Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre rasend
gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber Gott also
wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren zu
Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, hat
sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm
soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische
Reden, vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner
Sinnen beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause
bringen lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat
sich stets ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat
er sehr gefressen (maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung
auch gebraucht) und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als
etliche Knaben mit einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und
sich mit den Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum
Fenster hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie
auch gethan. Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen
und ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von
Reichenbach, namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch
große Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem
Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche Jahre
daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also gestorben.
414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter.
(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.)
Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte sich
deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter
zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und Braus.
Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster daher, der
einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen sollte. Als
ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den Kriegsknechten
angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu spielen. Sein
weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er sich soweit, daß
er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke kam der Abt
des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging, und als er das
Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte er denselben mit
herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten. Dafür wurde
er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten verhöhnt und verspottet.
Da übermannte ihn der Zorn und er rief: »So möge Euch, Ihr Genossen
des Teufels, der allmächtige und strafende Gott, den Ihr jetzt noch
eben verhöhnt habt, zu Steinen werden lassen!« Kaum waren diese
Worte gesprochen, so erfüllte ein donnerähnlicher Schlag die Luft,
und was der Abt in seinem Fluch erbeten, das geschah. Der Mönch und
die Kriegsknechte wurden zu Felsblöcken, welche noch heute auf dem
Teufelssteine zur Warnung für Gotteslästerer emporragen.
415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.
(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.)
Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches,
stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt, welche 1514
der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die aber, weil die
Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so liegen geblieben
sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch die Kirche mit
dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein läßt, die Ursache.
Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr, mit Namen Caspar
Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum so übermütig gemacht
hatte, daß er keinem Gruße, selbst von seiten solcher Personen, die
mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu danken sich herabließ. Dem
begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr von Elterlein, namens Wolf
Götterer, und rief ihm ein freundliches Glückauf zu; allein Klinger
hielt es abermals unter seiner Würde, dem Grüßenden zu danken, und so
geschah es, daß letzterer ihm darüber einige harte, beleidigende Worte
sagte. So stolz nun der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und
er beschloß auf der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige
Rede büßen zu lassen. Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und
nachdem sie eines Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu
Hause sein werde, weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung
sich entfernt hätte, gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben
einzuschleichen, wo sie den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten.
Weit entfernt, ihr Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen,
stellten sie sich selbst dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum
Tode verurteilte, allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in
eine Geldbuße zu verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der
reiche Hammerherr zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h.
Oswald zu erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken
habe.
Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten, für
seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen und Steine in
seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen und es verging
kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ er es auch nicht an
reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel und Altar waren von
geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der größten Pracht geziert,
eine herrliche Glocke hing auf dem Turme und alles war zur Einweihung
der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da zog an demselben Morgen, wo die
Geistlichkeit sich anschickte, das neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein
furchtbares Gewitter über das Thal herein und man zögerte deshalb,
die Prozession zu beginnen, selbst der Glöckner weigerte sich, die
Glocke ertönen zu lassen, bevor nicht das Unwetter vorüber sei. Da
ward Klinger ungeduldig und schwur und vermaß sich hoch und teuer,
nichts sollte ihn abhalten, das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu
führen, und wenn niemand anders es thun wolle, so werde er selbst in
die Kirche eilen und das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen.
Zwar versuchten ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber
umsonst, er stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber
sonderbar, dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor,
ehe es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke
herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand
wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und so war
in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig und niemand
wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers Leichnam ward
zerschmettert im Turme gefunden und am Rande des Waldes eingescharrt.
Die Umwohner aber erzählen sich, um Mitternacht gehe sein Geist ruhelos
dort umher und grüße den zufällig dorthin verirrten und bei seinem
Anblick ängstlich davon fliehenden Wanderer, und sein Herumirren müsse
so lange dauern, bis ihm jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe
Gottes schon vorher ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil
gesprochen, war er vom Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen.
In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung
der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt
wird, dem Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner
Pfarrer M. Wolf zugeschrieben und als Jahr der Gründung 1515
angegeben. In Bezug der Sage von dem Hammer- und Bergherrn Kaspar
Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne des Mordes 12 silberne
Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und Bogen geben,
Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er
von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche
mitgebracht, Ablaß erteilen zu dürfen (S. 164).
Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man
1795 auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die
wahrscheinlich vom Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben
diese Brakteaten Veranlassung zu der Sage von einem großen Schatze
gegeben, welcher unter der Kirche vergraben liegen soll.
Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt
Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder
»Aswaldbache« d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die
Meinung ausgesprochen wird, die eingewanderten Sachsen hätten den
dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, welcher Name dann auch auf
den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung für sehr
gewagt und nicht recht glaubwürdig.
