Im Dorfe Fürstenwalde lebte in früherer Zeit ein Häusler, namens Bär,

bei welchem seit vielen Jahren ein schlichter Fremder, angeblich

ein Italiener, alljährlich einkehrte, sich mehrere Wochen daselbst

aufhielt, und die dasige Gegend bloß deshalb besuchte, um in dem

Flußbette der Müglitz Goldkörner und edle Steine zu suchen. Erstere

soll er in der Gegend vom Kratzhammer abwärts bis an das sogenannte

Löwenbrückchen, letztere hingegen außer in der Müglitz auch im

Schlotteritzer Grunde gefunden haben. Seine Bemühungen wurden jedesmal

mit dem besten Erfolge gekrönt, und er lohnte daher seinem Wirte Kost

und Herberge zur völligen Zufriedenheit. Nach mehr als zwanzigmaligem

Wiederkehren eröffnete der Fremde endlich seinem Wirte, daß er nun

nicht mehr nach Sachsen kommen, sondern seine Reisen einstellen werde,

und bat ihn zugleich, ihn einmal in seiner Heimat zu besuchen, wozu er,

der Fremde, die nötigen Anstalten schon treffen wolle. Bär sagte zu.

Nach länger als Jahresfrist erhält nun Bär von seinem frühern Gaste die

Nachricht, daß er kommen solle, daß er nur bis Teplitz zu gehen und

dort auf der Post sich zu melden brauche, indem das Übrige wegen seines

Fortkommens und seiner Beköstigung schon besorgt sei. Halbgezwungen

macht sich also Bär auf den Weg, findet alles so, wie die Nachricht

es ihm gemeldet, und langt wohlbehalten in der ihm beschriebenen

Stadt an. Hier geht nun Bär, die Adresse seines Freundes, welche den

Namen der Gasse und die Nummer des Hauses enthielt, in der Hand, im

schlichten ländlichen Anzuge die Gassen mehrmals auf und ab, ohne

das Ziel seiner Reise gefunden zu haben, da er der dortigen Sprache

nicht kundig ist und mithin auch sich niemandem mitteilen kann. Nach

langem Suchen findet er endlich das mit der ihm angegebenen Nummer

bezeichnete Haus, jedoch weit größer und prächtiger, als er sich das

Haus seines Freundes gedacht. Er tritt aber demohngeachtet in dasselbe

ein, um sich nach dem Namen des Besitzers zu erkundigen, wird aber von

einem prachtvoll gekleideten Bedienten, der ihn für einen gewöhnlichen

Bettler hält und dessen Sprache er nicht versteht, mit Gewalt wieder

zum Hause hinausgebracht. In dieser Bedrängnis ruft ihm eine Stimme aus

dem Hause zu: »Vater Bär, bist Du's?« und gleich darauf erscheint zu

Bärs großer Freude sein Freund, um ihn bei sich einzuführen. Bär, ganz

erstaunt über die große Pracht, welche ihn auf einmal umgiebt, verlebte

mehrere Tage in seliger Trunkenheit. Sein Freund bot alles auf, ihm den

Aufenthalt so viel wie möglich zu verschönern, und als Bär sich endlich

zur Rückreise anschickte, führte ihn sein Freund noch in ein Kabinet,

welches seine Schätze enthielt. Hier bat er ihn, unter mehreren dort

aufgestellten, aus dem reinsten Gold gegossenen Figuren sich als

Andenken eine mitzunehmen, da sie aus den Goldkörnern seien, welche

er in Bärs Heimat gesammelt habe. Bär wählte nach langem Zaudern ein

goldenes Lamm, und langte damit, sowie mit einer kleinen Summe Geldes,

welche ihm sein Freund noch aufgedrungen, glücklich in seiner Heimat

wieder an. Die Kunde von dem goldenen Lamme verbreitete sich bald in

der Umgegend und kam endlich auch vor den Besitzer von Lauenstein, der

am sächsischen Hofe eine Stelle bekleidete. Auf seine Veranlassung

brachte Bär sein goldenes Lamm diesem aufs Schloß Lauenstein, und der

Herr fand solches so kunst- und wertvoll, daß er den Vorschlag that,

dieses Lamm dem Kurfürsten zu zeigen. Auch dieser fand großen Gefallen

an dem goldenen Lamme und suchte Bären endlich dahin zu bestimmen,

daß er dasselbe gegen eine ihm zugesicherte lebenslängliche Rente dem

Fürsten überließ. Das goldne Lamm soll sich noch heute im Königlichen

Kunstkabinet zu Dresden befinden; aber auch Bärs Nachkommen leben heute

noch im Dorfe Fürstenwalde.

Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem

Venetianer, welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte,

nachdem er die Schlangenkönigin getötet und ihre Krone an sich

genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die Einladung erhielt, ihn

einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der Hirte einst

zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen

Venedigs und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde

gut aufgenommen und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6

Pferden von gediegenem Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte

und seine Familie lange aufbewahrt; später ist es in die Kunstkammer

zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher Sagenschatz, II. No. 50.)

Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus

Wilfersdorf einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt

hatte, in dessen Heimat Venedig besuchte und dort gut aufgenommen und

reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis des Fichtelgebirges,

S. 102.)

352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg.

(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 62.)

Unterhalb des Ortes Schmiedeberg, auf Pleiler Gemeindegebiet,

befindet sich ein großer Schlackenhaufen, welcher das alte Schloß

genannt wird. Zweifellos ist dies eine uralte Ansiedelungstätte des

Schwarzwasserthales, die aus einem großen Eisenschmelzfeuer mit

Hammerwerk bestanden haben mag. Mancherlei Sagen knüpfen sich an

diese öde Schlackenhalde. Unter andern soll hier auch ein Schatz,

ein kupferner Kessel mit Silber gefüllt, vergraben liegen. Oft schon

haben Geldgierige am Palmsonntage oder in den Tagen der Karwoche, doch

immer vergebens, darnach gesucht. Um den Schatz zu heben ist eine gute

Wünschelrute von nöten.

Einst fischten beim alten Schloß einige Knaben im Schwarzwasser. Einer

derselben, der sich von seinen Kameraden zufällig entfernt hatte,

findet auf einmal eine große, thorähnliche Öffnung im Berge, geht

dreist in die sich mehr und mehr erweiternde Höhle hinein und kann

sich vor Staunen kaum fassen, denn eine solche Pracht haben seine

hellen Augen noch nicht gesehen. Rings krystallene Wände, daran in

Regenbogenfarben glitzernde Edelsteine und funkelnde Erze und in der

Ferne ein wunderbar strahlendes Licht. Von diesem zauberhaft übergossen

aber standen im Hintergrunde große Krystallvasen, gefüllt mit eitel

gediegen Gold und Silber. Lange stand der Knabe, versunken in diesen

herrlichen Anblick. Da plötzlich erinnert er sich seiner Genossen;

auch sie sollen dies alles sehen, denkt er und eilt hinweg, sie zu

verständigen. Allein da die Knaben alle kamen, konnten sie trotz

des eifrigsten Suchens die Wunderhöhle nicht mehr finden. Der Berg

hatte sich geschlossen und zeigte wieder sein gewöhnliches Aussehen.

Alle Jahre aber, am Karfreitag Punkt 3 Uhr soll er, wie man erzählt,

eine Zeit lang geöffnet und samt all seinen Schätzen für jedermann

zugänglich sein.

353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.

(Joh. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden, 1866. S. 84.)

Vor etwa 60 Jahren ist noch an dem hintern Teile der Kirche zu Geyer

auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen, das einen

buntfarbigen Bauer von ½ Elle Höhe mit zwei Dreschflegeln darstellte.

