böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen Jahren mit
einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt war. In diesen
ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu fällen. Als er in die
Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale im nahen Gebüsche ein
ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt schritt er darauf zu und sah unter
der Erde durch das Moos reines gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem
Holzhauer klopfte das Herz voll Freude über den unerwarteten Fund,
der nun für immer seiner bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über
Stock und Stein, durch dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben
des edlen Metalles die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel,
zu holen. Als der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle
zurückgekehrt war, fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom
Boden Gold entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer
tief betrübt; er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu
fällen, ertragen.
Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über diese
reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus dem jetzt
unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen, die
den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird.
308. Der Schatz des Braunsteins bei Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 46.)
Ein Hirtenjunge aus der Petermühle weidete einmal in der Nähe des
Braunsteins sein Vieh. Da sah er plötzlich, als er den Berg hinanstieg,
eine offene Thür, die er sonst nie bemerkt hatte. Unwillkürlich trieb
ihn eine innere Stimme an, in das Gewölbe hineinzugehen. Daselbst
erblickte er eine Kiste mit großen Schätzen. Davon nahm er so viel, als
seine Taschen fassen konnten, und ging vergnügt zu seiner Viehherde
zurück. Zu Hause angekommen, versteckte er das Geld in seinem Koffer.
Aber trotz aller Vorsicht hörte die Magd das Klingen der Münzen und
zeigte dies ihrem Herrn, dem alten Mühlpeter, an, der den Jungen wegen
des Geldes zur Rede stellte. Derselbe erzählte nun das wunderbare
Ereignis und versprach seinem Herrn den Eingang zu den unermeßlichen
Schätzen zu zeigen. Als jedoch beide am nächsten Tage zum Braunsteine
kamen, war zu ihrer höchst unliebsamen Überraschung das Felsenthor
unsichtbar. Der Mühlpeter kaufte bald darnach dem Hirtenjungen ein
neues Gewand, gab ihm das größte Goldstück und schickte ihn in die
Fremde. Das übrige Geld behielt er für sich und ward, freilich auf
ungerechte Weise, ein reicher Mann.
Ein anderer Hirtenjunge, der gleichfalls am Fuße des Braunsteins
hütete, sah eines Tages eine Menge kleiner, buntgefärbter
Leinwandfleckchen auf der Erde liegen. Um den Kindern seines Herrn bei
seiner Heimkehr eine Freude zu bereiten, suchte er die schönsten Flecke
aus und steckte sie in seine Hirtentasche. Um die Mittagsstunde trieb
er seine Viehherde nach Hause. Als er diese im Stalle versorgt hatte,
ging er in die Stube und wollte die mitgebrachten Geschenke verteilen.
Er griff in die Tasche, doch siehe! statt der bunten Flecklein zog er
lauter funkelnde Goldstücke heraus. Darob herrschte unbeschreibliche
Freude im ganzen Hause. Nur der geldgierige Herr gab sich mit dem
erhaltenen Gelde nicht zufrieden, sondern schickte den Jungen eiligst
zurück, damit er alle Leinwandflecke sammle und heimbringe. Als
derselbe fast atemlos zur Fundstelle kam und mit einemmale ein Zwerg
vor ihm stand, stiegen ihm vor Furcht die Haare zu Berge, und kein
Wort kam über seine Zunge. Doch das Männlein, das die Ursache seines
Kommens wußte, sprach zornentbrannt zu dem Jungen: »Du bist zwar
unschuldig, aber Dein habsüchtiger und ungenügsamer Herr hat Dich
hierher geschickt, um den ganzen Schatz zu gewinnen. Dafür soll er hart
gestraft werden, er soll -- verarmen!« Hierauf verschwand der Zwerg.
Vor Angst und Schrecken eilte der arme Hirtenjunge durch dick und dünn
heim, erzählte das eben Geschehene und starb bald darauf. Auch des
Zwergleins Prophezeiung ging buchstäblich in Erfüllung; denn der Herr
des Jungen kam an den Bettelstab.
So muß gar oft der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden.
309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine bei Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 41.)
