ein paar kleine Lichter sehen. In dem Berge steckt nämlich ein goldenes
Kind und aller 50 Jahre am Johannistage mittags 12 Uhr wächst auf dem
Berge eine schöne Blume. Wer dieselbe nun pflückt, der kann in den Berg
hineingehen. Da sieht er dann den goldenen Jungen in einer goldenen
Pfanne liegen; beide werden von einem großen Pudel bewacht. Wer aber
die Blume hat, darf sie nur dem Pudel hinzeigen, dann kann er die
Pfanne mit dem goldenen Jungen nehmen. Jedoch muß er darauf schnell
fortlaufen; ist er über den Hammergraben gekommen, so kann ihm der Hund
nichts mehr thun. Wenn ihn jedoch der Hund einholt, ehe er über den
Graben gekommen ist, muß er die Pfanne mit dem Kinde wieder hergeben
und der Hund trägt beides wieder in den Berg.
Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene
Kind zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden
heidnischen Gottheiten hin? Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch,
I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten Vorstellungen nicht nur der
Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere golden
waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel
möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät.
Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte
Gestalt, besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann
(Aberglauben und Gebräuche in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin
gehört z. B. auch die Sage von einer goldenen Ente mit goldenen
Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach liegen soll. (Gräßler,
Sagen von Mansfeld, No. 46.)
343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.
(R. im Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 1882, No. 3.)
Gegenüber dem Geringsberge zwischen Lauter und Neuwelt erhebt sich
am rechten Ufer des Schwarzwassers der im Ganzen kahle Teufelsstein,
den man von der Haltestelle Lauter bequem in fünf Minuten erreichen
kann. Nach der Meinung einiger ist der Name Teufelsstein verfälscht
und lautet eigentlich »Taufenstein«, weil sich hier in alter Zeit
ein Taufstein oder Taufbecken befunden haben soll. Eine andere Sage
aber bezeichnet den Teufelsstein als ein verwünschtes Schloß, welches
kostbare Schätze in seinem Innern birgt und von Jahr zu Jahr des
Tages seiner Erlösung aus der Hand des »Bösen« und der Hebung seines
reichen Gutes harret, -- doch bis jetzt vergebens. Noch immer liegt
es verzaubert unter mächtigen Felsblöcken. Zwar ist ein Schlüssel,
durch dessen wunderbare Macht die verborgenen Zugänge unwiderstehlich
sich öffnen, vorhanden, doch noch niemandem ist es gelungen,
hineinzudringen. Der Schlüssel ist eine gelbe Blume, welche alljährlich
im Frühjahr aufs neue emporsprießt und ihren Wunderkelch entfaltet.
Ein Schäfer aus Beierfeld, welcher dort vor vielen Jahren seine Herde
weidete, fand sie eines Tages und pflückte sie. Alsbald merkte er,
wie sich in seiner Nähe geheimnisvoll eine Felsenspalte öffnete,
und verwundert schaute er in eine Höhle, aus deren Hintergrunde ihm
zauberischer Goldesschimmer entgegenblickte. Da er jedoch die Mahnung
des am Eingange sitzenden bärtigen Wächters mit grauem Hute, still zu
bleiben, nicht beachtete, sondern einen lauten Ausruf des Erstaunens
ausstieß, so schloß sich ebenso geheimnisvoll und schnell die Öffnung
wieder und hat sich bis heute noch nicht wieder aufgethan.
344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 72.)
In südwestlicher Richtung von Gottesgab erhebt sich der kegelförmige
basaltische, mit Wald bedeckte Spitzberg. Auf demselben stand nach
der Sage in alten Zeiten ein großes, festes Schloß. Dort hauste mit
gleichgesinnten Spießgesellen ein Ritter, der als Räuber und Mörder
sich in der ganzen Gegend furchtbar machte. Einst geschah es, daß ein
greiser Mönch aus dem nahen Kloster zu Mariasorg bei dichtem Nebel sich
auf dem öden Heideplateau verirrte und in die ruchlosen Hände dieser
Räuber fiel. Sie schleppten den Priester auf ihr schwer zugängliches
Raubnest und warfen ihn unbarmherzig ins Burgverließ, wo er eines
qualvollen Hungertodes sterben sollte. -- Als die gottlosen Missethäter
im Saale sich bei lärmendem Becherklang ihrer ausgeführten Verbrechen
in frechen Lästerreden rühmten, sank der dem Tode überlieferte
Mönch auf die Knie und flehte im inbrünstigen Gebete zu Gott, dem
starken Helfer in der Not, daß er die berüchtigte Mörderburg in einen
Schutthaufen verwandle. Plötzlich machte ein furchtbarer Donnerschlag
die Mauern des stolzen Schlosses wanken, sie stürzten zusammen und
begruben die Räuber unter ihren Trümmern; nur der Mönch wurde gerettet.
