Am 28. November des Jahres 1692 hat ein Köhler auf dem Sonnenwirbel

bei Gottesgab ein hellglänzendes Schwert am Himmel gesehen, welches

frühe um 5 Uhr geschehen ist. Solches Schwert hat neben einem Stern

gestanden, und auch selbst wie ein heller Stern geleuchtet; die Spitze

des Schwertes aber hat sich gegen Böhmen und den Egerschen Kreis

gewandt. Es ist nicht anders anzusehen gewesen als ein langer Degen

mit Gefäß, aber ohne Bügel, und hat nach des Köhlers Erachten so hoch

gestanden, als die Sonne auf diesem gebirgischen Horizont in langen

Tagen um 2 Uhr zu stehen pfleget. Nachdem es wieder vergangen und nicht

länger gewähret, ist dem Köhler ein Schauer darüber angekommen, daß er

sich in seinem Kohlkram niederlegen müssen.

426. Kreuze fallen vom Himmel.

(Moller, ~Theatr. Freib.~ II., S. 148.)

Im Jahre 1504 sind Kreuze von verschiedenen Farben den Leuten vom

Himmel herab auf die Kleider gefallen, und wenn dieselben auch

verschossen gewesen, hat man doch dergleichen Zeichen auf ihnen

gefunden.

427. Ein Topf schwitzt zu Oederan Blut aus.

(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847, S. 226 etc.)

Am Sonnabende vor dem Pfingstfeste 1707 hatte der Kantor zu Oederan,

Nikol. Haberland, einen frischen Maienbaum in einen Topf mit

Wasser gesetzt, worauf er wahrnahm, daß der Topf eine rote Materie

ausschwitzte. Man war allgemein der Meinung, daß diese rote Materie

Blut sei und deutete die Erscheinung auf kommendes Unglück. Auch als

der Topf leer in die Sonne getragen wurde, blieb er ganz rot, als

ob eine blutende Wunde daran abgewischt worden sei. Auf erstatteten

Bericht wurde er an das Konsistorium nach Dresden gesendet. Was damit

weiter geschehen, ist nicht bekannt geworden.

428. Blutzeichen.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 853.)

Im Jahre 1666, Dienstags nach dem neuen Jahre früh um 8 Uhr, floß das

Röhrwasser zu Wolkenstein in drei Trögen blutig und währte drei Stunden

lang, darauf eine vielfältige große Uneinigkeit in dem gedachten Orte

erfolgte.

Im Jahre 1639, in der Marterwoche, blutete bei Freiberg ein Crucifix.

Anno 1666 ist zu Sayda ein Teich in Blut verwandelt worden. Am 25. Mai

1672 geschah es zu Planen im Vogtlande, daß in Leonhard Weckerleins,

eines Zeugwirkers Stube an unterschiedlichen Orten Blut aus den Wänden

heraus drang, so häufig, daß man auch Pfützen auf der Erde gesehen.

Es war eine ungeheuerliche Sache, indem aus den Stubendielen, Bank-

und Wirkstuhlbeinen, dürren, abgeschälten Wachholderstecken, welche

zum Wollschlagen gebraucht wurden, ferner aus einer Schreib- und

Schiefertafel Blut geflossen, das man auf Tüchern und Papier auffing

und klumpenweise sammelte. Und dieses Blutschwitzen dauerte an etlichen

Orten der Stube beinahe eine Stunde lang; wischte man's ab, so kam es

wieder, schnitt man aber ein Stück von den oben angeführten dürren

Wachholderstecken ab, so war inwendig kein Blut zu spüren.

Blutzeichen, insbesondere blutschwitzende Tempelstatuen, galten

schon bei den alten Römern als Gefahren verkündigend; ganz besonders

aber ist das christliche Mittelalter reich an Legenden, nach denen

Heiligenbilder oder andere Gegenstände Blutstropfen ausschwitzten,

was entweder als Beweis einer ihnen innewohnenden wunderthätigen

Kraft oder als Zeichen von bevorstehendem Unglück angesehen wurde.

