Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar
sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die
Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker
dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ
man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt,
Sagenbuch der Lausitz, No. 126.)
246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)
Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes
Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren
prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis
liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der
Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen
war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel keineswegs
zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner Mißbilligung
der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die Kirche des neuen
Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die Treppen herauf
schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch eine Kanzel zu
bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete er seine Arbeit.
Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder zu vergrößern, vermauerte
er die Kanzel, damit niemand sie betreten und benutzen könnte. Der
Tag begann zu dämmern, als er mit seiner Arbeit zustande gekommen
war, und er ging, um seinen Heimweg anzutreten. Zuvor aber trabte er
in das Schiff der Kirche, beschaute sich sein Werk und befand es für
gut. Dann entfernte er sich eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder
zu beten kamen, erstaunten sie nicht wenig über die neue Kanzel und
stiegen die Treppe aufwärts, um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie
war vermauert. Voll Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines
eingedrückten Pferdehufes. Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses
Werkes und zugleich seinen bösen Willen. -- Noch jetzt sieht man die
Kanzel unbeschädigt und kennt sie in der ganzen Gegend unter dem Namen
der Teufelskanzel.
247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.
(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)
Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, daß
einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen
getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach
einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe,
die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage darauf
sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe ihn gefragt,
ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom Müller
bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte und nie
wiedergekehrt wäre.
Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In
der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol
als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen
Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn,
die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster
und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein
Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem
Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter
schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei
Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem
Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er
später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder
zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. --
In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große
Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische
Sagen, S. 195.)
248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.
(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)
Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des
Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse
des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben
soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine
Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel
erbaut hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur
auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug
vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der Mühle
zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und das Klappern
der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei einer gewöhnlichen
Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was er konnte, davon.
Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel
geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf
diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub
oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109).
Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle
am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz
anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin.
-- Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen,
welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem
zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen.
(Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)
249. Der Käthelstein bei Annaberg.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)
Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens
Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterszeit
von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch
den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht vor
ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten mit in sein Haus zu
gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue
im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis den Weg weiter zu
finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen
des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gewährte ihm also
seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf,
als sie aber an das Haus Günzers gekommen waren und ihnen die Tochter
desselben, Katharina, die Thür geöffnet hatte, stieß diese bei dem
Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehegeschrei aus, ließ
vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als
der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet und seine in Ohnmacht
gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, daß
jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als
seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese
antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimführen
wolle; sie habe nämlich vergangene Nacht geträumt, sie liege im Walde
und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde,
auf sie zu und nenne sie seine Braut, küsse sie und lasse dann bei
seinem Weggehen sich durch seine Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den
Teufel erkennen. Der alte Günzer war eben daran, sie zu trösten, da
erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben
stand: In 9 Wochen werde ich um Mitternacht an's Fenster pochen und
meine Braut heimführen! Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in
Erfüllung gegangen war. -- Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen
in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen
auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der
Böse nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als
die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war,
da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut
heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand an und
der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten:
»Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder Eure Hütte steht in
Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen; wieder
kam die gefürchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zwölften
Schlage klopfte es an das Fenster und rief: »Heraus die Braut, sonst
brennt das Haus!« Aber der alte Günzer schloß seine besinnungslose
Tochter in seine Arme und sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg
von uns, Satanas!« Da brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in
Flammen! Nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so
wird Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er
zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der größten
Mühe retteten beide ihr Leben. -- Sie flohen nun zuerst zu Verwandten,
allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere Hütte am Rande
des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl
geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die
neunte Woche heran, da übermannte einst am hellen Mittag Käthchen
der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit seinem Gefolge schaue
zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine höllische Residenz
entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus dem Schlafe
auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und ein Engel, umstrahlt
von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch in der Hand tragend,
winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe Dir Frieden!« Er führte
sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr gänzlich unbekannten Wege,
bis sie an einen Felsen kamen, der öffnete sich, als der Engel ihn mit
dem Kreuze berührte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte,
bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber glänzte; vor diesem
saßen sieben Greise mit spitzen Mützen und langen Bärten. Als sie aber
das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und der Engel und
die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen
verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag
auf kostbarem Lager unter einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne
Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben
Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie
ihn, was ihn herführe, dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr
des unglücklichen Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die
Fürstin der Berge -- denn das war sie -- einem der Zwerge, ihr eine
Urne von Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus
ein Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses
Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben
können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der
Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm
der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie denselben Weg
wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit
Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach,
sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als Käthchen
nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erzählte ihm, was ihr
begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer
Erzählung. Da erwiderte ihr derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches
widerfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes
Jesuskreuz gefunden. Als sie es näher betrachteten, um vielleicht
ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen
könnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den
Worten: »Dem Gläubigen hilf Jesus Christus.«
So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und die früher
so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war
der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und brüllte:
»Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen selbst das
Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter
furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber rief er: »Käthchen,
Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil an Dir, aber jetzt ist
die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu folgen; komm heraus, daß
ich Dich packen kann!« Allein auch hier mußte er weichen, denn Günzer
hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen. Aber diesmal verschwand
er nicht so ruhig, wie die frühern Male. Ein furchtbares Gewitter
begann sich zu entladen, ein Orkan warf die stärksten Bäume nieder
und erschütterte das Häuschen in seinen Grundfesten, der zum Strom
angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug
es Eins, so war alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell
durch die finstern Wolken.
