heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen Kriege
zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg gehört
haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man sagt,
daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei, welche
sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal gehörigen
Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle, wo jene
Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der Kapelle
gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere nach
Großhartmannsdorf gekommen sein.
568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese bei
Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es war an dieser
Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige Wiese vorhanden, auf
welche während des Sommers von den Fleischern genannter Stadt das Vieh
zur Weide getrieben wurde.
569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)
Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb in
ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr
Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon
entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch
Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg her
jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich zeigten,
so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an -- daher der
Name Schellenberg --, was für die jenseitigen Räuber das Zeichen war,
sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. Wenn hingegen von
Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, zündeten jene ein Feuer
an, um dem Schellenberger ein gleiches Zeichen zu geben; daher der
Name; denn der Wächter rief dann: »Licht im Walde!« Länger als 300
Jahre trieben die Räuber ungestraft dies Wesen; man weiß jedoch nicht,
wer und wann es endigte.
570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)
Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man
darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei
abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und
also aus ihrer Hand sei erlöset worden.
Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber
mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch
einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei.
Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg
auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche
im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der alsdann den
Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang
bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des
Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)
571. Der frühere Name von Lichtenstein.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc.
von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)
In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht,
ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen
Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein«
bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer
Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt
bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.
572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.
(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und ~Dr.~ Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No.
3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)
Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon
versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von
einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt
wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich
dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin
ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen
ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig,
als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch
heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch
welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden
sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter
nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen
»Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln:
Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder
deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.
573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die
nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien, und
es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt
der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis
auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe,
in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem
die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen
Einwohner näher der Kirche wieder an.
574. Das Brautbette bei Rabenau.
(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in
den Junker Jeschke (~Jesico~) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie
ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte
sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich
im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird.
Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und
Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze
Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht
bekannt geworden.
575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)
Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. von Ponikau,
Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer Reise nach Mainz
gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. Im dritten
Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, der unter der sorgsamen
Pflege der Mutter und einer Amme wohl gedieh. Der Knabe war wenig
über das zweite Jahr alt, als einst an einem schönen Sommertage
Frau Katharina mit der Amme ohnweit des Schlosses auf jenem Hügel
lustwandelte, welcher jetzt der Pavillon heißt. Als der Knabe in den
Armen der Amme entschlummert war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen
pflücken, damit wir ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme
bettete das Kind an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half
sodann der Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich
aus der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf
das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich damit
in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich,
denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften und
Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die beiden Frauen den
Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug die arme Mutter die Hände
vor das Gesicht und sank ohnmächtig nieder; die Amme aber verfolgte
schreiend und händeringend den über ihr fliegenden Räuber. Schon
schwebte derselbe über dem hohen und felsigen Hügel, der im oberen
Teile des unmittelbar vor dem Schlosse liegenden Städtchens Lauenstein
sich erhebt, -- da fiel ein Schuß. Ein Jäger, welcher, aus dem nahen
Forste zurückkommend, die Gefahr sah, hatte den Schuß gethan und gut
getroffen. Der Vogel stürzte tot zur Erde und lebend und wohlbehalten
hing das geraubte Kind an den Klauen des erschossenen Vogels.
Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens ließ Frau
Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, einen
Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. Dieser
Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf dem
Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch der
Katharinenstein.
576. Die Kutte bei Elterlein.
(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No.
35.)
Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, wo er seines
Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im Walde nieder, um zu
verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen berührte ihn etwas von
hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut aufschrie. Er untersuchte
den Boden und fand einen starken Zacken gewachsenen Silbers, der drei
Zoll lang aus der Erde hervorstand. Um die Stelle sicher zu bezeichnen,
zog er seine Kutte aus und legte sie darüber. Dann eilte er in vollem
Laufe nach Grünhain zurück und erzählte von seinem Funde voller Freude
dem Abte. Bald darauf ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein
regelmäßiges Berggebäude angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab
und noch jetzt die Kutte heißt.
577. Sechs Brüder bei Geyer.
(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)
Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein
die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es einem Trupp
herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen, in der
Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde
schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den
Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger
Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich
tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und
brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu bringen.
