Im Zellwalde bei Kloster Zelle und zwar besonders in dem alten

Gemäuer, welches gemeine Leute für den Stadel eines alten

Nonnenklosters ansehen, hatte sich ein Fleischer, namens Hartenkopf aus

Siebenlehn, festgesetzt und beschlossen, hinfüro von Raub und Mord zu

leben, weswegen die Leute den Fußweg, der von Siebenlehn nach Roßwein

führt, nicht mehr sicher wandeln konnten, noch wollten. Weil sich nun

dieser Schnapphahn nicht nur am Leibe festgemacht, sondern auch mit

Geschütz und Gewehr versehen, also daß allen denen, so ihm zu nahe

kommen würden, der Tod drohte, konnten die aufgebotenen Landgerichte

und Amtsunterthanen, weil jeder für seine Haut fürchtete, wenig

schaffen, bis endlich eine von Roßwein aus kommandierte kurfürstlich

sächsische Korporalschaft vom Leibregiment zu Roß dieses Raubnest

ersprengte, und weil die bleiernen Kugeln an dem Räuber nirgends haften

wollten, haben sie endlich noch mit einem eingeladenen silbernen Knopfe

den Zauber gelöst und den Leib zugleich mit gefällt.

Die durch Hülfe des Teufels erworbene Kugelfestigkeit besteht

nicht gegen einen geerbten silbernen Knopf. Von einem solchen

wurde der Stadtkommandant Bruse von Greifswalde, auf welchen mehr

als zwanzig schwedische Kugeln erfolglos abgeschossen worden

waren, getötet. (Temme, Pommer'sche Sagen, No. 244.) Ebenso

erzählt eine Sage, wie der Reitknecht König Augusts des Starken

den seinen Herrn verfolgenden Husaren durch einen silbernen Knopf

niederschoß. (Johannes-Album, Chemnitz 1857. 2. T. S. 181.) An die

Stelle des silbernen Knopfes treten auch silberne Kugeln. Nach

einem rumänischen Volksliede konnten den Freischarenführer Pintye

nur drei silberne Kugeln, drei Maß Frühjahrsroggen und drei Nägel

von einem Frühlingsfohlen verwunden. (Jahrbuch des Ungarischen

Karpathen-Vereins XII., S. 87.)

273. Der Holzmüller von Neudorf.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 317.)

In der sogenannten Holzmühle zu Neudorf bei Sebastiansberg lebte einst

ein Müller, der war so reich, daß er den Fußboden seiner Stube mit

lauter harten Thalern gepflastert und darüber erst die Dielen gelegt

hatte. Er verstand aber auch die schwarze Kunst. Als er einmal ganz

allein in der Mühle war, drangen plötzlich zwölf Räuber in die Stube

und forderten sein Geld. Der Müller hieß sie niedersetzen und that,

als ob er das Geld holte. Bald aber merkten die Räuber, daß sie nicht

aufstehen konnten. Nun baten sie den Müller, er möge sie loslassen;

der erbarmte sich, schnitt aber jedem mit seinem Messer ein Zeichen

ins geschwärzte Gesicht und entließ sie. Als er nun am nächsten

Sonntage seine Verwandten besuchte, fand er in ihren Gesichtern

das eingeschnittene Zeichen. Oft schon hatte man versucht ihn zu

erschießen, er war aber kugelfest. Endlich hat ihn ein Jäger auf dem

Wege nach Krümau mit einer gläsernen Kugel erschossen; auf der Stelle,

wo dies geschehen, steht heute noch ein Kreuz.

274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.

(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II., S. 19.)

