dasselbe viel zu kümmern, setzten sie sich nieder und spielten, nachdem
sie sich vorher der Stiefeln entledigt hatten. Bald aber kamen sie
miteinander in Streit. Der eine Knabe nahm jetzt den Stiefel von
seinem Kameraden und warf ihn aus Bosheit in den Schloßbrunnen. Was
war jetzt zu thun? Den Stiefel wollte und mußte der Beschädigte haben.
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als in den Brunnen zu steigen und
den Stiefel zu holen. Gedacht, gethan. Er hatte aber noch nicht den
Wasserspiegel erreicht, als er zu seiner Rechten einen Gang gewahrte,
in dessen Wölbung ein alter, stämmiger, weißbärtiger Mann stand; der
Knabe erschrak, faßte sich aber sogleich und klagte dem Greise seine
Not. Dieser gab dem Knaben den Stiefel aus Mitleid zurück; der Knabe
dankte, kletterte zurück und kam glücklich wieder oben an. Aber welches
Entsetzen! der Stiefel war schwer wie Blei! Er sah hinein und bemerkte
einen großen Goldklumpen. Sobald der andere Knabe dieses sah, erwachte
in ihm der Neid und die Habgier, und um sich ebenfalls einen solchen
Schatz zu holen, stieg er auch in den Brunnen hinab, kam aber nie mehr
zum Vorschein.
Ein armer Mann, dessen Weib schwer krank darnieder lag und der überdies
noch drei unmündige Kinder zu versorgen hatte, beschäftigte sich, um
nur das tägliche Brot zu verdienen, mit dem Sammeln von Hadern und
Papierabfällen, um sie dann zu verkaufen. Einmal, am Karfreitage, ging
er an sein armseliges Tagewerk, hatte aber zu seinem großen Leide
nichts von seinen gesammelten Effekten verkauft. Betrübt darüber, mit
Thränen in den Augen, kam er an dem Purberge vorüber und dachte darüber
nach, wovon er mit seinem Weibe und seinen hungrigen Kindern heute
und morgen leben werde. Wie er so in Gedanken weiter geht, sieht er
plötzlich einen alten Mann, der ihn fragt, worüber er so betrübt sei.
Der Hadersammler erzählte ihm ganz aufrichtig seinen Kummer und sprach
ihn zuletzt um ein Almosen an. Der alte Mann aber antwortete: »Geld
habe ich zwar keines, aber gehe nur nach Hause, dort wird Dir schon
geholfen werden.« Der arme Mann glaubte seinen Worten, und zu Hause
angelangt, schüttete er seinen Korb mit dem Papier und den Hadern aus
und entdeckte zu seinem größten Erstaunen am Boden des Korbes einen
großen Goldklumpen. Von nun an war er ein wohlhabender Mann.
292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)
Ein Weib, welches mit einer Gefährtin am Hohen Steine Holz sammelte,
sah plötzlich, als sie sich aus ihrer gebückten Stellung aufrichtete,
einen großen Haufen Gold vor sich, über dem ein zuckendes Flämmchen
schwebte. Überrascht und erstaunt betrachtete sie mit gierigen Blicken
das gleißende Metall und rief laut ihrer entfernten Gefährtin zu:
»Komm' doch schnell hierher und hilf mir den großen Schatz in meinen
Korb raffen, welcher hier liegt!« Kaum waren diese Worte ihrem Munde
entflohen, als unter zischendem Geräusche der Schatz verschwand,
und die Gerufene, welche eiligen Laufes herbeigekommen war, schalt
jetzt ihre Genossin tüchtig aus, weil sie so unbedachtsam den Schatz
beschrieen und ihn so zum Verschwinden gebracht habe.
293. Der Schatz in der Loh bei Schönau.
(Mitgeteilt vom Lehrer H. Schlegel aus Wildenfels.)
In der sogenannten »Loh,« einem stellenweise sumpfigen, nach dem nahen
Dorfe Schönau bei Wildenfels zu gelegenen Distrikte, soll in früher
Zeit ein Raubschloß gestanden haben. Man sah an diesem Orte auch
häufig des Nachts um die zwölfte Stunde ein kleines Licht, und als
man daselbst nachgrub, fand man einen großen Schatz, welcher in einer
kupfernen Pfanne lag.
