das Mittagessen zu bringen. Auf einmal hörte sie ein lautes He! He! He!
Sie dachte, ihr Mann wolle sie ein wenig necken, deshalb gab sie gar
herzhaft zur Antwort. Daher! daher! Aber kaum war das Wort verhallt, da
stand vor ihr ein baumlanger, eisgrauer Mann mit wütenden Geberden. Vor
Furcht und Schrecken eilte das Weib einem Bache zu, den sie mit knapper
Not übersetzte, sonst wäre sie unrettbar in die Hände des Hemannes
gefallen, welcher ihr dicht auf den Fersen gefolgt war.
196. Das Heideweibchen.
(Mündlich.)
Zwischen Scheibenberg und Crottendorf liegt eine sumpfige Gegend,
welche die Heide genannt wird; daselbst geht zu bestimmten Zeiten das
Heideweibchen um.
197. Die Marzebilla.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 114.)
In der Gegend von Preßnitz befindet sich ein Berg, namens
»Bartelwulfenberg«. Hier soll vor Jahren ein Schloß gestanden haben.
Der Besitzer desselben hatte eine Tochter, die in ein Nonnenkloster
ging. Hier hatte sie eine Liebschaft mit einem Ritter und kam zu Falle.
Sie entfloh und starb im Elend. Seit dieser Zeit läßt sie sich nun im
Kaiserwalde bei Preßnitz öfter sehen und ist allgemein bekannt unter
dem Namen Marzebilla. Sie trägt an ihrer linken Hand einen Handschuh
von Blech. Einmal soll ein Bauer aus Neudorf in den Wald gefahren sein,
um Holz zu holen. Da blieb plötzlich sein Gespann stehen und konnte
nicht weiter. Er sah sich um und erblickte auf dem hinteren Ende des
Wagens ein altes Weib, das er an dem Blechhandschuh gleich als die
Marzebilla erkannte. Sie bat ihn, sie mitfahren zu lassen. Allein
der Bauer sagte, sie sei zu schwer und als sie nicht heruntersteigen
wollte, schlug er sie so, daß sie herabfiel. Als aber der Bauer nach
Hause kam, legte er sich in's Bett und starb nach acht Tagen. Der
Leichnam aber war verschwunden. Erst nach einigen Jahren fand man beim
Fällen alter Bäume ein Gerippe im Walde, das man an einem Amulet als
das des Bauern erkannte.
Einige Schnitter mähten das Gras am Rande des Kaiserwaldes. Um Mittag,
als im Dorfe geläutet wurde, erschien die Marzebilla und forderte die
Arbeiter auf zu beten. Diese waren zu faul dazu. Als sie aber nachher
zur Quelle gingen, um zu trinken, fanden sie Blut statt des Wassers.
Einer von den Schnittern wollte sich besser überzeugen und stieß mit
dem Stock in den Schlamm. Da erschien die Marzebilla, gehüllt in einen
feinen Nebel, sprach eine Formel und die Schnitter verwandelten sich in
Aschenhäufchen.
Wenn Leute in den Wald gehen, um Beeren zu suchen, so erscheint ihnen
oft die Marzebilla und führt sie in undurchdringliches Dickicht.
Fluchen dann die Leute, so überläßt sie die Marzebilla ihrem
Schicksale, beten sie aber, so führt sie dieselben an fruchtbare
Stellen, von wo sie den Heimweg leicht treffen.
198. Der Wechselbalg.
(Spieß, Aberglaube, Sitten, etc. d. s. Erzgeb. Dresden, S. 36.)
Ein unter sechs Wochen altes Kind soll nicht ȟber den Wechsel getragen
werden« (d. h. wohl, bald auf dem rechten, bald auf dem linken Arme),
sonst holt es der Wechselbalg.
Hier erscheint der Wechselbalg als der auswechselnde Dämon. In der
Lausitzer Sage ist dagegen der Wechselbalg ein geistesschwaches,
mißgestaltetes Kind, welches von einer aus dem Gebirge oder Walde
kommenden alten Frau gegen das wohlgebildete, unter sechs Wochen alte
Kind umgetauscht wird, wenn keine Person in dessen Nähe ist. (Haupt,
Sagenbuch d. L. No. 71.) Ebenso tauschten nach einer schlesischen
Sage die Feenixweibel ein auf dem Felde allein gelassenes kleines
Kind gegen das ihrige um, welches verbuttet blieb und ebenfalls
Wechselbalg genannt wurde. (Mitteilungen des mähr.-schles.