Eine Menge hierher gehöriger Beispiele führt Rochholz (Deutscher

Glaube und Brauch. I. S. 48 etc.) an.

429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.

(Histor. Nachricht von denen Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734,

S. 80.)

Den 13. Mai des Jahres 1546 wurde in Chemnitz ein Weib, so ihr eigenes

Kind ermordet, enthauptet, und das Kind zu ihr in den Sarg geleget,

welches dann angefangen zu bluten, wiewohl es schon 14 Tage tot gewesen.

430. Blutende Geweihe in Schneeberg.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1159.)

Im Jahre 1564 hat zu Schneeberg in Bastian Fischers Stube ein

angenageltes Hirschgeweihe geblutet und übel gerochen, gleichwie ein

anderes in der nächsten Woche darauf, welches gegen 12 Jahre in der

Stube gewesen, vom Fette getrieft, also daß ein schwarzer Gischt am

Horn zu sehen gewesen ist, weswegen es aufs Rathaus gebracht werden

mußte. Man hat sich darüber allerlei Gedanken machen müssen.

Ein Hirschgeweih führt das würtembergische Haus in seinem Wappen. Als

Sophie, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein

solches Geweih an ihrer Zimmerwand geblutet haben.

Erinnert mag noch daran werden, daß während der Hirsch Eikthyrnir

den Gipfel der Weltesche Yggdrasil benagte, aus seinem Geweihe eine

große Honigfülle durch den Wohnsitz der Asen und zu den Menschen und

bis in die Unterwelt floß. Wer von solcher Honigfülle trank, wurde

hirschtrunken, d. h. selig. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch,

I., S. 7.)

431. Der wunderbare Schuß zu Schneeberg.

(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1020.)

Am 14. März 1615 ist in Schneeberg in Paul Leibigers Stube Christoph

Büttner, ein Zahnbrecher, auf wunderbare Weise erschossen worden.

Dieser war kurz zuvor am Sonntage ~Oculi~ von der Reise gekommen

und wollte mit Christoph Leibigern um ein Handrohr, das über ein

halbes Jahr an der Wand gespannet gehangen, tauschen. Als er aber

dasselbe spannte und solches kein Feuer gehen wollte, da hat Büttner

zu Leibigern, welcher dazumal das Rohr in der Hand gehabt, gesagt.

»Ei, es muß Feuer geben in Teufels Namen!« Siehe, da ist alsbald das

Rohr losgegangen und der leichtsinnige Büttner erschossen worden,

ungeachtet, wie der damalige Pfarrer dies aufgezeichnet, man weder

Kugel noch Schrot gesehen und gefunden.

432. Der krumme Schuß in Zwickau.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 125.)

Als 1546 Ferdinand, König von Böhmen, und Herzog Moritz von Sachsen

Zwickau belagerten, ist aus der Stadt mit einem Stück (einer Kanone)

durch beide Kirchthüren geschossen worden. Die Kirche liegt in der

Stadt fast zwischen Morgen und Mittag, die Thüren aber gehen gegen

Mittag und Mitternacht. Bei der mittäglichen Thüre liegt ein Berg vor

und die mitternächtliche geht ganz und gar nicht gegen die Stadt.

Darum haben die Alten gemeinet, daß diesen Schuß ein Zauberer gethan

habe, welcher gewußt, daß eben zur selben Zeit sich in der Kirche viel

vornehme Herren aufgehalten, und sind darum auch keine neuen Thüren

gemacht, sondern nur Brettlein vor die Löcher genagelt worden.

433. Perlenschoten in Wiesenthal.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 481.)

Wahrhaftig ist's, was sich mit gewachsenen Perlenschoten zu

Neustadt-Wiesenthal im Jahre 1626 zugetragen. Nach dem großen Sterben

selbiger Zeiten wohnte in gedachtem Bergstädtlein Michael Rohdörfer,

ein Exulant aus Lutitz in Böhmen, welcher mit seinem Weibe und sieben

kleinen Kindern wunderbarer Weise den Religionsfeinden entkommen.