Geht der Wanderer von Schlackenwerth durch das enge, anmutige
Weseritzthal nach Joachimsthal, und klettert er, bei der sogenannten
Petermühle (Schöffl-Mühle) angekommen, zur Rechten am reichbewaldeten
Bergabhange empor, so gelangt er zum Braunstein, einem Bergkegel,
welcher vor einigen Jahren mit Wald gekrönt war, jetzt aber nahezu
gänzlich abgeholzt ist. -- Auf dem Braunsteine stand, wie der Volksmund
erzählt, in uralten Zeiten ein Schloß, dessen Nähe jeder Umwohner
scheute. Obgleich es unbewohnt war, sah man doch in stürmischen,
finstern Nächten die Fenster des Schlosses prachtvoll beleuchtet,
und mancher Pilgrim, der dasselbe aus Neugierde betrat, kehrte
nicht mehr zurück. -- Trotz alledem schlug einmal ein herzhafter
Handwerksbursche alle Warnungen in den Wind und lenkte eines Abends,
als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, seine Schritte dem
gefürchteten Schlosse zu, um dort zu übernachten. Ringsumher herrschte
tiefes Schweigen. Er stieg die Treppe empor, schritt durch das hohe
Portal ungehindert fürbaß und gelangte in einen geräumigen, tageshell
erleuchteten Saal, in welchem eine lange Tafel stand. An dieser nahm
er Platz und verfiel allmählich gegen seinen Willen in einen festen
Schlaf. Um die Mitternachtsstunde aber weckte den Handwerksburschen
ein heftiges Klopfen. Er erwachte und erstaunte, daß die Tafel gedeckt
und mit Speisen und Getränken in Fülle beladen war. Da öffnete sich
plötzlich die Thür, und in den Saal trat ein graubärtiger Greis, dem
seine Familie folgte. Nachdem die Angekommenen sich an die Tafel
gesetzt hatten, unterbrach der Alte das Stillschweigen, indem er
sagte: »Willkommen, Fremdling, in meinen Hallen! Hier hast Du Speise
und Trank im Überfluß; iß und trink, was Dir beliebt!« Darnach wollte
er ohne weiteres die Mahlzeit einnehmen, doch der Wandersmann sprang
im Nu von seinem Sitze auf, gab dem Greise einen derben Backenstreich
und rief: »Beten muß man, bevor man ißt!« -- Diesen Worten folgte ein
furchtbarer Donnerschlag, worauf der Alte sagte: »Habe Dank, braver
Geselle, Du hast durch Deine Frömmigkeit mich und die Meinen erlöst!
Vernimm in Kürze meinen Lebenswandel! Mein Vater war ein mächtiger
Ritter, meine Mutter eine gute und fromme Frau. Als einziger Sohn war
ich der Eltern Stolz und wurde mit größter Liebe und Sorgfalt erzogen;
allein ich bereitete denselben für ihre Mühen und Opfer nur unsägliches
Herzeleid. Denn am Gebete fand ich keinen Gefallen, verhöhnte alles,
was dem Menschen heilig und ehrwürdig sein muß, und sank in meiner
Verblendung immer tiefer und tiefer. Zuletzt zog ich als Familienvater
Frau und Kinder mit ins Verderben. Aber Gottes gerechtes Strafgericht
ereilte uns bald. Eins nach dem andern starb und wurde in dieses Schloß
entrückt mit der Bestimmung, hier so lange zu hausen, bis ein frommer
Mensch uns erlösen würde. Viele kamen schon vor Dir, allein da sie
unlauteren Herzens waren, fanden sie insgesamt ihren Tod. Auch Dich
hätte ein gleiches Los getroffen, wenn Du nicht gottesfürchtig gewesen
wärest. Du kannst Dir nicht denken, welche Angst mich befiel, als ich
Dich versuchte. Hättest Du die Probe nicht bestanden, so müßten wir
noch länger in diesen Räumen verwünscht umherwandeln. Jetzt komm' und
folge mir!« Der Handwerksbursche willfahrte dieser Aufforderung und so
führte ihn der Greis abwärts in einen weiten Gang, wo dem Eintretenden
Kessel mit Gold und Silber entgegenblinkten. »Nimm von diesen
Schätzen,« hub der Alte an, »so viel Du tragen kannst; laß jedoch davon
eine Kapelle erbauen, und gieb den Armen und Notleidenden reichliche
Almosen.« Nach diesen Worten verschwand er. -- Der Fremdling that,
wie ihm geheißen, und verließ ungesäumt das Schloß, das schon längst
von der Bergeshöhe in Staub gesunken ist. Er erfüllte aber auch aufs
Gewissenhafteste des Greises Begehren und blieb glücklich sein Leben
lang.
310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 296.)
