Namen Sebastian Romner, welcher von Krembs an der Donau gebürtig, aber
zu Görkau in Böhmen wohnhaft gewesen sei und der seine Nahrung zu
Zwickau gesucht, in der Gegend von Schneeberg verirrt. Dabei sei er an
eine Eisenzeche gekommen und habe den Steiger heraus gerufen, um ihn
nach dem rechten Wege und um einen Trunk Wasser zu bitten. Der Steiger
habe ihm im Verlaufe des Gesprächs geklagt, daß die Gewerken nicht mehr
verlegen wollten, weil man aus dem Eisensteine nichts machen könne; es
sei ein Gang dazu gekommen und derselbe mache das Eisen so flüssig, daß
man kein Stabeisen mehr schmieden könne, weil alles zerfahre. Romner
nahm darauf einige Stücke des Erzes mit nach Görkau und Nürnberg, um
sie untersuchen zu lassen und es fand sich, daß sie reichlich Silber
enthielten. Als er später wieder nach Zwickau zurückkehrte, wurde
er infolge eines Streites vor den Hauptmann geführt. Als der etwas
berauschte Romner vor diesem Worte fallen ließ, daß er in der Nähe
einen Schatz wisse, ließ der Hauptmann nicht nach, bis ihm Romner
versprach, ihn nach diesem Orte zu führen. Und als sie am andern Tage
zu der Eisenzeche gelangten, fand sichs, daß der Hauptmann bei dieser
durch Kuxe beteiligt war. Beide begannen jetzt in Gemeinschaft den
Silberbau, und da der Hauptmann erkundete, daß Romner ehrlichen Stammes
sei, gab er ihm eine Muhme, Anna von Bünau, zur Ehefrau. Romner hielt
sich darauf zu Neumark auf, genoß des Bergsegens und wandelte, indem er
das Geschlecht derer von Römer begründete, seinen Namen in Römer um.
Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges
entdeckt wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie
angenommen wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal
über Neustädtel eine Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten
Eisenhämmer und im hohen Forste, sowie in der Gegend der über die
Mulde führenden Eisenbrücke gab es schon Silbergruben. Der erste Fund
auf dem Schneeberge geschah am Ende des Jahres 1470 und bald darauf,
am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch.
Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing,
hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi,
Schneeberg. Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3--7).
Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der
Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch
jetzt in der dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte
mit zu den bedeutendsten Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns
noch Angehörige der adeligen Familien von Starschedel, von Spiegel
und von Schönberg, sowie die Zwickauer Bürger Hans Federangel,
Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt werden.
Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute,
sondern auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben
so reich geworden sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer
Marienkirche allein 72000 Gulden beitragen konnte.
Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen
Gänge verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit
Silberkuchen, welche er daselbst verkaufte, gemacht haben.
499. Entdeckung der Altenberger Zwitter.
(Meißner, Umständliche Begebenheit von der Bergstadt Altenberg. Dreßden
und Leipzig, 1747, S. 2.)
Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn Walzig von
Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen Meiler auf einem
mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube genannt
wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an. Denn die am
Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem Kohlenbrennen
lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte, waren durch die
heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt worden, so daß
endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam. Auf diese Art ist der
so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet fündig geworden.
Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem reichen Zinnbergwerke durchs
Land erschollen, haben sich viele ausländische Bergleute an dem Platze
niedergelassen und die Stadt Altenberg gegründet.
Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des
15. Jahrh. auf dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer
Bergordnung neben einem förmlichen Bauplane für die Stadt Altenberg
festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der Weise aber verlieh bereits
1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit ziemlicher
Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch
Stadtrechte. (Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II.
S. 1.)
500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige
Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung, 5.
Jahrgang, S. 162.)
Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von Böhmen,
gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Es geschah
dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser Gründung aber
war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber Hajek, da ging
ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe Cloditze, auf dem Gebirge,
welches fast eine Meile Weges von Teplitz gegen Mitternacht gelegen,
und fand einen langen und lichten, aus der Erde herausgewachsenen Stab.
Er vermeinte, derselbe wäre Silber, brach ihn ab und brachte ihn der
Herzogin Gertrud (Königin Judith) gen Teplitz. Diese aber übergab den
Stab bergverständigen Männern zum Probieren, welche im Feuer befanden,
daß es Zinn war. Hierauf befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber
zu geben, doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden
habe. Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große
Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische Volk
unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten.
Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte, eine
weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der Nähe
und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre 733),
daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend sich
nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten von dem
übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt habe.
501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746. S. 17.)
In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte geschriebene
Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt nennt. Dieser
schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst den 27. Oct.