Sein Töchterlein von sieben Jahren hatte vom Schutthaufen eines

ausgegrabenen alten Kellers etliche Kapsamen-Strünklein aufgelesen

und in des Vaters Garten gesteckt. Da nun solche wohl fortgekommen

und gereifet, nimmt sie die Schötchen ab und klopfet sie aus, findet

aber mit Verwunderung weiße Körnchen, die sie, unwissend was es sei,

dem Vater weiset und spricht: »Ja, Vater sehet, was find ich für

Patterlein?« Der Vater kennets, daß es rechte Perlen, suchet und findet

sie in den Schötchen selbst, also, daß je nach zwei Samenkörnchen eine

wahrhafte Perle lag, und sammelten sie dieses Samens und der Perlen

ein Käsnäpfchen voll. Viel Edelleute, die sich damals in Wiesenthal

als Exulanten aufhielten, habens selbst in Augenschein genommen, auch

einige dieser Perlen dem Töchterlein abgeschwatzt und als Rarität

aufgehoben. Eine Gräfin von Hauenstein kam von Annaberg, hielt mit der

Karosse vor des erwähnten Exulanten Thür, breitete ihr Haartuch auf den

Schoß und bat, das Mägdlein sollte ihr einige Samenschötlein aufmachen,

welches auch geschah, und sie fand, daß es wahrhaftige Perlen waren.

Sie versprach darauf, wenn der Vater einwilligen wollte, dieses

glückselige Kind auf- und anzunehmen. Endlich machte die Gräfin etliche

Schoten eigenhändig auf, aber die Perlen zerschmolzen ihr unter den

Fingern, wie es auch zuvor andern Leuten, die sie selbst aufgemacht,

begegnet war. Darauf sagte sie: »Ei, so ists eine sonderbare Gnade

von Gott, derer wir nicht würdig sind.« Ein frommer Edelmann aus

Böhmen, der auch daselbst im Exil lebte, ließ den Vater mit allen

sieben Kindern vor sich kommen, betrachtete und befand das Wunder

augenscheinlich und kleidete die armen Kinder alle neu.

434. Brot wird aus weißer Erde gebacken.

(Moller, ~Theatrum Freib. Chr.~ II, S. 364. Ziehnert, Sachsens

Volkssagen, Anhang, Nr. 12.)

Im Jahre 1590 fand ein armes Hirtenmädchen, welches bei der

herrschenden großen Dürre viel Hunger leiden mußte, zwei Meilen von

Freiberg einen weißen Gang einer guten Spanne dick. Derselbe sah wie

Mehl aus und sie nahm etwas davon mit nach Hause und buk Brot daraus.

