Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe, eines

Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre rasend

gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber Gott also

wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren zu

Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, hat

sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm

soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische

Reden, vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner

Sinnen beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause

bringen lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat

sich stets ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat

er sehr gefressen (maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung

auch gebraucht) und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als

etliche Knaben mit einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und

sich mit den Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum

Fenster hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie

auch gethan. Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen

und ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von

Reichenbach, namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch

große Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem

Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche Jahre

daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also gestorben.

414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter.

(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.)

Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte sich

deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter

zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und Braus.

Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster daher, der

einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen sollte. Als

ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den Kriegsknechten

angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu spielen. Sein

weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er sich soweit, daß

er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke kam der Abt

des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging, und als er das

Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte er denselben mit

herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten. Dafür wurde

er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten verhöhnt und verspottet.

Da übermannte ihn der Zorn und er rief: »So möge Euch, Ihr Genossen

des Teufels, der allmächtige und strafende Gott, den Ihr jetzt noch

eben verhöhnt habt, zu Steinen werden lassen!« Kaum waren diese

Worte gesprochen, so erfüllte ein donnerähnlicher Schlag die Luft,

und was der Abt in seinem Fluch erbeten, das geschah. Der Mönch und

die Kriegsknechte wurden zu Felsblöcken, welche noch heute auf dem

Teufelssteine zur Warnung für Gotteslästerer emporragen.

415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.

(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.)

Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches,

stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt, welche 1514

der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die aber, weil die

Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so liegen geblieben

sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch die Kirche mit

dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein läßt, die Ursache.

Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr, mit Namen Caspar

Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum so übermütig gemacht

hatte, daß er keinem Gruße, selbst von seiten solcher Personen, die

mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu danken sich herabließ. Dem

begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr von Elterlein, namens Wolf

Götterer, und rief ihm ein freundliches Glückauf zu; allein Klinger

hielt es abermals unter seiner Würde, dem Grüßenden zu danken, und so

geschah es, daß letzterer ihm darüber einige harte, beleidigende Worte

sagte. So stolz nun der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und

er beschloß auf der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige

Rede büßen zu lassen. Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und

nachdem sie eines Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu

Hause sein werde, weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung

sich entfernt hätte, gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben

einzuschleichen, wo sie den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten.

Weit entfernt, ihr Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen,

stellten sie sich selbst dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum

Tode verurteilte, allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in

eine Geldbuße zu verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der

reiche Hammerherr zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h.

Oswald zu erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken

habe.

Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten, für

seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen und Steine in

seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen und es verging

kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ er es auch nicht an

reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel und Altar waren von

geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der größten Pracht geziert,

eine herrliche Glocke hing auf dem Turme und alles war zur Einweihung

der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da zog an demselben Morgen, wo die

Geistlichkeit sich anschickte, das neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein

furchtbares Gewitter über das Thal herein und man zögerte deshalb,

die Prozession zu beginnen, selbst der Glöckner weigerte sich, die

Glocke ertönen zu lassen, bevor nicht das Unwetter vorüber sei. Da

ward Klinger ungeduldig und schwur und vermaß sich hoch und teuer,

nichts sollte ihn abhalten, das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu

führen, und wenn niemand anders es thun wolle, so werde er selbst in

die Kirche eilen und das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen.

Zwar versuchten ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber

umsonst, er stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber

sonderbar, dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor,

ehe es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke

herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand

wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und so war

in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig und niemand

wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers Leichnam ward

zerschmettert im Turme gefunden und am Rande des Waldes eingescharrt.

Die Umwohner aber erzählen sich, um Mitternacht gehe sein Geist ruhelos

dort umher und grüße den zufällig dorthin verirrten und bei seinem

Anblick ängstlich davon fliehenden Wanderer, und sein Herumirren müsse

so lange dauern, bis ihm jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe

Gottes schon vorher ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil

gesprochen, war er vom Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen.

In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung

der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt

wird, dem Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner

Pfarrer M. Wolf zugeschrieben und als Jahr der Gründung 1515

angegeben. In Bezug der Sage von dem Hammer- und Bergherrn Kaspar

Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne des Mordes 12 silberne

Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und Bogen geben,

Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er

von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche

mitgebracht, Ablaß erteilen zu dürfen (S. 164).

Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man

1795 auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die

wahrscheinlich vom Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben

diese Brakteaten Veranlassung zu der Sage von einem großen Schatze

gegeben, welcher unter der Kirche vergraben liegen soll.

Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt

Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder

»Aswaldbache« d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die

Meinung ausgesprochen wird, die eingewanderten Sachsen hätten den

dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, welcher Name dann auch auf

den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung für sehr

gewagt und nicht recht glaubwürdig.