Im Jahre 1260 hat sich zu Freiberg ein Schüler (einige halten dafür,

daß es ein Priester gewesen sei) in eine Jungfrau heftig verliebt, und

um dieselbe zu gewinnen, hat er Rat und Hülfe bei einem Schwarzkünstler

gesucht. Derselbe führte ihn in der Sachsenstadt in ein abgesondertes

Gemach, stellte ihn in einen Kreis und begann seine gewöhnlichen

Beschwörungen. Der Teufel ließ sich nicht lange bitten und erschien

plötzlich in der Gestalt der begehrten Jungfrau. Da stand der Jüngling

heftig auf und bot ihr aus dem Kreise die Hand. Doch zu seinem höchsten

Unglück und Verderben riß ihn der Teufel zu sich und warf ihn gegen die

Wand, so daß er auf der Stelle tot blieb. Aber auch der Schwarzkünstler

erhielt seine Strafe. Der Teufel nahm den zerschmetterten Körper des

Schülers und warf damit mit solcher Gewalt nach ihm, daß er daran

»versterret die ganze Nacht winselnd gelegen und auch früh noch also

gefunden wurde.« Er wurde darnach zu gebührender Strafe gezogen.

275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.

(Moller, a. a. O. II., S. 201. Wilisch, Kirchen-Historie von Freyberg

etc. II., S. 327. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Prosaischer

Anhang, No. 5.)

Am Montage nach Palmarum 1536 hat ein Pfaffe aus Mulda in einem

Weinhause zu Frauenstein allerlei Üppigkeit getrieben, ist auch des

Nachts daselbst ganz voll und toll liegen geblieben, morgens aber mit

umgedrehtem Halse tot gefunden worden. Man hat ihn für einen Zauberer

gehalten, von dem gemeldet wird, daß er in Wirtshäusern böhmische und

andere Groschen nach Belieben aus den Wänden herausgegraben und sonst

allerlei Gaukelspiel zur Verwunderung gemeiner Leute getrieben habe.

Er ließ z. B. auch den Wein zu Feuer werden und wußte es im Spiele zu

machen, daß er allein alles gewann.

276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 314. Wenisch, Sagen aus dem

Joachimsthaler Bezirke, S. 102.)

Ein Hirte, der bei Permesgrün die Herde weidete, fand einmal unter

einem Steine, der am Fuße einer uralten Eiche lag, ein altes Buch, auf

welchem die Worte standen: Wende den Inhalt wohl an, und Du wirst der

Menschheit nützen. Das that der Hirte, und bald war er in der ganzen

Gegend als Wunderdoktor bekannt und gesucht. Da erkrankte der Sohn

des Herzogs so schwer, daß der Vater in der Verzweiflung dem Retter

seine Tochter zur Frau versprach. Der Wunderdoktor ging an den Hof

des Herzogs und versprach die Heilung. Der Herzog wiederholte sein

Versprechen, drohte aber ihn umzubringen, wenn der Versuch mißlänge.

Der Wunderdoktor machte sich an die Kur, und bald war der Prinz

gerettet. Als aber der Wunderdoktor seinen Lohn verlangte, verweigerte

ihm der Herzog die Tochter. Darüber ärgerte sich der Doktor, daß er

sichtbar hinsiechte. Da las er in seinem Buche und befahl hierauf

seinem Diener, ihn zu zerstückeln, die Stücke in eine Kiste zu legen

und diese unter jener alten Eiche zu begraben; nach einem Jahre sollte

er die Kiste wieder öffnen, aber nicht früher. Dann werde er wieder

frisch und gesund auferstehen.

Der Diener that, wie ihm sein Herr geheißen hatte, aber er konnte die

Zeit nicht erwarten und öffnete schon nach dreiviertel Jahren die

Kiste, um nachzusehen, wie es mit seinem Herrn stünde. Da war die

Wunderkraft vernichtet, und der Herr blieb tot.

Wir haben am Schlusse dieser Sage eine Variante des alten Glaubens,

daß der alternde Mensch oder der Verstorbene durch Zauberkünste

wieder nach einem gewissen Zeitraume verjüngt aufersteht, wenn man

seinen Körper in Stücke zerhaut. Der junge Graf ~de Villano~ hatte zu

Salamanca in der Schule des Teufels auch gelernt, wie man alte Leute

wieder verjüngt. Nachdem er selbst zu Jahren gekommen, wollte er zu

seinem eigenen Vorteile von diesem Geheimmittel Gebrauch machen. Er

ließ sich, als es mit ihm zu Ende ging, von einigen gekauften Mohren

schnell in Stücke zerhauen, die Stücke in eine Glasflasche füllen und

diese in den Pferdemist setzen. Auf der Folter jedoch gestanden die

Mohren, leider zu früh, was sie gethan hatten, und als man nachgrub,

fand man das Glas und darin ein bereits ganz wohlgestaltetes Kind.

(Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 121.) Nach Mannhardts

Mythen (S. 66.) wurden der polnische Räuber Twardowsky und der

ungarische Eisenlaci zerhauen und mit gekochten Heilkräutern

begossen; nach sieben Monaten gewannen ihre Leichname wieder Kinder-

oder Jünglingsgestalt. Auch der Arzt und Wunderdoktor Theophrast

befahl vor seinem nahen Tode dem Diener, daß er seine Leiche in

kleine Stücke zerschnitten in eine eherne Truhe lege und mit einem

gewissen Pulver bestreuen solle. Nach 9 Monaten solle er die Truhe

wieder öffnen. Der Diener öffnete sie aber bereits nach 7 Monaten

und fand ein noch nicht völlig entwickeltes Kind, das sich krümmte

und vom Zutritte der kalten Luft starb. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S.

672.)

277. ~Dr.~ Faust's Höllenzwang.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 128.)

~Dr.~ Faust's Höllenzwang nennt die Sage ein Buch, in welchem die Kunst

gelehrt wird, Geister zu citieren, ja selbst den Teufel sich dienstbar

zu machen. Dieses Buch haben schon viele Freunde der schwarzen Kunst

vergeblich gesucht, indem sie den Dornstrauch nicht wissen, unter dem

es hinter dem Chemnitzer Schlosse, am Wege nach dem Küchwald, vergraben

sein soll.

278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.

(Köhler, Volksbrauch etc., S. 552, Mitteilungen des Nordböhm.

Excursions-Clubs, 7. Jahrg., S. 132.)

In dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Lauterholz bei Lauterhof

und Stangengrün soll man keine Sperlinge finden. Man hat sie schon in

Nestern dorthin verpflanzen wollen, aber sie sind nicht geblieben.

Dasselbe erzählt man von Karlsfeld, wohin man Sperlinge aus Eibenstock

brachte, ohne daß sie geblieben sind. Es wird erzählt, daß diese Vögel

von Zigeunern weggebracht worden seien.

Als in früheren Zeiten zur Thomasmühle bei Falkenau noch ausgedehnte

Felder gehörten, wurden dieselben sehr von Sperlingen besucht, welche

an den Saaten bedeutenden Schaden anrichteten. Da kam eines Tages

eine alte Zigeunerin, welche den Müller um ein Almosen anflehte. Der

Müller bot ihr eine gute Belohnung an, wenn sie die lästigen Gäste

vertreiben könnte. Da sprach sie über die Sperlinge einen Spruch und

von jener Zeit an waren auf den Feldern der Thomasmühle und auch

in dem benachbarten Hillemühl keine Sperlinge mehr zu sehen. Erst,

nachdem 1867 die Bahn gebaut wurde, haben sich etliche in Hillemühl

angesiedelt. Die Thomasmühle aber fliehen sie noch heute.

In Fürstenwalde bat ein Soldat in einem Hause um etwas zu essen. Der

geizige Hauswirt aber erwiderte: »Da geben wir's lieber den Spatzen,

als euch.« Der erzürnte Soldat antwortete: »Ihr werdet den Spatzen

nicht mehr viel geben.« Er hat darauf die Sperlinge verwünscht und seit

dieser Zeit sind sie in Fürstenwalde nicht mehr zu finden.