Darauf geschah von anderen armen Leuten ein großer Zulauf; das weiße

Mehl wurde ausgegraben und ebenfalls verbacken. Ein solches Brot

wurde auch nach Freiberg gebracht und auf's Rathaus geliefert; es

schmeckte gar süßlich und roch ein wenig nach Brot. Nach einer andern

Volkssage hackte im Jahre 1590, da große Teurung war, ein frommer Mann

aus Freiberg ohnweit der Stadt in einer Lehmgrube. Er hatte daheim

eine zahlreiche Familie hungrig verlassen und gedachte mit Thränen,

wie unzureichend das Brot sein würde, welches er für die wenigen

Pfennige Tagelohn am Abend würde kaufen können. »Ach Gott!« rief

er, die nassen Augen zum Himmel gewendet, »du kannst Großes thun, o

gieb mir und den Meinen, daß wir nicht verhungern dürfen!« Da fielen

plötzlich große Stücke einer schönen weißen Masse unter den Schlägen

seiner Hacke aus der Lehmwand hervor. Wie erstaunte der gute Mann,

als er sie genauer betrachtete und sah, daß sie beim Angreifen zu

Mehl wurden, welches gutem Brotmehl an Ansehen, Gewicht und Geschmack

ganz gleich war. Nicht länger zweifelte er, daß Gott durch diese

seltene Masse ihm wunderbar helfen wolle, lud ohne Säumen seinen

Schiebkarren voll solcher Mehlklumpen und fuhr damit nach Hause. Ehe

der Abend kam, hatte er eine ziemliche Anzahl Brote daraus gebacken,

welche sehr schmackhaft waren und wie Veilchenwurzel dufteten. Bald

wurde die Mähr von dem wunderbaren Mehle bekannt und noch viele arme

Leute in Freiberg und der Umgebung suchten in den Lehmgruben nach der

belobten weißen Masse, welche sie auch fanden und zu Brot backen und

genießen konnten, nämlich, wenn sie fromm und gut waren. Denn nur wenn

arme rechtschaffene und gottesfürchtige Leute das Mehl als eine Gabe

Gottes ausgruben und mit Danksagung verbrauchten, blieb es gutes und

brauchbare Mehl; wenn es aber Spötter und Gottlose in die Hände nahmen,

ward es zu Sand und zu Stein.

435. Gottes-Speise bei Zwickau.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 49. Nach Luthers Tischreden

bei den Br. Grimm, Deutsche Sagen I., Nr. 362.)

Bei Zwickau auf einem Dorfe schickten einst Eltern ihren Sohn, einen

muntern Knaben, in den Wald, die Ochsen, welche da auf der Weide waren,

heimzutreiben. Aber die Nacht überraschte den Knaben und es erhob sich

ein solch mörderisches Schneewetter, daß er nicht aus dem Walde zu

kommen wußte. Als nun der Knabe am andern Tage immer noch nicht nach

Hause kam, gerieten seine Eltern in große Angst und konnten doch vor

dem großen Schnee nicht in den Wald. Am dritten Tage erst, nachdem

der Schnee zum Teil abgeflossen, gingen sie hinaus, den Knaben zu

suchen und fanden ihn endlich an einem sonnigen Hügel sitzen, wo gar

kein Schnee lag. Freundlich lachte er seine Eltern an, und als sie ihn

fragten, warum er nicht heimgekommen, antwortete er, daß er habe warten

wollen, bis es Abend würde. Er wußte nicht, daß schon mehrere Tage

vergangen waren, und als man ihn ferner fragte, ob er etwas gegessen

hätte, erwiderte er, es sei ein Mann zu ihm gekommen, der ihm Käse und

Brot gegeben habe.

Also ist dieser Knabe sonder Zweifel durch einen Engel Gottes gespeist

und erhalten worden.

Nach einer thüringschen Sage bringt eine Jungfrau einem im Walde

verirrten Kinde Speise und Trank. (Witzschel, Sagen aus Thüringen,

Nr. 113.)

436. Körnerregen.

(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, 1843, S. 297. Moller, ~Theatrum

Freibergense~, 1653, S. 313.)

Am 7. und 9. Juli 1770 regnete es eine Art Korn, welches dem

natürlichen Korn zum Teil sehr ähnlich aussah, zum Teil waren es runde

Körner wie Wicken. Man fand es auf den Bleichen bei Chemnitz und

meinte nun, es müsse vom Himmel gefallen sein. Das Volk deutete es auf

Pestilenz und Teurung. Als man es steckte, ging es nicht auf; man hat

es getrocknet und gemahlen und es gab etwas Mehl.

Auch am 17. Juni 1572 hat es bei Freiberg gut natürlich Korn geregnet,

wie auch am 2. Juli desselben Jahres zu Frankenberg. Die Leute haben es

aufgerafft, gemahlen und schön Brot daraus gebacken.

Sonst soll dergleichen geregnetes Korn mehrenteils taub und unnütz,

bisweilen auch schädlich gewesen, und das Vieh, so davon gefressen,

gestorben sein.

