Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und Gold in
Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach Hause
trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen erwarben.
Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie größtenteils
aus Venedig her kamen; sie stammten aber auch aus Florenz, Veltlin,
Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mecheln in den Niederlanden.
So haben zu Gablenz im Schönburgischen an einem Orte im Oberdorfe
Venediger alle Jahre Goldkörner »ausgeküttet«, und nach Auffindung der
Bergwerke zu Annaberg sind die Wahlen auch dahin gekommen und haben
das reichhaltige Erz geschmolzen und auf eine bessere Art gut gemacht,
als die dasigen Bergleute konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A.
folgende mit Namen. ~Dr.~ Markus und ~M.~ Hieronymus von Venedig und
Piger, Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic.
Schlascau, Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und
Barthel ~Fratres~ und Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400 bis
1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden sind.
Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft gewesen
zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als Gründer des
Bergbaus im Vogtlande bezeichnet.
Die Orte, an denen die Wahlen Gold oder Edelsteine gefunden, haben
sie fleißig angemerkt und in Büchlein, sogenannte Wahlenbüchlein,
eingetragen, wobei sie sich merkwürdigerweise der deutschen und nicht
ihrer Landessprache bedienten. Zur Orientierung schnitten sie in
Bäume oder meißelten sie in Felsen bestimmte Merkzeichen ein. Sie
bedienten sich auch vieler abergläubischer Mittel; so z. B. haben sie
zum Schmelzen, Rösten und zur Verwandlung der Metalle einzelne Kräuter
gebraucht, wie das Mondkraut (~Lunaria~), bei Aufgang der Sonne im
vollen Mond gepflückt, ferner Goldwurzel oder Martigen, Mondraute
und Eisenkraut, auch Taubenkraut genannt. Sie sollen aber auch die
Erze verthan oder verzaubert haben, damit sie niemand als sie finden
könne. Sie sollen deshalb ein Stück Holz von einem Sarge genommen
und an solche Orte, wo Körner, Erz oder sonst Metalle sind, oder in
einen Baum in der Nähe eingeschlagen haben, und niemand habe sie dann
ausfindig machen können, es sei denn, das Holz wäre verfault oder
herausgefallen. Auch sollen sie Totenköpfe in die Brunnen und Erzgruben
geworfen haben, die erst entfernt werden mußten, wenn man etwas finden
wollte; ja zuweilen sollen sie einen bösen Geist dahin gebannt haben.
Gleichwohl gab es auch wieder Mittel, um diesen Zauber aufzuheben;
so wurde folgendes angegeben: »Kreuch dreymal rücklings vorne um das
(verzauberte) Loch, wenn es nicht aufgethan, so ist's auf jener Seite
verthan worden und so hast du es auf dieser Seite noch einmal verthan.
So gehe und kreuch auf jener Seite sechsmal rücklings herum, so thust
du jenes und deines auf, dann wirst du es recht finden, also kannst du
auch alle anderen Sachen, die verthan sind, wieder aufmachen, sie mögen
verzaubert sein, wie sie wollen.«
Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und deshalb
hat der Aberglaube sie zu Zauberern und Teufelsbannern gestempelt.
Einige Proben aus obengenannten Wahlenbüchern, soweit sie sich auf das
Erzgebirge beziehen, mögen hier Platz finden.
»Im Tharandischen Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich an Gold
und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von Höckendorf
geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber, daß vor
viel tausend Thaler daraus genommen worden. Nicht weit davon liegt
der graue Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem Wasser nach
dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein reiches Bergwerk,
darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, auch bereits das
Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze Keulhaue und unter
dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze gehauen. Weiter hinauf
in dem Walde wird man mehr Zeichen an Bäumen finden, und mitten durch
die Bäume streichet ein sehr mächtiger Kupfergang einer Ellen breit,
und liegt der ganze Mann da, nach dem Wasser der halbe Theil, der Arm
nach Freiberg, und das ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie
die Zeichen vermelden.