Dieser Bauer war der Sage nach aus Geyersdorf, das vor Annabergs

Erbauung nach Geyer eingepfarrt gewesen sein soll, und derselbe ließ

den hintern Teil der Kirche auf seine Kosten bauen. Unter diesem

Fenster war ein Gemälde auf Leinwand mit einem Bauer in größerer Figur,

zu dessen Füßen ein Leichenstein. Nach der Sage soll jener Bauer auf

dem Rückwege von Geyer nach Geyersdorf, von der Nacht oder einem

Schneegestöber überrascht, seine Zuflucht auf einem Baume genommen und

dort geträumt haben, unter diesem Baume seien Erzgänge. Er suchte und

fand so reiche Erze, daß er durch den nun begonnenen Bau in kurzem zum

reichen Manne wurde und aus Dankbarkeit diesen Teil der Kirche bauen

ließ. Auf dem Gemälde war er abgebildet, wie er im Begriff stand, mit

einer lang gespitzten Keilhaue einzuschlagen.

354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.

(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt

Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28.)

Im Jahre 1713 soll in der Nähe von Johanngeorgenstadt bei einem

Vogelherde, an welcher Stelle man hierauf das Bergwerk »Glockenklang

und Vogelgesang« erschürfte, drei Tage nach einander von früh bis

gegen Mittag Geläute gehört worden sein, was von etlichen Personen

gewissenhaft an Eidesstatt ausgesagt wurde. Wie nun die Gründung der

Stadt Johanngeorgenstadt durch Glockengeläute angezeigt wurde, so

deutete man auch jenes Läuten als ein Anzeichen für die Erweiterung des

Bergbaus in dortiger Gegend.

355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärenstein.

(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.

Annaberg, 1746. S. 6.)

Anno 1471 hat Peter Rosenkranz, ein Mönch im Kloster Grünhain, dem

Herrn Abt von vielen und mancherlei Sachen gesagt, auch wie ein

Bergwerk am Bärenstein aufkommen würde; dasselbe würde einen langen

Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge ein ganzer Stock

Erz davor hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser zu, ein Gang eines

Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag und halb Abend, führte

solch großes Erz, daß er nicht auszusagen wüßte. Und wenn es die Zeit

geben würde, daß es sollte aufkommen und offenbar werden, so würde eine

Zeche an der andern stehen, bis über die Waschleite hinauf, und wer nur

einen Kux davon hätte, da würde er und seine Kinder und Kindeskinder

Nahrung davon haben. Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem

Pöhlberg und Bärenstein, das würde einen guten Bestand haben und viele

Ausbeute geben, und eine schöne Stadt dahin gebauet werden. Aber

dieses Bergwerk wäre nur eine Ader vom Bärenstein. Und es läge auch

auf den Raschauer Gütern viel Eisenstein, welcher auch bald gefunden,

und gar gut Eisen daraus gemacht worden. Aber die Zeit wäre noch

nicht vorhanden, daß der Bärenstein aufkommen sollte, denn es würde

durch einen Aufruhr das Kloster ganz zerstöret werden, und kein Mönch

darinnen sein, ja es würde so zerstöret werden, daß das Erdbeerkräutig

auf denen Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswachsen und gar

miteinander an die Fürsten von Sachsen kommen würde.

Dasselbe prophezeiten später mit denselben Worten drei fahrende

Schüler, die den Abt von Grünhain Johann Gottfried Küttner um Herberge

und Beförderung angesprochen. Auf ihre Rede hat der Abt eine Hirsch-

und Bärenjagd am Bärenstein angestellt und die drei fahrenden Schüler

mit hinüber geschickt. Als man sie an Ort und Stelle fragte, welche

Zeit und Jahr es sollte offenbar werden, sind sie ein wenig von dannen

und unter einen Ulmenbaum getreten, und haben miteinander geredet und

gesagt: Ungefähr 50 Jahre nach dem Bauerkrieg und Aufruhr würde das

Kloster so wüste werden, daß das Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen

würde, und werden die Bergstädte teils zu Grunde gehen, alsdann wird

der Bärenstein angehen und aufgenommen, allein man müßte mit dem

Stollen die Gänge überfahren.

356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von Joachimsthal.

(Nach Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrgang 2. und 3.

Heft.)

Die Gegend, wo jetzt Mariasorg liegt, war bis zum Anfange des 16.