Sudeten-Gebirgsvereins, 2. Jahrg. No. 7.)
199. Das Mittagsgespenst.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S.
13.)
In Bäringen sagt man: Das Mittagsgespenst hockt den Wöchnerinnen auf,
die zu Mittag von 11 bis 12 Uhr auf die Gasse treten oder in den Keller
oder auf den Boden gehen, und »muscht« sie.
Das Lausitzer Mittagsgespenst, die Mittagsfrau (~Pripolniza~), welche
zur Mittagszeit zwischen 12 und 2 Uhr als großes weibliches Wesen
auf den Feldern zu erscheinen pflegt, ist streng genommen von der
slavischen Todesgöttin oder Pestfrau (~Smertniza~) zu unterscheiden.
(S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.) Die Smertniza wandelt
ebenfalls als weiße Frau umher und macht sich durch Pochen in
dem Hause bemerklich, in welchem innerhalb dreier Tagen jemand
sterben soll. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 74. Schäfer, Deutsche
Städtewahrzeichen, S. 91.)
200. Der Alp.
(Mündlich.)
Der Alp ist ein dämonisches Wesen, welches schlafende Menschen drückt,
so daß sie keinen Laut von sich geben können. Man nennt dieses Drücken
Alpdrücken.
Ein Mädchen erzählte, der Alp käme durchs Schlüsselloch zu ihr, aber
sie könne dann nicht um Hülfe rufen; daher bat sie ihre Schwester,
dieselbe solle sie nur des Nachts bei ihrem Namen rufen, dann würde
der Alp durchs Schlüsselloch wieder fortgehen. In Zwickau erzählt
man, daß der Alp fortgehe, wenn man ihn für den andern Morgen zum
Kaffee einlade. (Nach Spieß.) Auch glaubt man, daß der Alp Tiere tot
drücke. Wenn man nämlich junge Gänse in einen Schweinstall steckt und
sie sterben, so spricht man, der Alp habe sie erdrückt. Sterben die
Kuhhasen (Kaninchen) und sie sehen dann breitgedrückt aus, so legt man
einen Besen in den Stall; dann verliert der Alp die Macht.
Wie in Zwickau wird auch von den Lausitzer Wenden der Alp mit den
Worten »~Pschindz justje ksnje danju~« (Komm morgen zum Frühstück)
zum Frühstück eingeladen, und es stellt sich dann der Alp gewiß am
Morgen dazu ein. Es ist nur schlimm, daß der Alp am Sprechen hindert.
(Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 68.)
Der Alp ist gleichbedeutend mit Elb. Elbe, welche in lichte und
schwarze Elbe zerfallen, sind höhere Wesen, denen die Lust innewohnt,
die Menschen zu necken, die aber auch teuflische Eigenheiten
besitzen. (Grimm, Myth. S. 252.)
In Sagen anderer Gegenden fällt der Alp mit dem Trut, d. h. einem
nächtlichen Gespenste zusammen, welches die Menschen ebenfalls im
Schlafe ängstigt und drückt. In Kärnthen sagt man:
»Tsch nachts (bei der Nacht) hat mi d'r Trut
Gar beasla (bös) g'druckt.«
(Leipz. Zeitung, Wissensch. Beilage. 1884, No. 11.)
201. Die Melusina.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. Prag
und Leipzig, 1864, S. 3.)
In Bäringen heißt der Sturmwind »Melusina's Klagen um ihre Kinder«,
und wahr muß dies sein, sonst würde man nicht am heiligen Abende, an
welchem man neunerlei essen soll, das Tischtuch mit dem Überreste in
eine Staude ausschütteln, damit die Melusina, die man wohl hie und da
auch heilige Melusina nennt, etwas zu essen habe.
Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als
Luftgeist auf. So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn
der Wind recht pfeift und heult, das sei die Melusina, welche mit
ihren Kindern durch die Luft fliege und jammere. Im Jungbunzlauer
Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem schwarzen Mantel
und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und Hagel
herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für
»sterben« die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.«
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche etc., S. 3 und 234.)
In den Niederlanden sagt man von dem Wirbelwinde, er sei die
»fahrende Frau« oder »fahrende Mutter«, und nach einem Glauben in
Westflandern hält die von ihren Ältern verwünschte Königstochter
Alvina im heulenden Sturmwinde ihre Umfahrt und weint.