Die angehäuften Schätze aber versanken in des Berges inneren Schoß. --
Nach langen Jahren träumte einmal einem armen, frommen Hirtenjungen
drei Nächte hintereinander, daß er dazu erkoren sei, den im Innern
des Spitzberges verborgenen Schatz zu heben. Zwei Tage hatte er schon
seine Kühe auf diesem Berge geweidet, und noch war ihm kein Anzeichen
geschehen. Als er nun am dritten Tage -- es war der Karfreitag --
wieder seine Herde am Spitzberge hütete, sah er auf einmal auf einem
nahen Felsblocke eine wunderschöne gelbe Blume stehen. Ei, dachte
er, eine so schöne Blume habe ich in unseren Bergen und Thälern noch
nicht gesehen! Ich werde sie pflücken und auf meinen Hut stecken, gewiß
werden alle daheim die Schönheit der Blume bewundern. Gedacht, gethan.
Kaum hatte er aber mit der Blume den Hut geschmückt, als unter einem
fürchterlichen Knall sich der Berg aufthat. Der Hirt sah sofort eine
weitgeöffnete Thür im Felsen, vor der ein kaum spannenhohes Männlein
stand, das ihm zu folgen winkte. Obwohl er durch diese unerwarteten,
wunderbaren Vorgänge für den Augenblick aus der Fassung gekommen war,
nahm er doch allen Mut zusammen und schritt seinem Führer nach. Der
Weg ging erst durch dunkle, dann magisch erleuchtete Gewölbe, deren
Wände diamantartig glitzerten, bis beide endlich in einen überaus
prachtvollen Saal gelangten, der mit den kostbarsten Schätzen aller Art
angefüllt war, und in dessen Mitte sich eine weißgekleidete Jungfrau
befand. Diese betrachtete den erstaunten Hirtenjungen mit freundlichen
Blicken und hub dann lächelnd an: »Hier hast Du die feinsten und
auserlesensten Speisen, genieße von ihnen! Wohin Du blickst, sind
ganze Haufen von Gold, Perlen, Edelsteinen und köstlichen Gewanden
aufgeschichtet. Nimm Dir davon, soviel Dein Herz begehrt; doch vergiß
das Beste nicht!« Der Junge, durch die vernommenen Worte ermutigt,
griff nach den besten Speisen und aß und trank, steckte sich hernach
Hut und Taschen voll Gold und Edelsteine, und schickte sich zum
Rückwege an. »Vergiß doch das Beste nicht!« rief lauter und ängstlicher
zum zweitenmale die Jungfrau mit flehenden Gebärden. Der Hirtenjunge
spähte umher und erblickte zu seiner Verwunderung eine Peitsche, welche
vortrefflich zu seinem Geschäfte zu passen schien. Da dachte er: Du
hast dir schon von allen Schätzen im Überfluß genommen; diese Peitsche
da wird jedenfalls das Beste für dich sein! Mithin griff er ohne
Bedenken nach der Peitsche. Da fing aber die Jungfrau bitterlich zu
weinen und zu wehklagen an; ein plötzlicher Donnerschlag erschütterte
den Saal so, daß der Boden unter den Füßen des Hirten wankte, der im
Nu wieder auf der Oberfläche des Berges stand. Jetzt erst erinnerte
er sich an seine Wunderblume. Mit Hast griff er an den Hut, um sie
herabzunehmen, aber er bemerkte zu seinem größten Leidwesen, daß er
sie unter den Schätzen im Felsensaale zurückgelassen habe. -- Mit den
Worten: »Vergiß doch das Beste nicht!« hatte die Jungfrau die gelbe
Blume, den Schlüssel zum verzauberten Schlosse gemeint. Hätte der Junge
dieselbe nicht vergessen, so würde er nicht nur die Jungfrau von ihrem
Zauber befreit, sondern auch den ganzen Schatz gehoben haben. Seit
dieser Zeit hat niemand die Zauberblume, die alle tausend Jahre einmal
zum Vorschein kommen soll, auf dem Spitzberge gefunden, in dessen
Innerem auch der Schatz noch heute verborgen liegt. Der Hirtenjunge
aber, der ein reicher Mann wurde, wäre zweifellos noch reicher und
glücklicher geworden, wenn er nicht das Beste vergessen hätte.
Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter
dem Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen
im Innern des Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei.