Jahrhunderts eine mit Wald bedeckte Einöde. Hier wohnte damals in

einer einfachen Klause »um Sanct Albrecht unten am Wolfsberg, wo der

Schwarzgang hinabstreicht,« der fromme Einsiedler Johannes Niavis

(Schneevogel). Seine Andacht verrichtete er in einer kleinen Kapelle,

an deren Stelle sich heute die Mariasorger Kirche befindet. Dieser

Johannes Niavis hat samt der alten Gräfin Kaspar Schlick deutlich von

dem Thal, da jetzt die Stadt Joachimsthal liegt, geweissagt, daß allhie

ein großes Gut liege und eine mächtige Stadt hierher solle erbauet

werden. Es werde zwar das Bergwerk in sehr großen Abfall geraten, aber

doch hernach wieder florieren und in größere Aufnahmen kommen, als es

je gewesen.

Diese Prophezeiung gab Veranlassung, daß im Jahre 1515 Graf Stephan

Schlick, Graf Alexander von Leisnick, Wolf von Schönberg und Hans

Tommeshirn sich zu der ersten Gewerkschaft vereinigten, die alte

Fundgrube am Schottenberge wieder belegten und so »mit Gewalt das

Bergwerk aufbrachten.«

Die Kapelle des Einsiedlers Niavis war bei Einbürgerung der

lutherischen Lehre in Joachimsthal zerstört worden, und als man

1691, da das Bergwerk infolge des dreißigjährigen Krieges und der

Gegenreformation in Verfall gekommen war, an dem Platze, wo sie

gestanden hatte, ein Kirchlein erbauen, und den sogenannten schwarzen

Gang entblößen wollte, fand man endlich einen Stein mit einem

eingehauenen Kreuze. Die Stelle, wo er lag, sollte der gesuchte

Platz sein. Hier wurde nun die Mariasorger Kirche gebaut, über deren

Thüre man jenen noch heute daselbst zu sehenden Stein einmauerte.

Die Einweihung erfolgte 1699. Der Ort selbst erhielt nach einem

wunderthätigen Marienbilde, das in der Kirche aufgestellt wurde und

viel Wallfahrer anzog, den Namen Mariasorg. Später wurde an die Kirche

das Kloster mit einer besondern Ordenskirche angebaut und im Jahre 1765

vollendet. In der darauf bezüglichen, von der Kaiserin Maria Theresia

unter dem 16. November 1752 ausgestellten Urkunde heißt es unter

anderem, daß dies auch geschähe »aus dankmütiger Erkenntlichkeit für

den bisher von Gott verliehenen und ferners zu erbittenden Berg-Segen.«

So war die Prophezeiung des Einsiedlers Johannes Niavis nicht nur die

Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Joachimsthal, sondern auch zu

derjenigen der Kirche und des Klosters zu Mariasorg.

357. Anfang des Bergwerks St. Briccius am Pöhlberge.

(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.

Annaberg, 1746, S. 11--13.)

1. Es soll ein Bergmann des Nachts im Traum eine göttliche Erscheinung

gehabt haben; dem habe geträumt, es komme ein Engel zu ihm, der sagte,

er solle in den Wald zu einem gewissen Baume gehen, den ihm auch der

Engel im Traum bezeichnet, da würde er ein Nest mit goldenen Eiern

finden. Darauf sei der Bergmann, als es Tag geworden, aufgestanden und

habe den ihm im Traume gezeigten Baum gesucht und auch gefunden. Als er

nun vermittelst einer Fahrt auf solchen Baum gestiegen, so habe er das

Nest mit den güldenen Eiern zwar gesucht, aber nichts angetroffen. Da

er wieder herunter gestiegen, sei der im Traum ihm vorher erschienene

Engel alsbald zu ihm gekommen und habe ihm befohlen, er solle bei

diesem Baum einschlagen, so würde er das Nest mit denen güldenen Eiern

antreffen. Als der Bergmann diesem Befehle des Engels gefolgt und zu

schürfen angefangen, so habe er auch wirklich einen reichen Silbergang

entblößet, darauf alsdann der Bergbau allhier angegangen. Es ist diese

Geschichte in der Hauptkirche zu St. Annaberg an dem hintern Teile des

kleinen Altars, welchen die Knappschaft 1521 erbauen ließ, abgebildet.