1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher im Centner 2 Loth
Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten, trug denselben am Abende
Simonis Judä nach Geyer zu einem Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder
Pfennig geheißen, und ließ es probieren. Als aber der Schmelzer diesem
Nietzel es nicht glauben wollte, daß er zu Tage aus einen solchen
herrlichen Gang gefunden, so gab er ihm etliche verständige Bergleute
mit, welche die Sache sollten in Augenschein nehmen, und diese, als
sie den Gang wirklich so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach
geraten, daß er solchen Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern
zu Freiberg, aufnehmen sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon
aber, welches noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin
Pflugk, der Schmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang
bei Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich
nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das
Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister
daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an dem
nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen
lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem Jahre dieser
wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt geworden. Von
diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der Stadt St. Annaberg.
502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~ 1716, S. 32.)
Als noch der Schneeberg mit Wald bedeckt war, befand sich daselbst eine
Försterei. Hier wurde den Umwohnenden, besonders in den Mühlen gegen
Griesbach, sowie den Hammerleuten in Schlema Holz angewiesen. Dabei
soll ein Pferd, welches man an einen Baum gebunden hatte, gescharrt und
in der Dammerde eine »Gilbe« entblößt haben. Das war der Anfang zum
Fündigwerden des St. Georg, an dessen Zechenhause sich vor Zeiten zur
Erinnerung ein aufgenietetes Hufeisen befand.
Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang
durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm,
nach welchem später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden
worden sein. Ist vielleicht die Schneeberger Sage derjenigen vom
Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen mag darauf werden,
daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben
hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt.
503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges in Schneeberg.
(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt
Schneebergk. 1684, S. 42. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen. 1883.
S. 22.)
Der Freudensteiner Gang wurde 1526 von einer Magd entdeckt, als sie auf
dem hinteren Gleeßberge in einem Waldraum auf Neustädter Feldern Gras
holte und dabei einen Silberzahn mit der Sichel abhieb und nach Hause
brachte. Glaublicher wird gesagt, daß das gediegene Silber daselbst
von einer Kuh ausgetreten und vom Hirten gefunden und nachgehends mit
großem Nutzen gehauen worden ist, deswegen hier die Bergleute ein
Rätsel gemacht und einander zu raten aufgegeben haben: Wo das Erz über
den Haspel gewachsen? welches sodann mit dieser Zeche aufgelöst worden.
504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.
(Wrubel a. a. O., S. 23.)
In der Gegend von Joachimsthal trafen Bergleute vom Geyer den ersten
Gang an der Wurzel eines Baumes, den der Wind an einem Bache umgeworfen
hatte.
505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica. 1590, S. 125.)
Bei Joachimsthal, nicht weit von Arlsgrün (Arletzgrün) hinter dem
Galgenberge ist ein Zain Goldes mit dem Getreide abgeschnitten worden.
506. Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 79.)
Das Bergwerk St. Lorenz oder Gottesgab bei Abertham ist also
aufgekommen: Nachdem eine Zeitlang an diesem Orte gebaut worden war,
ist im Jahre 1528 ein gar armer, jedoch verständiger und guter Bergmann
gewesen, welcher im dichten Walde fast allein in seinem Hüttlein wohnte
und sich von Viehzucht, obschon nicht alles sein Eigen war, ernährte.
Als dieser einstmals (es soll am 20. Februar gewesen sein) bei seinem
Weiler eine andere Milchgrube, wie solche gebräuchlich waren, graben
wollte, hat er eine reiche Sicherung von gediegen Silber, welche der
Brunnenquell vom Gange geröhret hatte, angetroffen. Darauf ist er mit
großen Freuden zu seinem Herrn gelaufen und hat ihm und anderen solches
anvertraut. Bald ist er auch zum Bergmeister gegangen und hat eine
Fundgrube gemutet, welche er Gottesgabe nannte. Nachdem er geschürft
und gesunken, hat er schöne Bergarten und noch mehr gediegen Silber
gefunden. Später hat man auf dieser Zeche so viel gediegen Silber
gebrochen, wie auf keiner andern seit Mannes Gedenken, ausgenommen St.
Georgen auf dem Schneeberge.
507. Der Fronleichnams-Stollen bei Annaberg.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 18.)
Derselbe hat sich von ohngefähr einem Fischer entblößet; denn als
dieser unter Buchholz fischte und mit dem »Stirreln« an dem Ufer
das Wasser trübe machen wollte, so brach ein Stück vom Ufer ein und
entblößte einen reichen und nutzbaren Gang, darauf hernach viel Erz
gebrochen und viel Silber gewonnen worden. Solches geschah am heiligen
Abende des Fronleichnams-Tages, davon der Stollen also den Namen
bekommen hat.
508. Die Entstehung von Schöneck.
(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633. II.
Nach mündlicher Überlieferung.)