294. Der Schatz auf der Geyersburg.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 196.)
Oberhalb des Ortes Hohenstein bei der Haltestelle
Mariaschein-Calvarienberg der Dux-Bodenbacher Bahn erheben sich auf dem
456 ~m~ hohen Bergsattel des Erzgebirgs die wildromantischen Ruinen der
Geyersburg. In dem daselbst befindlichen unterirdischen Gange, welcher
erst auf dem Teplitzer Schloßberge ausmünden soll, liegen ungeheuere
Kostbarkeiten aufgespeichert, die man nur am Karfreitage innerhalb der
Dauer der Frühmesse heben kann, vorausgesetzt, daß man dabei auch mit
der erforderlichen Vorsicht zu Werke geht. Verstreicht dieser günstige
Zeitpunkt, so schließt sich mit einem furchtbaren Schlage die Öffnung
zu dem Raume, welcher, bewacht von neidischen Kobolden, die Schätze
birgt, und der Suchende ist unrettbar verloren. So sollen vor einiger
Zeit zwei Bergknappen es gewagt haben, in den Stollen einzudringen;
dem einen war das Glück insofern günstig, als er, wenn auch ohne die
gehofften Schätze, jedoch wenigstens mit heiler Haut davon kam, während
der zweite infolge seiner Verspätung aus dem unheimlichen Raume nicht
mehr zurückkehrte.
295. Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 192.)
Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben und
unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen in
Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem nahen
Felde ein Landmann; plötzlich sah er einen elegant gekleideten jungen
Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte und sich
eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte über die
schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst. »Ei was,«
rief der rätselhafte Fremde aus, »da ist Euch bald geholfen; geht
nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp an der
Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken. An dieser
Stelle müßt Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein kommt. Finden
müßt Ihr es sicher; die Tiere dürft Ihr aber unter keiner Bedingung
auf den Friedhof führen.« Darauf verschwand der Jüngling. Der Bauer
zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die zwölfte Mittagsstunde
ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht allein lassen und
dachte bei sich: Der Jüngling ist ja nicht da und weiß nichts davon,
wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja ohnehin nur am
Eingange. Gesagt, gethan; er betrat den Friedhof und bald war auch das
bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch an die Arbeit und, o Wunder!
mit einem Male blenden gleißende Goldstücke, die eine große, geöffnete
Kiste füllen, seine Augen. Er will darnach greifen, da tritt ein
nebelhaftes, graues Männchen dazwischen, schlägt mit Gewalt den Deckel
wieder zu und deutet mit wilder Geberde dem Manne an, er möge sich mit
seinem Gespanne gleich von hier entfernen und den heiligen Ort nicht
fürder entweihen. Kaum war er mit den Tieren draußen, so schlossen sich
auch die beiden Thorflügel mit solcher Wucht, daß ihm der Schlag durch
Mark und Bein ging. Das schlaue Bäuerlein ließ sich indeß durch diesen
fruchtlosen Versuch nicht abschrecken, ging später wieder auf den
Friedhof und grub aus Leibeskräften an jener Stelle; aber die Kiste mit
den Goldstücken hat er nicht wieder gesehen.
296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.
(Mitgeteilt von Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
In der großen Mühle, welche früher zum Rabenauer Schlosse gehörte und
durch einen unterirdischen Gang mit demselben verbunden gewesen sein
soll, war von Raubrittern ein großer Schatz verbannt, der nur von
einem ganz unbescholtenen Mädchen von zwanzig Jahren gehoben werden
konnte. Dieser Schatz wurde von zwei kleinen Schattenmännchen bewacht,
welche von vielen Leuten gesehen worden sind. Diese Männchen besuchten
das Mühlengebiet öfter und sobald sie dasselbe betraten, blieben alle
Werke stehen und waren nicht eher wieder in Gang zu bringen, bis die
Schattenmännchen wieder fort waren. Sie nahmen ihren Rückweg jedesmal
durch die zum Wasserbett führende Thür, gingen über letzteres weg und
verschwanden bei dem daneben befindlichen Keller. Bis zu Anfang dieses
Jahrhunderts wurden dieselben gesehen, und genau nach hundert Jahren
sollen sie wieder erscheinen, wenn der Schatz inzwischen nicht gehoben
wird.
Ein Mädchen, welches sich vorgenommen hatte, den Schatz zu heben,
wurde von ihren Angehörigen gewaltsam daran verhindert, die Mühle
zu betreten, um sie vor Unheil zu bewahren; sie gebärdete sich wie
wahnsinnig, so daß man sie anbinden und anschließen mußte; darauf
verfiel sie in eine hitzige Krankheit und starb bald.
