Am 26. März des Jahres 1683 ging die Levitenzeche mit 3 Schächten

in Haufen, daß man nichts von der Kaue sahe. Kurz zuvor aber war

ein dicker Mann, mit Silber und Gold geschmückt, aus dem Kämmerlein

heraus in die Kaue zu einem Bergmanne, Israel Ficker, welcher daselbst

Schachtholz zurichtete, gekommen, und hatte ihn mit diesen Worten

gefragt: »Kennst Du mich nicht?« Und da der Bergmann geantwortet:

»Herr, wie soll ich Euch kennen, Ihr werdet wohl einer vom Herzog

aus Holstein (der diese Zeche bauete) sein!« Da hat er ihn heißen

anfahren, und, weil er es nicht thun wollte, dergestalt getäuscht, daß

er darüber des Todes war und am 30sten desselben Monats begraben wurde.

153. Der Berggeist in der Grube »Sieben-Schlehen« bei Neustädtel.

(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)

Es war eines Jahres am 24. December, als ein Bergmann in der Grube

»Sieben-Schlehen«, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, getrosten

Mutes einfuhr. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen Mitternacht

ließen sich in der Ferne Schritte vernehmen, und der Bergmann glaubte,

einer seiner Gesellen komme, um ihn abzulösen. Doch als das »Sappen«

näher kam, erblickte er einen Mann, der trug an der Brust eine goldig

funkelnde Blende mit einer Kerze darin; seine Kleidung war dunkel bis

auf die weißen Strümpfe; an den Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe

und der Kopf war mit einem Hute, ähnlich den Napoleonshüten, bedeckt.

Sein Gesicht konnte jedoch der Bergmann vor Glanz nicht sehen; nur das

eine sah er, daß ein silberweißer Bart bis auf die Brust hernieder

hing. Die Erscheinung blieb vor ihm stehen und sagte nichts, leuchtete

ihn aber an und kehrte auf demselben Wege wieder zurück. Als der

Bergmann am anderen Morgen von seinem Begegnis erzählte, sagten ihm

seine Gesellen, das sei der Berggeist gewesen.

In demselben Schachte arbeitete am nächsten Charfreitage ein anderer

Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches Sägen und

Hämmern, wiewohl er wußte, daß keine Zimmerlinge da waren. Er zeigte

dies beim Ausfahren dem Steiger an, welcher sogleich einfuhr und

die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ derselbe den Ort mit Bretern

verschlagen. Nach wenigen Tagen aber war er tot.

154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Anhang, No. 7.)

Auf dem Donat Spath im Bereiche der Elisabeth-Fundgrube zu Freiberg

sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen »Hans« in Stein

gehauen, wahrscheinlich zum Andenken eines Verunglückten. Das Bergvolk

aber erzählt davon folgende Sage:

Vor Zeiten arbeitete auf dem Donat auch ein Bergknecht Hans, welcher

so arm war, daß er manchmal hätte verzweifeln mögen. Er weinte oft

stundenlang in der Grube und eines Tages, als er sich keinen Rat mehr

wußte, brach er in laute Klagen aus. Da zerteilte sich der Felsen und

aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen hervor. Das war

der Berggeist, der sagte: »Armer Hans, ich will Dir helfen, aber Du

mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot und ein Pfenniglicht geben

und ewiges Schweigen geloben!« Hans, welcher sich bald von seinem

Schrecken erholt hatte, versprach alles mit Freuden. Darauf verschwand

der Berggeist wieder und ließ ihm des Silbers in Menge zurück. Nun war

Hans ein gemachter Mann, der schon ein paar Groschen aufgehen lassen

konnte. Niemand konnte begreifen, woher er das Geld habe, und er nahm

sich wohl in acht, davon zu plaudern. Aber da kam das Stollnbier,

wo das Bergvolk sich der Freude hinzugeben pflegt. Hans war diesmal

vorzüglich auf dem Zeuge und sprach dem Glase wacker zu. Bald war

er berauscht und konnte in der Lust des Herzens das Geheimnis nicht

länger verschweigen. Als aber am andern Tage sein Taumel verflogen war

und die Freunde ihm erzählten, was er geplaudert habe, da erschrak er

und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war, den Knechten,

welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben. Diese warteten lange

vergeblich, er gab kein Zeichen, sie riefen ihn, er antwortete nicht.

Da plötzlich zuckte es rasch am Seile und ein helles Licht erglänzte

in der Teufe. Die Haspelknechte wußten nicht, was das zu bedeuten

habe, drehten aber den Rundbaum mit Eile banger Erwartung, und bald

war der Kübel zu Tage gefördert. Rings um den Rand desselben brannten

Pfenniglichte, und drinnen lag der arme Hans tot, mit blauem Antlitz,

wie ein Erdrosselter, und auf ihm das letzte Pfennigbrot. Der grausame

Berggeist hatte ihn umgebracht.