Daß die Sperlinge von Zigeunern, welche von den Bewohnern freundlich

aufgenommen wurden, verbannt worden sind, erzählt die Sage auch von

dem Dorfe Sora bei Bautzen. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 246.) In

Böhmen giebt es noch verschiedene Orte, an denen sich keine Sperlinge

aufhalten, weil sie daselbst verbannt wurden. Nach einem dortigen

Volksglauben kann man sie von den Feldern verscheuchen, wenn man

einen Span von dem Holze, woraus ein Tischler einen Sarg angefertigt

hat, in's Getreide steckt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in

Böhmen und Mähren, S. 73.) Aus dem Erzgebirge ist mir noch Neudörfel

bei Schneeberg bekannt, von dem ebenfalls erzählt wird, daß daselbst

keine Sperlinge nisten; die Sage meldet jedoch nichts davon, daß hier

die Sperlinge durch Zigeuner weggebannt worden seien. Alle Orte ohne

Sperlinge liegen oder lagen fast ganz von Wald umschlossen, so daß

in ihrer Nähe Raubvögel einen sichern Schutz finden; ebenso tritt in

der Nähe kleiner Walddörfer der Ackerbau zurück und es fehlen demnach

daselbst Körnerfrüchte und Insekten, denen unsere Vögel nachgehen;

ist es doch nachgewiesen, daß die Sperlinge überall dem Ackerbau

gefolgt sind.

Von Interesse erscheint es, aus den mitgeteilten Sagen zu erfahren,

daß das Volk das Fehlen der Sperlinge für eine Wohlthat ansieht; nur

in der letzten Sage wird dasselbe als eine Strafe dargestellt. Sollte

damit auch zugleich ausgesprochen werden, daß in Fürstenwalde der

Ackerbau zurückgegangen sei?

279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.

(Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 619.)

Südwestlich von Zwickau liegt das Dorf Planitz, welches der Familie von

Arnim gehört. Ein früherer Herr von Arnim konnte das Feuer segnen. Wenn

irgendwo viele Meilen in der Runde eine Feuersbrunst war, holte man

ihn oder er eilte selbst hin, ritt um das brennende Haus herum, sprach

seinen Segen und augenblicklich verlöschte die Brunst.

280. Wie das Feuer gebannt wird.

(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)

Vor hundert Jahren lebte in der Umgegend von Nossen ein

Rittergutsbesitzer, der konnte das Feuer bannen. War irgendwo ein

Brand ausgebrochen, so kam er eilends angeritten, jagte dreimal unter

geheimnisvollem Murmeln um das Feuer herum, dann schnell wieder fort

und über ein fließendes Wasser, worauf das Feuer erlosch. Wäre er nicht

über ein Wasser geritten, so würde das Feuer ihn verbrannt haben.

Zur Zeit, als die Leute ihr Brot noch selbst einteigten, pflegte man

in der Nossener Gegend bei ausgebrochenem Feuer den Backtrog vor's

Haus zu tragen und nach dem Feuer gerichtet an das Haus anzulehnen.

Dann wendete sich der Wind vom Hause ab. Auch schaffte man beim Retten

niemals zuerst die Betten aus dem Hause, sondern irgend etwas anderes,

da sonst die Kräfte gelähmt wurden.

VI.

Sagen von Schätzen.

Ein Volksglaube, welchen Veckenstedt in den »Wendischen Sagen, Märchen

und abergläubischen Gebräuchen« (Graz, 1880) an die Spitze seiner

Schatzsagen stellt, erzählt uns, daß da, wo des Nachts um 12 Uhr

kleine Flämmchen auf der Erde herumflackern, Geld brenne; man müsse

dann ein Geldstück oder ein Messer hineinwerfen, um den Schatz zu

erlangen; derselbe werde jedoch von wilden Hunden oder anderen Tieren

bewacht. In dieser kurzen Sage ist der wesentlichste Inhalt aller Sagen

niedergelegt, welche uns erzählen, wo sich jene mythischen Schätze

finden, die Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage etc., S. 48) als

niedergegangene Sterne des Himmels oder als Morgen- und Abendröte

deutet, und die wieder von anderen, z. B. von Nork in seinen »Sitten

und Gebräuchen der Deutschen« zu den Münzen in Beziehung gebracht

werden, welche von den heidnischen Germanen und Slaven ihren Toten

mit ins Grab gegeben wurden. Es wird uns aber auch in jener kurzen

lausitzischen Sage mitgeteilt, wie diese Schätze zu heben sind und

welche Mächte dieselben gegen das Eindringen der Sterblichen bewachen.

