zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan worden. Dieser Lehrjunge wird
von dem Sohne des gedachten Schusters, der seinem Vater im Handwerk
hilft, mit einem Schuhleisten totgeschlagen, und sie schaffen denselben
in aller Stille bei Seite und geben vor, er sei davongelaufen, was
auch geglaubt wird. Aber des Knaben Großmutter, die ebenfalls in
Bräunsdorf wohnte und den Knaben in seiner Lehrzeit öfter als seine
Eltern besuchte und ihm auch oft etwas mitgebracht hatte, erblickte
nach einigen Tagen mehrere Nächte hintereinander den Geist ihres
erschlagenen Enkels, der ihr erzählte, er sei nicht davongelaufen,
sondern vielmehr mit einem Schuhleisten erschlagen und in der Scheune
begraben worden. Diese Begebenheit ist dem Amtmann zu Freiberg gemeldet
und in Folge davon im Januar des Jahres 1762 Vater, Mutter und Sohn
eingezogen worden, bei deren Vernehmung sich alles, wie oben erzählt,
bestätigt hat.
391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 781. 782.)
Den 5. Januar 1630 starb Nikolaus Walde, Pfarrer zu Schwarzenberg;
dem verdorrete das Jahr zuvor sein Birnbaum. Da er's sahe, sagte er:
»Ich habe lange genug vom Sterben gepredigt, jetzt wird der Birnbaum
mein Prediger. Mein Baum verdorret und ich werde auch bald sterben!«
Am Neujahrstage steigt er auf die Kanzel und da er anfangen will
zu singen: Helft mir Gottes Güte preisen u. s. w., überfällt ihn
ein Schlagfluß, daß er nach Hause geführt werden und sich auf sein
Todesbett legen mußte. -- Heinrich Ryhel, Pfarrer in Wiesenthal, hatte
einen Zeilanderstrauch in seinen Pfarrhof gepflanzt, der trefflich
grünte und im Frühjahr, da genannter Pfarrer starb, schon im April
ausgeschlagen war. Sobald der Pfarrer krank wurde, fing der Strauch an
sichtlich zu verdorren; darauf starb der Pfarrer.
392. Nächtliches Fallen zeigt einen Todesfall an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 930.)
Das Fallen nennt der gemeine Mann das Leichenbret, und glauben manche,
es müsse notwendig darauf ein Todesfall erfolgen, auch könne solcher
Fall vom Menschen ab und auf ein Vieh gewendet werden, wenn man sage:
Falle auf meine Henne, Ziege u. s. w. Im Jahre 1627, ehe der Pfarrer
in Markersbach im September zum Tode krank wurde, lag er abends samt
seiner Ehefrau schon in der Ruhe. Die Magd war noch auf, und da sie
etwas oben im Hause stark fallen hörte, lief sie hinauf, in der
Meinung, der Herr habe ihr gepocht, und fragte, was sie solle? Sie
wurde abgewiesen als eine Träumende, sie sollte zu Bette gehen. Am
neunten Tage darauf war der Pfarrer tot.
Anno 1653 lebte in Scheibenberg eine Pfarrerswittwe von Thum. Als
dieselbe einst ihren Sohn, welcher verreisete, ein Stück begleitet
hatte und wieder auf dem Heimwege war, thats in ihrem Hause einen
ungemeinen Fall, und zwar zu derselben Stunde, da sie auf dem Rückwege
von einem Fieberfrost überfallen wurde, daran sie auch nach zehn Tagen
starb.
393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.)
Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die Hälfte ab; dabei
verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin Meyer nebst seiner
Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker vorüber, da ruft
ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen Schnur Stimme gelautet,
etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht das erschreckliche Feuer
gegenüber seiner Wohnung auf.
Im Jahre 1686 wurde ~M.~ Benjamin Heyde, Oberpfarrer in Schneeberg,
frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden. Abends
zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes Stimme
gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod.
394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.
(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.)
Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger, starker
Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem Weib, Marie
Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel auf die Erde. Sie
erschrak darüber und sagte: Was soll mir das sein? Da der Mann des
Abends zu Bier gehen will, hat sie große Angst und erzählt, was ihr
begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber er schlugs in ein Gelächter.
Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und vermahnt ihn, er soll sich ja in
acht nehmen. Abends bringen sie ihn totkrank nach Haus, und der Schlag
rühret ihn eben dieselbige Nacht, daß er starb.
395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall.
(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401.
Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.)
Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin des Moritz
v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte letzterer mit
dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?) Däntzki, da sie
miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers standen, draußen
gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich oben über den
Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen zu Grabe zu läuten.
Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut, als wenn kleine
Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was hierdurch angedeutet
worden, daß nämlich die kranke Frau seligen Feierabend machen wollte
und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte.
396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei dem
es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war, in den
Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der Meister, daß am
nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde.
In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des Abends
zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags darauf ein neues
Grab verlangt.
397. Der geplagte Polizeidiener.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand sich
die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen, der
brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen
Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen.
Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn
nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien
sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen
aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden und
mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten, worauf
dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen: Diese
Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man bald auch
von ihrem Ableben.
Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister
ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und sprach
dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister, ich
werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer lachen und
das gute Einvernehmen war wieder hergestellt.
398. Vögel sind Unglücksverkündiger.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.)
Als im Jahre 1639 ein großes Sterben war, hatten die Raben bei Tage ein
greulich Geschrei, bissen sich auch des Nachts bei Mondenschein heftig
auf den Kirchen und Häusern herum, und es war furchtsam anzuhören,
wenn die Eulen in den Gärten so jauchzten. Man merkte auch um selbige
Zeit, daß ein Haufen Elstern mit Schreien und Schnattern alle Gassen
voll gemacht und gleichsam die Post gebracht hatten, wenn räuberische
Parteien kamen. Ehe einem Hausvater sein Weib und Kind in den Wochen
starb, zogen die unter dem Dache nistenden Schwalben samt ihren Jungen
weg. Desgleichen ist in Schneeberg geschehen, daß die Störche, welche
lange Zeit auf eines Bürgers Hause genistet, im Jahre 1688, ehe der
Bürger gestorben, davon gezogen und ausgeblieben sind. Im Jahre 1664
kamen des Nachts, ehe in Annaberg 400 Häuser in Asche gelegt wurden,
etliche Eulen, setzten sich auf des Bürgermeisters Haus am Markte und
schrien gräßlich.
399. Anzeichen von Feuersbrünsten.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 780.)
Man hat in unterschiedlichen Bergstädten wahrgenommen, daß wenn Gott
mit einer Feuersbrunst strafen wollte, sich zuvor allerhand bedenkliche
Vorboten gezeigt haben. Man hat in der Ratsstube des Nachts ein Licht
brennen sehen, oder es ist ein Wasserkübel auf dem Rathausboden
herunter gefallen, oder es hat auf dem Markt mit den Wasserkübeln
gerasselt und sich in den Bottichen gebadet, oder es sind auch eiserne
Reifen an den Röhrenbottichen geborsten und abgesprungen, oder es haben
sich ungewöhnliche Feuervögel sehen lassen, oder es sind die Kinder
unversehens vorbeigelaufen und haben Feuer gerufen, oder man hat eine
unbekannte Stimme des Nachts zuvor gehört: Lösche, dein Haus brennet!
400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 430.)