155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.

(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)

Nahe bei »Sieben-Schlehen« befand sich ein Schacht, in welchem

folgendes geschah: Als der Kunstwärter daselbst das Kunstzeug einölte

und dabei an den Hauptzapfen kam, ließ sich ein Gesicht an der Wand

sehen, welches sprach: »Diesen Zapfen schmiere ich.« Der Kunstwärter

gehorchte und ließ von da an diesen Zapfen unberührt, bis er doch

einmal das Gebot übertrat. Kaum hatte er den Hauptzapfen eingeölt, so

geriet er mit dem rechten Arme in das Kunstzeug, welches ihm den Arm

abriß. Doch empfand er dabei nicht den geringsten Schmerz und die Wunde

blutete auch nicht. Als er den weggerissenen Arm aufhob, erblickte er

das Gesicht an der Wand wieder; dasselbe sah ihn höhnisch an, ohne

etwas zu sprechen.

156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in

Neu-Geising.

(Meißner, Umständliche Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S.

239.)

Gottfried Behr, welcher im Zwitterstock zu Altenberg arbeitete

und einen Brennofen beschickte, erzählte folgendes: Es sei am 31.

August 1713, als er in seinem Hause zu Neu-Geising früh vor 3 Uhr

habe aufstehen wollen, ein Mann, grau von Haaren und Bart, in einer

vollkommen menschlichen Gestalt, in einer langen grauen Kutte vor

sein Bett getreten und hätte gesagt: »Warte immer noch ein Bißchen!«

Und als Behr geantwortet: »Ich muß anfahren«, hätte dieser weiter

gesagt: »Du sollst noch eher droben sein, als der, so mein Volk zählen

läßt. Warte noch ein Bißchen, ich will Dir was sagen. Ich will mit

Dir ins Zechenhaus gehen und Dir was weisen, wie ich mein Volk will

wegnehmen. Du hast unterschiedliche Warnungen gethan und dabei haben

Dich viele verunglimpfet; dieselben haben ihr Teil schon gekriegt.

Und wenn sie Dich itzo werden wieder so verunglimpfen, wenn Du es

sagen wirst, so soll es denen wieder so gehen, wie den ersten. Und Du

sollst eher droben im Zechenhause sein, wie der Geschworene, das merke

Dir zum Wahrzeichen gewiß!« Darauf wäre der Mann verschwunden und er

hätte nicht gesehen wohin. Hierauf sei er aus dem Bette aufgestanden,

hätte sich angezogen, und wie er seinen ordentlichen Weg den Mühlberg

hinan ins Zechenhaus gegangen, habe er daselbst den alten grauen Mann

innen an der Thür stehend wieder angetroffen und gesehen, daß er vom

Ofentopfe an einen Strich mit dem rechten Arme über die Bergleute nach

dem Fenster zu gethan, und ihn an der linken Seite berührt, daß er

solches die ganze Woche lang sehr gefühlet und manche Thräne darüber

vergossen. Nach diesem hätte er wahrgenommen, daß die Leute alle

weggewesen, bis auf zehn Personen, so an dem Ofen traurig gesessen.

Der graue Mann aber hätte dazu gesagt: »Da haben sie die Zwölf, die

mögen sie auszählen.« Darauf sei er wieder verschwunden, und habe er,

nämlich Behr, die Leute, welche fortgewesen, mitten unterm Gebete

wieder um sich gesehen; es sei auch gleich der Herr Geschworene

hineingekommen und habe sich sofort am Tische an seinen Ort gesetzt und

mit den Burschen sein Gebet gethan; weiter aber habe er damals weder

im Zechenhause, noch in der Grube, oder sonst etwas mehr gemerket.

Freitags hernach, den 8. September, habe sich ferner begeben, daß, als

er zu seiner Zeit aufgestanden und ins Zechenhaus sich begeben, auch in

die Stube hineingetreten, dieser alte graue Mann in voriger Gestalt und

Tracht beim vorderen Fenster am Tisch auf seinem Orte gesessen. Nachdem

er nun näher gegangen, den Tisch mit der Hand ergriffen und sich setzen

wollen, sei derselbe aufgestanden und gleich wieder vor seinen Augen

weggekommen, worauf er sich gesetzet und mit den Bergleuten gebetet. Am

11. September, früh 5 Uhr, erschien der graue Mann dem Gottfried Behr

wieder vor dem Bette und sagte, er solle mit ihm wohin gehen, da würde

eine Hochzeit sein, es wären schon drei Tafeln gesetzt. Nachdem aber

seine Frau dazu gekommen und ihn gerufen, wäre der graue Mann wieder

verschwunden.

157. Vom Berggeist in Schneeberg.

(Nach einer mündlichen Mitteilung.)

