin. So

giebt es beispielsweise in der Umgebung von Platten einen Wolfsberg,

eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei Salmthal am Abhange des Wölflings

ein Bärenloch, bei Mariasorg einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt

einem Bären sogar den Ursprung und Namen des Städtchens Bärringen zu.

Sie lautet: Einst fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem

heutigen Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der

Gegend des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der

mit seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu

richten. Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als

er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von

dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo der Bär

gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring, Kreis), aus

welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten. An dieser

vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz wurde im Jahre 1532 der

Bergbau begonnen, dem das Städtchen, das durch Vereinigung der Wörter

»Bär« und »Ring« den Namen Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt.

Darauf soll auch das Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt,

der einen Ring in der Pfote hält.

Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur aus

wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe, welche

Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen zwei

Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der Folge

mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten und die

Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen Orte anwuchs,

wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im Laufe der Zeit das

Wort Bärringen bildete.

Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären gerungen

haben.

Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick, durch

dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen,

dichtbevölkerten Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im

dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring. Alles

Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein Bergmann auf

einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen Ring des Grafen

Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit sucht man durch

Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring« die Benennung des Städtchens

Bärringen abzuleiten.

537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.

(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822, I,

S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41. Gießler,

Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.)

Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der Gegend des

Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte

Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. Nicht ohne Grausen

folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie

endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig

erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von

Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend krystallene Leuchter

mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das ganze

Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern und mit langen

Bärten saßen an einer Tafel und speisten. Der Zwerg lud den erstaunten

Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl teilzunehmen. Der Hunger besiegte

die Schüchternheit, -- Jahn setzte sich und aß und trank von dem, was

ihm der Zwerg bot. Noch nie hatte er so köstlich getafelt; er ward

erquickt und allmählich getrosten und frohen Mutes. Die zwölf schienen

sich über ihn zu freuen und geboten dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen.

Mit herzlichem Danke schied Jahn von seinen gastfreien Wirten. Der

Zwerg führte ihn aus der Höhle, welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im

Greifensteine war, und geleitete ihn auf die Straße, welche nach Böhmen

führte und auf welcher Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann

verschwand er.

Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn die

freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine

ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden

gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend

des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen Leuten ohne

Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes an Kranken und

Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes

Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt.

538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.

(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg,

1880. S. 8.)

Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches Zinnerz brach,

wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht gebaut, so daß

infolge dessen ein großer Teil des Berges samt zwei Arbeiterhäuschen

im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist die große Pinge am

Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch die drei Gebrüder Müchle

als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von denen das Dorf Müglitz

(Michlitz) abstammen soll.

539. Ursprung des Namens Wolkenstein.

(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg,

1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge, 1882, S.

65.)

Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem es

fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen, auf welchem

es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name von seinem

mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb es eigentlich

Bolkenstein heißen müßte.

540. Ursprung des Namens Eibenstock.

(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u.

2.)

Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die Kirche

von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock die

anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der Name der

Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem Stamme der Eibe das

früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach anderen aber der Pfeiler

der Kanzel gemacht worden.

541. Der Name des Schlosses Pürstein.

(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.)

Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert

eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein,

Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter

herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging.

542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.

(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.)

Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche Art

seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze Verkehr den

Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute jedes an der

Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach ihren Berechnungen

dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte »Han« war, so wurde

dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte Han, dann Dreizehnhan,

Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt. Man schätzte dabei den

dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig und Prag entfernt.

543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.

(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II.

Novellistisch in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6

etc.)

I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil anfangs

lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der Zeit eine

unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott Bergwerke

in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich schlechte Zechen

und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich vermehret,

Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das Bergvolk häufig

allhier vermehret.

II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das Städtchen

liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler Klaus.

Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem Thüringer

Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und sich bald um

die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte. Da geschah

es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann in die Hütte kam, der

im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war und sich dabei so verletzt

hatte, daß er einen vollen Tag bei dem Köhler verleben mußte, um sich

zu erholen. Er stammte aus dem nahen Freiberg, und bald wurde er der

Liebling des Vaters Klaus und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber

wurde der fremd zugereiste Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der

Hochzeit Margarethens mit dem fremden Bergknappen führte er seinen

Racheplan aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden

hin, von allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch

sehr bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen

Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem

Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches den

größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den ganzen

folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten Morgen ein

gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte. Das junge Paar

flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und von wo aus eine

Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam. Erst am vierten

Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die Brandstätte. Sie

gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten ihre ebenfalls mit ihnen

aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten Gefährten und

sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!« Von der Hütte des Vaters

Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen war nichts mehr zu sehen, nur

hie und da fanden sich Menschengebeine, welche man sammelte und in

geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe in Erbisdorf begrub. Als man dann

an den alten Plätzen wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der

Knappe eine Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube

auf dem Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen

Segens den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume

verbreitete sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei,

welche sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald-

und Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg

des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der Ort

erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.«

544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.

(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.)

Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße gelegene

Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der Mulde vorhanden

gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb und bei welchem

sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ.

545. Ursprung des Namens Conradsdorf.

(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.)

Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt eine

Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen von seinem

Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet wird, daß es dem

Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei, der es mit besonderen

Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren Zeiten sich erhalten

hatten.

546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.)

Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal ist

Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die geläufigere

Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung soll der

jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle getretene Name

davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne des Dorfes der

Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit der Reformation das

erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend bekam.

547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 68.)

Nach einer Sage hat das Dorf Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal

in uralten Zeiten einen anderen Namen gehabt, ist in der heillosen

Zeit des großen Interregnum »verwüstet« und »verbrannt« und erst

in der Folge unter den Hohenstaufen wieder hergestellt und mit

seinem gegenwärtigen Namen belegt worden. Ebenso ist nach einer Sage

Wüstenbrand als Filiale zu Pleise geschlagen worden, als das Dorf

Gecksdorf, von dessen Lage zwischen dem Rabensteiner Walde und den

Meinersdorfer Fluren sich bis auf die neuere Zeit Spuren erhalten

haben, im Hussitenkriege völlig zerstört worden war.

548. Der Name des Dorfes Crossen.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 75.)

Laut Nachrichten aus einem alten Kirchenbuche stammt der Name des

Dorfes Crossen bei Zwickau von dem slavischen Worte ~croszove~, d. h.

zerrissen oder zerstückelt, her. Denn da es von Slaven erbaut worden

und sie, wie sie dem sumpfigen Terrain nach und nach trockenes Land

abgewannen, dasselbe unter sich verteilt haben, so haben die Bewohner

ihre Grundstücke vereinzelt und nicht beisammen.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 45 / 62 段