I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache
verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der
Reiche von 1140--1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden
und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte
Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden
Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen sein,
da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger Köhler auf
sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von hinten
mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun seinem Retter
sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er habe eine
Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm sei; er
bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne, und um
Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in seinem Lande
sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein Haus bauen möge,
Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und Steine brechen, so
viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem Rechte fragen werde,
dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes Schwert, welches
er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der Köhler lange mit seinem
Liebchen im Vogtlande herum und nirgends wollte denselben ein Ort
passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen hohen Berg voll Wald
und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist ein gar schön Eckchen,
da kann man weit ausschauen, da wollen wir bauen!« Und so geschah es
auch; der Köhler baute sich ein Häuschen und brannte einen Meiler an,
und nach und nach zogen auch andere Leute dahin und bauten sich um das
Häuschen herum an, und so entstand nach und nach ein Flecken, den hieß
man zum Andenken Schöneck.
II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von Schöneck.
Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine schöne
Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen Ort, aus
dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der Schönheit des
Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck.
Nach ~Dr.~ Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger
Zeitung, 1883, Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt
sich erhebenden Friedrichsteines eine jedenfalls zur Zügelung der
Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 Schöneck hieß, denn um
diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später siedelten
sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen
entstandene Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe
des Kaisers Karl IV., die Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck
nahm also ihren Namen von der weit älteren Burg an. Der Name der
Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen wurde, kein
slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende)
Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit
gebräuchliche Bezeichnung für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich
»schön« auf den für Anlage einer Burg geeigneten Platz und nicht auf
die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher bei Gründung
des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede sein
konnte.
509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.
(Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz d.
K. Sachsen, Nr. 243.)
Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren eine
rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer
von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das
genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese zum
Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen,
willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen, indem
ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen
hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein dieser,
über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt, hat
den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt und den
Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne hingeeilt und
hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden. Von dieser
Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und ist derselbe
nachmals auch auf das Schloß übertragen worden.
510. Die Stiftung des Klosters Altzelle.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt,
Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.)
Einst ist der heilige Benno über Land gereist, und da er an einem
öden Orte viele Tauben sitzen sah, prophezeite er, es werde in
Kurzem ein neuer Orden dorthin kommen, durch dessen Gebete viele
könnten selig werden. Darnach hat Otto, ein Markgraf zu Meißen, dem
Cisterzienserorden hier ein Kloster, Zelle genannt, bauen lassen,
herrlich begabt und ihnen eingegeben. Ein wunderthätiges Kreuzbild
in der Mitte der Klosterkirche, sowie eine Menge Reliquien machten
das Kloster bald zu dem berühmtesten und reichsten im Markgraftume
Meißen, und ein alter sächsischer Geschichtsschreiber erzählt von
den Reliquien, es wären ihrer so viel gewesen, daß er zweifele, ob
St. Petrus an der Himmelspforte sie alle namentlich in seinem langen
Thorzettel beisammen haben möge.
511. Ursprung von Dippoldiswalde.
(I. Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde,
1863, S. 4. Lessing, Bemerkungen zu der Frage: Ist der Ursprung und
erste Anbau von Dippoldisw. mit histor. Gewißheit nachzuweisen? 1863,
S. 6, 7. II. Nach einer handschriftl. Nachricht, welche sich einem der
Stadtgemeinde Dippoldiswalde gehörigen Manuskripte: »Der Churfürstl.
Sächs. Stadt Dippoldiswalde Statuta und Stadt-Recht etc. Anno 1678«
beigelegt findet.)
I. Um das Jahr 930 soll in der Dippoldiswalder Heide ein Einsiedler
mit Namen Dippold aus dem Geschlechte derer von Clumme oder Lohmen
gelebt haben, um Gott in dieser Abgeschiedenheit mit Beten und Fasten
zu dienen und die heidnischen Bewohner zum Christentume zu bekehren.
Zu dieser Zeit soll auch die ganze Gegend noch böhmisch gewesen sein.
Nun hatte aber der Herzog Wratislaw von Böhmen zwei Söhne, Wenzel
und Boleslaw, von denen der erstere durch seine bereits christliche
Großmutter Ludomilla ebenfalls zum Christentume erzogen wurde. Darüber
entstand zwischen beiden Brüdern Feindschaft, welche so weit ging, daß
eines Tages Boleslaw seinen Bruder bei der Taufe eines seiner Kinder
meuchlings umbringen ließ. Aber der Brudermörder fand nun keine Ruhe
mehr, und um seine Gewissensbisse zu betäuben, suchte er Zerstreuung in
der Jagd. Dabei kam er auch in die mit dichtem Walde bedeckte Gegend
von Dippoldiswalde, wo er Kunde von dem Einsiedler Dippold erhielt. Er
suchte ihn auf und wurde von seiner Frömmigkeit und seinem Zuspruche
so ergriffen, daß er sich entschloß, Christ zu werden und sich taufen
ließ. Nach empfangener Taufe soll dann Boleslaw nicht weit von Dippolds
Klause, am Weißeritzflusse, an der Seite gegen Morgen, wo jetzt die
Stadtkirche steht, eine Kapelle gebaut und den Ort zu Ehren des
heiligen Mannes ~Sancti Dippoldi Silvam~, d. h. des heiligen Dippolds
Wald, genannt und den Ort mit vielen Freiheiten begnadigt haben.