Ende vorigen Jahrhunderts soll ein Besitzer der Mühle, dessen Name
vormals auch genannt wurde, mit Hülfe eines Geistesbeschwörers den
vergrabenen Schatz auch zum Teile gehoben haben; dafür wurde er aber
von den Geistern so geplagt und verfolgt, daß er die Mühle verkaufte
und sich bei Dresden von dem Schatze ein großes, schönes Grundstück
erwarb.
Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ließen sich Geister in der Mühle
sehen, welche den damaligen Besitzer überall so arg verfolgten und in
Furcht setzten, daß er zuletzt in Wahnsinn verfiel.
297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.
(Mitgetheilt von Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)
Vor 50 bis 60 Jahren standen von dem Rabenauer Schlosse noch mehrere
Mauern und Gewölbe und auch ein Altan. Da erzählten alte Leute, frühere
Raubritter hätten in dem Schlosse einen Schatz vergraben, welcher von
einer großen, schwarzen Henne mit feurigen Augen versetzt oder verbannt
sein sollte; diesen Schatz konnte nur derjenige finden, welcher eine
gleiche Henne mit zur Stelle brachte. Die versetzte Henne ließ sich
von Zeit zu Zeit sehen und scharrte und kratzte grade auf der Stelle
des Schloßhofes, wo der verbannte Schatz lag, verschwand aber jedesmal,
wenn sich ihr ein Mensch näherte. Schon in früherer Zeit hat man
fleißig Schatzgräberei im Schlosse unternommen und sogar bis Ende der
dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts allen Ernstes Schätze gesucht, aber
stets ohne Erfolg.
Hühner sind mythische Tiere. Sagen erzählen von Hühnern, welche
goldene Eier legen; auch nehmen nach einem böhmischen Aberglauben
Kobolde die Gestalt schwarzer Hühner an. Sollte die schwarze Henne
unserer Sage ein solcher Schatz hütender Kobold, und die Henne,
welche der Schatzgräber mitzubringen hat, ein Opfer sein, welches
den unterirdische Mächten darzubringen ist? -- Auf dem Burgberge bei
Mulda, wo ebenfalls nach der Sage ein Schatz vergraben liegt, läßt
sich ein Huhn sehen, welches jedoch ein verzauberter Burgherr sein
soll.
298. Das Aberthamer »Fels'l.«
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)
Nördlich von Abertham, dort, wo fruchtbarer Ackerboden und ein ziemlich
ausgedehntes Torfmoor sich scheiden, erhebt sich eine eigentümliche
Felspartie, im Volksmunde »das Fels'l« genannt. Der Sage zufolge
sind diese Felsen eine Burgruine, in deren Innerem große Schätze an
Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen und Perlen verzaubert liegen. Der
Zutritt zu denselben soll sich während der Christmette und der Passion
am Karfreitage öffnen. Aber schon mancher, der die vermeintlichen
Schätze an genannten Tagen heben wollte, holte sich durch das lange
und vergebliche Zuwarten bei stürmischem Wetter nicht unbedeutende
Krankheiten. Bis in die dreißiger Jahre machten Personen, deren Söhne
heute noch leben, den Versuch, der Schätze habhaft zu werden.
299. Der Tümpelstein bei Klösterle.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 79.)
Der Tümpelstein ist ein großer, unterhalb Klösterle in den Egerfluß
vorspringender Felsen. Sein Inneres enthält der Sage nach ungeheuere
Schätze, die von verwunschenen Rittern bewacht werden; nur am
Karfreitage während des Gottesdienstes ist der sonst unsichtbare
Eingang offen, und die angehäuften Schätze sind sodann den
Menschenkindern zugänglich.
Eine Mutter mit ihrem Kinde ging gerade am Karfreitage an dem Felsen
vorbei und erblickte in der offenen Höhlung geschäftige Männchen, die
ein Festmahl vorrichteten und ihr winkten, einzutreten und von den
Schätzen zu nehmen. Die Frau trat schüchtern ein, setzte das Kind auf
den Boden nieder und begann eifrig ihre Schürze mit Goldbarren und
Edelsteinen zu füllen, als sich, da der Gottesdienst in der Kirche
schon zu Ende war, das Felsenthor mit großem Getöse wieder schloß. Die
Frau mußte nun ein ganzes Jahr im Felsen zubringen, während welcher
Zeit das Kind kräftig und stark wurde. Am nächstfolgenden Karfreitag
konnte die Frau frisch, gesund und mit Schätzen beladen nach Hause
ziehen; von ihr erfuhr man auch, daß die Wächter, sobald der Eingang
sich geschlossen, zu Stein verwandelt wurden.
