Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen schleifende

Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöcher

gebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen Teil der

Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke von ungefähr

300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im Frühjahr und Herbst, am

wildesten ist und so heftig schäumt und brüllt, daß man an ihren Ufern

sein eigenes Wort nicht hört, bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten

in dieser Strecke befindet sich im Flusse ein großer, vollständig

durchlöcherter Steinblock, der zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen

worden ist. Diese Höhle galt beim Volke als der Ausgang eines

unterirdischen Nixenschlosses und man erzählte sich, daß man, besonders

in mondhellen Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das

Thal habe ziehen sehen.

Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz ein

mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem ein

Raubschloß getragen haben soll.

Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches jetzt den

Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde des Volks

»Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch Steg führte.

Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach Dunkelwerden wagte

sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen Pfad, welcher der Chemnitz

entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte unheimliche Nixensteufe

passieren.

210. Der Nix im Rabenauer Grunde.

(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)

Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz, nachdem

sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen Bogen

macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers nicht auf

den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der alte Nix haust.

Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den steilen

Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren und die

Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den Berg

hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen zwei

Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem

Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es bloß leere

Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur noch ebene

Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte Nix mit seinen

Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten.

Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix die

schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter dazu im

Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis oder des

Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da wo rote und

weiße Weißeritz ihre Wasser mischen.

Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach menschlicher

Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der Schenke die

Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da mit den jungen

Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen unterschied, wie ein

handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes. Sie ließen sich dann

auch wohl von ihren Tänzern manchmal bis an den Nixentump geleiten,

entschwanden aber, dort angekommen, plötzlich ihren Augen; nie hat man

gehört, daß sie einem Burschen den Zugang zum Nixentump eröffneten.

211. Die Seebergsjungfer.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.)

Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und nach dem Orte

Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die Heide, die sich von

Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten Seeberg bis hinab an die

Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht aus schönem Wiesengrunde,

den man nur die »Haderwies« nennt. Über dem Eisenberger Walde liegt

ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener Teich, der »Haderwiesteich«

genannt. Gegenüber demselben, einige hundert Schritte aufwärts, quillt

aus steinigem Boden ein Bächlein. Diese Quelle hält sehr gutes Wasser,

welches immer rein und kühl ist, und heißt das »Quakbrünn'l«.

Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem Teiche zu

baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese weideten, sahen

sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb Mensch. Einstmals war

nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf einmal die Seebergsjungfer

vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen möchte, sie wolle ihm so

viel Geld geben, daß er die Haderwiese kaufen könnte. Der Junge war

damit zufrieden. Hierauf sagte sie ihm, er solle sich jetzt vom Teiche

entfernen und nicht eher kommen, als bis sie ihm winken würde. Wenn er

ohne Erlaubnis komme, so werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge

lief eiligst weg, und während er nach seinem Vieh sah, badete sich

die Seebergsjungfer in dem Teiche. Als sie fertig war, winkte sie

dem Hütjungen. Der kam und schimpfte und warf mit Steinen nach ihr.

Weinend kehrte sie nach dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht

hörte man sie bis hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange

Zeit kam sie nicht mehr, um zu baden.

Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes.

Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um Holz

einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte und

Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit mit

Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger Weib.

»In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und verschwand

vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen, daß sie hinter

sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war also die

Seebergsjungfrau gewesen.

Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe,

halb Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte.

Noch mag darauf hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache

zwischen Schleusingen und Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen

Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No.

19.)

212. Der Kobold zu Lauter.

(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.)

Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter in einer

Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit seinen Kindern

geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und von 1 bis 3 Uhr nach

Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen, welches sie in der Ruhe

merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine große Ratte und hat

fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der Zeit hat's auch

angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller hat hören können,

und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe von zwölf Jahren

hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn du

nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst, so gehe deiner Wege!«

und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar 1696 hat ein Kind von

ohngefähr ein Band in den Händen mit ins Bette genommen, welches das

Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch ein Astloch der Decke herab ins

Haus steckend, gezeigt und damit gespielt; wenn es jemand hat ergreifen

wollen, ist's entwischt und bald zu einem andern Loch auf solche Weise

herunter gehangen worden. Gedachter Fleischhacker hat dabei sein Geld

aus einem verschlossenen Kasten vermisset und ist dazu gekommen, daß

es eine ganze Bürde Wäsche bis an die Kammerthür gebracht, welche

er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut des Ortes unterstand sich

das Ungeheuer zu fragen, da es denn viel geredet, in einem Tone, wie

ein zarter Knabe oder eine Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn

geworden, daß es ihn hinein in die Kammer gefordert, wohin er sich

jedoch nicht getraute, sondern ist in der Thür stehen geblieben.