In der St. Georgenzeche zu Schneeberg ist früher einem Knappen ein

Berggeist erschienen und hat ihn so gewaltig auf einen Stein gesetzt,

daß er wie angemauert sitzen bleiben mußte. Ebenso erging es einem

Steiger, welcher die Bergleute sehr streng behandelte. Später erschien

der Berggeist wieder und schlug mit der Faust gewaltig an die Felswand.

Die Bergleute, welche daselbst arbeiteten, sahen darauf eine Höhlung,

in welcher viel Silber lag. Hätten sie sogleich eine Hacke oder ein

anderes Gerät in die Höhle geworfen, so würden sie den Schatz gewonnen

haben. So aber unterließen sie es aus Unkenntnis und der Schatz

verschwand; auch der Berggeist ließ sich von dieser Zeit an nicht

wieder sehen.

158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.

(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, Sammlung bergmännischer

Sagen, 1883, S. 29.)

In der St. Georgsgrube zu Schneeberg erschien der Berggeist in Gestalt

eines schwarzen Mönches, ergriff einen Bergknappen, der sich in der

Teufe ungebührlich aufgeführt, hob ihn auf, und setzte ihn auf einer

ehedem silberreichen Grube nieder, so hart, daß ihm das Hinterleder

platzte und alle Rippen krachten.

159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.

(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, a. a. O., S. 29.)

Zu Annaberg war eine Grube, genannt »der Rosenkranz«, darinnen

arbeiteten 12 Knappen. Die schwatzten mit einander possenhaft, wollten

sich gegenseitig mit dem Berggeist fürchten machen und leugneten

ihn als einen lächerlichen Popanz. Da mit einem Male sahen sie eine

Roßgestalt mit langem Halse und mit feurigen Augen an der Stirne und

erschraken zum Tode. Dann ward aus der Roßgestalt die wahre Gestalt des

Bergmönches, die trat ihnen schweigend nahe und hauchte jeden nur an.

Sein Atem aber war wie ein böses Wetter, sie sanken tot nieder von des

Geistes Anhauch, und nur einer kam wieder zu sich, gewann mit Mühe den

Ausgang und sagte, was sich zugetragen. Dann starb auch er. Darauf ist

die silberreiche Grube »der Rosenkranz« zum Erliegen gekommen und nicht

mehr angebaut worden.

160. Der gespenstische Bergmann in Aue.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis.~, S. 1146.)

In den erzgebirgischen Bergstädten sind die Bergteufel in manchen

Gestalten erschienen, bald als Bergmönche inner- und außerhalb der

Gruben, bald mit einem Irrlicht, als einem vermeinten Grubenlicht. So

ließ sich im Jahre 1684 in einer Auischen Wohnung beim Schnorrschen

Hammerwerk ein Geist hören und darauf in Gestalt eines Bergmanns sehen.

Derselbe hüpfte in einer gewissen Gegend unweit der Mulde, und da man

an diesen Ort mit der Rute ging, soll dieselbe auf Silber geschlagen

haben.

161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.

(Mündlich.)

Frauen, welche mit Butter durch den Zechengrund bei Zinnwald, wo früher

reiche Bergwerke waren, gingen, sahen oftmals daselbst Bergknappen,

obgleich schon längst kein Bergbau dort im Gange mehr war.

162. Gespenstischer Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.

(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 75.)

Am Bache zwischen Rittersgrün und Pöhla ist ein Fels, in dessen Nähe

sich ein Gespenst als Bergmann hören und sehen ließ, oben auf dem Kopfe

mit einem brennenden Grubenlichte. Derselbe erschreckte des Nachts die

Leute und warf sie in den Bach.

163. Gespenstischer Bergmann bei Scheibenberg.

(Chr. Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 76. Wrubel, Sammlung

bergmännischer Sagen, 1883, S. 79.)

Am Scheibenberge hat sich oft ein Gespenst in Gestalt eines Bergmanns

sehen lassen. Dasselbe ist den Maurern, welche dort Sand gesiebt,

plötzlich auf den Hals gekommen; andere hat es hinter dem Berge an

eine eiserne Thüre geführt, wie zum Eingange eines Schatzes, die man

aber darauf nicht hat wieder finden können. Auch hat daselbst ein

Gespenst in Gestalt einer Jungfrau, oder in der von Wölfen, Füchsen und

Irrwischen manche irre geführt und geäfft.

Im Jahre 1632 hat Hans Schürf zu Crottendorf eine Tochter von 8 Jahren

im Walde verloren, die man innerhalb 13 Tagen nicht auffinden konnte,

bis sie von einer Köhlerin im Walde angetroffen und heimgebracht wurde.

Da man sie nun fragte, was sie denn gegessen und getrunken, antwortete

sie, ein Männchen habe ihr alle Tage eine Semmel und zu trinken

gebracht.