Die sonderlich bei Nachtzeiten lichterloh brennende Bergwitterung,
welche in Gestalt eines ausgestreuten Pulvers plötzlich lodert und
verlöscht, und die Ausgänge, Luftlöcher und Klüfte der Metalladern
zeigt, ist in dem Erzgebirge gar gemein, und hat man an den Orten, da
hernach Bergstädte erbaut worden, zuvor viel und starke Bergwitterung
gespüret. Dies ist geschehen im Jahre 1491, da um den Pöhlberg die
Bergwitterungsflammen lichterloh ausgelauscht und die Bergleute
veranlaßt, daß sie hernach die Erzgänge mit der Rute erforschten und
entblößten. Dergleichen hat sich auch um Scheibenberg begeben, da
vorzeiten rauher Wald und Morast gewesen, daß sich des Nachts viel
Witterungen von ferne sehen lassen, so daß die Nachbarn vermuteten, es
müsse daselbst reiches Erz liegen. Daher hat auch Caspar Klinger von
Elterlein im Jahre 1515 zuerst daselbst eingeschlagen und die erste
Fundgrube gemutet.
401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1154.)
Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirg
ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene
Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären, desgleichen hat man
gehöret, als wenn Musketen losgingen und zur Begrüßung geschossen
würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken
beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen
Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.
402. Ein Sturm als Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 391.)
Ein Anzeichen war es, als am 15. Febr. 1625 des Nachts das mit Riegeln,
Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von
einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet
wurde, denn es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des mittleren
Riegels samt dem starken Thornagel und eiserner Feder geborsten und das
Vorlegschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken eisernen
Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem
Schloßplatze verschlossen gelegen. Und dieser ungemeine Sturm hat den
damaligen böhmischen Bauernkrieg nach sich gezogen.
403. Ungestümes Wetter im Gebirge zeigt Krieg an.
(Lehmann, a. a. O., S. 420.)
Man hat beobachtet, wenn Schlachten zur See oder Land vorgegangen,
daß solche mit einer ungemeinen Witterungsungünstigkeit im Gebirge
gleichsam angedeutet worden sind.
404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.
(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 207.)
Sonst hat man an dem Schwarz- und anderem Wasser gemerkt, daß sie bei
bevorstehendem Unglück, Feuer- oder Wasserschaden, greulich geheulet.
Im Jahr 1630, den Tag zuvor, ehe die Stadt Annaberg abgebrannt, hat
der Elterleiner große Teich am Geyerschen Wege entsetzlich geheulet,
so daß des Zainschmieds Junge, der mehr Wasser aufschlagen sollte,
vor Schrecken davon gelaufen. Im Jahre 1645 den 10. Juni, am zweiten
Pfingstfeiertage, heulte frühe in Elterlein ein Teich jämmerlich, so
daß eine Jungfrau, welche über den Teichdamm ging, aus Furcht eilends
fortlief. Darauf ist ein Schulknabe, des alten Richters Matthes Rüdels
Sohn, im Teiche ertrunken.
405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28. Lehmann, Hist. Schauplatz. S.
402.)
Ein Köhler war kurz vor Erbauung von Johanngeorgenstadt auf dem
gegenüberliegenden böhmischen Berge eingeschlummert. Hierauf aber hat
er ein so starkes Geläute auf dem Fastenberge, worauf jetzt die Stadt
steht, vernommen, wie sonst nur in einer Stadt gebräuchlich ist.
Darüber ist er nicht nur aufgewacht, sondern er hat sich auch wachend
nicht zu fassen gewußt.
Der letzte evangelische Lehrer zu Platten, mit Namen Johann Jahn, hat
einstmals einen Traum gehabt, als wären vom Joachimsthaler Wege Wagen
gerasselt gekommen, deren Deichseln alle auf den Markt zugegangen;
hernach wäre ein großes Wasser und rauschende Flut gekommen und hätte
alles in den Grund hinabgeschwemmt.
Am Fest Mariä Heimsuchung, als am 2. Juli des Jahres 1648, sahe man
zu Breitenbrunn frühe unter der Predigt gegen den Fastenberg zu, auf
welchem sieben Jahre später die Stadt gegründet wurde, in der Wolke
eine Stadt aufgehen, und vor der Stadt einen Gottesacker liegen, darauf
zwei Totenbahren standen, und in der Mitte ein grüner Baum.
406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1064.)
