Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im Frankenlande,

mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem Diener nach der Stadt

Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von Chemnitz aus glücklich durch

die unsicheren Waldungen bis in die Gegend des Wolfsthales gelangt

waren, wurden sie von den Räubern des Schellenberges überfallen. Nach

heftigem Widerstande blieben sie auf dem Platze in ihrem Blute liegen,

während der Wagen mit den Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde.

Einige herbeikommende Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche

am Ausgange des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales

bei Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha

und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle und

fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie mit und

verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt war, reiste

er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre kam die Witwe des

erschlagenen Ranius mit dem Diener an den Unglücksort, denn sie trug

das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo ihr Eheherr gestorben und

begraben war. Sie beschenkte die schwarzen Brüder reichlich, ließ in

der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete, daß an dem Platze des

Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich befolgten dies die

Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der Erschlagene Ranius, dessen

Witwe aber Edda geheißen, so schrieben sie darauf: ~Edda Ranio~, d. h.

Edda dem Ranius. Das Denkmal stand an der Stelle, wo sich jetzt der

Gasthof zu den drei Schwanen befindet. Der Diener baute daneben ein

Gasthaus, um die Pilger mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die

schwarzen Brüder benutzten diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung

bei der Kapelle und bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie

nun ihre Almosen einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber

wurde diese kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit

der Zeit der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung

vergrößerte sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben

dem Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere

Menge von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name

eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die

Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten

erhalten hat.

513. Die Gründung von Mittelsayda.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.)

Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda in

der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419

und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten abwanderten und

sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem

Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfert'sche und

Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten.

514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis bei Freiberg.

(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.)

In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale bei

Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes

Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten Ritter,

welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene

friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert

niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerleben

führte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den

stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in

besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er für

einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren

bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den Ruf, daß

es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen und Übel

gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr 1430, eine

kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu Zelle widmete sie

dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St. Michael dienten anfangs

zwei, später nur ein Priester, der daselbst Messe las und Beichte

hörte. Über dem geweihten Altare hing ein uraltes schwarzes, aber

wunderthätiges Heiligenbild, von dem man aber völlig im Unklaren blieb,

ob es den Erzengel Michael oder die Jungfrau Maria vorstellen sollte.

Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen Brand

vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis.

515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.

(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.)

Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine berühmte

Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man aus weiter

Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen Ritter von

Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein. Derselbe hatte sich

das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung des heiligen Landes

fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn er glücklich wieder in

die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und Pfarrei begründen.

So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er ein ansehnliches Stück

Land und eine nicht unbedeutende Waldung her; später aber sollen leider

einige Priester ihren Haushälterinnen von dem Pfarrgrundstücke einige

Parzellen zu verschaffen gewußt haben, jedenfalls dieselben, welche

gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins für den Pfarrer des Ortes

belegt sind.

516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite bei Schwarzenberg.

(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge.

II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten

Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.)

In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der frommen

Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschen und

Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen,

ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren sie nötig,

so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. -- Das

Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei weibliche

Personen mit Wäsche beschäftigt sind.

Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen

von Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar

Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte.

Das Dorf entstand auf einem Teile der Glaßberger Fluren. Das Dorf

Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört wurde, lag am Fuße

des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile des

Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)

517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf bei Annaberg.

(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.)

Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in der dortigen

Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf Geyersdorf, ¾

Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor Gründung derselben

angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen hat. Viele

Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und haben dem Dorfe den Namen

gegeben, indem damals nichts als Häuer und andere Bergleute darinnen

gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge ehemals ein Dorf gelegen, darinnen

vielleicht auch Bergleute mögen gewohnt haben, welche hernach nach

Geyersdorf gezogen sind, und welches Dorf damals, als St. Annaberg

erbauet worden, schon wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern

vielleicht wegen der gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen

worden ist.

~Dr.~ E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen

Annaberg und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs.

Gesch. 10. B., S. 84.)

518. Ursprung des Namens Buchholz.

(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.)

Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein Catharinen-

oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des heutigen Annaberg

und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes Buchholz

vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung des Bergwerks

angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligen Catharina, als

einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber zum Unterschied

des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg im Buchholz genannt

worden; doch hat es meistens, nur der Kürze willen, den Namen Buchholz

behalten.