Auch lieget in der alten Sakristei der Hauptkirche ein großer runder

Stein, auf welchem dieselbe Geschichte ausgehauen steht.

2. ~Dr.~ Barth, welcher 1584 als Professor in Leipzig starb, erzählt

dagegen: Einem Bergmanne, mit Namen Daniel, habe geträumt, er

sollte in den finstern Wald gehen, da würde das Feuer vom Himmel

fallen, dem sollte er alsbald nachgehen und an dem Orte suchen, so

würde er daselbst in der Erde einen großen Schatz finden, davon er

sich unterhalten und in seiner Armut leben könnte. Sobald es nun

Tag geworden, wäre der Bergmann aufgestanden, hätte Gott im Gebete

angerufen, daß er ihm gnädig sein und den Traum erfüllen wolle. Hernach

wäre er in den Wald gegangen, hätte den ganzen Wald durchsucht, bald

auf die Erde, bald gen Himmel gesehen und nicht ohne große Hoffnung zu

Gott gebetet, um das ihm im Traume versprochene Feuer sehen zu lassen.

Wider Vermuten wäre hernach ein Gewitter am Himmel aufgestiegen, daß

es mit einem starken Donner in den Wald geschlagen. Da wäre dann

der Bergmann geschwind gegangen und hätte alles durchsuchet, um zu

sehen, wo es hingeschlagen. Da er den Ort gefunden, habe er alsbald

die Wünschelrute genommen und sie feste in die Höhe gehalten, die Rute

hätte sich aber in der Hand so sehr gewendet, daß er solche fast nicht

erhalten können, und also gezeiget, daß der Schatz des Silbers hier

an diesem Orte in der Erde verborgen liege. Hierauf habe der Bergmann

nachgegraben und auch wirklich einen reichen Gang entdeckt. Dieser

glückliche Finder wäre hernach zu den Bauersleuten gegangen, hätte

ihnen sein Glück angezeigt, viele von denselben zu Gehülfen in seiner

Arbeit genommen und dieselben seines Schatzes teilhaftig gemacht,

worauf sie dann viele Erze gewonnen und schmelzen lassen. Da sich nun

der Ruf davon allenthalben ausgebreitet, so wären von allen Orten

und Enden viele Fremde hierher gekommen, das neu von Gott bescherte

Glück zu sehen; viele hätten auch hernach unten gegen Abend, wo der

Berg abfällt, noch viele andere reiche Gänge durch die Rutengänger

entdecket, und auf solche Art wäre also zuerst durch die Gnade des

großen Gottes das Bergwerk daselbst entdecket worden.

358. Die Entstehung Annabergs.

(I. Mündlich. II. Ziehnert a. a. O. Anhang No. 21.)

I. Zur Zeit Friedrich des Weisen lebte im obern Erzgebirge nicht weit

vom Schreckenberge ein alter, schlichter Bergmann mit Namen Daniel

Knapp. Nach alter frommer Sitte beugte er jeden Abend seine Knie vor

dem Muttergottesbilde. Als er dies eines Abends wieder gethan hatte,

legte er sich nieder. Da erschien ihm im Traume die heilige Mutter

Anna und befahl ihm, an der Stelle, welche sie ihm im Traume zeigte,

einzuschlagen. Verwundert über den seltsamen Traum, machte sich der

Bergmann auf und wanderte nach Wittenberg, wo damals der Kurfürst

weilte. Zagend trat Daniel Knapp vor denselben hin und bat ihn, daß

er ihm seinen Traum erzählen dürfe. Der Kurfürst hörte verwundert

dem Bergmanne zu, und als er geendet hatte, folgte er ihm mit seinem

Kanzler und begleitet von Rittern und anderen Herren. Am Fuße des

Schreckenberges, an der Stelle, welche ihm im Traume geoffenbart

worden war, schlug darauf der Bergmann kräftig ein und bald strahlte

dem Kurfürsten und seinen Begleitern heller Silberglanz entgegen.