Dieser Körnerregen bestand jedenfalls aus den kleinen Knollenknospen

des gemeinen Feigwarzenkrautes (~Ficaria ranunculoides~), welche in

den Blattachseln genannter Pflanze sitzen und später abfallen, um im

nächsten Jahre zu keimen. Bei heftigen Regengüssen wurden dieselben

losgerissen und zusammengeschwemmt, so daß sie dann bei massenhaftem

Vorkommen die Aufmerksamkeit des Volkes und den Glauben erregten, sie

seien mit dem Regen zugleich vom Himmel gefallen.

437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.

(Hauptmann, Uhralter Wolkensteinscher Warmer Badt- und Wasser-Schatz

etc. Leipzig, 1657, S. 63, 85. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S.

234.)

Das Warmbad im Hüttengrunde bei Wolkenstein führte vor der Reformation

nach einer auf der Höhe erbauten Kirche, in welche sieben Dörfer

eingepfarrt waren, den Namen »zu unser lieben Frauen auf dem Sande«.

Man hat in dieser Kirche Messe gehalten, ehe man in's Bad gegangen

ist. Während des Papsttums ist auch dorthin ein solches Wallfahrten

geschehen, daß die Kirche vielmal zu klein und ein großes Gedränge

darum war. Dabei sind gar viele, welche das Bad gebrauchten, gesund

geworden und haben zum Gedächtnis Krücken und Stäbe, deren sie sich bei

ihrer Gebrechlichkeit bedient hatten, bei der Kirche zurückgelassen. Es

kann aber kein Mensch sagen, zu welcher Zeit man dieses Bades sei innen

worden. Man zeigte früher an dem Badehause ein hölzernes Christusbild

mit der Jahreszahl 1385 und folgender Inschrift:

»Diß Warmbad am Sand zu unser lieben Frawen

Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Awen,

Wodurch dem Leibe Heil werden krancke Hertzen,

Christi Verdienst und Blut lindert die Seelenschmertzen.«

438. Die Kapelle des St. Jobs im Wiesenbad.

(Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg

1782, S. 38. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 66.)

Im Wiesenbad bei Annaberg, wohin besonders Kranke und Sieche

wallfahrten, hat eine Kapelle gestanden, die dem St. Job gewidmet

gewesen ist und welche vom Fürst Georgen reichlich begabet und vom

Bischof zu Meißen im Jahre 1505 eingeweihet wurde. Letzterer setzte

auch einen Meßpriester dahin, welcher den Badegästen, ehe sie ins

Bad gegangen, eine Messe lesen mußte. Von dieser Kapelle des St.

Jobs ist alsdann das Bad das Jobs- oder Hiobsbad genannt worden.

-- Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne

herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen

und heil geworden.

439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.

(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 20.)

Anno 1262 haben die Geißler in großer Zahl das Land Meißen durchlaufen

und sich dieses Jahr in der Stadt Freiberg befunden, dahin damals eine

starke Wallfahrt zur schönen Marie gewesen. Diese Leute sind halb

nackend je zwei und zwei barfuß gegangen, in roten offenen Mänteln, die

man spanisch Armilausen genannt.

Das Marienbild war von Wachs in menschlicher Größe ganz schön und

zierlich gestaltet und stand in einer besondern Kapelle. Die Leute

kamen von allen Orten heftig gelaufen, als wenn sie bezaubert wären,

und was ein jedes von Männern und Weibern von seiner Arbeit in der Hand

gehabt, wenn ihn die Tollheit angestoßen, das hat er mit sich genommen

und allda gelassen; wie auch viel krumme, lahme und andere preßhafte

Menschen, die sich zu diesem Bilde verlobet, gesund geworden und ohne

Mangel wieder davon gegangen sein sollen.

Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem

Schein des Heiligtums ein böses sodomitisches Leben und viel Schande

und Laster getrieben wurde, worauf durch einen fürstlichen Befehl dem

Gelaufe und den Zusammenkünften gesteuert wurde und solche mit Ernst

abgeschafft worden sind.

440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.

