Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine

Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar

sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die

Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker

dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ

man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt,

Sagenbuch der Lausitz, No. 126.)

246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.

(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)

Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes

Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren

prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis

liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der

Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen

war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel keineswegs

zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner Mißbilligung

der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die Kirche des neuen

Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die Treppen herauf

schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch eine Kanzel zu

bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete er seine Arbeit.

Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder zu vergrößern, vermauerte

er die Kanzel, damit niemand sie betreten und benutzen könnte. Der

Tag begann zu dämmern, als er mit seiner Arbeit zustande gekommen

war, und er ging, um seinen Heimweg anzutreten. Zuvor aber trabte er

in das Schiff der Kirche, beschaute sich sein Werk und befand es für

gut. Dann entfernte er sich eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder

zu beten kamen, erstaunten sie nicht wenig über die neue Kanzel und

stiegen die Treppe aufwärts, um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie

war vermauert. Voll Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines

eingedrückten Pferdehufes. Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses

Werkes und zugleich seinen bösen Willen. -- Noch jetzt sieht man die

Kanzel unbeschädigt und kennt sie in der ganzen Gegend unter dem Namen

der Teufelskanzel.

247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.

(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)

Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, daß

einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen

getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach

einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe,

die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage darauf

sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe ihn gefragt,

ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom Müller

bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte und nie

wiedergekehrt wäre.

Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In

der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol

als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen

Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn,

die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster

und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein

Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem

Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter

schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei

Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem

Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er

später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder

zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. --

In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große

Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische

Sagen, S. 195.)

248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.

(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)

Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des

Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse

des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben

soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine

Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel

erbaut hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur

auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug

vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der Mühle

zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und das Klappern

der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei einer gewöhnlichen

Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was er konnte, davon.

Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel

geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf

diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub

oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109).

Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle

am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz

anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin.

-- Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen,

welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem

zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen.

(Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)

249. Der Käthelstein bei Annaberg.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)

Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens

Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterszeit

von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch

den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht vor

ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten mit in sein Haus zu

gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue

im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis den Weg weiter zu

finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen

des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gewährte ihm also

seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf,

als sie aber an das Haus Günzers gekommen waren und ihnen die Tochter

desselben, Katharina, die Thür geöffnet hatte, stieß diese bei dem

Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehegeschrei aus, ließ

vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als

der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet und seine in Ohnmacht

gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, daß

jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als

seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese

antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimführen

wolle; sie habe nämlich vergangene Nacht geträumt, sie liege im Walde

und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde,

auf sie zu und nenne sie seine Braut, küsse sie und lasse dann bei

seinem Weggehen sich durch seine Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den

Teufel erkennen. Der alte Günzer war eben daran, sie zu trösten, da

erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben

stand: In 9 Wochen werde ich um Mitternacht an's Fenster pochen und

meine Braut heimführen! Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in

Erfüllung gegangen war. -- Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen

in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen

auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der

Böse nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als

die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war,

da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut

heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand an und

der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten:

»Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder Eure Hütte steht in

Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen; wieder

kam die gefürchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zwölften

Schlage klopfte es an das Fenster und rief: »Heraus die Braut, sonst

brennt das Haus!« Aber der alte Günzer schloß seine besinnungslose

Tochter in seine Arme und sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg

von uns, Satanas!« Da brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in

Flammen! Nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so

wird Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er

zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der größten

Mühe retteten beide ihr Leben. -- Sie flohen nun zuerst zu Verwandten,

allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere Hütte am Rande

des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl

geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die

neunte Woche heran, da übermannte einst am hellen Mittag Käthchen

der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit seinem Gefolge schaue

zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine höllische Residenz

entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus dem Schlafe

auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und ein Engel, umstrahlt

von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch in der Hand tragend,

winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe Dir Frieden!« Er führte

sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr gänzlich unbekannten Wege,

bis sie an einen Felsen kamen, der öffnete sich, als der Engel ihn mit

dem Kreuze berührte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte,

bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber glänzte; vor diesem

saßen sieben Greise mit spitzen Mützen und langen Bärten. Als sie aber

das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und der Engel und

die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen

verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag

auf kostbarem Lager unter einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne

Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben

Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie

ihn, was ihn herführe, dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr

des unglücklichen Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die

Fürstin der Berge -- denn das war sie -- einem der Zwerge, ihr eine

Urne von Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus

ein Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses

Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben

können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der

Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm

der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie denselben Weg

wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit

Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach,

sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als Käthchen

nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erzählte ihm, was ihr

begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer

Erzählung. Da erwiderte ihr derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches

widerfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes

Jesuskreuz gefunden. Als sie es näher betrachteten, um vielleicht

ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen

könnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den

Worten: »Dem Gläubigen hilf Jesus Christus.«

So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und die früher

so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war

der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und brüllte:

»Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen selbst das

Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter

furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber rief er: »Käthchen,

Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil an Dir, aber jetzt ist

die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu folgen; komm heraus, daß

ich Dich packen kann!« Allein auch hier mußte er weichen, denn Günzer

hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen. Aber diesmal verschwand

er nicht so ruhig, wie die frühern Male. Ein furchtbares Gewitter

begann sich zu entladen, ein Orkan warf die stärksten Bäume nieder

und erschütterte das Häuschen in seinen Grundfesten, der zum Strom

angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug

es Eins, so war alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell

durch die finstern Wolken.