Wenn man im Anfange den Wind mit einem heulenden und gefräßigen Tiere
verglichen hat, das alles, was in seinen Weg tritt, vernichtet, so
lag dann der allmähliche Übergang dieser Vorstellung in diejenige
von einem Geiste, der hungrig im Winde dahinfährt, nahe. In manchen
Gegenden Baierns findet sich der Gebrauch, bei heftigem Sturme einen
Mehlsack zum Fenster hinaus für den Wind und sein Kind auszuschütten,
wobei man spricht: »Nimm das, lieber Wind, koch' ein Mus für Dein
Kind!« In diesem Gebrauche zeigt sich eine große Übereinstimmung mit
demjenigen in Bäringen, wo die Speisereste aus dem Tischtuche für die
im Sturmwinde klagende Melusina ausgeschüttet werden. Der Gebrauch,
dem Wind Mehl zu streuen, scheint auch in den deutschen Alpen
vorhanden zu sein; wenigstens findet sich bei Rosegger (die Schriften
des Waldschulmeisters, 3. Aufl. S. 170) folgende Stelle: »Sie (die
Waldleute in den Winkeln) streuen Mehl in den Wind, um dräuende
Stürme zu sättigen -- so wie die Alten den Göttern haben geopfert.«
In anderen Gegenden nehmen die Landleute, wenn der Wind 12 Tage vor
Weihnachten am ärgsten tobt, Apfel und Nüsse und werfen sie in den
Ofen, indem sie sagen, daß sie das der »Windsbraut« zum Essen geben.
(Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 55.)
Wie aber ist zu erklären, daß der Sturm Melusinas Klage um ihre
Kinder genannt wird? Als nach der Erzählung Gustav Schwabs (Deutsche
Volksbücher, 3. B.) die Brunnennymphe Melusina von ihrem Gemahle
Raimund Abschied genommen und sich, halb zur greulichen Schlange
verwandelt, zum Fenster hinausgeschwungen hatte, hörte man dreimal
um das Schloß lautes Rauschen und ein Klaggeschrei; zur Nachtzeit
aber sah die Amme der beiden kleinen Söhne Melusinas, wie letztere in
gespenstischer Gestalt wiederkehrte und die Kinder aus der Wiege nahm
und säugte, so daß dieselben zusehends gediehen.
202. Vom thörichten See bei Satzung.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. 1699, S. 205. etc.)
Der thörichte See, eine halbe Meile über Satzung an einem wilden,
mit jungen Kiefern bewachsenen rauhen Orte, ist ins Gevierte 30
Schritte breit und lang, der Pfuhl ist mit rotem Moos bewachsen, und
das Wasser gehet einer Elle hoch darüber ohne Abfluß. Der See soll
unergründlich sein, und niemand machet sich gern allein an den Ort,
weil die Leute, welche sich im 30jährigen Kriege dorthin geflüchtet,
daselbst viel Anfechtung gehabt haben. Es ist umher auf eine halbe
Meile lang nichts als eitel sumpfiges Land, daß auch kein rechter Baum
darauf wachsen kann, es verwimmert und verbuttet alles. Insonderheit
erzählen die Umherwohnenden, daß sich bisweilen viel ungeheure Dinge
und Gespenster da sehen lassen. Als einstmals Veit Vogel, ein Mann von
Satzung, in selbiger Gegend Vogel gestellet, habe er von 9 Uhr an bis
12 Uhr mittags einen großen Tumult und Alarm von Jauchzen, Schreien,
Geigen und Pfeifen gehört, daß es nicht anders geschienen, als würde
eine volkreiche Bauernhochzeit oder ein lustiger Schmaus in dem See
gehalten; dergleichen Freudentöne haben auch andere zu anderer Zeit
gehört.