In der Umgegend von Graslitz erhebt sich der Hausberg, von welchem
viele Sagen erzählt werden. Früher sollen darauf die Überreste einer
Burg gesehen worden sein; sie wurden aber zum Baue einer großen Fabrik
verwendet.
Einem Weibe träumte einmal, sie solle in den Hausberg gehen, dort würde
ihr ein schwarzes Zicklein mit feurigen Augen begegnen, dem solle sie
folgen. Als sie erwachte, erzählte sie den Traum ihrem Manne; dieser
aber ärgerte sich darüber und verbot ihr zu gehen. Da ihr aber in der
zweiten und dritten Nacht das nämliche träumte, ging sie doch auf den
Berg. Und wirklich, dort kam ihr ein schwarzes Zicklein entgegen, das
hatte feurige Augen und meckerte ihr freundlich zu. Sie folgte dem
Zicklein und kam in eine Höhle, wo das Zicklein verschwand. In der
Höhle aber erblickte sie eine schöne Jungfrau, die winkte ihr zu und
füllte ihr die Schürze mit den Steinen, die neben ihr lagen. Hierauf
entfernte sich das Weib und als sie heimkam, hatte sie goldene Münzen
in der Schürze. Der Berg soll sich regelmäßig am Karfreitage während
der Passion öffnen. Eine Mutter, die zu dieser Zeit eindrang und von
den Schätzen, die darin aufgespeichert sind, nahm, vergaß ihr Kind
darin, fand es aber nach einem Jahre unversehrt wieder, von einer
Jungfrau behütet.
311. Der Schatz zu Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 34.)
Im nördlichen Stadtteile von Joachimsthal, im sogenannten Oberthal,
stand vor Jahren hart an der Gartenmauer, welche sich rückwärts des
Hauses Nr. 106 befindet, ein stark gewachsener Hollunderstrauch. Da
die Wurzeln desselben immer tiefer in die ohnedies sehr schadhafte
Mauer eindrangen, war diese dem Einsturze nahe, deshalb schickten
sich die beiden Nachbarn Anton und Franz an, die Mauer abzutragen.
In der Mitte derselben fanden sie beim Abräumen einen irdenen Topf
mit Kirschkernen, von denen jeder eine kleine Öffnung hatte, als ob
er von einem Käfer angebohrt worden wäre. Einer der Nachbarn nahm
den Topf und schleuderte ihn an einen Stein, so daß die Scherben und
Kirschkerne auf ein Häufchen zusammenfielen. Dies geschah um die
Mittagsstunde, als auf dem nahen Kirchturme die Glocke ertönte. -- Die
beiden Männer begaben sich hierauf nach Hause, um ihr Mahl einzunehmen,
und erzählten ihren Angehörigen von dem Funde im Garten. Diese gingen,
von Neugierde gequält, sogleich an Ort und Stelle, um den merkwürdigen
Fund zu betrachten; allein weder ein Scherben noch ein Kirschkern
war zu finden. Auch die Nachbarn, die mit Eifer an der Abtragung der
Gartenmauer fortarbeiteten, sahen nicht die geringste Spur von dem
früher verschmähten Funde, der ein großer Schatz gewesen sein soll.
Bald darauf ging Elisabeth, die Wirthschafterin des Besitzers jenes
Hauses, während des Abendläutens nach dem Hintergebäude, wo eine
Fallthür in den Keller führte, und bemerkte darauf ein Häufchen
glühender Kohlen. Bestürzt eilte sie zu ihrem Herrn und fragte ihn, ob
er auf die Kellerthür Asche geschüttet habe, was er mit Entschiedenheit
verneinte. Um sich aber zu überzeugen, liefen beide zur Fallthür, das
Gluthäufchen jedoch war verschwunden.
Über der Gasse, dem oben bezeichneten Hause gegenüber, befand sich
zwischen zwei Häusern ein überaus schmaler, freier Raum, wo viel Stroh-
und Heugesäme abgelagert war. Daselbst fand ein Mann, der mit der
Säuberung des Platzes beschäftigt war, ein schweres eisernes Kistchen
und stieg mit seinem Funde, um ihn in Sicherheit zu bringen, auf die
Leiter, die er zur leichteren Vollführung seiner Arbeit angelegt hatte.