(Staberoh, Chronik der Stadt Öderan, 1847, S. 87. Gräße, Sagenschatz d.

K. Sachsen, Nr. 559. Kirchengalerie, 8. B., S. 117.)

Vom Jahre 1439 bis 1443 ward das Meißnerland von einer besondern Pest

heimgesucht. Die davon betroffenen Menschen waren nicht mit Schmerzen

geplagt; von Schlafsucht befallen, war der Pestkranke in wenigen

Tagen tot. Früher wanderte man vor dem Pestengel aus, diesmal half

man sich mit Gelöbnissen. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf

bei Frankenberg ward von Tausenden besucht, und diese wurden dann mit

irgend einem Trostspruche oder der Verhängung einer Buße entlassen. Für

die Öderaner lautete die Sühne und Strafe folgendermaßen:

»Das Haus der lieben Frawen

Mit Klang druf ufzubawen!«

Das hieß nun: die Kirche zu Öderan samt deren Glocken herzustellen. Die

Öderaner haben dann auch Glocken auf den Turm besorgt; inwieweit sie

sonst noch dem Verlangen des Marienbildes nachgekommen sind, wird uns

vom Chronisten verschwiegen.

Außer manchen andern Reliquien, wie einem hölzernen Christusbilde, das

zu manchen Zeiten Thränen vergossen haben soll, zeigt man in der Kirche

zu Ebersdorf noch heute eine Krücke, welche ein durch die Berührung des

Marienbildes geheilter Lahmer getragen habe. Diese Krücke ist mit der

Jahreszahl 1333 gezeichnet, und man liest an ihr die eingeschnittenen

Worte:

»Kruck, Du bist ein schön Kruck,

Kruck, Du bist mein Ungluck,

Zu meinem Ungluck hab ich ein schön Kruck.«

441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 57.)

Dreiviertel Stunden von der Bergstadt Joachimsthal entfernt liegt die

zerstreute Ortschaft Mariasorg, welche ein Kapuzinerhospiz besitzt,

in dessen Kirche sich am Hochaltare eine Muttergottesstatue befindet,

zu der alljährlich zahlreiche Wallfahrer und Andächtige von fern und

nah wegen der vielen Wunder pilgern, durch welche Gott das Bildnis der

heiligen Jungfrau Maria verherrlichte. An dieses Gnadenbild knüpft sich

folgende Sage:

Zur Zeit, als ~M.~ Johannes Mathesius, Luthers Schüler und

Tischgenosse, in Joachimsthal als Pfarrherr wirkte, bewohnten »das

vor alters benannte rote Haus im untern Viertel des Türkners« mehrere

Protestanten und ein Mädchen, welches der römisch-katholischen Kirche

treu geblieben war. Von den vielen Heiligenbildern, mit denen es

das Kämmerlein geschmückt hatte, erfreute sich besonders eine alte,

verbräunte Muttergottesstatue einer hohen Verehrung seitens des

Mädchens. Ungestört kniete dieses oft stundenlang vor derselben und

flehte mit gefalteten Händen zur Jungfrau Maria, der gnadenreichen

Himmelskönigin. Allein bald erfuhren die Hausgenossen von der stillen

Andacht, welcher sich das Mädchen hingab, und zwei Brüder, eifrige

Protestanten, faßten den Entschluß, diesen religiösen Übungen für immer

ein Ende zu machen. Der eine der Brüder bemächtigte sich eines Tages

der Statue und wollte sie mit dem Angesichte gegen die Mauer annageln,

wovon das Zeichen noch heute an dem Hinterhaupte des Bildes zu sehen

sein soll, fiel aber zur Strafe für seine Frevelthat von der Leiter und

starb. Der andere warf hierauf das Marienbildnis in den Winkel eines im

Hause befindlichen Hühnerkämmerleins, wo es, durch Schmutz entstellt,

viele Jahre versteckt blieb, bis mit der Vertreibung der Protestanten

der Katholicismus in Joachimsthal wieder feste Wurzeln faßte.

