Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn, die

aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen

hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von Zwickau, um hier,

sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe die mit den Böhmen

verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege hat auch die Fürstin

Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser getreulich gedient, so

daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur Mark wider die Wenden und

Böhmen machte. In derselben Zeit lebte auch ein Riese oder Recke, der

hieß Einheer (sein rechter Name ist aber ~Aenotherus~ gewesen) und war

ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau in der Schweiz. Dieser watete durch

alle Wasser, durfte über keine Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem

Schwanze nach und sagte allezeit: »Nun Gesell, du mußt auch hernach«.

In den genannten Kriegen des Kaisers half er diesem gegen die Wenden.

Er mähete die Leute wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug

sie über den Achseln wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam

und seine guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet

hätte und wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und

Zorn: »Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben

oder achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken,

ist der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten

und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und Wenden

und meinten, er wäre der leidige Teufel.

Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche

Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau.

Es heißt darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in

Kriegen schier einem Heer vergleicht und also viel ausrichtet.

471. Schwanhildis.

(Tob. Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.)

Aus dem Geschlechte der ~Cygnus~ ist entsprossen Schwanhildis, der

letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau von der

Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend ihren

Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben noch aus, als

sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels,

eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß und von

welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. Johann

Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt nämlich,

daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis ~Epitaphium~

gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, welchen der Wind

niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum aufräumen sollte, bei dem

Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten vom Adel gebracht worden

sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet und sonderlich die Lehrsprüche,

welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern befohlen. -- Dieselbe hat Karls

des Großen Sohn, dem jüngern Karl, als er in diesen Landen wider die

Sorbenwenden und Böhmen gestritten, getreulich Beistand geleistet, und

ist ihm nicht allein mit ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat

ihm auch mit Speise und Trank großen Vorschub gethan.

472. Libussas Tanzplatz.

(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S.

112.)

Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende

Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu Füßen des

Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes aus,

in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken wir das

schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel zum Himmel

empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten Äste

stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst Libussa, Böhmens

Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche Landschaft zu ihren

Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor Entzücken getanzt haben.

473. Die Herren von Einsiedel.

(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen,

Adelslex. I, 364. Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, 73. Darnach bei

Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)

Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen

Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß und noch

jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, ist sehr

glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von dem Orte

nicht festgestellt ist.

Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau und

Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf seinen Namen von

drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach die folgenden

Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von Einsiedel zu erklären

suchen, damit in Verbindung gebracht werden können.

Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im Wappen.

Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin war kinderlos

und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht an, that auch das

Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken würde, dem Herrn zum Dienste

zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, welcher Grubo genannt wurde.

Derselbe wurde also geistlich und wohnte lange als Einsiedler in einer

einsamen Gegend Böhmens, wo er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher

aber verließ er seine Zelle, zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde

der Stammvater derer von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.

Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, Meinhard).

Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen Wäldern, aber

er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das noch) beweibt und

gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner Nachkommen, der im

Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich in die Welt zurück.

474. Die Herren von Rechenberg.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, 1332.

Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, Schles.

Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, S.

129.)

In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen

Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen Schlosses,

welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen wurde, jedoch ein

böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren wahrscheinlich

die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 kommt bereits ein

Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg vor.

Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz ab, deren

Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist Hans von

Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz 1241 die

Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief Heinrich der

Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser sich an die Spitze

eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von dem Berge vertrieb.

Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan Rechenberg genannt.

Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde einen

schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern und gelber

Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber einen

nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die von Haugwitz in

Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf mit Hals und Brust,

aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot und weiß abgeteilten

Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber

den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei zum Sprunge aufgerichteten

Vorderbeinen ohne Krone und Federn.

475. Die Herren von Sebottendorf.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios. I,

S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.)

Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo ihre

Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen hatten,

waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz und

Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige Dorf

wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet. Ein Herr von

Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher Majestät

geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und

guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem Namen »Seebote«

beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches im Schilde eine

Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern, auf dem

Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden Seerosen enthält.

476. Das Geschlecht Callenberg.

(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher,

Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt, Sagenbuch

der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 193.)

Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des Begründers,

Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen Gräfin von

Callenberg aus Muskau, benannt.

Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung von

Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen Otto Wilhelm

erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von Callenberg, von

der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses aus mit vieler

Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau betrachtet habe,

1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren von dem verwitweten

Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg) genannt.

Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei Marburg.

Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser Karl der

Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in jene Gegend

schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen Einwohner

zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der Mark bekriegte,

kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg und ließen sich

dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit gegen die Saracenen.

Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das

»Rennfeld«. Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst

geschehenen Treffen, bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben

sind, oder davon abgeleitet, daß hier ehemals ritterliche Übungen auf

einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses Lichtenstein gehalten

wurden.

477. Die Familie von Berbisdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.)

Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim, hat die

Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis 1767, da

Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut Lippersdorf

besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme mit dem leuchtenden

Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt darüber: »~Anno~ 1140 hat

der Großmeister Weinrich von Kniprode mit Knisdude, Fürstin zu Littaw,

so eine Hewdin (Heidin) gewesen, eine Schlacht vor Khaen in Littaw

gehalten, in welcher Schlacht Andreas von Berbisdorf ein Fendrich

gewesen, und sein Fähnlein, ob ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen

gewesen, im Maule davon bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens

willen er nicht allein zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein

Wappen mit dem abgehawenen gekrönten schwartz und rothen Armen (welches

ohne Zweiffel blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den

darüber leuchtenden Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.«

Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie

nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf

ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von

Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser

Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister

blieben, auch allda ~Anno~ 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen,

hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn

gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche

Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum

erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey Freybergk

erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn) 4000 Rheinische

Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so geschehen ~Ao.~

1300.«

478. Die Herren von Hartitzsch.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.)

Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die von

Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie, erzählt

man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen Kaiser auf

der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene

Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe, und sei nachher

von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den Adelstand erhoben

worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in dem Hartitzschen Wappen

hindeuten.

Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei

Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr früh

aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der reichen

Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im Rate zu

Freiberg bekleidet.

479. Die Herren von Pardubitz.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.)

Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen unter

Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem Geschlechte wird

folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158

Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw von Böhmen mit vielen

böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im Dunkel einer Nacht erstiegen

die Böhmen die Mauern der belagerten Stadt und drangen bis auf den

Markt vor; allein hier kamen ihnen die Mailänder entgegen, es entstand

ein heftiger Kampf und die Übermacht der Bürger drängte die bisherigen

Sieger zurück. Vorher sprengten sie jedoch das Thor und hatten sich so

den Rückzug gesichert. Es gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck

von Pardubitz verweilte am längsten im Thore, noch immer kämpfend,

und als er endlich den Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt

aus dem Türmer zu, er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter

befestigt war. Dies geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel

dergestalt auf Geschecks Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei

Hälften geteilt ward. »Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!«

rief der Ritter und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager,

wo ihm Wladislaw entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum

Ehrenzeichen dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter

und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im roten

Felde zum Wappen.

480. Geschlecht von Vitzthum.

(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, I.

II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)

Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, in alten

Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den ~Vicedominis~,

welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des Kaisers die

Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert haben. Ihr

Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues Thüringen, und

daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie Vitzthum von

Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht besitzt

seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert und

vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.

481. Die Herren von Wildenfels.

(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)

Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits 1233

Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die im Jahre 1602

ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst 1222 urkundlich und

zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft gedacht wird. In ihrem

Wappen führten sie eine Rose im goldenen Felde.

482. Die Herren von Ortwinsdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)

Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf geschrieben,

und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen Geschlechte,

welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, seinen Namen.

Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte die Ritter von

Remse als Wildenfelser Afterlehen. -- Vielleicht dankt auch das Dorf

seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in Chemnitz blühenden

Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, ein Name, welchen im

Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. Ein Nicol und Matthias Ortwyn

haben 1373 zu der Kirche St. Jacob und besonders dem Altar des heiligen

Leichnams und Blutes Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist.

Nachricht von denen vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz.

1734. S. 18).

483. Geschlecht von Arnim.

(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße,

Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.)

Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit Kainsdorf,

Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde zwei silberne

Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach rühren dieselben

davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die Friesen der Feldherr

einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine hölzerne Brücke, welche

zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen liegend, diesen die

Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen. Der tapfere Mann

vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins Wasser zu werfen,

sondern es blieben zwei übrig, über welche die nachsetzenden Friesen

das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim ließ sich nicht

von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich so lange zu halten,

bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von dem Grafen von Holland,

seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und das obengedachte Wappen. Später

nannten sich die Arnheims Arnim.

484. Geschlecht von Auerswald.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.)

Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren von Auerswald,

deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt geworden ist. Der

erste dieses Geschlechts, so aus Preußen gekommen und Oberster gewesen

ist, hat ein gräfliches Fräulein von Dohna geheiratet und ist vom

Kurfürsten mit dem genannten Dorfe, so er erbauet und nach seinem Namen

genannt, belehnt worden. Bis zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die

Herren von Auerswald hier ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen

leben noch im Königreiche Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren

von Schönberg hier Gerichtsherren gewesen.

485. Die Herren von Bünau.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.)

Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen; ein Heinrich

von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau an den Zwickauer Rat.

(Kirchengalerie, 8. B. S. 24.)

Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige

aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der

litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere

sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die

Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen

Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen

Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst in

Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser habe

mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten sie sich

an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen aber

auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben

und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht. Ihr Wappen,

ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch das Wappen

jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im Turnierbuche

Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen Witwe Günthers

von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom Markgraf Ludolph von

Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen Turniere zu Braunschweig

den vierten Dank dem Turniervogt Kilian von Wolfskäl, einem Franken

gab, so mußten die Herren von Bünau eher aus Italien als erst im

Jahre 1232 nach Deutschland gekommen sein, wenn sie italienischer

Abkunft wären. Einer aus diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun

aber Kurfürst von Trier gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II.

(nach anderen sei das viel früher geschehen und zwar unter Kaiser

Konrad III. und jener Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier,

sondern von Mainz gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät

folgende drei Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem

Geschlechte der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein

(rotes) Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die

von Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und

Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz,

welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von

Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten S.

K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe. Weil nun

seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen, habe

er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum ewigen

Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich an je zwei in

Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von deren Einkommen das ganze

Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein aber meldet in seinem ~Theatr.

Saxon.~ I. No. 50 von den drei Taufnamen Heinrich, Günther und Rudolph,

daß solches aus einem besonderen Zufall und Betrug eines, so sich

ihres Stammes gerühmt und damit ein ~Falsum~ gebraucht, auch allerhand

Unglück gestiftet, nach deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen

sein sollte, oder daß vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr

1608) das Geschlecht bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte,

da dann diese damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen

fort und fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später

geschehen, erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder

dieser Familie gefallen waren.)

486. Die Ritter von Bärenstein.

(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.)

In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse

Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612), Walzig v.

Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534 oder 1315?). Ein

Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem Schlosse Bärenstein

wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt, da er auf seine

Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches der Herzog von Baiern und

König von Sardinien anstellten, beiwohnte. Früher schrieben sich die

in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter von »Bernstein«, weil sie

aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen sollen und dieser Name

dort mehr (z. B. Bern) angetroffen wird. Späterhin schrieb man aber,

wahrscheinlich wegen der früher in der Gegend hausenden vielen Bären

und wegen einer gehabten sehr glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«.

Viele andere Orte in der Nähe haben davon ihre Namen, als: Bärenklau,

Bärenhecke, Bärenburg, Bärenfels, Bärenklause u. s. w.

Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen: Ein in

silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer

Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter

offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit

geschickter Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern.

487. Das Geschlecht von Lüttichau.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach Hesekiel,

Wappensagen, S. 175.)

Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und drei

schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll einst

ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im Felde

gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen

Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil, allein

ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen Reiterei des

Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf seinem Helme

auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze Hahn« erhalten

hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die Reihen der Gegner

gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen die Schlacht

gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den Namen Lüttichau,

weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte, und als Wappen zwei

Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht, verliehen.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 41 / 62 段