Als er mitten auf der Leiter stand, hörte er plötzlich seine Frau
ängstlich rufen: »Hans, komm' herauf, das Kind hat's Bein gebrochen!«
Vor Schrecken ließ er das Kistchen fallen und lief in die Stube, in
welcher die Frau das lächelnde Kind in der Wiege schaukelte. Seine
Verwunderung steigerte sich, als er erfuhr, daß seine Frau ihn gar
nicht gerufen habe. Nachdem Hans den Vorfall seinem Weibe erzählt
hatte, eilte er nach dem Orte zurück, um das in seiner Bestürzung
weggeworfene Kistchen zu holen, welches er jedoch trotz allen Suchens
nicht wiederfand.
Glücklicher war ein anderer Nachbar, der in späteren Jahren vor seinem
Hause ein glühendes Kohlenhäufchen sah. Er nahm eine Schürze und deckte
dasselbe vorsichtig zu. Dann ging er in sein Haus, holte ein Gefäß,
in welches er das Häufchen schüttete, und trug es in den Keller. Des
andern Tages sah er nach und siehe! aus den Kohlen waren lauter blanke
Goldstücke geworden.
312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 39.)
Auf einer felsigen Anhöhe an der Ostseite von Joachimsthal erhebt sich
die weithin sichtbare Johanneskapelle, die mit einem Wohngebäude in
unmittelbarer Verbindung steht. Über die Entstehung dieses Kirchleins
erzählt die Sage folgendes:
Als der Bau der Hospitalkirche zu Joachimsthal in Angriff genommen
wurde, wohnte im sogenannten »Seidl-Koch-Haus,« dessen Ruinen seit
dem gewaltigen Brande vom 31. März 1873 noch heute zu sehen sind,
der Bergbeamte Vogelhaupt, welcher neben seinem Berufsamte die
Geschäfte eines Spitalrechnungsführers versah. -- Da geschah es, daß
beim Grundgraben dieser Kirche ein Maurer eine eiserne Kiste fand,
die sehr schwer war. Deshalb schaffte sie Vogelhaupt mittels eines
Pferdegespanns auf heimliche Weise zu seiner Wohnung. Dabei zersprengte
sich wegen der allzu großen Last eines der Pferde. In der Kiste lag
ein Schatz nebst einer Urkunde, in welcher es hieß, daß derjenige,
der die Kiste finde, von dem darin enthaltenen Gelde möge ein Kloster
errichten lassen. Vogelhaupt eignete sich wohl die gefundenen Schätze
an, erfüllte jedoch nicht die daran geknüpfte Bedingung. Erst
seine Nachkommenschaft, die von dem reichen Funde genaue Kenntnis
hatte, suchte ihr geängstigtes Gewissen durch den Bau einer Kapelle
einigermaßen zu beruhigen. Und so errichtete denn Johann Jakob
Vogelhaupt mit seiner Gattin Maria Sophie, geb. Makasy, im Jahre 1734
die Johanneskapelle. Selbige gelangte, da Maria Barbara, die Tochter
des genannten Ehepaares, sich mit Franz Ludwig Pallas vermählte, in den
Besitz der Pallasfamilie. Der spätere Besitzer Franz Pallas, Domdechant
in Prag, vererbte die Kapelle am 4. Juni 1823 seiner Schwester Barbara,
verehelichten Walz, mit der Bedingung, daß an die Kapelle ein Haus
mittels Legates von 15000 fl. Wiener Währung angebaut und dieselbe für
immerwährende Zeiten als Hauskapelle erhalten werde. Diese letztwillige
Verfügung des Domdechanten Pallas ist in den Jahren 1838 und 1839
erfüllt worden.
Gegenwärtig gehört die Johanneskapelle dem Bürger Hilarius Seidl, der
sie am 30. November 1867 käuflich an sich brachte.
313. Der weiße Fels bei Bäringen.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 171.)
Im Buchwalde bei Bäringen erhebt sich ein hoher Felsen, der heißt »der
weiße Fels.« Am Karfreitage soll sich der Felsen öffnen und ein uraltes
Bäuerlein herauskommen, welches hier die frische Saat fürs nächste Jahr
beginnt. Am nächsten Karfreitage soll nämlich an dem Orte, wo dasselbe
säet, Gold hervorwachsen. Wer an diesem Tage hier vorübergeht, der kann
es sehen, und wer von dem Golde etwas aufhebt, der kann mit demselben
sein Vermögen bessern.
314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.
(Nach Ziehnerts poet. Bearb. b. Gräße a. a. O. No. 580.)
In der Nähe von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich, der
fast eine halbe Stunde im Umfange hat und beinahe den ganzen ebenen
Raum zwischen dem Scheerberge, der Mulde und der Lungwitz einnimmt.
Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art Stolln, der weit hinein
in die Erde reicht, und den man gewöhnlich die Räuberhöhle nennt. In
derselben soll es aber nicht geheuer sein. So erzählt man, daß einst
ein armer Hirtenknabe an jener Höhle fast täglich gespielt habe und oft
von brennender Neugierde gequält worden sei, einmal hinein zu kriechen,
um zu wissen, was denn eigentlich darin sei. Nun getraute er sich aber,
so beherzt er sonst auch immer war, doch nicht so recht hinein, weil
er den Rückweg zu verfehlen gedachte. Da sah er einmal eine schwarze,
goldgesprenkelte Henne in den Eingang kriechen und gackern, gerade
als wenn sie legen wolle. In der Hoffnung ihr Nest zu finden, folgte
er ihr einige Schritte, allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu
finster und so kehrte er wieder um. Da er nun aber die Henne auch die
nächsten Tage immer wieder an demselben Orte fand, so dachte er darüber
nach, wie ihm wohl die Henne den Weg in das Innere der Höhle zeigen
könne. Er nahm also einen starken Knäuel Garn und band der Henne einen
Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade
als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die Höhle. Schon war
aber das Garn fast ganz abgewickelt, da sah er auf einmal vor sich ein
brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, daß dasselbe
aus den Augen eines schwarzen, zottigen großen Hundes mit furchtbarem
Rachen und starken Klauen ausströme! Neben demselben stand aber ein
Männchen in einem grauen Mäntelchen, das hatte einen großen Sack Geld
in der Hand und rief ihm zu, er möge nur näher kommen. Allein der Knabe
wagte es nicht und nur erst, als das Männchen ihm nochmals zurief,
er könne es ohne Gefahr thun, wagte er es. Hierauf reichte ihm der
Graumantel eine Hand voll Thaler und sagte, er könne hierher so oft
kommen, als er wolle, er solle jedesmal eine gleiche Summe bekommen,
nur dürfe er niemandem sagen, woher er das Geld habe, sonst sei er
verloren. Der Knabe fand nun den Rückweg sehr leicht, allein da er
niemandem, auch seinen Eltern nicht, sein Glück mitteilen konnte, so
blieb ihm nichts übrig, als das Geld zu vernaschen. Dies that er auch
nach und nach, und als dasselbe verthan war, begab er sich wieder in
die Höhle und holte sich eine zweite Auflage des vorigen Geschenks.
Weil nun aber der Knabe gar zu oft bei dem Kaufmanne Näschereien kaufte
und stets in blanken Thalern bezahlte, schöpfte derselbe Verdacht, das
Geld sei gestohlen, und teilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben
mit. Da dieser nun recht gut wußte, daß sein Sohn nicht Pfennige,
geschweige denn Thaler haben könne, so suchte er erst durch Drohungen
heraus zu bringen, woher das Geld sei, und als der Knabe es nicht
gestehen wollte, schlug er ihn so lange aufs Unbarmherzigste, bis
derselbe alles gestand, aber auch hinzusetzte, daß ihm gewiß sein Brot
gebacken sei, weil er das graue Männchen verraten habe. Und so geschah
es auch, denn als der Vater am andern Morgen seinen Sohn, der ihm zu
lange zu schlafen schien, aufwecken wollte, war er tot; der Böse hatte
ihm den Hals umgedreht.
315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.
(Mündlich.)
Vom Hammerberge bei Wittichsthal sagte ein Venetianer, als er den
Berg vom Fenster seines Logis aus erblickte, in ihm liege noch ein
Königreich. Er wollte damit ausdrücken, daß in dem Berge ein großer
Schatz liege.
316. Der Eimer voll Silber.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 262.)
Eine Magd, die in Komotau in einem Hause am Graben diente, ging zu
Weihnachten spät des Abends zum Brunnen und schöpfte Wasser. Wie sie
aber den Eimer heraufzog, war er voll Silbergeld. Sie lief eiligst
zum Herrn und meldete das Wunder. Als dieser aber mit ihr wieder zum
Brunnen kam, war der Eimer leer.
317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen
Schatz.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~. 1716, S. 1146.)