Hernach haben auch andere ihren Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt:

unter andern, ob es von einer gewissen Person dahin gebannet wäre, da

es denn mit Ja geantwortet. Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes

genesen, und am 20. darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch

nebst den Gevattern der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter

nicht das geringste gehöret worden.

Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf

hingewiesen worden, daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen,

welche nicht beten können. Als der Bauer dem Kobolde in Schmalzerode

vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut Christi,« setzte der Kobold

an und sprach: »das Blut -- das Blut --« dann sprang er verdrießlich

auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke,

zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht

wieder gekommen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)

In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen

Zügen. So nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den

Schornstein, als er einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und

Getränke brachte; er war dabei wie helles, loderndes Feuer anzusehen.

Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau Kobolde zum Verkaufe; wer

einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen mit dem eigenen

Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte.

(Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum

Verkaufe ausgetragenen Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von

Hausgöttern (S. die Einleitung); Kobolde waren wie letztere klein,

denn der Kobold (vom wälschen ~cob~, der Daumen) ist ein Däumling.

213. Der Poltergeist zu Grüna.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)

Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist

im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß fast kein

Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer Kammer, da es

sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr geordnet worden,

welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich eine alte Haube

oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit die Gaukelei ein Ende

gehabt.

214. Der Kobold zu Thalheim.

(Lehmann a. a. O., S. 952.)

Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause, welcher den

Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht mehr bleiben

konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten, das böse Ding

hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es selber lassen

anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber ihre Sachen

ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren, lässet es sich

unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären wir nicht so

gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.«

Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als

Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit

zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische

Natur ist ein späterer Zusatz.

Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.),

daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu

entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den

Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom

Wagen in die offene Scheune.

215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)

In eines Geistlichen, des ~M.~ Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg hat

sich im August und September des Jahres 1691 folgendes begeben:

Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen

der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, Rufen, Lachen,

Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken einer Magd viel seltsame

Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein dunkelgrauer fortrauschender

Schatten erschienen und hat sich einst mit einem nackenden Arm

erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man Licht brennen,

es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen es auch

auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe hat sichs hören

lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine Kugel hat es die Treppe

herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider hat es hervorgetragen und

seltsam aufgehängt. Den Schlafenden wollte es die Betten nehmen, bei

Tage hat es etliche Betten verschleppt und brennendes Licht auf den

Boden getragen. Einem wachenden beherzten Bürger überfiel etwas in

der Nacht, seinen Gedanken nach wie ein zottiger brauner Bär. Es sah

bisweilen zum Stallfenster heraus wie ein altes Angesicht mit einer

schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß

man die roten Striemen noch des andern Tages sehen konnte. Es steckte

die Ofengabel, Ofenkrücke, einen langen Borstwisch mit allerlei

Lumpen behangen zur Hausthür hinaus auf die Gasse. Ferner zog es den

großen Wassertrog ab und versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes

Licht auf die Hausbank und schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen

Schalkheiten verübte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so

lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab

in den Hof. Der Hausgenossin Betten trug es auf den Gang hervor, aber

man sahe keinen Träger. Es steckte allerlei Sachen zusammen in den

Ofentopf. Ein Studiosus sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn

mit einem Steinchen und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit

kalten Händen die Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete

Wäsche. Den 26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle,

worauf die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht

wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle

Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden

gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte

angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr spüren lassen.

Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der

Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk

in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem

Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich

in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder

als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang

geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine

derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst

in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698,

wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften

Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche,

der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn,

ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich

erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man

ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche

mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche

er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern

zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb.