Die Wolke wird als Berg gedacht; aus ihr leuchtet nach dem Gewitter
wieder die Sonne goldig hervor. Die Sonne ist der Schatz. Die Schafe
oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls Wolken; Donar ist
der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist eine von
den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen
spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits
bemerkt wurde, den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204;
Grohmann, Sagen aus Böhmen, I., S. 87.) -- Der gleiche Sagenstoff,
allerdings mit mancherlei Modifikationen, aber immer als Darstellung
von einem Hirten, welcher eine Blume findet, die der Schlüssel zu
einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß das Beste
nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen
aus dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders
zahlreich im Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125,
138, 173, 180, 276, Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und
an noch vielen anderen Orten entgegen. Auch die Lausitz, sowie das
Vogtland und der Harz besitzen Sagen von Wunderblumen, durch welche
man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie unterscheiden
sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende
Zuruf ertönt, das Beste nicht zu vergessen.
Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre
Insassen Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der
Volksmund auch in anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte
Silberloch bei Seesen im Harze die Stelle, wo gleiches geschah.
Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete Jungfrau mit einem
Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter des
Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch
ferner den Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine,
Sagen aus dem Harze, S. 10.)
345. Die Wunderblume des Grauensteins.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 70.)
Einmal weidete ein vierzehnjähriger Knabe am Fuße des Grauensteins bei
Joachimsthal seine Herde. Da dieselbe ruhig graste, ließ er sich ins
Gras nieder, vertiefte sich in den Inhalt eines Buches und gewahrte
zu spät, daß sich das Vieh auf die Gebirge verstiegen hatte. So mußte
er denn mit bangem Herzen von einem Berge zum andern steigen, bis er
endlich die vollzählige Herde fand, die er auf die Wiese zurücktrieb.
Aber ermüdet vom langen Suchen, versank der junge Hirt in einen
tiefen Schlaf. Als er erwachte, schimmerte ihm eine so feuerrote Lilie
entgegen, wie er noch keine auf allen seinen Wanderungen über Berg und
Thal gesehen hatte. Alsogleich eilte er darauf zu, pflückte sie und
steckte sie auf seinen Hut.
Und wie wunderbar! Kaum berührte er sein Haupt, so ward es plötzlich
auf demselben lebendig. Voll Bestürzung nahm der Junge den Hut ab; er
sah eine Otter darauf liegen und warf den Hut eiligst zu Boden, wo
statt des zischenden Tieres ein goldener Schlüssel niederfiel, der
aber in dem Augenblicke verschwand, als er ihn aufheben wollte. -- Es
soll dies der Schlüssel zum Schatze in dem verzauberten Grauensteiner
Schlosse gewesen sein, den bis auf den heutigen Tag noch niemand in
Besitz genommen hat. Der Glückliche, dem er bestimmt ist, soll demnach
noch kommen.
346. Die Wunderblume bei Blauenthal.
(Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
Bei dem Orte Unter-Blauenthal findet sich eine jetzt durch Gesträuch
fast völlig verwachsene Felsenschlucht und in dieser soll man einst
ein eisernes Thor, welches eine Höhle verschloß, gesehen haben. Vor
langer Zeit mähte in der Nähe dieser Höhle ein Einwohner des genannten
Ortes Gras, und als er sich in der Mittagstunde unter einen schattigen
Baum setzte, um seine Sense zu dengeln, stand auf einmal ein schwarzer
Ritter vor ihm und zu seinen Füßen sah er aus dem kahlen Erdboden
eine gelbe Blume hervorsprießen. Der Ritter aber sprach zu ihm, er
solle diese Blume abpflücken, sie sei der Schlüssel zu der eisernen
Pforte; damit solle er dieselbe öffnen und sich aus der Höhle so viel
von den Schätzen mitnehmen, als ihm behage; »jedoch«, so setzte er
hinzu, »laß mir die Blume nicht liegen, sonst bist Du verloren.« Der
Mann that, wie ihm der Ritter geheißen hatte. Die Höhle, in welche er
gelangte, war an den Wänden mit funkelnden Edelsteinen besetzt und auf
dem Boden standen viel Kisten, aus denen ihm Gold und Silber entgegen
glänzte. Plötzlich erweiterte sich der Raum zu einem großen Saale und
an einer mit kostbaren Speisen und Getränken besetzten Tafel sah er den
Ritter mit Gefolge wieder; die Speisenden wurden von Zwergen bedient.