Derselbe Sagenstoff wiederholt sich in mannigfachen Abänderungen an

zahlreichen Örtlichkeiten. Auch im Erzgebirge zeigen blaue Flämmchen

oder Lichter Schätze an, bei deren Heben kein Wort gesprochen werden

darf. Nach Jacob Grimm (Deutsche Myth., S. 544) wird auch ein auf

bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück (nach einer unserer Sagen kann

dies z. B. ein Halstuch sein) auf den Schatz geworfen, um alle Gefahr

von sich abzuwehren.

Zahlreich sind ferner im Erzgebirge wie anderwärts die Sagen, nach

denen unermeßliche Schätze in weiten Gewölben in Braupfannen oder

Laden liegen. Die Pforten zu diesen Höhlen öffnen sich nur an

bestimmten Tagen zu gewissen Stunden, und wenn die Glücklichen in

die Schatzkammern eintreten, so finden sie die Schätze entweder von

Hunden oder grauen Männchen, Kobolden oder Schattenmännchen bewacht.

Bei den Schätzen ist gewöhnlich eine weiße Jungfrau, teilweise mit

einem Schlüsselbunde. Nicht selten sind es auch Wunderblumen, welche

die Pforten zu den Geldgewölben öffnen, und die von denen, welchen

es beschieden war einzutreten, vergessen werden. (S. Wundersagen.)

Frauen, welche mit einem Kinde eintreten, lassen in der Hast, womit

sie die Schätze zusammenraffen, ihr Kind zurück; sie finden dasselbe

im nächsten Jahre an gleichem Tage wohlbehalten mit einem Apfel in den

Händen in der Schatzkammer wieder.

In diesen Überlieferungen erkennen wir den Mythus, in welchem der

Kreislauf des Jahres erscheint. Das Kind mit dem Apfel in der Hand

bedeutet die Fruchtbarkeit des Jahres; die Erdgöttin (Freija) hat

das Kind zu sich genommen und läßt es erst nach Ablauf eines Jahres

wiederfinden. (S. Ludwig Zapf in der Leipziger Illustr. Zeitung, No.

1890.)

Unsere Sagen erzählen uns auch, wie sich die Schätze als Halme an

den Bäumen sommern und dann wieder, wenn sie fortgetragen wurden,

in goldene Ketten verwandelten; sie melden uns von Ziegelsteinen,

Leinwandfleckchen, Kohlen, Hobel- und Sägespänen, Baumrinde und

Kartoffeln, die zu Gold wurden.

Wenn auch manche Überlieferungen, wie der Gebrauch der dem Donar

geweihten Hasel als Wünschelrute und die rote, blaue und zuweilen gelbe

oder weiße Farbe der Wunderblumen, welche dem Blitze als gleichfarbig

erscheinen, in Beziehung zur Gewittergottheit gebracht werden können,

deren Blitz dem Golde gleich aus der finstern Wolke, dem himmlischen

Berge, hervorleuchtet, so meine ich doch, daß auch viele Schatzsagen

auf den heidnischen Gebrauch, den Toten Geld mit ins Grab zu geben,

zurückzuführen und daß zahlreiche Plätze, besonders Berge und Orte, an

denen einst Schlösser und Burgen standen, und an denen die Sage des

Volkes Schätze verheißt, zugleich ehemalige Begräbnisplätze sind. In

heidnischen Begräbnisfeldern wurden neben Münzen und Schmucksachen auch

Kohlen vom Leichenbrand gefunden, und so mochte sich der Glaube bilden,

daß überall da, wo in der Erde an den von Geschlecht zu Geschlecht in

nebelhafter Erinnerung als ehemals geheiligt gehaltenen Orten Kohlen

angetroffen wurden, auch Schätze vergraben lägen; ja die Kohlen selbst

wurden später als durch Zauber umgewandelte Schätze betrachtet. (Nork

a. a. O., S. 709.)