So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich
der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so
wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen
ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum
waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen
Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf
Österreicher auf die grausamste Weise; den sechsten aber warfen sie in
ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage
jammern hörten.
Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer
noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die
sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.
578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.
(Mündlich.)
An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr eine halbe
Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe,
welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. Über den Namen
dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, daß einst drei Brüder
mit einander in den Wald nach Holz fuhren. Da fanden sie einen zu
Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben alsobald ab und legten
hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe zu holen, ein Bergwerk an, in
welchem sie große Reichtümer gewannen. So entstand zuerst die Grube
»Alte Brüder«, und später, als auch weiter abwärts Silbererze gefunden
wurden, die Zeche »Neue Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung
an jene Brüder die Dreibrüderhöhe genannt.
579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.
(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)
Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der Grenze
des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung, »Reue«
genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen Feldparzellen
einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft worden. Weil nun
der Verkäufer es später bitter bereut hat, die Grundstücke so billig
verkauft zu haben, so hat man der Waldung den Namen »Reue« beigelegt,
welchen sie noch heute führt.
580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.
(Mündlich.)
Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb
Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten von Wald
eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der »Bär« genannt.
Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: In dem
dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen sich die letzten Bären
aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von der gegenüberliegenden
Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. Ein kleiner Bär wollte
nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen Schlag, daß er sofort tot
war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem Lager. Von dem getöteten Bären
nun soll der Name des Grundes herrühren.
581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.
(Mitgeteilt vom Prof. ~Dr.~ Friedrich Polle in Dresden.)
An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine
schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein
heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger
mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären
die Felswand hinunter warf.
582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg,
1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur,
1882, No. 24.)
I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei
Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet,
eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und durch den Schein
der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben,
daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener
Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen
Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort
befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem
Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme
auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen
Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus
später »Mückenberg« ward, genannt wurde. -- Auf derselben Stelle
am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht,
hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause
aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in
einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in
der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren
ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und
des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler
verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles
Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie
erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit
Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis
über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur
allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor
Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte
ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren
Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen
hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute,
war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die
Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang
führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration
Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da
-- majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert
dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet
ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt,
welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer
den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt
auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin
zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein
mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen
von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!«
Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die
Schönheit des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden
Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach
der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen
hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der
Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen,
daselbst die Zinngraupen zu brechen.
II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber,
dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft
erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube
eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und
gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht
auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber,
froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den
Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst
zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese
Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm
tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag.
An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete
man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter
Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist.
Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche
Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher
sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist
z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen
auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten
berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß
als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590.
S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen.
Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge
aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S.
646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes
Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe
Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde
fortzusetzen.
583. Ursprung des Namens Fastenberg.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.)
Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht,
soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge eine
Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts
oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl
ein rechter Fastenberg sein!«
584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)
Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten aus der
Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei
der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon liefen, über
Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin
von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet hatte, kam zwei
Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den
Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße
geschleppt, dort lebendig gespießt und ihm sein silberner Helm oben
auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin
schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu
vergreifen wagte, und erst zur Zeit der Reformation verschwand sie
zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde. Von dieser
Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe der weiße Helm genannt.
585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.«
(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)
Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange des
Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«.
Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar,
fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten hin
die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll daher
kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner
als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage
zubrachte.
586. Ursprung des Namens Silberbach.
(Mündlich.)
Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, welches
erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf des
Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser fernerhin
der Silberbach genannt wurde.
587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)
Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen
Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um
daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie
kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen
Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern
des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine
starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber
unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang
gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch
hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden
hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber
aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod
der Räuber den Namen »Höllengrund.«
588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
(Mündlich.)
Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von
Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden
Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen
Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus
Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für
das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben.
589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)
Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam
ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist.
Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg,
wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz
aus Fichtenholz ziert.
Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am
Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest
feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob
Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn
im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner
dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter
heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig
aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen
wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen
alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den
Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.
590. Der Dreimännerberg.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)