416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)

Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe

des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, dessen

südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe von

der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. Zu

letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer Allee

bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« herumzieht,

und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause »Hut« über die

Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, welcher eine schöne

Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:

Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein mächtiger

Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten reiche

Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm sein erstgeborener

Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, denn dieser führte

ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine liederliche Lebensweise.

Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu geben und nach

der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome der Welt zu

einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.

In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte

Gelegenheit dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als

nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines

unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte

Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen

Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er wanderte also

im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge zu und gelangte

nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen Joachimsthal, wo

in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. Überrascht und entzückt

von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt mit ihren Thälern und

Schluchten, ließ er sich hier nieder und baute mit Hülfe der Einwohner

ein stattliches Schloß, in welchem er in Gesellschaft verdorbener

Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. Den unaussprechlichen

Schmerz des Vaters über den Verlust des ungeratenen Sohnes hatte indeß

die alles heilende Zeit gemildert.

Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger Weidmann

war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, im

Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im dichten Walde

verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem mühevollen

Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit eine Wiese, von

wo er am fernen Bergesrücken ein helles Licht schimmern sah, dem er nun

frohen Mutes mit starken Schritten zueilte. Als er vor dem Schlosse

stand, aus welchem das Licht kam, bat er um Einlaß und ein gastlich

Obdach, und er wurde darauf vor den Schloßherrn geführt, den sein

Vaterauge gleich erkannte. Auch der verlorne Sohn erkannte sofort,

freilich mit Schrecken, in dem Weidmann seinen Vater; aber statt mit

reumütigem Herzen den Tiefgekränkten um Verzeihung zu bitten, gab

er, die wohlverdiente Strafe fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn

gefangen zu nehmen.

Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen

sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher

augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale so

gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten; dasselbe

zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen. Nur der

Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken davon und eilten

nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge den vermißten Herrn

erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde vergebens gesucht

hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem die bösen Geister ihren Spuk.

Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter zwei

Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott,

raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre tiefe

Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen

und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem

bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen

und fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel

gelegenen Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie

den Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein

sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten,

erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf

dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer

erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers

Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das Schloß,

zündete -- und verwandelte es in einen Schutthaufen.

Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein Vater, der

seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie nicht mochte.

Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während des Schlafes

einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen verwünschte der

Vater das Schloß samt den Inwohnern.

417. Der Gottesleugner zu Nossen.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.)

Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und Steinbrecher,

namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter des

Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals zur Beichte und

zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward am 21. Juni des

genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von einer alten Kirchmauer

im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen helfen, erschlagen. Als

man nun seinen Körper in einen Backtrog legte, ist selbiger alsbald

zersprungen, darauf ist ein grausamer Wirbelwind entstanden, und als

man ihm zu Grabe läuten wollte, ist der Klöppel in der großen Glocke

ebenfalls zersprungen, weil er eines christlichen Begräbnisse nicht

würdig gewesen.

418. Vorboten der Pest.

(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.)

Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht gemangelt.

Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der Stadt 1680 die

Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen, die gegen den Herbst

wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man zehn Wochen vor der Pest ein

Poltern und Fallen bei Nacht in der Kirche, als wenn man Leichen in

die Erde senkte und häufig die Erde auf die Särge nachschüttete; beide

Kerzen verlöschten auf dem Altare, die Glocken wurden so unnatürlich

schwer, daß man sie mit großer Mühe mußte in Schwung bringen, das

Uhrwerk auf dem Rathause lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal

ganz ab, und einige Bürger haben des Nachts ein hellbrennendes Licht

auf dem Rathause gesehen.

Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für

sich nicht gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest

angesehen. In Böhmen prophezeit z. B. der Storch in der Gegend,

durch welche er fliegt, die Pest, während er dorthin, wo er sich

niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 64.),

und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden

(Hunde sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei

weinender Menschen, die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch

und Gestank und selbst ungewöhnliches Blühen von Rosen im August und

September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, I. No. 354.)

419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.

(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 311.)

Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde Freiberg von

einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim Hospital hatte eine

Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben 1564 etwas von alten

Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern geworfen worden war. Da

stieg ihm alsobald ein widriger giftiger Dampf entgegen, so daß er sich

legen mußte und nicht allein die Seinigen, sondern auch viele in der

Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche verbreitete sich darauf weiter und

nahm dermaßen überhand, daß von da an bis Weihnachten 1577 Personen

starben.

Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast

ausgestorben war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine

blaue Wolke und zog in zwei Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf

der Müller Pflöcke hineinschlug und alles im Hause wohlauf blieb. Als

aber der Müller später einmal nachsah, was aus dem Dunste geworden

sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle seine

Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No.