Da winkte der Ritter dem Manne, derselbe solle sich mit an die mit
einem Trauerflor behangene Tafel setzen. Ängstlich setzte sich der
Arbeiter nieder, aber bald bekam er wieder Mut. Nachdem er gegessen
und getrunken hatte, steckte er sich auf Geheiß des schwarzen Ritters
so viel von dem Golde und den Edelsteinen ein, als er fortbringen
konnte. Da er wieder vor der Pforte stand, schloß sich dieselbe mit
einem großen Knalle, der Felsen wankte und der Eingang war nicht mehr
zu sehen. Erschrocken wollte der Mann nach seiner Blume greifen; doch
er besaß sie nicht mehr, denn er hatte sie in der Höhle zurückgelassen,
als er die Schätze zusammenraffte. Nach wenigen Tagen starb er; man
fand ihn, das Gesicht nach dem Nacken umgedreht, und das Gold war auch
verschwunden. Der Fels aber, in dem sich der Eingang zu der Höhle
befunden haben soll, heißt heute der Teufelsfels.
347. Die Wünschelrute.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt
Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 172--174.)
Die Wünschelrute, durch welche Klüfte und Gänge ausgegangen werden,
wird abgeschnitten von allerlei Holz, auch zu allen Zeiten, doch so,
daß sie zwei Zacken oder Zwiesel hat, und man selbige in beiden Händen
zwischen den Daumen und geschlossenen Fingern halten kann. Ja man mag
auch eine andere Materie dazu gebrauchen, als Messing, Eisen u. dgl. Es
ist aber der Nutzen der Rute dieser, daß sie die in der Erden liegende
Klüfte und Gänge andeutet, indem, wenn der Rutengeher an dergleichen
Stätte kommt und die Rute aufwärts hält, sie sich gewaltig niederbeuget
und sich zuweilen, wenn sie stark gehalten wird, fast entzwei windet,
während die Rute da, wo man dem Gange nicht folgt, sondern ihn
überschreitet, wieder grade über sich unbeweglich steht.
Die Rute schlägt aber außer auf Gänge und Klüfte auch auf andere
Dinge. Es entwendete eine Magd ihrer Herrschaft unterschiedliches,
worauf man endlich einen Rutengänger holte, um im Hause die Rute
zu schlagen; dieselbe führte ihn zu der Lade der Magd, in welcher
sich auch die gestohlenen Sachen vorfanden. Ferner wurde einem
Hammerwerksbesitzer allerhand entwendet. Derselbe schrieb an seine
Freundin, den Rutengänger holen zu lassen, damit dieser mit der Rute
forsche, ob nicht die Mägde des Bestohlenen, und welche unter ihnen,
den Diebstahl begangen hätten. Er schickte zu dem Ende deren Namen
mit. Die Freundin legte beide Zettel mit den Namen auf den Tisch,
aber die Rute wollte sich nicht bewegen. Da fiel es der Freundin ein,
ob nicht der Junge des Hammerherrn, dem es dieser zwar gar nicht
zutraute, den Diebstahl begangen habe. Sie schrieb also dessen Namen
mit auf ein Papier, wickelte es zusammen und legte es heimlich mit
auf den Tisch. Da fing die Rute an sich zu winden, und als die Zettel
gesondert worden waren, schlug sie allezeit auf denjenigen, welcher
mit des Jungen Namen beschrieben war. Der Hammerherr nahm darauf den
Jungen vor und die entwendeten Sachen wurden von ihm wieder erlangt.
-- In einem Zechenhause bei Johanngeorgenstadt wurden unterschiedliche
Centner Kobalt entwendet, und weil einem frommen und christlichen
Hammerwerksbesitzer, dem die Rute schlug, ein anderer Gewerke zuredete,
zu versuchen, ob nicht die Rute den Dieb und dessen genommenen Weg
anzeige, wollte dieser erst nicht darein willigen, in der Meinung, sie
ziele nur auf Klüfte und Gänge. Er ließ sich aber doch bereden, nahm
eine kleine Stufe Kobalt von dem Haufen weg, wovon ein Teil entwendet
worden war, ging um das Zechenhaus, und als er an den erbrochenen Laden
kam, schlug die Rute, führte ihn über die Wiese einen Berg hinauf
und in einen Busch. Hier erblickte man frische Erde, und als diese
hinweggeschafft worden war, fand sich eine Partie versteckter Kobalt.
Darauf führte die Rute in einen zweiten und dritten Busch, so daß man
wohl die Hälfte des gestohlenen Kobalts wieder bekam. Ja als sich
einige Männer in der folgenden Nacht versteckten und die Diebe den Rest
nachholen wollten, wurde einer davon ergriffen und nach Joachimsthal
abgeliefert. -- Die Rute schlägt auch auf Rainsteine. Einem Rutengänger
wurde sofort der Rainstein im Boden angezeigt, ungeachtet schon
Bäumchen darüber gewachsen waren. -- Vielen Leuten schlägt die Rute
gar nicht. Sie hat aber auch anderen von Kindheit an vortrefflich
geschlagen; aber dieselben sind krank geworden oder gar ausgewachsen,
und ob sie gleich wieder genesen, so hat ihnen doch die Rute keinen Zug
mehr gethan.
Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen
Wirkungen der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten
Bemerkungen möge noch folgendes beigefügt sein:
Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser
aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute
Aarons, durch welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm
der Israeliten angezeigt ward, in der Rute der Minerva, welche den
alten Ulysses wieder jung machte, in derjenigen der Zauberin Circe,
durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und in dem Wunderstabe
des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen.
Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene
Gegenstände auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte,
mochte man zunächst zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen
aus verschiedenen Metallen gebraucht haben, bis man später fand, daß
auch gewöhnliches Messing genügte.
Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte
Bergpredigt von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen
versteckten Groschen. An den beiden Enden der Rute wurde auch in
einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter Erdweihrauch,
d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner durch
die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob
Rotgüldig- oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon
ein Stückchen zugleich mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische
Belustigungen. Berlin, 1751. S. 116 etc.)
Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der
Wünschelrute noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon
der Freiberger Professor Johann Friedrich Wilhelm Charpentier
sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778 erschienenen
»Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte
Vorurteil mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius
aber die Wünschelrute zerbrechend darzustellen. ~Dr.~ Gustav E. Stein
erzählt noch von einem Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre
dieses Jahrhunderts in Freiberg auf Veranlassung eines Markscheiders
angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher Weise war dabei
von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung die Wirkung
einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem dünnen
Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt
worden, und es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die
Schuhsohlen des Rutengängers mit dünnen Metallplatten belegt sein.
Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser der erwähnten
Abhandlung erwarteten Erfolge aus.
348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.
(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 197 etc. und 250. Schurig,
Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S.
36 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256. ~Documenta~ oder
alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen
Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner etc. zu finden sein sollen.
Abteilung in ~Dr.~ David Kellner, ~Schola metallurgica~. Nordhausen,
1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878, S. 108.)
Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius,
daß dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt, als den
Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in Flüssen und
Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen abgerissen oder
von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge erledigt; es ist das
edelste und reinste Gold, dem Kronengolde gleich gehalten und ist ein
Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden. Solche Goldkörner, Flietschen
und »Flämmigen« sind an Farbe und Gestalt nicht einerlei, etliche sind
rot wie rostig Eisen, andere grau, etliche rauh und blaufarbicht,
etliche wie Pech, andere dunkel und durchsichtig wie die Granaten,
etliche mild und mürbe, andere zerspringen im Schlag wie Glas, etliche
sind viereckig, etliche groß wie die Erbsen und Bohnen, andere
lassen sich »flötschen« wie Blei, und diese hält man für die besten.
Solche Goldkörner, die sich flötschen lassen, hat man am Schallerberg
um Lengefeld in Brunnen und Bächen gefunden. Alle Bächlein an der
Zschopau, die vom roten Haus auf den Stolzenhain in das Grenzwasser
am Weinberg (Weipert) fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei
sich geführet, und die, so sich darauf verstanden, in kurzem reich
gemacht. Im Grenzwasser Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner
gefunden, die sich auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein
Conduppel schwarze Körner, die man auf dem Amboß breit schlagen konnte.
Im Preßnitzer Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter
dem Spitzberge über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner
gegeben und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen
Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten
gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz zum
Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich und so gut
als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg, Fernrückertswald
und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen klein und groß
gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher auch die Forellen,
die in solchen Goldbächen wachsen, ~Auratae~ genannt, von Gold, nicht
eben ab ~aureolis maculis~, daß sie goldfärbig wären, dieweil sie um
Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich mit schwarzen Sprenklein
gefunden werden, sondern von goldführenden Bächlein, oder bei sich
führendem Golde, wie andere wollen. Am Schwarzwasser und seinen
Einfällen über und um Platten, Gottesgab und Breitenbrunn, in ihren
Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der Goldenen Höhe herein, werden noch
bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten und Reinmachen des Zinnsteins
in Federkielen gesammelt, und bisweilen feine Stüflein gediegenen
Goldes gefunden, welche von Chymisten höher denn ander Gold gehalten
werden. An der Schneeberger Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach,
Fletschmaul u. s. w. werden auch Goldflietschen gefunden, und bei
Eibenstock hat in einer Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des
Tages 1½ Pfund Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl.
gegolten.