Zu Höckendorf, wo das Silber-Bergwerk ist, welches aber durch Gottes
Strafe wegen Übermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer 1660 gediegen
Silber ausgeackert.«
»Bei Dippolswald ist ein Dorff, das heist Rotenbach, davon eine Meile
bricht guter gelber Kieß, der ist sehr gut.«
»Henichen (Hainichen) ein Städtlein 2 Meilen von Freyberg, darbey liegt
ein Dorff, heist Machern, alldar ist ein Waschwerck von guten Körnern
und Gold; liegt nicht weit von Ottendorff an der Waldeck, da man durch
den Wald gehet.«
»Bey der Zella in dem Wald bey Sibeln (Siebenlehn) und Nossen an der
Mulda gelegen, da liegt gut Ertz und ein guter blauer Schiefer.«
»Bey Frauenstein ist ein Fluß gelegen, 2 Meilen etwa von Soda (Sayda?),
bey einem Gerichte, da findest du zween Wege, einen zur rechten, den
andern zur linken Hand, da gehe den Rasenweg fort, derselbe führt
dich an einen Steig, dem folge nach, so kömmst du an ein Wasser,
die Grimnitz (Gimlitz?) genandt, gehe daran wohl hinauff und zwart
zur rechten Seite desselben, so kömmst du an einen alten Graben, da
vorzeiten eine Mühle gestanden, folge demselben abermahls nach, so
kommest du an einen Fluß, darinnen Forellen sind, der führet Körner,
die sind wie natürlich Gold, und hab ich Hieronymus Weigard Hauß
und Hoff davon erbauet. ~NB.~ Wenn die Körner naß sind, sehen sie
schwärtzlich aus. Gehe von dar weiter die Grimnitz hinabwerts, biß du
zu einem Steige kommest, gehe aber nicht darüber, sondern den Weg,
der da das Holtz herab gehet, so kömmest du wieder an einen Fluß, dem
folge nach, so kommest du an ein Brüchig, wasche dar, so findest du
schwartze Körner, die ich nicht genugsam verloben kan, ihres Nutzens
wegen. Darnach gehe über die Grimnitz zurücke auff eine halbe Meile
Wegs, da wirst du an einen großen Berg kommen, nahe bei einem Dorff,
Liechtenberg genannt, da findest du gegen das Dorff am Berge weiße
Letten, so sehr gut abzutreiben ist.«
»Bey Marienberg zwischen dem Olbernhause und Katternberg (Olbernhau
und Katharinenberg) bricht ein spißiger Marcasith in einem schwartzen
Schiefer.«
»Bey Zwickau liegt ein Dorff, heist Rotenbach, daselbst soll ein Bach
seyn, welcher Gold und Silber-Granatenstein führet.
Item bey einem andern Dorff, so eine Meile von Zwickau lieget, Nahmens
Hartmanns Grüen, findet man auch Körner, die sich fletschen lassen.
Item zur Neumarck anderthalb Meilweges von Zwickau ist ein gut
Gold-Seiffen, und bricht auch Silber und Antimonium daherum.«
»Wenn du kommest gegen Dürresbach oder Auerbach, frage nach dem
Fluß-Maul- oder Fletschmaul, darnach Eibenstock, allda frage nach dem
Gold-Brunnen, darinnen sichere und suche, so findest du schwartze
Körner, deren 1 Pfund 14 biß 18 fl. gilt. Diese Gelegenheit ist eine
Meile vom Schneeberg, und kannst du in einem Tage 1 biß 2 Pfund
waschen.«
»Hinder Otten im Voigtlande auf der Kuttenheide gehe zu oder vor St.