416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)
Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe
des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, dessen
südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe von
der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. Zu
letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer Allee
bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« herumzieht,
und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause »Hut« über die
Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, welcher eine schöne
Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:
Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein mächtiger
Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten reiche
Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm sein erstgeborener
Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, denn dieser führte
ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine liederliche Lebensweise.
Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu geben und nach
der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome der Welt zu
einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.
In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte
Gelegenheit dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als
nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines
unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte
Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen
Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er wanderte also
im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge zu und gelangte
nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen Joachimsthal, wo
in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. Überrascht und entzückt
von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt mit ihren Thälern und
Schluchten, ließ er sich hier nieder und baute mit Hülfe der Einwohner
ein stattliches Schloß, in welchem er in Gesellschaft verdorbener
Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. Den unaussprechlichen
Schmerz des Vaters über den Verlust des ungeratenen Sohnes hatte indeß
die alles heilende Zeit gemildert.
Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger Weidmann
war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, im
Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im dichten Walde
verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem mühevollen
Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit eine Wiese, von
wo er am fernen Bergesrücken ein helles Licht schimmern sah, dem er nun
frohen Mutes mit starken Schritten zueilte. Als er vor dem Schlosse
stand, aus welchem das Licht kam, bat er um Einlaß und ein gastlich
Obdach, und er wurde darauf vor den Schloßherrn geführt, den sein
Vaterauge gleich erkannte. Auch der verlorne Sohn erkannte sofort,
freilich mit Schrecken, in dem Weidmann seinen Vater; aber statt mit
reumütigem Herzen den Tiefgekränkten um Verzeihung zu bitten, gab
er, die wohlverdiente Strafe fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn
gefangen zu nehmen.
Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen
sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher
augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale so
gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten; dasselbe
zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen. Nur der
Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken davon und eilten
nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge den vermißten Herrn
erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde vergebens gesucht
hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem die bösen Geister ihren Spuk.
Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter zwei
Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott,
raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre tiefe
Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen
und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem
bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen
und fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel
gelegenen Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie
den Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein
sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten,
erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf
dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer
erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers
Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das Schloß,
zündete -- und verwandelte es in einen Schutthaufen.
Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein Vater, der
seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie nicht mochte.
Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während des Schlafes
einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen verwünschte der
Vater das Schloß samt den Inwohnern.
417. Der Gottesleugner zu Nossen.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.)
Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und Steinbrecher,
namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter des
Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals zur Beichte und
zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward am 21. Juni des
genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von einer alten Kirchmauer
im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen helfen, erschlagen. Als
man nun seinen Körper in einen Backtrog legte, ist selbiger alsbald
zersprungen, darauf ist ein grausamer Wirbelwind entstanden, und als
man ihm zu Grabe läuten wollte, ist der Klöppel in der großen Glocke
ebenfalls zersprungen, weil er eines christlichen Begräbnisse nicht
würdig gewesen.
418. Vorboten der Pest.
(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.)
Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht gemangelt.
Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der Stadt 1680 die
Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen, die gegen den Herbst
wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man zehn Wochen vor der Pest ein
Poltern und Fallen bei Nacht in der Kirche, als wenn man Leichen in
die Erde senkte und häufig die Erde auf die Särge nachschüttete; beide
Kerzen verlöschten auf dem Altare, die Glocken wurden so unnatürlich
schwer, daß man sie mit großer Mühe mußte in Schwung bringen, das
Uhrwerk auf dem Rathause lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal
ganz ab, und einige Bürger haben des Nachts ein hellbrennendes Licht
auf dem Rathause gesehen.
Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für
sich nicht gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest
angesehen. In Böhmen prophezeit z. B. der Storch in der Gegend,
durch welche er fliegt, die Pest, während er dorthin, wo er sich
niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 64.),
und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden
(Hunde sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei
weinender Menschen, die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch
und Gestank und selbst ungewöhnliches Blühen von Rosen im August und
September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, I. No. 354.)
419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 311.)
Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde Freiberg von
einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim Hospital hatte eine
Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben 1564 etwas von alten
Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern geworfen worden war. Da
stieg ihm alsobald ein widriger giftiger Dampf entgegen, so daß er sich
legen mußte und nicht allein die Seinigen, sondern auch viele in der
Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche verbreitete sich darauf weiter und
nahm dermaßen überhand, daß von da an bis Weihnachten 1577 Personen
starben.
Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast
ausgestorben war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine
blaue Wolke und zog in zwei Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf
der Müller Pflöcke hineinschlug und alles im Hause wohlauf blieb. Als
aber der Müller später einmal nachsah, was aus dem Dunste geworden
sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle seine
Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No.