Damals geschah es, daß David Weidner aus Plan sich daselbst niederließ

und mehrere, von den Protestanten verlassene Bürgerhäuser, darunter

auch das rote Haus, kaufte. Zu seiner Überraschung fand er in letzterem

die Muttergottesstatue in dem Hühnerkämmerlein; er ließ sie als guter

Katholik absäubern und hielt sie lebenslang in Ehren. Weidner starb um

das Jahr 1676 als Stadtrichter und vererbte das Bildnis seiner Tochter

Anna Lucia, verehelichten Mader, die dasselbe als Heiligtum aufbewahrte

und andächtig in ihrem Wohnzimmer verehrte. Als darauf in den neunziger

Jahren des 17. Jahrhunderts die Joachimsthaler Gemeinde an dem

denkwürdigen Orte, wo des Einsiedlers Niavis kleine Kapelle gestanden,

die bei Einführung des Luthertums in hiesiger Gegend zerstört

wurde, eine Kirche erbaute, ließ Anna Lucia Mader daselbst ihre

Muttergottesstatue zur allgemeinen Verehrung aufstellen. Nach diesem

Marienbilde erhielt die Kirche, da die Gegend schon von uraltersher

Sorg hieß, den Namen »Maria-Sorg«, der in der Folge auch auf das Dorf

überging.

Noch immer ladet die Kirche zu Maria-Sorg zum Beten ein, dagegen fiel

das alte rote Haus dem verhängnisvollen Brande vom 31. März 1873 zum

Opfer.

442. Das Marienbild bei Klösterle.

(Glückauf, 3. Jahrg., Nr. 4, S. 33.)

Bei Klösterle steht an der Schlackenwerther Straße ein Marienbild in

einer hohlen Linde. Das stand erst auf der andern Seite, auch in einem

Baume. Da schlug das Wetter ein. Der Baum flog in tausend Granatstücke

und das Bild schwebte unversehrt, so daß ihm kein Unthätchen geschehen,

über die Straße zu der andern Linde, und dort hat man es denn auch

aufgestellt.

Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren

als heilig; sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren

Stelle später Maria getreten ist, die nun zur Beschützerin der

Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria von Rosenthal wurde

in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.) Als ein

aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem

Platze, einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der

Kirche getragen wurde, stand es doch am andern Morgen wieder in der

Linde, weshalb man unter derselben eine Kapelle baute. So entstand

der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und Bohnhorst, unsere

Pflanzen, S. 17.)

443. Das Marienbild in Mariaschein.

(Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Aufl., S. 65.)

Von Teplitz 1½ Stunde entfernt und in der Nähe des Bergstädtchens

Graupen liegt das Jesuitenkloster Mariaschein. Die große Kirche

desselben ist rings von prächtigen Linden umgeben, sowie von

Säulenhallen, in denen Beichtstühle aufgestellt sind; Freskobilder

stellen die wunderbaren Wirkungen des Gnadenbildes dar. Dieses selbst,

ein Marienbild, »die schmerzhafte Mutter Gottes«, wird in der Mitte

des Hochaltars unter Glas in goldener Hülle aufbewahrt; es ist aus

Thon, etwa 12 cm hoch, und soll zur Zeit der Hussitenkriege nach der

Zerstörung des Nonnenklosters zu Schwatz von einer Nonne in einer

Linde an der Stelle der jetzigen Kirche versteckt worden sein, wo

es seine Kraft durch die wunderbare Errettung eines Mädchens von

einer Schlange bewies. Als die Bürger des Städtchens Graupen dasselbe

in feierlichem Zuge in ihre Kirche gebracht hatten, kehrte es auf

wunderbare Weise in die Linde zurück. Deshalb baute man an dieser

Stelle zuerst eine Kapelle, dann die Kirche. Bei Wallfahrten wird das

Bild gezeigt und von den Gläubigen geküßt.

S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.

444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.

(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 134.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 38 / 62 段