In Neustädtel trug sichs bei angehender Reformation zu, daß eines
Morgens unterschiedliche Berg- und andere Leute zusammen kamen und
auch von der Reformation redeten. Wie sie nun teils ungereimte Sachen
vorbrachten und unter anderem auch auf die Lehre vom Abendmahl fielen,
geschahe es, daß der eine Teil das Abendmahl in beiderlei, der andere
aber in einer Gestalt verteidigte. Indem nun ein Bergschmied, welcher
an dem Fenster saß, dergestalt für eine Gestalt stritt und dabei sagte,
daß, wenn dieses der rechte Glaube sei, daß ein Laie das Sakrament in
beiderlei Gestalt empfangen sollte, er in seiner Hand vor dem Fenster
einen Vogel fangen wollte: siehe, so trug es sich, indem er im Reden
mit der Hand zum Fenster hinausgriff, in einem Nu zu, daß sich zwei
Sperlinge mit einander bissen und vor das Fenster fielen, solche aber
von ihm beide ergriffen und in die Stube gebracht wurden, weswegen sich
darauf alle Anwesende, als vor einem Zeichen, entsetzten.
407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 922.)
Als im Jahre 1478 in dem Mühlberge zu Schneeberg reiche Erze
angetroffen wurden, da fuhr Römer, vermutlich jener Sebastian, welcher
vorher Romner geheißen, mit seinem Haufen zu und wollten alles allein
haben. Sie nannten die Zeche Münzer- oder Römerzeche und es galt ein
Kux darauf 1200 bis 1400 Gulden. Da aber die unrechten Besitzer,
darunter außer Römer noch Fürsten, Grafen und Herren waren, den armen
Bergmann mit seiner Gewerkschaft auf der Sattlerzeche, in welcher
Lehn das Erz gebrochen war, ausmaßen und auf die Halde setzten, auch
sogar der Lehenträger Römer falsch beschworen hatte, daß der Gang ihm
gehöre, so war solches ein Greuel vor Gott. Alsbald verschwand das
Erz dieser Zeche und verwandelte sich im Anbruch in Kohlen. Es soll
auch zu derselben Zeit, da Römer draußen auf der Haspelstätte nach den
alten Bergrechten den Schwur leistete, im Berggerichte zu Zwickau,
wo Römer und sein Haufe mit den armen Gewerken um das Erz gestritten
hatte, das Gewölbe aufgerissen sein, und das Glöcklein, womit man die
Diener herein zu rufen pflegte, von selbst geklungen haben. Von dieser
Begebenheit rühren die Worte Herzogs Georg her: »Der Gleeßberg ist ein
tauber Berg, der Mühlberg ein verschworener Berg, sehet mir auf den
Schickenberg.«
408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 918.)
Als Paul Gramman, insgemein der Hosenschneider genannt, im Anfang des
Schneebergs eine Zeche am Wolfsberge, die der grüne Schild geheißen,
fast allein zu eigen gehabt und einen Stollen hineingetrieben, hat
er ein köstliches Erz angetroffen, da er aber einstmals hinter dem
Steiger gestanden und zugesehen, wie derselbe das schönste Glaserz
losgebrochen, ist einer seiner guten Freunde vor den Ort gekommen
und hat ihm nach bergmännischem Gebrauch ein Glückauf gewünscht. Der
Hosenschneider aber hat freventlich und übermütig darauf geantwortet:
»Was bedürfen wir dieses Glückwünschens? Siehe, wir haben ja das Glück
in Händen und vor Augen!« Darauf aber soll sich alsbald das Erz im
Anbruch dermaßen abgeschnitten haben, daß man nicht gewußt, wie es
verschwunden ist. Es ist auch ferner sowohl an diesem Orte, als auch am
ganzen Wolfsberge wenig mehr ausgerichtet worden.
409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.
(Richter, Chronica von Chemnitz, I. 1767, S. 72.)
In einem Gange des ehemaligen Benedictiner-Klosters zu Chemnitz befand
sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder schiefen
Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin
verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund
an aber hatte derselbe ein offenstehendes Maul und ist stumm geworden.