457.) Desgleichen erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in
Gestalt eines blauen Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der
Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein Zauberer aus Böhmen verschloß bei
Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen Orten der Umgegend in
Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer Grube mit
der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt,
Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam
noch 1709 zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an
Kirchen war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war
das sogenannte »garstige Ding« (eine weibliche Figur, an welcher ein
Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten Kreuzkirche
in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten Pest.
(Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf
hingewiesen werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von
Hunden begleitet sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert
werden. In altkirchlichen Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem
Schutzpatron gegen die Pest, ein Hündlein beigegeben. (Rochholz,
Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) In Außig in Böhmen glaubt
man, daß die Pest als +weißer+ Rauch erscheint, welcher Menschen,
wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. S.
184.)
420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.
(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)
Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier wuchs
in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« (Zeitheide)
bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen
Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser Pflanze, welche in
gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht werden muß, weggetragen
haben. Auch soll sie in der Brauerei des Ortes mit zur Verwendung
gekommen sein. Der balsamische und durchdringende Geruch machte sie
berühmt in der Gegend und wohlthätig für den Ort selbst. Denn in
den Jahren, in welchen die Pest das Land verheerend durchzog und
benachbarte Orte aussterben ließ, soll Großhartmannsdorf durch jene
Pflanze verschont geblieben sein.
Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, ~Ledum palustre~.
421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.
(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.)
Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische Bergwerk
rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche
Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich drei Sonnen,
etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen, stürmende Donner
und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht nachteilig, so daß man
1171 schrieb:
FreIberg VnD seinen fIxen PLan
DIe Sterne haben nIChts gethan.
Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf das
Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr war angegangen,
in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat, nach den bekannten
Worten:
Bergknappen auf! erstaVnet, seht
ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet.
Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel, und im März
ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts, sondern es wurde
das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege, nach den Worten:
Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt
An SIlber ohne Sternen-StreIt,
Unsern GewerCken reCht zUr FreUD.
In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am Himmel; dabei
kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal auf, wie
folgende Verse deuten:
ACh sIehe an hIe JoChIMsthal,
Ist EVangelIsCh UberaLL.
422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 271.)
Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg abends
neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken gesehen, darüber
ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe einen hellen Schein
verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben Stunde immer größer
geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht, darauf hat sie sich
umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren, als wenn sie
stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in der Umgegend
ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere von über 3
Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit Zacken, wie
Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders arg war das Wetter
in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der Himmel voll Feuer stand,
von dem auch etliche Klumpen herabfielen, die viel Bäume und Büsche
versengten und großen Schrecken verursachten.
423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.
(Moller a. a. O. II., S. 277.)
Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am klaren Himmel einen
weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander gethan und inwendig ganz
feuerrot erschienen. Dabei haben lange Strahlen rings umher gestanden,
ziemlich dick und breit, doch oben zugespitzt, die haben auf einander
gestoßen. Zwischen den Strahlen aber ist es aufgefahren wie Rauch und
es hat die ganze Nacht hindurch geblitzt und geleuchtet. An etlichen
Orten sind zugleich zwei Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch
auf der einen Seite eine gebundene Rute und auf der anderen eine große
Hand mit einer Rute gesehen worden.
424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1155.)
Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um 7 Uhr am
hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich einen langen
Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart, welcher den
Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein zorniges Gemüt hat
merken können. Dem ward ein Kranz gegeben, und da er ihn empfangen,
ist er vergangen. Darnach ist auf einem hohen Fels ein anderer langer
Mann gestanden, welcher einen langen, spitzen Schnabel und vom Haupt
an durch den Rücken die Länge lange Federn gehabt, gleich eines
Straußes, ist aber auch bald verschwunden. Alsdann sind auf einem
ebenen Felde zwei Städte gesehen worden, eine große, mit steinernen
und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und eine kleinere, die doch
je länger je deutlicher ist gesehen worden. Desgleichen ein Mann,
der auf einem Pferd gesessen und in der rechten Hand ein Fähnlein
geführet, in der linken aber ein jung Kind gehabt, welcher auch bald
verschwunden. Darnach ist auf einem hohen Berge ein großer Mann gesehen
worden, der einem kleinern mit einem Schwerte das Haupt abgehauen.
Es ist auch einer zwischen zweien Felsen gesehen worden, welcher auf
die Knie gefallen und die Hände aufgehoben über sich zum Himmel,
als bete er. Nach ihm ist ein anderer langer Mann gesehen worden in
einem langen Kleide, der unter den Armen ein junges Lämmlein und auf
der Schulter ein groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit
langen Hörnern gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine
hat die Arme in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die
andere hat gegeiget. Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf
welchem ein Mann aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen
Federn geschmückt gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen
entgegengegangen, hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen,
darauf ist das Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe
hat sich den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei
Jungfrauen und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen
Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen
worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz,
welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt
abschießen, und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden.
So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst
verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle
Begebenheiten und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet.
425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.)