Peters-Capell bei 2. Ackerlänge, gegen dem Großleinwerts, so kömmst du
zu einen hohen Felsen, darbey ist nahe ein alter Glaß-Ofen, und hat
vorzeiten eine Glaßhütte daselbst gestanden, da findest du ein weiß
Wasser gegen dem schwartzen Berge zu, darinn sind gute Goldwasch-Körner
enthalten, bißweilen als Erbsen oder Bohnen groß.
Willt du allda nicht waschen, so gehe wiederum hinab zum Hirschberge,
da kommest du zu einen abgeschnittenen Baum, von diesem Baum gehe
eine Ackerlänge, so kömmest du zu einer zwieselichten Gabel, daselbst
lege dich nieder auf die Erde, und höre wo Wasser rauschet unter der
Erden, räume das Mooß daselbst hinweg, so auff Holtz, gegen Mitternacht
zu gelegt ist, so wirst du einen Ertzgang antreffen, welcher das
herrlichste Gold führet.
Von dannen gehe weiter auff dem Rasen fort gegen Mittag vom Holtze an,
da wirst du zu einen Brunnen kommen, in selbigen ist noch das schönste
Gold enthalten. Von diesem Brünnlein gehe dem Wasser, das darauf
entstehet, nach, so kommst du an ein Steingewölb, da warte auff.
Item Bey der Capellen unter den Fenstern gegen Mittage wirst du eine
Hand in einen Baum geschnitten finden, die weiset dich nach der ziehnen
Gabel, da kömmst du zu einen Brünnlein, woraus die Zwoyt (Zwota)
entspringt; dem Fluß gehe nach zu der ziehnen Gabel, daselbst suche, so
wirst du viel Gold finden.
Item Wenn du zur Kuttenheide, bey St. Peters Capell, bist, so frage
nach St. Peters-Brunn, und gehe dem Flusse nach, biß er in einen andern
Bach fällt, daran gehe förter und siehe dich um, so findest du ein
Zeichen in einer Tanne und eines in einer Fichten, so nicht weit von
einander stehen, dazwischen suche, da wirst du einen Schacht finden,
der ist verdeckt; mache denselben auff, so findest du einen gelben
Gang, von guten Gold-Ertz, davon das Pfund 10 fl. gilt.
Item, Auff der Kuttenheide frage nach Weyher, ist eine Meile davon ein
Dorff, daselbst liegt eine Mühle, heist die Geigers-Mühle, am Bach,
ein Armbrust-Schuß weit davon zur linken Hand ist ein Felsen, darinn
bricht ein schöner Gold-Talck und sonst noch ein schwartz Ertz, das ist
Marcasith.«
»Von Großlitz (Graslitz) aus gehe über eine Wiese am Wasser hinauf und
siehe dich nach einer Buchen um, daran ein Kreutz gehauen ist, von
derselben gehe einer Ackerlänge am Berge hinauff, so wirst du eine sehr
große alte Fichten finden und nahe dabey einen alten Stollen, darinnen
ist ein Gold-Ertz-Gang, dessen Pfund ist vor 14 fl. verkaufft worden.
Item. Wenn man von Großlitz aus der Holen geht, so kommt man zu einen
Fohrenbach, der fleust Kreutz weiß über den Weg; daran gehe zur rechten
Hand hinauff so lange biß an die Quelle desselben Baches, darauf er
entstehet, die liegt auf einen hohen Berg, und wirft viel Sand aus, den
sichere, so wirst du schwartze Körner finden, die viel Gold halten,
davon das Pfund 15 fl. gilt.«
»Zu Schöneck frage nach der Helle und gehe von dar um St. Johannis Tag,
bey St. Peters Capelle, der aufgehenden Morgen-Sonne gerad entgegen,
biß zu Mittags 11 Uhr; so kommst du auf eine weite Heide, da eitel
Birken stehen, davon gehe zwei Steinwürffe gegen Mittag zu, so kömmst
du an ein Gemöß bey einem Wässerlein, räume das Gemöß hinweg und grabe
daselbst ein, so wirst du einen großen Reichthum von Gold antreffen.