Volksfreunde, 1884, No. 32.)

216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)

Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg führenden

Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe eine

bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter

Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen Teil des

Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein sein

Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche Aussicht

gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin wandert die

Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage um ein Uhr

morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben die Kobolde tanzen; doch die

Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt man die Sonne, bevor sie

sich ruhig über den Horizont hebt, vorerst dreimal emporhüpfen.

Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil

daselbst Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter

von Hansgirg.) Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche

doch vorzugsweise Hausgeister sind, auf einem Berge tanzen; jedoch

mag daran erinnert werden, daß Kobolde auch zuweilen als Waldgeister

auftreten.

217. Der Kaspar des Greifensteins.

(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges.

Programmarbeit. 1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.)

Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen. Er

erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und

Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr, als die

Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt,

ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern gegen die

Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben Augenblicke

kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt gerade neben dem

Arbeiter hin.

218. Geist Mützchen.

(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.)

Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische Busch,

und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute Mützchen

nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten. Geist

Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen, die sich den

Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte hatten, aufhockten

und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leute ganz abgemattet

waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn nun fast nicht mehr

tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich weg, schnellte

auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter auf. Dies arge

Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich im Jahre 1573 und sind

viele Personen durch sein Aufhockeln krank geworden. Einst fand eine

Butterhökerin einen prächtigen Käse im heimischen Busche. Des Fundes

froh und überrechnend, was sie dafür lösen werde, legte sie ihn in

ihren Tragkorb; da wurde der Korb so schwer, daß sie endlich von der

Last niedergezogen ward und in die Knie sank und den Korb abwarf. Da

rollte ein Mühlstein aus dem Korbe und in die Büsche, und aus den

Büschen schaute Mützchen mit gellendem Gelächter, daher man auch von

einem hell und grell Lachenden sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den

Namen aber hatte Mützchen von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar

machte, und wenn er sie abthat, so sah man ihn, und dann setzte er

sie oft plötzlich wieder auf und war im Nu verschwunden. Davon ist

das Sprichwort entstanden, wenn jemand etwas sucht und es an einem

Orte gesehen zu haben glaubt und es doch nicht finden kann, daß man

sagt: »Ja, da sitzt er und hat Mützchen auf!« -- nämlich der Zwerglein

unsichtbar machendes Nebelkäppchen.

Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im

Besitze der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe

gewesen sei. Er hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche

den eigentlichen Zwergen fehlt. Letztere leben mit den Menschen auf

freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich als Volk auf;

Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild

des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen

Sagen tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer,

Thüringsche Sagen, S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat

von dem spitzen roten Hute seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth.,

S. 290.)

219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.

(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem

wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande

etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier ins

Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen,

No. 616.)

Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen,

welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem

Rübezahl hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen

von den Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo

einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt,

sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich

brennen. Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind

vielerlei Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er

sei einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen,

also ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen

unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern

immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und

Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht

unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere

Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und Gift

Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit des St.

Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt. Von

ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt.

So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder Hausierer

mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog die Leute durch

seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür seinen

unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade dort herum

strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen für 15

Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach ihm noch

mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe, betastete dann

jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort, worauf er,

angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er aber weg war, da

hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile, Stricke, Stränge,

Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt und an seinem

Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang, an dem ein kleiner

hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz Flederwisch ganz bestürzt

da und wunderte sich, daß er auf einmal aus einem Materialisten ein

Seiler geworden.

Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen

gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun

von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da hat er

seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen. Er

hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen Baum gehängt

und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb geschlagen

worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der Schwarm im

Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten Bienen schon

darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber hat er sich

erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er, daß der

vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine im Stocke

sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr

und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit entführte;

der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte, brach vor

lauter Eifer beide Beine.

Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg und dachte

dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem gesellte

sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm das

reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen,

Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der Thor grub

nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter ihnen zu finden,

allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde schnell nach Hause

eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug zu Hause in der

Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte sich dann teils

deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich geworden war, zu

Tode.

Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat

vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man ihm

eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer

weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art des

Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen der Bürger,

deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt, und seit dieser

Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 18 / 62 段