Dieser Kirche soll Dippold acht Jahre lang als Priester vorgestanden
und viel von den ungläubigen Sorben, welche die angrenzende Landschaft
bewohnten, zu leiden gehabt haben. Nach seinem Tode soll er vom Papste
Johann X. oder Leo VII. heilig gesprochen worden sein, und weil man
angenommen, er thäte nach seinem Tode viel Wunder, soll eine große
Wallfahrt nach dem Orte erfolgt und dadurch Dippoldiswalde in Aufnahme
gekommen sein.
Noch sieht man in der Heide am Fußwege nach Wendischcarsdorf die
Wohnung Dippolds, den Einsiedlerstein, und man zeigt dabei die Küche,
sowie im Grunde eine Quelle, den Brunnen des Einsiedlers, und auf
der Höhe im Walde zusammengeschichtete Steine, welche einer früheren
Kapelle angehört haben sollen. Ebenso war vor Jahren noch der Eingang
zu einer Höhle zu sehen, welche sich als Gang bis unter die Totenkirche
in Dippoldiswalde fortgesetzt haben soll.
II. Die Stadt Dippoldiswalde hat daher ihren Ursprung und Anfang
genommen: Es ist einer mit Namen ~Dippoldus~ des Geschlechts der
~Clomen~ gewesen, welcher sich in seinem Alter in die Wildnis begeben
und darinnen etliche Zeit als Einsiedler mit Fasten und Beten Gott
gedienet. Seine Klause war in der Dippoldiswalder Heide nahe am
Dresdner Steige in einem großen Steine zu finden, und dabei befand
sich eine kleine Kapelle, ein Obstgarten und ein Brunnen, was aber
alles, bis auf den Brunnen, zerstört worden ist. Als einst der Herzog
Wenzel von Böhmen, wohin diese Landschaft ehemals gehörte, auf der
Jagd gewesen und den Einsiedler angetroffen, hat er sich mit ihm in
seine Klause begeben, und sich nicht allein über des Mannes Heiligkeit
und Andacht verwundert, sondern er hat auch nicht weit davon ihm eine
Kapelle zu Ehren erbauet, die er nach seinem Namen ~Sancti Dippoldi
Silvam~ genannt. Es ist diese Kapelle an dem Flusse Weißeritz, an der
Seite gegen Morgen, da jetzt die Stadtkirche stehet, erbaut worden.
Der Herzog aber hat diesen Ort mit vielen Freiheiten begnadet und dem
heiligen Manne vermacht. Derselbe hat darauf der Kirche acht Jahre
lang als ein Priester vorgestanden, das Volk treulich belehret, auch
viele von dem Unglauben zum christlichen Glauben gebracht. Wegen
seiner Heiligkeit ist er vom Papste canonisieret und von allem Volke
verehrt worden, und weil man dafür gehalten, er thäte nach seinem Tode
noch viele Wunder, ist eine große Wallfahrt nach dem Platze gehalten
worden. Dabei hat nun die Stadt Dippoldiswalde den Anfang genommen und
viele Jahre lang als ein offener Flecken bestanden. Als derselbe aber
unverhofft von Jahr zu Jahr zugenommen, die Hölzer zum Teil ausgerodet,
das dadurch gewonnene Feld bebauet und gute Silberbergwerke angelegt
worden waren, aber als ein Grenzflecken bei den Kriegszeiten, da die
Herzöge und Regenten in Böhmen und Markgrafen zu Meißen einander oft
bekriegt, großen Schaden hat leiden müssen, so hat man zum Schutze
gegen die eine oder andere feindliche Partei die Stadt zusammengezogen,
ordentliche Gassen und den Markt abgeteilet, und diese mit einer
starken Mauer und hohen Türmen, auch mit einer Zwingermauer und tiefem
Stadtgraben in der Runde umgeben. Solches ist zu der Zeit geschehen, da
der Ort unter die Markgrafen zu Meißen gehörte.
512. Ursprung der Stadt Oederan.
(Staberoh, Chronik der St. Oederan. 1847. S. 15--17.)
In früherer Zeit wurde die von Freiberg nach Chemnitz führende Straße,
besonders in der Gegend, wo jetzt Oederan liegt, von den Rittern des
Schellenberges und anderen Räubern vielfach beunruhigt.