519. Ursprung des Namens Grünstädtel.

(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.)

Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein«

genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der heiligen

Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen. »Maßen denn auf

dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet, die in der einen

Hand ~Salvatorem mundi~ mit der Erdkugel hält, und in der anderen

Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse aber stehet in Holz

eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹« Das Dorf hatte

einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken, nebst Fleischbank,

und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends etliche Häuser

nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die Grün« geheißen; so habe

man's endlich zusammengesetzt und es sei »Grünstädtel« daraus geworden.

Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung

zur Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren

der h. Anna eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge

erbauen lassen, da man von ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die

Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: »O heilige Anna, hilf

selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, daß Anna,

Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man nannte

sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen

Geschichte des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert,

daß sich am Kirchthore zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden:

»Hilf St. Anna selb dritt uns allen Amen!« und er verweist dabei auf

eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle in Freiberg, welche

lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« Sind

diese Inschriften noch vorhanden?

520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.

(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)

Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge gedrängt

wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau liegt. In

dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten sie an eine

frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahl hielten. Das

Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen.

Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte nach und nach

Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen gezeigt, derselbe

befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher floß der Quell in

einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen darüber gebaut

und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage.

Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl«

genannt. Nach Immisch ist der Name von dem wendischen ~Zorlo~, die

Quelle, abzuleiten.

521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.

(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)

Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt Karlsbad

liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem Wild etwas zu

sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, hat er alsbald

ein großes Heulen und Geschrei angefangen. Als dies die Jäger vernommen

und gedacht, der Hund hätte etwas angetroffen und gestellet, sind

sie dem Geschrei nachgefolget und haben den Hund in dem heißen Pfuhl

oder Moder gefunden. Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er

mit vielen der Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici

nachmals befunden, daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte,

auch solches an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel

gehabt, probiert, hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen

und bewohnen solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große

Stadt zu bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück

Mauern am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß

Keller allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß

bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur das

wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter Kaiser Karl

seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt das Rathaus

stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu heiß, sondern

etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen Sessel, in Stein

ausgehauen, gezeiget haben.

Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad

bereits vor Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den

Umwohnenden bekannt waren. Eine alte Karte, welche den Zustand

Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts darstellt, hat auf der

Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort ~Wary~; dieses

böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus.

Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer

Wissenschaft beschäftigenden Mönche der schon frühzeitig in dieser

Gegend entstandenen Klöster auf die Heilkräftigkeit des Wassers

aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale der Ort »Warmbad«,

wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. Historisch

ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann,

dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt

wurde, und daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter

besucht hatte, am 14. Aug. 1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob

und derselben dabei seinen Namen verlieh. (S. Ausführliches bei Fr.

Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, 5. Jahrg. 1879.)

522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz.

(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3.

Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, 9. und

10. Heft.)

Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter und

mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen Hirten hatten

eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine verloren, welche

sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen Waldes fanden, wie

sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe wühlten. Das Wasser des

Sumpfes schien seine Wärme von einem unterirdischen Feuer erhalten zu

haben. Eiligst trugen nun die Hirten die Kunde von ihrer wunderbaren

Entdeckung ihrem Herrn zu, und dieser verfügte sich sofort an Ort und

Stelle und ließ daselbst in der Folge eine wohlbefestigte Holzburg

erbauen.

Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. Da bewog

Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, welche den

Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, ihren Gemahl

Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall bemächtige.

Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg Kolostuj's,

doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand

versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.

Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen

Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt

man noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange

des Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus,

welches als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt

Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man

ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum

Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an

dieser Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im

Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel,

worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen

Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. Eine

lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie.

Sie lautet in deutscher Übersetzung:

»Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes,

unter dem Schutze Johannes des Täufers,

unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus,

als Kolostuj hierorts gebot,

wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren

und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten,

unser Quell 762 entdeckt.

Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet,

angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.«

Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten

Angabe des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan,

welcher auch als Tag der Entdeckung der Quelle den 29. August, den

Tag Johannes des Täufers, anführt. Josef Schwarz teilt dagegen

(Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim Abtäufen der

Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen

scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten

Römern bekannt war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für

günstige Heilerfolge der Quellennymphe gespendet worden. Auch beim

Abtäufen der Riesenquelle bei Dux fand man Bronzeschmuck aus der

Heidenzeit.

Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich

Kolostuj's Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa

nannte, es möge Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört

haben, da sich Herzöge nur nach solchen nannten. Ferner erzählt er,

daß einst die Quellen, wie dies auch später im Jahre 1755 bei dem

Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der Anwohner

verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil

sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.

Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der

Teplitzer warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte

Balbinus das Jahr 502 n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden

noch die Jahre 507, 616 und 858 angeführt. Das in dem Teplitzer

Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes des Täufers,

welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich

auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29.

August gewesen sei. (Erzgebirgszeitung a. a. O.) -- Es ist nicht

uninteressant, wie die Sage auch von andern warmen Heilquellen

meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. So wird

z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien

seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von

Schweidnitz und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen

Hirsch aufspürte, welcher, seinem Instinkte folgend, in dem »warmen

Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. (Vom Fels zum Meere.

Sommerfrische, 1884, S. 500.)

523. Die Namen der Stadt Zwickau.

(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~ oder Beschreibung der sehr alten,

löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)

Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen ~Cygna~, sei

also benannt von dem alten Fürsten ~Cygno~, welcher einesteils für

~Herculis~ Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils

auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen

Gottesdienst und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der

Tempel und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. -- Andere

sagen, diese Stadt habe den Namen von ~Cygno~ des ~Harminii~ und

Sachsen-Königs, so den Römer ~Quintilium Varum~ erlegt, Kriegs-Obristen

einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben

und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. -- Etliche leiten diesen

Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen,

dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben

Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, nach ihrem

Namen ~Cignavia~ oder Schwanenfeld benannt worden, wie auch die Reime

am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also gelautet:

Schwanhildis gherrscht an diesem Ort,

Nach ihr Schwanfeld genannt ward.

Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich bis auf

Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den Namen zu

verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. -- Etliche

meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei Schwanen zur

Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, so hätte er die

Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch andere Meinungen, aber

sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. Denn sie sagen, Zwicka

habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, welche die Zwickauer vor

Zeiten getragen haben und sonsten nicht jedermann hat tragen dürfen,

darauf sie auch sonderlichen sind privilegiert gewesen.

Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im

Erzgebirge (Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen

Namens Zwickau als von ~Wiki~, der Markt, möglich hingestellt, so

daß derselbe dann mit ~Wikow~, dem wendischen Namen für Elsterwerda,

gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. Jedenfalls

entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr

bald zu einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen

nach Böhmen zwischen Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im

Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs zwischen Nord- und

Süddeutschland werden.

524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg bei Marienberg.

(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.)

Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von einem

Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert

worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler war,

mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd darüber

in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf den Berg,

wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort gefangen

worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes Dörfchen

den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg bekommen.

525. Gründung und Name der Stadt Werdau.

(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau,

1794, S. 267.)

Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch Wald

gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht und

geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da er gerufen:

»Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen und seine Läufte

auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der Bischof entschlossen, die

Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und an dem Ort, wo das Reh zu

ihm gekommen, das Rathaus zu bauen, und die Stadt habe daher den Namen

»Werda« bekommen. Sie führt im Siegel einen Bischof mit einem Stabe.

526. Der Name der Stadt Frankenberg.

(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.)

Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden

Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern Franz und

Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und Kupferbergwerk

am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses Sachsenburg

gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen ihn mit dem Namen

Sachsenburg in Vereinbarung.

Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben sah,

soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne

gestanden haben.

527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.

(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.)

Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521 von ~Dr.~

Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher im Jahre

1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun Herzog

Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben, weil

sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken

entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau

Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau dieser

Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er solches

zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht minder als

die Eltern sich wohl lösen.

Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges

die ganze heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und

Anna, durch Joachimsthal und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef

und Maria, durch Josephsstadt und Marienberg vertreten findet.

Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt, das als

Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige

Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26)

anfangs von den Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero

auch dieses Geschrey beym Anfang desselbigen Bergkwerks entstunde: Im

Thal, im Thal, mit Mutter mit all!«

528. Ursprung und Name von Elterlein.

(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs.

Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche

nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im

Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 44 / 62 段