Die Toten aber finden nach einem Volksglauben im Grabe keine Ruhe,

so lange sie das mitgenommene Geld nicht wieder an einen Sterblichen

abgegeben haben. Ich verweise dabei auf die Sage vom Jünglinge zu

Weißbach, welcher im Grab0e keine Ruhe fand, bis man den mitgenommenen

Pfennig wiedergeholt hatte. Was hier der Volksmund vom geringen Pfennig

erzählt, das wiederholt er in ähnlichen Überlieferungen vom Gold und

reichen Geschmeide. Überall kehrt in den Schatzsagen die Erscheinung

von Wesen wieder, welche keine Ruhe finden, bis das Gold und Silber

gehoben ist; außerdem aber zeigen sie dem Sterblichen meist auch die

Mittel, deren sich derselbe bedienen muß, um in das Innere der Erde zu

gelangen, wo die unermeßlichen Reichtümer liegen und gleichzeitig der

Hüter seiner endlichen Erlösung aus dem Zauberbanne harrt.

281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.

(Mündlich.)

An der Plänerleite zwischen Blauenthal und Zimmersacher liegt

ein zerklüfteter Granitfelsen, welchen man wegen seiner Form die

Steinwand nennt. Weiter oben nach dem Zimmersacher zu aber quillt

der »Goldbrunnen«, aus welchem man einst Gold gewaschen hat. In der

Steinwand jedoch öffnete sich einst an einem Karfreitage, als in

Eibenstock die »lateinische Litanei« gesungen wurde, eine Höhle, und

wenn jemand durch das Thor derselben hineingegangen wäre, hätte er

daselbst große Schätze gefunden.

282. Der Schatzkeller am Bärenstein.

(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg.

Annaberg, 1746, S. 8.)

Es ist die alte Richterin zu Königswalde nebst noch zweien ihrer

Nachbarn am Bärenstein im Mai Gras und Kräuter zu holen gegangen, und

als sie an den Berg gekommen sind, so hat sichs am Berge aufgethan

wie ein großes Scheunenthor, daß sie hinein gesehen hat, wie in eitel

Silber und Gold, und als sie die andern zwei gerufen, daß sie es auch

sehen sollten, so ist es wieder verschwunden.

283. Der Schatzkeller im Scheibenberge.

(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 187.)

Im Jahre 1605 bekam ~M.~ Laurentius Schwabe, Pfarrer in Scheibenberg,

etliche Gäste von Annaberg. Seine Ehefrau führte einige ältere

Freundinnen über und um den Scheibenberg, ihnen dessen Gegend zu

zeigen. Dabei trafen sie aber ein Loch, in welches drei Stufen führten

und darin lag ein glänzender Klumpen, wie glühendes Gold. Darüber

erschraken sie und gingen eilends nach der Stadt. Als sie jedoch den

Pfarrer nebst den übrigen Gästen nach dem Orte führen wollten, konnten

sie das Loch nicht wieder finden.

Im Jahre 1648 starb Hans Haß, ein alter ehrlicher Bürger zu

Scheibenberg, welcher auf dem Siechbette von seiner Armut am Anfange

seines Ehestandes folgendes erzählte: Als Wolf Köhler seine Tochter

Elisabeth weggab, wären wir junge Eheleute gerne mit zu Ehren gezogen,

aber wir hatten kein Geschenke. Wir gingen am Berge grasen und wurden

eines Lochs gewahr, das mit einer eichenen Thür verschlossen, und

gingen etliche Stufen hinein. Da wir Wunders halber hinein sehen, liegt

ein Fuchs auf einer Stufen. Wir erschraken darüber, gleichwohl weil

sich der Fuchs nicht rührete, gaben wir ihm einen Stoß und befunden,

daß er tot war. Ich verkaufte den abgestreiften Balg, wir gingen auf

die Hochzeit und waren lustig. Aber nach selbiger Zeit habe ich das

Loch nicht wieder finden können, wie fleißig ich auch gesucht habe.

284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183. Gießler, Sächs.

Volkssagen, Stolpen (o. J.) S. 104.)