410. Der heillose Bäcker in Freiberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Pros. Anhang, No. 9.)
Im Jahre 1471 wohnte in Freiberg auf der Burggasse, dem Oberkloster
gegenüber, ein Bäcker, namens Werner Kühn, ein gottloser Mann, der
an Fluchen und Lästern sein Vergnügen fand. Derselbe brachte seine
Mitbürger in großes Unglück.
Als er eines Morgens (am 24. Juli) seinen Backofen heizte, wollte das
feuchte Holz nicht sogleich brennen, so daß der gottlose Mann wütend
darüber wurde und rief: »Ha, du verfluchtes Feuer, so brenne doch in
aller Teufels Namen!« Das war ein heilloser Fluch und Gott ließ ihn
in Erfüllung gehen. Das Feuer schlug alsbald zum Ofen heraus und in
wenig Augenblicken stand das ganze Haus in Flammen. Nach drei Stunden
lag Freiberg in Trümmer und Asche. Nur die alte Frauenkirche, die
meißnische Gasse und die halbe Sächsstadt blieben stehen.
411. Die Görkauer Maskenhochzeit.
(Nach Franz Herbabny in den Mitteilungen des Nordböhm.
Excursions-Klubs, 1885, S. 117.)
Am Faschingsdienstage 1588 ging es in der Stadt Görkau überaus
fröhlich zu, und die Schuljugend machte mit Schreien und Peitschen
einen Spektakel, daß die Häuser in den Gassen wackelten. Der
Hochzeitsplampatsch ritt auf einem Grauschimmel und trank wacker
aus den Gläsern, womit man ihm schenkte. Auf dem Kopfe trug er
eine Narrenkappe mit einer klingenden Schelle und überdies zwei
Narrengesichter, von denen das vordere lachte, das hintere weinte.
Bald kamen auch die beiden Herolde hoch zu Roß, bliesen auf ihren
Trompeten, und der vielerwartete Hochzeits-Schlittenzug setzte sich in
Bewegung. Es war nämlich eine Faschingshochzeit. Den Vorreitern und
den Stadtpfeifern folgten die Brautleute mit dem Bilde der heiligen
Jungfrau, darauf der Brautführer und die Kränzeljungfern, neben
ihnen der heilige Nikolaus mit zwei Teufeln an der Kette, und auch
die Salzmäste warf nach allen Seiten Pfeffernüßchen aus. So folgte
Schlitten auf Schlitten, vierzig an der Zahl. Und nun ging es in tollem
Jagen, die Kreuz und die Quere, durch die Stadt, bis der Zug neben der
Kirche ein wenig stockte. Da blies der Hanswurst-Plampatsch auf seiner
Trompete und rief in trunkenem Frevelmute durch das offene Thor zum
Kirchhof hinein: »Auf, auf! Ihr Faulpelze! Heraus aus Euren Nestern!
Heut ist Fasching! In der Stadt giebt es noch Besen genug, die nehmet
zwischen die Beine und reitet mit! Hollah! Vorwärts!« Gelächter der
Umstehenden folgte, und der Trunkenbold stürzte vom Pferde, aber der
Zug fuhr weiter, immer bis nach Komotau, obwohl ein Sturmwind unterwegs
das Brautpaar und die Salzmäste und viele andere in den Schnee geworfen
hatte. In Komotau trank man Glühwein, und die Heiterkeit wuchs, wenn
dies noch möglich war.