Darauf ließ der Kurfürst zur Erinnerung an den wunderbaren Fund die

sogenannten Engelsgroschen prägen und wenig Jahre später entwickelte

sich aus den Ansiedelungen, welche in der Nähe des silberreichen

Schreckenberges gegründet wurden, die Stadt Annaberg. Von dem

Bergmanne Knapp aber sollen seit jener Zeit alle Bergleute den Namen

»Knappen« führen.

II. Als noch dicke Waldung den Pöhlberg und seine Nachbarn deckte,

lebte im Dorfe Frohnau ein Bergmann, Daniel Knappe, fromm und brav,

aber blutarm. Große Teuerung und Hungersnot war im Lande, und Knappe

hatte sieben Kinder und ein krankes Weib in seiner Hütte. Er wußte

seiner Not kein Ende und war nahe daran, zu verzweifeln an der

göttlichen Hülfe. Da erschien ihm einst im Traum ein Engel Gottes und

sprach zu ihm: »Gehe morgen in den Wald am Fuße des Schreckenberges.

Dort ragt eine Tanne hoch über alle Bäume des Waldes hervor. In ihren

Zweigen wirst du ein Nest mit goldenen Eiern finden; dies ist dein,

brauche es wohl!« Als Knappe am Morgen erwachte, erinnerte er sich

des Traumes und ging hinaus in den Wald, das Nest mit den goldenen

Eiern auszunehmen. Bald hatte er die Tanne in der Nähe der Wolfshöhle

gefunden und kletterte rasch in ihren Ästen bis in den höchsten Wipfel

hinauf, fand aber nichts. Traurig, daß ihn der Traum getäuscht habe,

stieg er wieder herab und setzte sich auf die Wurzeln des Baumes

nieder, um auszuruhen. Er sann hin und her, und dabei fiel ihm ein, daß

unter den Zweigen wohl auch die Wurzeln der Tanne zu verstehen sein

könnten. Die Vermutung ward bald zum festen Glauben, und eilig lief er

und holte aus seiner Hütte das Gezäh zum Schürfen. Eifrig begann er den

Schurf, und kaum hatte er die Dammerde durchbrochen, als mächtige, nach

allen Seiten streichende Silbergänge ihm entgegen blickten. Er sank auf

seine Kniee und dankte Gott.

Bald war die Kunde von dem neuentdeckten Bergreichtum in alle Lande

verbreitet, und Tausende zogen herzu, um sich in der bisher so wilden

Gegend anzusiedeln. Dies veranlaßte den Herzog Georg den Bärtigen, eine

neue Bergstadt zu gründen. Am 21. Sept. 1496 wurde der Grundstein zu

dem ersten Hause gelegt, und die neue Stadt Neustadt am Schreckenberge,

später aber Annaberg genannt. -- Zum Andenken an Daniel Knappe aber

heißen noch heute die Bergleute im allgemeinen die Knappen und ihre

Gemeinschaft die Knappschaft.

359. Die Kapelle zu Frohnau.

(~Jenisii Hist. Annaberg.~ II., S. 2. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K.

Sachsen. No. 514.)

Im Jahre 1502 ist ein gewisser angesehener und würdiger Mann namens

Lorenz Pflock gen Annaberg gekommen; als ihm nun seine Gemahlin in

kurzer Frist auf einem Wagen folgte, kam es ihr, als sie etwas über

das Dorf Frohnau hinaus war, vor, als wenn die Erde in dieser Gegend

erschüttert werde. Nicht lange darauf legte ihr Mann an diesem Orte ein

Bergwerk an, das überreiche Ausbeute gab, und ließ, weil er überzeugt

war, daß durch jenes Gesicht das Vorhandensein einer reichen Silberader

angedeutet worden sei, mitten im Dorfe Frohnau einen kostbaren Altar

nebst Kirche erbauen.

360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 5.)

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in der Schweiz ein

verarmter Kaufmann, der einmal den höchst sonderbaren Traum hatte,

er werde auf der steinernen Karlsbrücke zu Prag sein Glück finden.