Einst pflügte am Karfreitage ein Bauersmann in der Nähe des
Felsens, erblickte ihn offen und sah darin allerlei Gestalten, die
Vorbereitungen zu einer Hochzeit machten. Im Vorbeigehen rief er
hinein: »Backet mir auch einen Kuchen mit!« Er ackerte dann rüstig
bis zum Mittag fort, dann spannte er aus, gab den Ochsen zu fressen
und nahm auch selbst sein mitgebrachtes Mittagsmahl ein. Schon hatte
er eine Weile still gesessen, als ein winziges Männlein erschien und
die bestellten Kuchen auf den Pflug legte. Der Bauer, eine Vergiftung
fürchtend, hatte nicht den Mut, die Kuchen selbst zu verzehren; er
zerbröckelte sie und fütterte seine Ochsen damit. Als er damit fertig
war, erschien jenes Männlein wieder, drohte ihm mit dem Finger und
sagte: »Weil du unsere Kuchen verschmähst, die du selber bestellt hast,
so soll für diesen Undank deine Wirtschaft kein Glück und keinen Segen
mehr haben.« Und diese Prophezeiung ging wirklich in Erfüllung, den
Bauer traf Unglück über Unglück, er mußte endlich das Haus mit den
Feldern verkaufen und wurde ein armer Mann.
300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein bei Zöblitz.
(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)
Unweit der Stadt Zöblitz an den Ufern der Pockau liegen die Ruinen der
alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg Oberlauterstein,
¼ Stunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf einer
felsigen Bergecke, wurde schon im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben
von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das
Schloß Niederlauterstein, nur einige Minuten unterhalb davon am linken
Pockauufer, erhielt sich über 200 Jahre länger. Vieles erzählt man
sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf,
deren einer 1530 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise
sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher
Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn,
in Tücher gewickelt, zu einem der Fenster herablassen, allein die in
der Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche
Alte wurde an den Felsen zerschmettert. Nachdem im Jahre 1559 Kurfürst
August das Schloß von Kaspar von Berbisdorf gekauft und zum Sitz eines
Amtes bestimmt hatte, wurde es im März 1639, als am Gründonners- und
Karfreitage Banners Schaaren die ganze Umgegend verwüsteten, von drei
schwedischen Reitern in Brand gesteckt und nun von seinen Bewohnern
verlassen. So weit die Geschichte.
In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses
Niederlauterstein sollen 3 Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und
breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem andern Kessel
liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene
Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten
ist ein Mönchlein aus Prag gekommen in schwarzen Kleidern, klein von
Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber
im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor
Erstaunen. Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien, sowie
von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.
Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends
nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf
der Höhe eine kleine Kapelle, deren Thüre offen stand. Neugierig stieg
sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde,
ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare
gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen
konnte; freudenvoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren
vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben, gedachte sie ihres armen
Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle
verschwunden, aber auch ihr Kind. Jammernd und klagend ging nun das
arme Weib täglich zur Ruine; sie verwünschte das Gold und wollte es gar
nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja -- ihr unschuldiges
Kind. So trieb sie es Jahre lang. Als sie nach drei Jahren an demselben
Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte,
siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und
traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie
es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu
denken, nach Hause. Als sie den Berg hinunter ging und sich umschaute,
war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier
eine Grafschaft, gründete ein Kloster und that von ihren Schätzen den
Armen viel Gutes.
301. Die Schätze von Oberlauterstein bei Zöblitz.
(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)
Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in der
Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben wollte er
nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer ein Mann in
alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine große Höhle,
in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der bestürzte
Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der alte Ritter
winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen ordinären
Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich geschah
ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, und
der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der Hand haltend.
Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu schwer wurde und er
sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und zu Hause auslachen
lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun, Mann, wie siehst Du
nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und spottend die Frau; »Du
glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am Ärmel.« Der Mann sah nach und
erblickte den reinsten Goldstaub an den Händen und seinen Kleidern. Nun
erzählte er seine Geschichte am Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte
er bei guter Zeit nach dem weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern.
Allein umsonst; den edlen Stein hat niemand wieder gesehen.
Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz das
neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage der
hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale
aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern
Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich
die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe.
Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch
im Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt
worden? In Gestalt von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze
des Waldsteins. Wer den Fund als unscheinbar oder lästig von sich
schleudert, erkennt an den goldglänzenden Spuren, die Kleid und
Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen. (L. Zapf, der
Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.)
302. Der Silbermann bei Pürstein.
(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.)
In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt
eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach
Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während der
andere Arm im Tannelberge liegt.
Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit 128
Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte.
Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen sich aber
ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der Sage nach ein
Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte.
303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 130; z. T. mündlich.)
Ein ehemaliger Besitzer des Schlosses Rabenstein (die Sage bezeichnet
ihn als einen Herrn von Carlowitz), der sehr mißgestaltet gewesen,
soll in dem Schlosse an einem unbekannten Orte eine Pfanne voll Gold
vergraben haben mit dem Bannspruche, daß ein Besitzer des Schlosses aus
seiner Familie, welcher eben so bucklig wie er sei, den Schatz finden
und heben sollte.
Erzählt wird noch, daß von dem Schlosse zu Rabenstein vor Zeiten ein
unterirdischer Gang nach Schloß Chemnitz geführt habe.
304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.
(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 19. 20.
Ziehnert, Sachsens Volkssagen. 4. Aufl., Pros. Anhang, No. 4; z. T.
mündlich.)
Mitten auf der Rainung der beiden Dörfer Reichenau und Hermsdorf im
Amte Frauenstein, am Kreuzwald, hart an der Straße nach Böhmen, steht
ein kleiner Stein mit der Bezeichnung »Kapelle«; hier stand noch bis
1876 ein Teil des Mauerwerks der Kapelle zum heiligen Kreuz oder der
sogenannten wüsten Kirche, welches in dem genannten Jahre abgetragen
und als Straßenbaumaterial verwandt wurde. Von der Erbauung und
Zerstörung dieser Kapelle weiß man wenig; wohl aber erzählt die Sage,
daß unter derselben eine ganze Braupfanne voll Gold stehe und zwölf
Fässer alten Weins vergraben seien. Viele haben schon danach gegraben;
daß aber von den Schatzgräbern allen auch nur einer etwas gefunden
hätte, davon will niemand etwas wissen. Auch soll sich daselbst des
Nachts zwischen 11 und 12 Uhr zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen
lassen, und man erzählt, daß um diese Zeit einmal an dem Orte einem
früheren Pfarrer von Hermsdorf etwas passiert sei, was derselbe aber
anderen nicht mitgeteilt habe.
305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.
(Mündlich.)
Im Orte Rechenberg südlich von Frauenstein sieht man nahe der Kirche
auf einem Felsen die Ruinen eines Schlosses, welches vielleicht zur
Bewachung der alten Zollstraße nach Böhmen erbaut wurde und das nach
der Sage durch einen unterirdischen Gang mit dem Schlosse Frauenstein
in Verbindung stand. In der Nähe des Schlosses zeigt man noch die
Überreste von Wällen, und als man am Fuße desselben die Schule baute,
traf man auf alte Gänge, welche anzusehen viele Leute weit her kamen;
doch konnte man nicht tief in die Gänge eindringen. In manchen Nächten
will man oben in der Ruine ein Licht gesehen haben. Erzählt wird, daß
in den Gewölben große Schätze in einer Braupfanne liegen, wer dieselben
heben will, muß seine eigene Tochter zum Opfer bringen; dieselbe muß
aber weißhaarig sein. Doch hat auch einmal ohne solches Opfer ein
Mann einen kleinen Teil des Schatzes gehoben. Als nämlich einst ein
Bierknecht des früheren Rittergutes vom Berge herab fuhr, sah er von
ferne auf der Ruine ein Licht. Er ging hinauf und sahe darauf an dem
Lichte dreihundert Thaler liegen, welche er einsteckte und mitnahm.
Nach vier Wochen war er jedoch tot.
306. Der Schatz des Tschinnersteins bei Brandau.
(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)
Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus in den
Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen schräg liegenden
Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder »tschinnern«. Dieser
Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer verschließen, und
Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12 Uhr ein Schloß sehen
und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt, schnell die Thür des
Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie sein, da das Schloß
gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger irre führt.
Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos und hatten
ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12 Uhr holen
wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie verschwunden.
Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die nach einer
halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold bedeckt.
Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen Topf
von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das Geld auch
nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich, indem er es
verkaufte.
307. Der Heldenberg bei Seifen.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.)