Unter einem großen Felsen des Greifensteins, wo der Vermutung nach

ein altes Schloß gestanden hat, ist ein offenes Loch zu sehen, in das

ein Mann bequem kriechen kann. Von diesem Loch aber wird erzählt,

daß einst eine Magd aus dem Vorwerke Hayde, die, wenn sie daselbst

grasete, öfters mit Namen gerufen wurde, im Beisein einer andern Magd

auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem Verlaß, wenn sie

schreien würde, daß ihr die andere zu Hülfe kommen sollte. Es hätte

aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit Gold und Geld und

einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen, und auf Befehl einer

Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber inzwischen der Eingang

ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere Magd um Hülfe geschrien,

wäre der Hund auf sie losgesprungen und hätte alles Eingefaßete wieder

aus dem Grastuche gescharret, darauf sie voller Schrecken von der

andern herausgezogen worden, und des dritten Tages darauf wäre sie

gestorben.

Besser (indem er wenigstens nicht mit dem Leben büßen mußte) erging es

einst einem alten Manne aus Geyer, einem gewissen Christoph Hackebeil,

der von seinem Heimatsorte nach der am Fuße des Greifensteins liegenden

Gifthütte ging, durch sonderbaren Zufall auf den Greifenstein

geriet, dort in dem obengedachten Loche entschlief und die ganze

Nacht und den halben folgenden Tag daselbst zubringen mußte. Es ließ

ihn schlechterdings nicht fort, und für die Angst und Versäumnis

seiner Zeit hat derselbe nicht einmal einen klingenden Lohn von den

Berggeistern erhalten.

Der Hund, welcher den Schatz bewacht, ist der Hund der Unterwelt,

welcher bei der Göttin Hel wacht. Ursprünglich ist derselbe das

Tier Odhins, einer von den Wölfen der Walstatt. Odhin aber ist als

Verleiher jedes Gutes auch zugleich der Herr der Schätze.

285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.

(I. Mündlich. II. Moritz Spieß, Aberglaube, Sitten und Gebräuche des

sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 40.)

I. Eines Tages gingen zwei Mädchen durch den Wald, in welchem der

Greifenstein liegt; sie hatten Streu gesammelt und trugen dieselbe

in ihren Tragkörben nach Hause. Als sie nun auf einem schmalen Wege

die Höhe abwärts stiegen, sahen sie an den Zweigen der Fichten zu

beiden Seiten Strohhalme hängen. Darüber wunderten sie sich, denn sie

meinten, daß hier doch kein Weg für Wagen sei; es sah nämlich aus,

als ob von einem mit Stroh beladenen Wagen durch die zum Teil über

den Weg hängenden Zweige einzelne Halme losgerissen worden seien,

wie man solches ja häufig an den mit Bäumen besetzten Landstraßen

sieht. Wie die Mädchen aber nach Hause gekommen waren und ihre Streu

ausschütteten, fanden sie darunter eitel goldene Ketten. Der Schatz des

Greifensteins hatte sich in der Gestalt von Strohhalmen an diesem Tage

gesommert und so waren einzelne Halme in die Körbe gefallen, wo sie

sich in die goldenen Ketten verwandelt hatten.

II. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel

eines Tages bei dem Greifensteine vorbei ritt, hingen so viel Gras-

und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten

konnte. Dabei blieben einige Halme auf seinem Hute liegen. Als er

daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldene Kette. Es

soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.

Henne-Am-Rhyn (Die deutsche Volkssage, S. 49 und 52) deutet die

Schätze der Sage als Sinnbilder der Sterne; sie bewegen sich und

versinken wie letztere. Daß Schätze an gewissen Tagen aufsteigen,

um sich zu sonnen, erzählen noch mehrere Volkssagen. Als einst

Steinbrecher auf dem Schlatter Rehberge bei Bingen von ferne einen

schimmernden Haufen liegen sahen, sagten sie: »Heute ist der erste

März, da sonnen sich die Schätze.« Thönerne Scherben, welche dann

einer von ihnen an jener Stelle fand, verwandelten sich zu Hause in

zerbrochene Silbermünzen. Nach einer andern Sage steigen Schätze

an Märzfreitagen aus dem Boden, um sich zu sonnen; dabei wird ihre

Ankunft vielfach durch eine blaue Flamme verkündet. Die Schätze

werden auch von Geistern unter der Erde fortgerückt. (Nork a. a. O.,

S. 709.)

286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.

(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130 und 132.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 24 / 62 段