So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und nach
zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr
schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber verlieh
demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte
und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben gedachte.
Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb
dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.
Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches Los
er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich geführt
hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten,
wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag
hin, um dort für das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten.
Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst
aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten, und kehrte
nicht zurück, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu
suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; aus dem Felsen trat aber ein
Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das
Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetrübte
Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab
in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg
hineinzusetzen, und die Leidtragen eben damit beschäftigt waren,
denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab,
hoben ihn von der Bahre, stellten ihn in den Felsen und schlossen
denselben wieder mit einem großen Quadersteine so geschickt, daß
niemand mehr sehen konnte, wo die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit
aber nennt man jenen Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den
Käthelstein.
250. Hans Heilings-Felsen.
(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1.
B., No. 329.)
An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen empor,
die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es heißt, vor
alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, im Lande
gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden Freitag in
sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben
sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, wo er ein
Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt haben,
die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden
war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen Gästen Hochzeit hielt,
erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich unter ihnen und rief
laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, wenn Du mir diese
vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du mein!« und verwandelte
alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und Bräutigam stehen da,
wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten Händen. Hans Heiling
stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang und
kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch jetzt zeigt man die Steinbilder,
die Liebenden, den Brautvater und die Gäste, auch die Stelle, wo
Heiling hinabstürzte.
251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.
(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)
Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger Stunde
in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, wenn er
nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel sein. Da
erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel auf. Dem
kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel liebte und
trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, doch der Graf
verlor fortwährend und hatte schon alle seine Knechte und Mägde und
zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es dem Teufel nach Isa,
der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte aber seine Tochter
über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit geopfert; denn sie
war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige Stern, zu dem er mit
aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre Schönheit und sittliche
Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, doch nur dem edlen
Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit jungfräulicher Schüchternheit
erwidert. Der Graf wollte seine geliebte Tochter Isa nicht auf den
Wurf setzen. Doch der Teufel bot ihm die Freiheit für sich und seine
Knechte und Mägde und noch so viel Geld, als er mit seinem gewaltigen
Streitrosse wiege, wenn er gewönne. Der Graf zögerte trotz der
Versprechung und wollte den verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der
Teufel drängte, denn in kurzer Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber
und seine Macht zu Ende. Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus
seinem Humpen, ergriff die beiden Würfel und warf -- jubelnd sprang
er auf -- er hatte 12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den
Teufel auf, mehr zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte
die Würfel und mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den
eichenen Tisch und zeigten -- 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn
sein Schwert heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen.
Doch dieser hauchte seinen schwefeligen Odem aus -- und kraftlos sank
der Graf auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du
meinen Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah
mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen.
Da schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den
Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von
Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben.
Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem Vorschlage
wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso verhaßt, wie
seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. Der
Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde zu Ende
ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. Dieser gelobte, Isa
dem Kloster zu übergeben. In einer blauen Wolke verschwand der Satan.
Der Graf aber gedachte den Teufel zu betrügen und seine Isa dem Kloster
wieder zu entführen. -- Die schweren Thore des Klosters Grünhain
schlossen sich hinter der jammernden Isa. Weder die tröstenden Worte
der Oberin, noch die freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern
vermochten die arme Isa zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram
zerstörte das blühende Leben. -- Nach einigen Monaten stand an der
westlichen Klostermauer allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt,
die stets mit dem frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im
Kloster ein einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten
Nacht nach der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne
den baumreichen Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten
über die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen Walde
zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester Barbara (das
war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle -- sie war verschwunden.
-- Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, jedoch vergeblich. Da
entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden in die umliegenden
Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen großen Vorsprung nach dem
dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. Als am 3. Tage die Sonne sich
neigen wollte, standen die Flüchtigen auf einer hohen Felswand, an
deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. Da verkündete Hundegebell die
Nähe der Verfolger und zwischen den uralten Fichtenstämmen zeigten
sich die Klosterknechte. Schon sind die Hunde heran, die Fliehenden
hören den Zuruf der Klosterknechte -- da ertönt ein markdurchdringender
Schrei -- der jähe Sprung in die schauerliche Tiefe erfolgt. -- Hunde
und Häscher finden weder in den Wellen noch im Walde eine Spur der
Flüchtigen. Der Felsen bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird
heute noch der Nonnenfelsen genannt.
Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in
mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No.
103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen,
da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen
herausgesprungen und lag neben dem Würfel.
252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.
(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)
Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man die
Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr
als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, welches zu
den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen
vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreichte. Wie
aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum Opfer fällt, so waren
auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon vor Jahrhunderten kam
sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, und die Ausbeute der
Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch nun der Turmhof zum
Erliegen gekommen, darüber giebt folgende Sage Aufschluß.
Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; er
verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte
er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden,
nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb
gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der
Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem
Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war
bekannt und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid,
Habsucht, Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er
absonderlich zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an
ihm und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch
erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen
habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen Veit,
einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit bravem,
rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande angehörte
und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein rauher und harter
Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer Liebe zugethan.
Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und zwar
ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. Alle
Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, denn
sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit heimlich
verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung als
Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit machen, falls
ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts dagegen hätten.
Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde seiner Tochter, wie
die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch die Thränen und Bitten
der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische Tüchtigkeit und
untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.