Item. Im Holenstein eine halbe Meile von Schöneck ist ein Stollen,
darinnen bricht ein Quartz, so weiß Gold-Ertz hält.«
»Auffm Schneeberg frage nach dem Schloß Wiesenburg, dabey fleust
ein Wasser hinweg, an diesem gehe aufwerts fort biß du kommst dem
Schafstall gleich, daselbst stehet ein Teich, über diesem Teich suche
in dem Wässerlein, so wirst du viel und gute reichhaltige Gold-Körner
darinn finden, welche dir die Mühe wohl belohnen werden.«
»Eisenberg ist ein Schloß also genennet, laß dasselbe auff der linken
Hand liegen und gehe gerichts nach demselben wohl hinauff, auff den
Kamp, und gehe gegen der Sonnen-Auffgang, nach Brix zu, auf dem
Kamp, dann gehe auff das Schadehauß, so nahe darbey liegt, wenn du
darhinder kommst, so kehre dich um, und wende den Rücken nach der
Sonnen-Auffgang, siehe von dar wieder auff oder nach den Kamp, so wirst
du einen Rasenweg, auff St. Katharinberg zu, erblicken, dann gehe einen
guten Armbrust-Schuß weit, nach dem Kamp zu, hinein, da wirst du einen
Steinfelß finden, dem stelle dich zur rechten Hand, gegen das schlimme
Thal nach dem Schadeberge zu, und gehe daselbst im Thal nach 2 Hügeln
gerade fort, so wirst du in einer Tannen eine Hand eingeschnitten
finden, von derselben kömmst du zu einem Wasser, das zwischen dem
Schottenberg hinfleust, da kannst du viel Gold waschen.«
»Wenn man von Brix auff Seida gehet, in dem Wald fleust ein Wasser,
darinn sind gute Körner.«
»Zwischen Krohenzahl (Cranzahl) und Breßnitz fleuset ein Wasser,
darüber gehet ein Brücklein und nicht weit davon stehet ein großer Baum
mit einem krummen Ast, als ein Arm, da findet man schwartze Körner, die
man auff einen Amboß breit schlagen kann.«
»Bei Kupferberg liegt ein Dörfflein, heist zum Holitsch an einem Berge
bei dem Halß-Gericht, daselbst findet man je zuweilen auch gediegene
Gold-Körner.«
»Auff Satzunge gegen Konnetur (Komotau?) nicht weit von einem Wege, da
stehet eine Stein-Tanne, auf welcher Wurtzel ein Zeichen eingeschnitten
ist. Nicht weit davon soll ein Wässerlein fließen, und um die Tanne ist
eine Grube, in welcher ein schöner Goldhaltiger ~Marcasith~ bricht.«
»Schlackenwerth oder Schlackenwerda. Frage hiervon nach der Eger in die
Nössel; wohl hinden am Steige findest du ein Loch in dem schwartzen
Brand, kreich darein, so wirst du viel Gutes antreffen.«
»Hawenstein (Hauenstein) liegt eine Meilwegs von Schlackenwalda, von
Hawenstein gehe in das Gründlein unter die Fichten, da der gestümmelte
Baum stehet, allwo der liebe Gott dran hengt, und von dar weiter zu
einen Felsen, etwa einer Ackerlänge vom alten Hammer-Graben, da ist ein
Loch inne, worinnen viel weiß Gold enthalten ist, welches nach der
~Cementation~ dem Arabischen und Ungarischen gleich ist. ~NB~. Lieget
nach dem Fichtelberge zu.«
»Von dem Hauenstein, da man in den Stollen gehet, fleust ein Wasser
herab in die Eger an den Jungfer-Stein, dasselbe Wasser hat gute
Körner, so viel Gold halten, das ist das reichste Seiffenwerk im ganzen
Böhmerland. Diese Körner sind schwärtzlich und gediegen.«
»Im Walde bei Hasenstein (Hassenstein) unter einer Tannen, so