So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und nach

zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr

schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber verlieh

demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte

und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben gedachte.

Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb

dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.

Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches Los

er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich geführt

hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten,

wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag

hin, um dort für das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten.

Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst

aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten, und kehrte

nicht zurück, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu

suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; aus dem Felsen trat aber ein

Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das

Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetrübte

Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab

in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg

hineinzusetzen, und die Leidtragen eben damit beschäftigt waren,

denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab,

hoben ihn von der Bahre, stellten ihn in den Felsen und schlossen

denselben wieder mit einem großen Quadersteine so geschickt, daß

niemand mehr sehen konnte, wo die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit

aber nennt man jenen Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den

Käthelstein.

250. Hans Heilings-Felsen.

(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1.

B., No. 329.)

An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen empor,

die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es heißt, vor

alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, im Lande

gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden Freitag in

sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben

sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, wo er ein

Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt haben,

die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden

war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen Gästen Hochzeit hielt,

erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich unter ihnen und rief

laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, wenn Du mir diese

vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du mein!« und verwandelte

alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und Bräutigam stehen da,

wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten Händen. Hans Heiling

stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang und

kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch jetzt zeigt man die Steinbilder,

die Liebenden, den Brautvater und die Gäste, auch die Stelle, wo

Heiling hinabstürzte.

251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.

(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)

Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger Stunde

in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, wenn er

nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel sein. Da

erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel auf. Dem

kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel liebte und

trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, doch der Graf

verlor fortwährend und hatte schon alle seine Knechte und Mägde und

zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es dem Teufel nach Isa,

der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte aber seine Tochter

über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit geopfert; denn sie

war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige Stern, zu dem er mit

aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre Schönheit und sittliche

Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, doch nur dem edlen

Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit jungfräulicher Schüchternheit

erwidert. Der Graf wollte seine geliebte Tochter Isa nicht auf den

Wurf setzen. Doch der Teufel bot ihm die Freiheit für sich und seine

Knechte und Mägde und noch so viel Geld, als er mit seinem gewaltigen

Streitrosse wiege, wenn er gewönne. Der Graf zögerte trotz der

Versprechung und wollte den verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der

Teufel drängte, denn in kurzer Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber

und seine Macht zu Ende. Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus

seinem Humpen, ergriff die beiden Würfel und warf -- jubelnd sprang

er auf -- er hatte 12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den

Teufel auf, mehr zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte

die Würfel und mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den

eichenen Tisch und zeigten -- 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn

sein Schwert heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen.

Doch dieser hauchte seinen schwefeligen Odem aus -- und kraftlos sank

der Graf auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du

meinen Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah

mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen.

Da schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den

Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von

Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben.

Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem Vorschlage

wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso verhaßt, wie

seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. Der

Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde zu Ende

ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. Dieser gelobte, Isa

dem Kloster zu übergeben. In einer blauen Wolke verschwand der Satan.

Der Graf aber gedachte den Teufel zu betrügen und seine Isa dem Kloster

wieder zu entführen. -- Die schweren Thore des Klosters Grünhain

schlossen sich hinter der jammernden Isa. Weder die tröstenden Worte

der Oberin, noch die freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern

vermochten die arme Isa zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram

zerstörte das blühende Leben. -- Nach einigen Monaten stand an der

westlichen Klostermauer allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt,

die stets mit dem frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im

Kloster ein einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten

Nacht nach der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne

den baumreichen Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten

über die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen Walde

zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester Barbara (das

war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle -- sie war verschwunden.

-- Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, jedoch vergeblich. Da

entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden in die umliegenden

Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen großen Vorsprung nach dem

dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. Als am 3. Tage die Sonne sich

neigen wollte, standen die Flüchtigen auf einer hohen Felswand, an

deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. Da verkündete Hundegebell die

Nähe der Verfolger und zwischen den uralten Fichtenstämmen zeigten

sich die Klosterknechte. Schon sind die Hunde heran, die Fliehenden

hören den Zuruf der Klosterknechte -- da ertönt ein markdurchdringender

Schrei -- der jähe Sprung in die schauerliche Tiefe erfolgt. -- Hunde

und Häscher finden weder in den Wellen noch im Walde eine Spur der

Flüchtigen. Der Felsen bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird

heute noch der Nonnenfelsen genannt.

Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in

mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No.

103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen,

da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen

herausgesprungen und lag neben dem Würfel.

252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.

(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)

Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man die

Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr

als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, welches zu

den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen

vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreichte. Wie

aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum Opfer fällt, so waren

auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon vor Jahrhunderten kam

sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, und die Ausbeute der

Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch nun der Turmhof zum

Erliegen gekommen, darüber giebt folgende Sage Aufschluß.

Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; er

verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte

er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden,

nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb

gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der

Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem

Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war

bekannt und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid,

Habsucht, Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er

absonderlich zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an

ihm und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch

erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen

habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen Veit,

einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit bravem,

rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande angehörte

und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein rauher und harter

Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer Liebe zugethan.

Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und zwar

ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. Alle

Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, denn

sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit heimlich

verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung als

Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit machen, falls

ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts dagegen hätten.

Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde seiner Tochter, wie

die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch die Thränen und Bitten

der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische Tüchtigkeit und

untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 21 / 62 段