Ohne sich lange zu besinnen, bestieg er sein Rößlein und ritt nach

der Hauptstadt Böhmens, dem hunderttürmigen Prag. Daselbst angelangt,

ging er in froher Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, auf

der Moldaubrücke auf und ab. Durch sein seltsames Benehmen zog der

Schweizer bald die Aufmerksamkeit des auf der Brücke aufgestellten

Wachsoldaten auf sich, welcher ihn endlich fragte, was er hier suche.

»Mir hat geträumt«, erwiderte der Angesprochene, »daß ich auf dieser

Brücke mein Glück finden werde. Nun gehe ich aber hier schon mehrere

Stunden hin und her, ohne nur eine Spur des erhofften Glückes zu

finden.« »Sonderbar«, sagte der Wachposten, »mir träumte auch einmal

von meinem künftigen Glücke, das ich in den westlichen Bergen erst

suchen gehen soll, aber ich lege den Träumen keine Bedeutung bei, denn

Träume sind Schäume!« Kaum hatte dies der Schweizer vernommen, so

eilte er in seine Herberge zurück, ließ sein Pferd satteln und ritt,

seinem Sterne folgend, immer dem Westen zu, um zu dem geistreichen,

durch seine Prophezeiungen bekannten Johannes Niavis (Schneevogel),

dem Einsiedler am Wolfsberge, wo heute das Dorf Mariasorg liegt, zu

gelangen und dann seine Reise nach »Conradisgrün« (Konradsgrün), der

ersten Ansiedelung von Joachimsthal, fortzusetzen. Nach mehrtägigem

Ritt kam er in die Gegend von Lichtenstadt. Wie er immer weiter

trabte, blieb des Rosses Huf an etwas hängen, und das Hufeisen wurde

abgesprengt. Er stieg ab, um nach der Ursache dieses Unfalles zu sehen.

Da bemerkte er, daß ein Zapfen von Silbererz das Hufeisen abgerissen

und freute sich, sein zwischen den Schweizerbergen geträumtes Glück

gefunden zu haben. Der Schweizer kehrte, nachdem sein Pferd in der

nächsten Schmiedewerkstatt wieder beschlagen worden war, in die

Heimat zurück, traf aber bald in Konradsgrün mit einem Zuge Schweizer

Bergleute ein. Diese durchforschten die Gegend und gruben untertags mit

bestem Erfolge nach Silbererzen. So wurde der Kaufmann aus der Schweiz,

der in der That auf der Prager Moldaubrücke sein Glück gefunden hatte,

ein grundreicher Mann, und noch heute führt ein langer Haldenzug, der

damals eine sehr ergiebige Ausbeute gab, den Namen »der Schweizerzug«.

Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen

der Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem

auf der Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen

Baume ein großer Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch

bestätigte.

361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7.)

Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal ein

gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst Haus und

Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber gab und sein

Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb das blinkende

Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf lauter taubes

Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann war, stellte jedoch

seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern ließ rühriger

denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er in Bälde in

eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war aber Schrank und

Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, und noch immer leuchtete ihm

kein Hoffnungsschein in der Grube. Seine Lage gestaltete sich vielmehr

von Tag zu Tag trauriger, denn er wurde von seiner Freunde Schwarm nun

gemieden, und einen Bergknappen nach dem andern mußte er aus seinem

Dienste entlassen. Zuletzt war er auf seine Kräfte allein angewiesen;

doch ließ er auch jetzt voll Zuversicht, daß Gott ihm helfen werde, den

Mut nicht sinken und baute unverdrossen und emsig im harten Gestein

fort, -- leider ohne allen Erfolg. Dadurch geriet seine Familie, die

ehemals in guten Verhältnissen gelebt hatte, in die bitterste Not.

Um die Seinigen zu ernähren, sah sich der arme Basler, dem niemand

mehr Geld vorstrecken mochte, sogar genötiget, nicht bloß Hausgeräte,

sondern auch halbwegs entbehrliche Kleidungsstücke zu verkaufen.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 32 / 62 段