Ungefähr im Jahre 1679 zeigte sich in dem Knappschaftshause zu
Schneeberg ein Gespenst in eines alten, graubärtigen kleinen Mannes
Gestalt einem Schüler, welcher daselbst seine Wohnung hatte. Es
machte sich nach vielfältiger Erscheinung und Wortwechselung mit ihm
dergestalt bekannt, daß er zuletzt nicht mehr so furchtsam sein konnte,
sondern, um endlich Ruhe zu haben, einen angegebenen Schatz zu graben
sich erkühnte. Obwohl nun der Schüler solchen Schatz, nachdem er des
Tages immer darnach gegraben, endlich in vielen güldenen Ketten und
Silbergeschirr, darauf die alten Schneeberger viel gehalten, erblickte,
so hat er dennoch das betrogene Spiel in Händen gehabt. Denn als es
zum Treffen und Heben gekommen, wie dazu das alte Männlein die Zeit
gesetzet, hat der Schüler im Gewölbe, darin er allein gewesen, zwar
gesehen, wie zwei anwesende Männer den Schatz aus der Erde gehoben und
lauter Pretiosen auf den vorhandenen Tisch ausschütteten, wornach auch
das alte Männlein ihn greifen heißen; aber wie er daneben von einem
andern, der seitwärts auf einem Sessel gesessen, die Anrede gehört, wie
er als ein armer Mensch sich erkühne, einen solchen kostbaren Schatz
zu heben, darüber er, als der Herr der Welt, doch die Macht hätte:
siehe, so ist darauf der Schüler voller Schrecken zurückgekehrt und in
höchster Angst gewesen, bis der Seiger nachmittags 4 Uhr geschlagen.
Denn eben bis auf diese Zeit hatte das alte Männlein die Gelegenheit
zum Schatzheben gesetzt, und eben um diese Zeit hat ein Sturmwind
gewütet und einen Baum im Garten gebrochen, dahin zugleich, wie das
Gespenst bei letzter Erscheinung sagte, der Schatz aus dem Hause
fortgerückt sein sollte.
318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 89.)
Vor etwa siebzig Jahren kamen nach der Bergstadt Platten einige
Zigeuner. Da dieselben wegen der rauhen Jahreszeit nicht im Freien
ihr Lager aufschlagen konnten, gingen sie von Haus zu Haus und baten
flehentlich um Herberge. Allein überall wurden die braunen Söhne
mürrisch und hartherzig abgewiesen, bis sie ein armer, aber ehrlicher
Bergmann, mit Namen Friedrich, in seine windschiefe Hütte aufnahm.
Beseelt von edler Menschenliebe, kochte die Frau des Bergmannes sofort
eine Milchsuppe, welche den hungrigen Gästen vortrefflich mundete.
Nach mehrtägigem Aufenthalte beschlossen die Zigeuner, an's Wandern
gewöhnt, weiter zu ziehen. Zuvor aber wollten sie sich der braven
Bergmannsfamilie dankbar erweisen. Deshalb legte eine Zigeunerin das
Geständnis ab, im Auffinden von Schätzen gut bewandert zu sein, und
hielt alsogleich im Hause Umschau. Sie nahm die Wünschelrute, begab
sich aus dem Stübchen in den Küchenraum und ließ diese schlagen. Die
Rute neigte sich gegen den Ofen, ein Zeichen, daß hier ein Schatz
verborgen liege. Nach mehreren anderen Schwankungen bezeichnete
sie genau den Ort, und den Andreasabend als die Zeit zum Heben des
Schatzes. Mit Segenswünschen schieden die Zigeuner. Der arme Bergmann
jedoch konnte den festgesetzten Tag gar nicht erwarten und schritt
noch vor dem Termine an die Ausführung seiner geheimnisvollen Arbeit.
Zu diesem Zwecke verfertigte er einen großen Kreis aus Papier, den er
mit hunderten von Kreuzen beschrieb und legte ihn auf den Platz, wo
der vermeintliche Schatz sich befinden sollte. Hierauf stellten sich
der Bergmann und ein Nachbar in den Kreis und fingen zu graben an. Es
dauerte nicht lange, da kam eine eiserne Truhe zum Vorschein. In dem
Augenblicke aber, als einer der Schatzgräber mit der Haue auf die Lade
schlug, entstand ein gewaltiger Donnerschlag, und der Kreis zerriß
in tausend Stücke. Sprachlos und totenblaß standen beide Männer da,
und als sie sich von der Betäubung erholt hatten, sahen sie einander
nicht wenig erstaunt an, denn der Schatz war wieder in die Tiefe
zurückgerollt.
319. Die Schatzgräber.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 100.)