457.) Desgleichen erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in

Gestalt eines blauen Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der

Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein Zauberer aus Böhmen verschloß bei

Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen Orten der Umgegend in

Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer Grube mit

der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt,

Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam

noch 1709 zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an

Kirchen war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war

das sogenannte »garstige Ding« (eine weibliche Figur, an welcher ein

Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten Kreuzkirche

in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten Pest.

(Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf

hingewiesen werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von

Hunden begleitet sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert

werden. In altkirchlichen Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem

Schutzpatron gegen die Pest, ein Hündlein beigegeben. (Rochholz,

Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) In Außig in Böhmen glaubt

man, daß die Pest als +weißer+ Rauch erscheint, welcher Menschen,

wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. S.

184.)

420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.

(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)

Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier wuchs

in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« (Zeitheide)

bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen

Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser Pflanze, welche in

gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht werden muß, weggetragen

haben. Auch soll sie in der Brauerei des Ortes mit zur Verwendung

gekommen sein. Der balsamische und durchdringende Geruch machte sie

berühmt in der Gegend und wohlthätig für den Ort selbst. Denn in

den Jahren, in welchen die Pest das Land verheerend durchzog und

benachbarte Orte aussterben ließ, soll Großhartmannsdorf durch jene

Pflanze verschont geblieben sein.

Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, ~Ledum palustre~.

421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.

(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.)

Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische Bergwerk

rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche

Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich drei Sonnen,

etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen, stürmende Donner

und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht nachteilig, so daß man

1171 schrieb:

FreIberg VnD seinen fIxen PLan

DIe Sterne haben nIChts gethan.

Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf das

Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr war angegangen,

in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat, nach den bekannten

Worten:

Bergknappen auf! erstaVnet, seht

ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet.

Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel, und im März

ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts, sondern es wurde

das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege, nach den Worten:

Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt

An SIlber ohne Sternen-StreIt,

Unsern GewerCken reCht zUr FreUD.

In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am Himmel; dabei

kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal auf, wie

folgende Verse deuten:

ACh sIehe an hIe JoChIMsthal,

Ist EVangelIsCh UberaLL.

422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter.

(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 271.)

Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg abends

neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken gesehen, darüber

ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe einen hellen Schein

verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben Stunde immer größer

geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht, darauf hat sie sich

umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren, als wenn sie

stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in der Umgegend

ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere von über 3

Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit Zacken, wie

Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders arg war das Wetter

in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der Himmel voll Feuer stand,

von dem auch etliche Klumpen herabfielen, die viel Bäume und Büsche

versengten und großen Schrecken verursachten.

423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.

(Moller a. a. O. II., S. 277.)

Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am klaren Himmel einen

weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander gethan und inwendig ganz

feuerrot erschienen. Dabei haben lange Strahlen rings umher gestanden,

ziemlich dick und breit, doch oben zugespitzt, die haben auf einander

gestoßen. Zwischen den Strahlen aber ist es aufgefahren wie Rauch und

es hat die ganze Nacht hindurch geblitzt und geleuchtet. An etlichen

Orten sind zugleich zwei Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch

auf der einen Seite eine gebundene Rute und auf der anderen eine große

Hand mit einer Rute gesehen worden.

424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1155.)

Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um 7 Uhr am

hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich einen langen

Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart, welcher den

Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein zorniges Gemüt hat

merken können. Dem ward ein Kranz gegeben, und da er ihn empfangen,

ist er vergangen. Darnach ist auf einem hohen Fels ein anderer langer

Mann gestanden, welcher einen langen, spitzen Schnabel und vom Haupt

an durch den Rücken die Länge lange Federn gehabt, gleich eines

Straußes, ist aber auch bald verschwunden. Alsdann sind auf einem

ebenen Felde zwei Städte gesehen worden, eine große, mit steinernen

und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und eine kleinere, die doch

je länger je deutlicher ist gesehen worden. Desgleichen ein Mann,

der auf einem Pferd gesessen und in der rechten Hand ein Fähnlein

geführet, in der linken aber ein jung Kind gehabt, welcher auch bald

verschwunden. Darnach ist auf einem hohen Berge ein großer Mann gesehen

worden, der einem kleinern mit einem Schwerte das Haupt abgehauen.

Es ist auch einer zwischen zweien Felsen gesehen worden, welcher auf

die Knie gefallen und die Hände aufgehoben über sich zum Himmel,

als bete er. Nach ihm ist ein anderer langer Mann gesehen worden in

einem langen Kleide, der unter den Armen ein junges Lämmlein und auf

der Schulter ein groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit

langen Hörnern gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine

hat die Arme in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die

andere hat gegeiget. Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf

welchem ein Mann aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen

Federn geschmückt gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen

entgegengegangen, hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen,

darauf ist das Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe

hat sich den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei

Jungfrauen und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen

Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen

worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz,

welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt

abschießen, und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden.

So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst

verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle

Begebenheiten und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet.

425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.

(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 37 / 62 段