gezeichnet ist, stehet ein Gang Spannen breit oder mächtig, welcher
eine große Feste neben sich hat, darinnen ist ein sprenglichter Kieß,
hält 12 Loth.«
»Item. Von dem Hasenstein frage und gehe nach einem Dorff, heist
Brunnersdorff, gehe von dar ferner oben bey dem Dorff und der Mühlen
hinaus, und frage nach einem Dorff, heist Wernersdorff, so nicht weit
davon ist, alldar gehe auch oben die Straß nach dem Klösterlein,
so kömmst du zu einem Dorff, ehe du in das Städtlein kommst, heist
Zirnabis, und an der Straßen vordem Dorff findet man Amethisten
am Wege und Äckern. Zur rechten Hand nach dem Gebirge, etwa einen
Armbrust-Schuß dem Berg hinan, da ist ein Loch, kreich darein, so
findest du einen Gang voller Amethisten.«
»Hagensdorff liegt nicht weit von Hasenstein, oder Hasendorff und
Bleißdorff, bey diesem Hagensdorff hat vor Zeiten ein Kloster
gestanden, wie noch zu sehen ist, darzu gehe, so findest du ein
Berglein wie eine Mauer, darunter ist ein Stollen, in welchem man viel
Granaten findet, ja! wenn man suchet, auch auff den Äckern daherum.
Desgleichen auch auff dem Hasenstein im Eichwald, über dem alten
Kloster. Item zum Hauenstein bey der Hauß-Mühlen ist ein schöner
Goldgang.«
»Item. Bey Zirnisch ist ein Gründlein auff der rechten Hand, das heist
die Schona, ist ein Wasser, darinnen hat ein Hirte geseiffet oder
gewaschen und viel Gold funden, daher er sehr reich worden, und seinen
Hirtenstand verändert; Massen er seine Güther an einem ihme gefälligen
Orthe erkaufft und sich sehr wohl eingesetzt hat.«
»Item. Von den Caden an der Eger hinauff fleust ein Wässerlein,
welches von Hauenstein in die Eger fleust, darinn findet man in weißen
Quärtzlein gediegen Gold, und ist der reichsten Seiffenwerken eines in
gantz Böhmen-Land. Dergleichen Quärtze und Gold-Körner findet man der
Orthen herum fast viel in den sandigten Flüssen und Wasser.«
»Item bey Caden im Steinbruch stehet ein Letten eines Fingers breit,
dessen Centner hält 14 Loth Silber.«
»Item Bey den vierzehn Nothhelffern nach dem Klösterlein über der
Steinern Brücken, jenseits des Spitzberges in der Silberbach, hat ein
Hirte in einem Tage, nebst seiner Huth- und Weide-Verrichtung, ein Loth
Gold gewaschen, an Körnern, die er vor Gold nur angesehen und erkennet
hat, die andern hat er ohnerkandt weggeworffen.«
»Zur Hohen Tanne am Galgenberg, bey der Silberbach, da die zwey
Flüßlein einen Steinwurff weit herabfließen, findest du einen alten
Stumpff von einer abgehauenen Birken, in welchen ein Bilgrams-Stab
geschnitten ist mit einem Sack. Zwischen dem Stumpff und Bach findest
du eine Hurt, die hebe auff, darunter ist ein Loch in Stein gearbeitet,
in welchem ein Gang einer Ellen breit des herrlichsten Gold-Ertzes ist.
Kanst du die Hurt nicht flugs finden, so rumpele oder stöhre mit den
Füßen oder Stock zu rings umher, biß du es hörest dummeln, allda wirst
du viel Gold finden.«
* * * * *
In der Umgegend von Elbogen erzählt man, daß alte Leute noch im vorigen
Jahrhunderte Goldsucher aus Welschland angetroffen hätten, welche
mittelst Wünschelrute und Haue den unterirdischen Schätzen nachspürten.
