Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt gelangten,
trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über den
genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf den Rücken
und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern; so mußte
es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand es, als die Frau
ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte sich, daß ihr Mann
so bleich und erschrocken aussah und fragte ihn nach der Ursache; doch
er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen. Da drang seine Frau noch
mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis erzählte und ihr zugleich
die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche das gespenstische Kalb mit
seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte. Das war sein Unglück, denn
man soll von derartigen Erlebnissen, wenn sie nicht dem Betreffenden
Verderben bringen sollen, unter 9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb
auch noch innerhalb dieser Zeit.
Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch
nach einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der
Lausitz ein Kalb ohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis
in sein Dorf tragen. (Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)
233. Ein gespenstisches Kalb zu Mildenau.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.)
Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind
einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches
Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser auf
und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich, daß
die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der Feind
eingefallen und hat geplündert und verheert.
234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.
(Mündlich.)
Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt in einem
flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich. Darin soll ein
wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben, und um den Fisch
zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren den Teich ausgepumpt,
aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem Fische erzählt man, daß
denselben einst eine Prinzessin in den Teich gesetzt habe.
Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der
Oberlausitz, daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die
goldenen Halsbänder der Fische erinnern an die Halsringe mythischer
Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) Als mächtiger Karpfen mit
einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder bei Breslau auch
Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2.
H., S. 13.)
Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf.
Seine dämonische Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster
bei Stublach; derselbe ist ein Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des
Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache in Schwaben verläßt
das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der Zwerg ~Andwari~,
welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach
der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt
a. a. O., S. 420.) Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich
Fischlein, deren Schuppen gediegen Gold und deren Augen kostbare
Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. (Pröhle, Deutsche Sagen,
S. 225.)
235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.
(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann,
Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. 1864, S. 79.)
Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige,
welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht
herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden und
zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes Tuch
aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt hat, so
legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit auf jenes
Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt es Reichtum und
Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des Königs gerufenen und
von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht, so ist er unrettbar
verloren.
In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und Nattern in guter
Freundschaft leben will, muß man sich vor allem die Schlangenkönigin
zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an einem heißen Tage zum
Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet und ein Schüsselchen
Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag muß man das thun, bis die
Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf dem Tuche liegen läßt. Wer
dies Krönlein hat, ist vor Schlangen und Nattern sicher.
S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der
Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich
allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone
tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und
dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige
behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein.
(Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.)
236. Die Riesenrippe zu Nossen.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in der
~Saxonia~ I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella,
S. 8.)
In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster Altzelle
stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen
Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für die Rippe eines
Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die eines Riesenfräuleins
von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen seien, ausgegeben
wird. Diesen Gegenstand hat man auch der Rarität wegen in das Siegel
der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. Erzählt wird von dem genannten
Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa einen auf dem Felde arbeitenden
Bauer mit Pflug und Pferden in ihre Schürze nahm und ihrem Vater
hineintrug. Auch soll sie öfter nach Haslau »in die Haselnüsse«
gegangen sein. -- Die Rippe kam Anfang des 17. Jahrhunderts in die
Königl. Kunstkammer nach Dresden, 1657 aber wieder zurück nach Nossen.
Nach einer andern Meinung wäre diese Rippe identisch mit der in Gold
gefaßten Rippe der heiligen Katharina, welche zu den Reliquien des
Klosters Altzella gehörte.
237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)
Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und den
Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung
ausgegraben. ~Anno~ 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, Johann
Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von Marmor und
Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, haben die Maurer
riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen die Arme und Beine
eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen gemeiner Mannspersonen.
Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen
Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als
etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu
sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche
Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208
und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur
1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in
denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche
das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben
wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt
befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren
Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von
Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu
schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. -- Es könnte
noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu
Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und
die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse
auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei
unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes
Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach
welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd
eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei uns dem Glauben an
eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde,
so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?
238. Große Menschengebeine in Preßnitz.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer
herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß
niedergerissen und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil
ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst,
bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.
IV.
Teufelssagen.
Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später den
Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen
Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten
sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen
wirklich existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und
teuflische Gewalten seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten
und die Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und
Dämonen sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus
der griechischen Sprache entlehnte Name ~Diabolos~ ging in die
lateinische und später auch als ~Diufal~, ~Tiuvel~, ~Tüvel~ u. s. w.
in die deutsche, sowie als ~djabel~ in die slavische Sprache über; in
letzterer wurde er später durch das Wort ~czert~, welches den Begriff
eines schwarzen Wesens in sich schließt, ersetzt.
Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen mußten,
ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. Jahrhunderts,
welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung kamen und worin
es heißt: »~Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole~«, oder:
»~Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.~«
Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat,
wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben.
Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit ihm ein Bündnis
eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse irdische Vorteile zu
erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel mit Leib und Seele
ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, sich ihm mit seinem Blute
verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem Blute Verschreibens weist
Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 55.) darauf hin, daß nach
dem früheren Volksglauben nicht nur alle verstorbenen Menschen, sondern
auch die entthronten Götter und der Teufel, als ein gestürzter Engel,
an Blutmangel leiden, und daß deshalb besonders der letztere geizig auf
ein Tröpflein Bluts desjenigen Menschen besteht, der sich zu ihm in
ein Schutzverhältnis begeben will. -- Wenn der Teufel einem Menschen
dienstbar geworden ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen
Volksglauben als Drache. -- Zahlreich sind die späteren Sagen, nach
denen er sich in seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so
daß er von menschlicher List überflügelt wird. Dies geschieht z. B.,
wenn er junge Mädchen, wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen
will.[4] Ein gläubiges Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn;
gottlosen Säufern und Fluchern aber dreht er die Hälse um; hier hat
er Macht über den Menschen. Obschon der Teufel ein natürlicher Feind
der Menschen und unter diesen besonders der Müller ist, vielleicht
weil diese das ernährende Mehl liefern, so baut er auch wieder unter
gewissen Bedingungen Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde
er von einem Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle,
von welcher nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist,
zerschmetterte. Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb
Auerhammer; doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen
zu sein. -- Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über
dieselben werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.
Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und
»Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen
Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei
Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach und
Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. Denselben
Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins in Schöneck.
[4] In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre
die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann,
Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)
239. Eines Schmied's Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1148--1153.)
Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie, wo
damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert,
da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig
besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden.
Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie sie
christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige
Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig
gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom
bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. Zu
Ostern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem
der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und in der
Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel sich
sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger je
mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei dem
großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und wenn der
Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau Augen gesetzt
und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe herausgetrieben,
daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene Wiede
zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet.
Wenn sie einmal Ruhe gehabt und gefragt worden, wie es ihr ginge, habe
sie kurz geantwortet, es dünke sie, als wenn sie stets auf einem Wasser
läge und ertrinken solle, aber es kämen noch allewege fromme Leute und
hülfen ihr davon. Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau
ihn zu Fastnachten in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt
getrunken, nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer
Mann, mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen,
hat ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu
ihm gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor
oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest
nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das höllische
Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg, Du wirst einen
feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu pfeifen, wäre eine
Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem Tische hervorgelaufen,
und diese hätten miteinander einen langen Tanz gethan, bis die Katze
wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund sich auch wieder verlaufen.
Dergleichen seltsame Possen hätte der Teufel noch mehr angerichtet.
Endlich aber ist er aus der Jungfrau durch der Priester und vieler
frommen Christen Gebet und Seufzen getrieben worden und wie ein
Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren, nachdem er vorher von der
Jungfrau ein Glied, dann einen Nagel vom Finger und zuletzt nur ein
Haar begehret, gleichwohl aber nichts erhalten. Dabei hat er gesagt:
»Alle, die nicht gern zur Kirche gehen wollen, selbst daheim lesen, zum
Sakramente nicht gehen, im Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle
mein mit Leib und Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will
ich ausfahren.« Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe
sagte er noch: »Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen
zur Buße, dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde
öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße.
Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder
einer Hummel sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm
zum Fenster hinaus.
Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein
Teufelstier ist und als Teufel selbst auftritt, beweisen die
Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! Des Kuckucks werden! Der Kuckuck
hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung nur bei
den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches
(Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin
dienstbar und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden;
die Seelen der Verwünschten und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt
an. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 156. Grohmann,
Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 65.)
Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns
ebenfalls eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder
und Schwester zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel
in einem Keller an; der kam in einer Hummel-Gestalt und flog jedem
in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, dem ward viel
Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine
andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel
erschienen ist. (Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub)
heißt Fliegengott. Märchen erzählen von teuflischen Geistern, die
als Fliegen in einem Glase verschlossen sind. Der dem Bösen sich
hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt sich in eine
Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)
Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze
sind hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze,
gilt bald als Hexentier, bald als Hexe selbst oder ein verwünschter,
böser Geist. Der anfänglich den Göttern geweihte Hund aber, dem auch
die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde Bote und Hüter der
Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)
240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.
(T. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II., S. 692.)
Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung zu Chemnitz
nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine Frau und Kinder
wieder böslich verlassen und ist wieder zu den Schweden gelaufen. Als
nun dessen Weib in höchster Armut lebte und sich sehr bekümmerte, wie
sie sich und ihre Kinder nähren solle, ist der Teufel etlichemale zu
ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit Geld vorgehalten und gesagt,
wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde er ihr dieses geben, und so
dies verzehrt, noch mehr bringen. Die Frau hat sich aber des allezeit
durch's Gebet erwehrt und es endlich so weit gebracht, daß er sie ganz
in Frieden gelassen.
241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.
(Moller, ~Theatr. Freiberg.~ S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K.
Sachsen, No. 284.)
Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines Kindes
genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und der
Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich
krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über
sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da
an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist
ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme
erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal
aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem und
ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie um drei Uhr
des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem Fenster auf einem Stein
gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart zweier Zeugen im Bette
mit dem ganzen Leibe, Händen und Füßen aufgehoben worden, und ohne
daß sie irgendwo angestoßen, hat sie so frei geschwebt, also daß man
geglaubt, sie wolle zum Fenster hinaussehen etc.; in der Kirche ist
der Teufel wie eine Katze oder Hund ihr um die Beine gekrochen, dann
hat sie aber zum öftern einen weißen hellen Glanz gesehen, der sie
getröstet und in die Zukunft hat sehen lassen, worauf sie vielerlei
wunderbare Sachen, unter andern die Drangsale Freibergs im 30jährigen
Kriege, prophezeit hat. Endlich, nachdem weder Beschwörungen noch
Zureden und Ermahnungen der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen,
sondern ihr Zustand an die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt
drei ganze Jahre verschlossenen Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober
1620 selig verstorben.
242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.
(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.)
Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd, welche dem
abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht hinterrücks
durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch göttliches
Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen und sehr
übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen müssen.
243. Der Teufel erscheint zu Freiberg einem Bergmanne.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 203.)
Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann,
namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist der Teufel
mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen und hat
gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden, die er begangen,
aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt, Feder und
Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich vermahnt, ihm die
Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann etwas darüber erschrocken,
so hat er doch wieder Mut gefaßt, sich des Herrn Christi getröstet
und geantwortet: »Ich bin ein armer Sünder, das bekenne ich; willst
Du meine Sünden ja aufschreiben, und bist Du deswegen hergekommen,
so schreib oben an: Des Weibes Samen Jesus Christus hat der Schlange
den Kopf zertreten.« Wie solches der Teufel gehöret, ist er alsbald
mit Papier und Tinte verschwunden, daß nichts als ein übler und
abscheulicher Gestank von ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist
im festen Glauben an das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig
verstorben.
244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.
(Moller, ~Theatrum Freibergense~. II., S. 393.)
Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst seines
stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in der
Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten
Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern
meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen
würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun ist
eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt
erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte Macht
über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine guten
Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm in die
Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der Bergmann
nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem Beichtvater,
nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und begann wieder
ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel nicht wieder bei
ihm sehen lassen.
245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1267.)
An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst sechs
berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage bis zum Morgen
bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels an der Wand etliche
Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen wegen empfundenen Schreckens
zeitlich davon gegangen, sind die andern fünf des Morgens um sechs Uhr
mit schlotternden und gebrochenen Hälsen tot gefunden worden. So haben
sie zum Schrecken anderer bis an den dritten Tag gelegen.