Ein Mann von Sebastiansberg, Georg Kastmann genannt, hat in derselben
Gegend Feuerholz gemacht; zu diesem kam ein schöner Reiter auf einem
großen Pferde mit einer langen Spießrute in der Hand, welcher den
Holzhauer grüßte und fragte, ob er den thörichten See wüßte. Da
der Holzhacker mit Ja antwortete, hat ihm der Reiter ein Trinkgeld
versprochen, wenn er mit ihm ginge und den Ort zeige. Da sie nun beide
hinzu kamen, ist der Reiter vom Pferde gesprungen und hat gesagt. »Ich
bin ein Wassermann, und ist mir mein Weib von einem andern Wassermanne
entführt worden; die habe ich in der weiten Welt in vielen Wassern
und Seen gesucht und doch nicht gefunden, und soll sie nun an einem
so garstigen und wilden Ort finden. Halt mir mein Pferd fest, daß es
mir nicht nachspringt, ich will hinein und mein Weib heraus holen.«
Darauf hat er mit seiner langen Rute in das Wasser geschlagen, daß
es sich zerteilet, dann ist er hineingegangen. Sobald er aber darin
gewesen ist, hat sich ein so großes jämmerliches Geschrei und Wehklagen
erhoben, daß der Holzhacker nicht wußte, wo er vor Angst bleiben
sollte, weil sonderlich das Pferd sehr wild und ungebärdig wurde und
immer ins Wasser springen wollte. Mittlerweile ist unter diesem Tumult
das Wasser ganz rot geworden und da hat der Reiter sein Weib heraus
gebracht und gesagt, er habe sich nunmehr an seinem Feinde gerächt und
den Räuber, der ihm sein Weib entführt, erwürget. Damit hat er sich
samt seinem Weibe aufs Pferd geschwungen und ist davon geritten; doch
hat er zuvor dem Holzhacker ein Beutelein, darin ein Kreuzer gewesen,
zum Trinkgeld verehret, mit dem Versprechen, so oft er würde in diesen
Beutel greifen, sollte er soviel, als jetzt darin wäre, finden.
Der Ausgang hat es auch bestätigt, so daß der arme Mann viel Geld
zusammengebracht, weil er oft in den Beutel gefühlet. Da er aber den
Beutel zu frei und sicher gebrauchte, ist er ihm entwendet worden; doch
hat der Räuber keinen Genuß davon gehabt.
203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.
(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.)
Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte eine
wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl
ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht. Nun
war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft aus dem
benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei ihrem Vater
zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren Scherzen und
Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend, daß das junge Volk
auch wieder beisammen war und im Scherz darauf kam, die Zukunft zu
befragen. Man schaffte Blei herbei und ein jeder versuchte sein Glück
mit Gießen. Als nun die Reihe auch an die schöne Fischerstochter kam,
da spritzte auf einmal beim Guß helles Feuer aus dem Wasser, das
Blei zerfuhr und nahm sich auf dem Wasser wie Blutstropfen aus. Das
Mädchen schrie laut auf und alle schwiegen bestürzt ob des traurigen
Anzeichens. Endlich schlug ihr Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal
zu befragen, nämlich nach dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu
suchen. Zwar wollte das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden
ließ sie sich endlich bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen
sich ihre Zweige, als aber die Fischerstochter nach einem derselben
langen wollte, glitt sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten.
Der Nix sah am ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein
Krönlein. Verzweiflung erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater.
Letzteren entrückte der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam
aber irrte jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und
behauptete, er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut
auftauchen, sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem
Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein Jahr; der
sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden,
und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen Orte.
Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr aus den Fluten winken,
als Leiche lag sie im Sande, und als der andere Morgen kam, da fand man
ihn neben ihr tot liegen und begrub beide in einem Grabe. Seit jenem
Tage aber sieht man dort unzählige Irrlichter auf- und abfliegen, die
manchen schon verführt haben; wo aber der Nix das Mädchen hinabzog,
da ist das Wasser grundlos geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen
dort im Kreise und wehe dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin
verirren, der Strudel zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so
nennt man jene Stelle) hinab.
204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten Teich, der
lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen. Als nun zwei
Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten wollten, fuhr ein
Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte und trieb die Bergleute mit
Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen mußten.
Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem
Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein
»Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem
Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No.
227.
205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen.
(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)
Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der Eger eine
Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. Über dies
Steingebilde meldet die Sage folgendes:
Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg
Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, der
auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar
der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen ein
verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum sei dies
gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen Schönfeld.
Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit sich. Im Schlosse
angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der Markgräfin Johanna und
sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim Erscheinen auf dem Schlosse
eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, als ich eben zur Frone hierher
ging, dies Kindlein gefunden und biete es Euch als Gabe dar. Möchtet
Ihr doch, gnädige Herrin, an dem armen, hülfsbedürftigen Waislein
Barmherzigkeit üben und sein besser pflegen als die eigene Mutter!« Die
Worte des biederen Mannes erweichten der Markgräfin Herz. Sie nahm sich
des Knäbleins an, das auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans,
nach seinem Finder aber den Zunamen Heiling erhielt.
Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin zum
blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in die ihn der
Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den Ritterspielen. Er
liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur und beschädigte sich
unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller Wahrheit zu erforschen.
Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll nach
dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde Nixe
empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten zurief:
»Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen Kummer,
die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir lehren, doch
nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.« Hans Heiling,
bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte vor Freude, daß
er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so heiß ersehntes
Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe unbesonnen den
Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte sich der Glücklichste
unter der Sonne zu sein, als er des Wissens Drang erfüllt sah. Seit
der Begegnung mit der Nixe war manches Jahr verflossen. Da faßte Hans
Heiling mit Hintenansetzen seines gegebenen Versprechens den Entschluß,
sich zu vermählen; denn er hoffte, selbst auf seine Kunst vertrauend,
die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes zu hemmen. Unbesorgt
veranstaltete er also die Hochzeit. Der Tag der Trauung war erschienen
und die Hochzeitsgäste hatten sich in den Räumen des Schlosses
versammelt. Schon stand der Brautzug vor dem Traualtare, eben wollte
das glückliche Paar das Jawort aussprechen -- da stieg plötzlich mit
furchtbaren Blicken die erzürnte Nixe aus den tobenden Wellen der Eger,
ließ unter Blitz und Donner das Schloß verschwinden und verwandelte
durch ihren Fluch die ganze Hochzeitsgesellschaft in Stein: das
Brautpaar, den Mönch, die Gäste und die Musikanten.
Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die
Sage vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese
erst hervorgerufen worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg
Krudum, südlich von Elbogen gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels
und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, von mythischer Bedeutung.
Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im Archive zu
Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein
Elpogen gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven
die lethaditzer giebt 2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine
»heilige Wiese« genannt; der Zusatz »Hans« kommt zu dieser Zeit noch
nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise »Am Heiling« die
allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigen Elbogener
Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem
dreißigjährigen Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des
Aberges.
206. Der Wassermann flickt.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.)
Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein großer
Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen Damm
eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem Teiche
soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt
er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er immer
nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße des Dammes
hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet, der wird von ihm
in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher des Morgens vor dem
Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt, kann er nichts anhaben. Hat
einer den Wassermann beleidigt und keine Schnitten gegessen, so nutzt
ihm selbst das Hersagen des Spruches nicht mehr:
»Wassermann plump,
Zieh mich nich in Tump,
Zieh mich nich zu tief nei',
Daß ich nich stecken blei'.«
Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter Hut
ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger, grüner
Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte bewachsen,
und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen grünen Zähne.
Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und kotig, und er
flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem nachgestellt
und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange nicht sehen.
Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach Eisenberg,
und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm. Sie war
fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann sitzen sah,
der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das
Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab ihm
einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und seinen Mund
öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es ihre schwere Last
erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann hinter ihr drein. Trotz
ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den sie auf dem Rücken trug
und faßte sie beim Halse. Vor Todesschrecken rief sie: »Jesus Marie!«
und sogleich war der Wassermann verschwunden. Das Mädchen kam halbtot
im Schlosse an und wurde noch dazu ausgelacht, als sie vom Wassermann
erzählte. Nach 3 Tagen starb sie und alle Leute waren fest überzeugt,
daß daran nur die Berührung des Wassermanns schuld gewesen sei.
Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu
diesem Abschnitte wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische
Farbe ist. Eine erzgebirgische Sage erzählt von einer grünen Frau
am Kahleberge bei Altenberg. Dämonisch wird die verzauberte, ein
Schlüsselbund tragende und Schätze hütende Jungfrau des Hausberges in
der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet (Größler,
a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei ihren
Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb
auch der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881,
No. 5.)
Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der
Niederlausitz ihre Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei
Buckow bittet Vorübergehende um einige Lappen und Flecken. Ein Nix in
einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine Schuhe aus. (Veckenstedt,
Wendische Sagen, S. 187--198.)
207. Der Nix fordert sein Opfer.
(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit,
1862, S. 39.)
In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein Opfer
fordert.
S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.
208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.
(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis im
Zellwalde, 1874, S. 8. ~Saxonia~ I., S. 172.)
In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen Teiche
sollen Nixe ihren Wohnsitz haben.
209. Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses.
(~Dr.~ Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.)