Besonders geschah dies am sagenreichen Krudimberge. Doch hat man
sie niemals bei ihrer Arbeit, sondern stets vor und nach derselben
gesehen. Bei dem Dorfe Steinmeißl bei Elbogen sahen Waldarbeiter aus
den »Grundhöhlen« durch eine Art Rauchfang Rauch aufsteigen; doch nie
konnten die Leute entdecken, wer das Feuer angemacht. Man meinte,
daß es Venediger gewesen, die hier und im Hans-Heilingsthale Erze
suchten. Der Wald bei dem Hornesbauerhofe war einst für Venediger ein
wichtiger Fundort von Erzen. Besonders sollen sie in einer Höhle an der
Morgenseite der Felsen ihr geheimnisvolles Werk getrieben haben. Es ist
das eine Höhle, welche sich, wie die Sage berichtet, am Karfreitage
öffnet, so daß man in die Felsen hineingehen und Schätze heben kann. --
In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens Antonio
Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken Silber
fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert hat. Die Zeit, wann
dies geschah, ist unbekannt.
In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde
bereits darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold
suchenden Venetianern außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen
Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt ihre Heimat fast durchgängig
nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen und von wo sie in
gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge zu
durchstreifen.
Im ~Zlatorog~ von Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen
geschildert:
Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,
Wenn Venetianer kommen in das Thal.
Er weiß recht wohl, warum die klugen Wälschen
Verlassen ihre schönen Marmorhäuser
Alljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)
-- -- -- Was --, frag' ich, treiben
Die Venetianer denn bis in den Spätherbst?
Warum denn kriechen sie durch alle Schluchten
Der Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?
Warum denn schleichen sie durch alle Bäche
Gleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?
Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,
Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,
Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspüren
So gut wie jene klugen Venetianer.
Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzen
Aus Kieselstein und waschen aus dem Bachsand
Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.
349. Die Goldstampe am Borlasbache.
(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)
Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle den Fluß
aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein, das von
Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und abermals
wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich
abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen Durchgang zu
schaffen.
An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung den
Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der Natur, sondern
fleißiger Hände ist.
Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die Goldkörner in
der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem fernen Wälschlande,
deren Zunge man nicht verstand und die sich nur notdürftig verständlich
machen konnten, und schafften den Sand aus dem am Fuße des Felsens
befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen Felsen und stampften ihn
in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner sich vom Sande sonderten
und von ihnen ausgelesen werden konnten.
So hatte sich nach und nach ein Loch gestampft, in dem ein Mann wohl
bis an den Gürtel stehen konnte, und noch jetzt zeugen die einzigen
zwei Seitenwände, die von der Goldstampe übrig geblieben sind, von der
rührigen Arbeit der Wahlen.
Und auch jetzt noch führt die Weißeritz Goldkörner an dieser Stelle,
sie sehen aber dem Sande gleich aus, denn sie sind noch nicht reif.
350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 62.)
Der ehemals so ergiebige Bergbau auf edle Erze lockte Bergleute
aus weiter Ferne, darunter auch aus dem Venetianischen, sogenannte
Venediger, ins Erzgebirge. Einer derselben kam Sommer für Sommer auf
den Spitzberg bei Preßnitz. Man wußte lange nicht, was er hier wollte
und er selbst sagte niemandem ein Sterbenswörtchen davon. Endlich aber
ward er doch einmal beobachtet, wie er andächtig kniend zum Himmel
betete und sodann aus einer vorüberrieselnden Quelle viele funkelnde
Goldkörner in seinen Spitzhut raffte. Nachher sah man den Venediger nie
wieder, sei es, daß er sein Glück wo anders versuchte, sei es, daß er,
der Schätze schon genug besitzend, für immer in seine Heimat gezogen
war.
351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit etc. 1845, S. 324--26.)