Allein als man zum Thore hinausfuhr, da hatte sich zu den drei
Vorreitern noch ein vierter gesellt, einer aus Komotau, wie man
wähnte. Doch seine Tracht war seltsam. Kohlschwarz vom Kopfe bis
zu den Sporen, schwenkte er ein schwarzes Banner mit dem Bilde des
Sensenmannes. Vielen aber war es recht unheimlich, wenn er rechts und
links die Schlittenreihe auf- und absprengte und gewissermaßen die
Hochzeitsgäste zählte. Als es aber finster wurde, da sprühten sogar
aus seiner Fahnenstange Funken und Flammen und die dampften und rochen
wie Leichenfackeln. So ging es fort bis man wieder in Görkau vor den
Kirchhof kam; da öffnete der Schwarze sein Visir, schlug den Plampatsch
auf die Schulter und rief: »Nun kommt mit mir; wir zwei voran, die
andern kommen nach!« »Jesus, Marie!« schrie der Plampatsch, als er den
fleischlosen Totenschädel erblickte. Jener aber rief mit weithallender
Stimme: »Heute war ich Euer Gast; zur künftigen Fasching seid Ihr alle
meine Gäste!« Sprachs und verschwand in Nacht und Gekrach. Die Fackel
war verloschen. --
Auf dem Tanzboden fand sich allmählich die helle Faschingslust wieder
ein. Als man aber am folgenden Tage nach altem Herkommen den Fasching
begraben wollte, da erscholl das Zügenglöcklein, und man erfuhr, daß
der Plampatsch totkrank darniederliege. Drei Tage später lag er auf
dem Kirchhof bei den Toten, die er zur Maskenhochzeit eingeladen
hatte. Ihm folgte zuerst die Braut und eine Kränzeljungfer, dann ein
Vorreiter, der Brautführer und der Bräutigam. Selten verging ein Tag,
an dem die Totenglocke nicht erscholl, und ein Leichenzug folgte
dem anderen. So dauerte es mit geringen Pausen ein volles Jahr, und
nicht weniger als 450 Personen unterlagen der schrecklichen Seuche.
Am Faschingsonntage aber rief der Priester dem unglücklichen Volke
zu: »Ja, Ihr sollt ausziehen, aber nicht in Larven und Maskeraden,
sondern in Sack und Asche, in Buß- und Trauerkleidern!« und so geschah
es. Am Faschingsdienstage, da zog jung und alt, Mann und Weib, hoch
und niedrig, in Trauergewändern und mit schwarzen Schärpen durch
die Stadt zum Friedhofe hin. Und als man den heiligen Boden betrat,
unter dem die Lieben ruhten, welche im letzten Jahre gestorben waren,
da erscholl laute Klage und Wehegeschrei. In der Kirche aber las der
Pfarrer ein Totenamt und vom Chor erklang das »~Dies irae!~« wie an
einem Allerseelentage; doch von Stund an erkrankte niemand mehr, und
wer schon krank war, fand meistens Genesung. Acht Wochen später war
die Seuche beendet, und der Pfarrer konnte am weißen Sonntage die
Pestilenzpredigt halten. Die Erinnerung an jene schreckliche Zeit
aber -- so sagt der Chronist -- lag den Görkauern noch lange in den
Gebeinen, und sie haben durch manches Jahr keine Hochzeitsmaskerade
mehr am Faschingsdienstage gehalten.
412. Meineid wird bestraft.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 367.)
Im Jahre 1627 zankte sich Matthes Becker, Bauer zu Pappendorf, mit
seinem Grenznachbar, Christoph Dehner, um ein geringes Wiesenflecklein,
und als sie nicht konnten verglichen werden, nahm er es auf sein
Gewissen. Darauf hat es ihm der, dem Unrecht geschah, in Gegenwart
des Amtsschössers von Nossen, Matthäus Horn, und hiesiger Gerichten,
mit diesem Glückwunsch cediert und überreicht: »So nimm's hin und laß
Dir's auf der Seele verbrennen!« Von selbiger Zeit an ist gedachter
Becker von Tage zu Tage schwermütiger geworden, endlich am 28. August
nachfolgenden Jahres um Mitternacht aus dem Bette weggelaufen und hat
sich ersäuft, wessen man ihn frühmorgens unter dem blauen Steine im
Striegnitzbache tot angetroffen, nur ein Schlafmützlein und Hemd an
sich habend.
413. Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau.
(T. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II. S. 437. Misander, ~Deliciae Hist.~, S.
277. Gräße, Sagenschatz etc. No. 608.)