164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.

(Gräße, a. a. O. Nr. 499.)

Einmal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abenddämmerung nicht

weit von Annaberg auf der gewöhnlichen Heerstraße, da sah er einen

alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn herankam, bot er ihm

einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort, ebenso wenig auf die

Wiederholung des Grußes, und da er etwas hitzig war, schrie er: »Ei,

so soll Dich Grobian gleich der Teufel --!« und zog ihm eins mit der

Reitgerte über. Aber siehe, auf einmal wußte er nicht mehr, wo er war;

er ritt bis in die Nacht in der Irre herum und erst gegen Mitternacht

hörte er Stimmen. Er rief, es kamen Leute, er fragte, wo er sei, und

erfuhr, er sei in seinem eigenen Heimatorte. Man führte ihn bis an sein

Haus und noch immer kannte er sich nicht; erst als seine alte Mutter

mit einem Lichte vor die Thür trat, wußte er wieder, wo er war. Der

Bergmann hatte ihn geäfft.

165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.

(K. Fr. Döhnel im Erzgeb. Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 180.)

Eine geraume Zeit hatte der alte Bergmann Kapuzer redlich und treu

in den unterirdischen Klüften gearbeitet, und wer ihn gesund und von

der verderblichen Bergluft verschont in seinem grauen Kopfe sah, der

mußte ihm gut sein. Freilich hatte er sich auf der Fahrt seines Lebens

durch Kämme[1] und Knauer[2] winden müssen, und manches Wetter und

manche Felsenwand hatten ihn auf seiner Fahrt bedroht. Es schien fast,

als hätte ihn das Schicksal als ein taubes Gestein auf die Halde des

Lebens geworfen; aber nie verlöschte das Grubenlicht der Hoffnung

in seiner Hand, und mit diesem glaubte er noch einen reichhaltigen

Gang zu treffen. Aber eine fürchterliche Teuerung brach herein, und

Berghenne[3], die sonst ihm und seinen Kindern Sonntagskost gewesen

war, mußte er ganz entbehren und oft Tage lang hungern. Die Kleinen

jammerten ihn sehr, und ob er sich schon manches entzog, um nur ihren

Hunger zu stillen, so wollte es doch nicht zulangen. Einstmals fuhr er

zur Frühschicht an und sang mit frohem Mute das schöne Lied: Wer nur

den lieben Gott läßt walten, obschon er seit zwei Tagen wenig gegessen

hatte. Unter den letzten Versen des Liedes begann er seine Arbeit und

verfolgte rasch mit dem Fäustel den am Tage vorher getroffenen Gang.

Da sprang ihm gediegenes Silber ins Auge. Die Stufe, die er abhieb,

war reichlich, und von ihrem Verkaufe konnte er langen Unterhalt

für seine Kinder hoffen. Das Elend der Kinder stand vor ihm, die

Mittel, es zu mildern, auch, und schon streckte er in Erwägung der

wachsenden Not seine Hand nach der Silberstufe. Da schlug ihm etwas

auf die Achsel. Er drehte sich um und sah ein kleines graues Männchen

im Berghabite hinter sich stehen, das mit der einen Hand auf die

Silberstufe zeigte und die andere drohend erhob. Kapuzer schauderte,

warf die Silberstufe hin und das Männchen verschwand. Sogleich fuhr

er aus, um es seinen Vorgesetzten zu melden, daß Gott das Gebet der

Gewerken erhört und Gänge und Klüfte aufgethan hätte. Die Vorgesetzten

umarmten den redlichen Mann, fuhren in den Schacht und sahen den

reichen Fund. Die meisten Gewerken waren bemittelte Leute, sie

wollten den alten Kapuzer mit Ruhe in seinen alten Tagen für seinen

Fund belohnen, aber er schlug es aus, obschon sie ihm doppelten Lohn

boten. »Ich will in meinem Berufe sterben, ist ja das Grab auch nur

ein Schacht, in dem der Silbergang der Ewigkeit glänzt,« rief der

Greis mit Thränen in den Augen; »ich kann noch arbeiten.« Die Bitte

ward ihm gewährt, seine Kinder wurden gekleidet und er durch ein

ansehnliches Geschenk der drückenden Nahrungssorgen für sich und die

Seinen entzogen. Noch sechs Jahre arbeitete er mit gleicher Thätigkeit.

Da rief ihn der Bergfürst von der Schicht. Früh morgens um drei Uhr

wollte er zur Arbeit aufstehen, aber er vermochte es nicht. Um acht

Uhr rief er seinen ältesten Knaben: »Geh' zum Bergmeister,« sprach

er, »und sag' ihm, der alte Kapuzer werde bald Schicht machen, sein

Grubenlicht wolle verlöschen, er solle mich noch einmal besuchen.« Der

redliche Bergmeister kam zu dem Sterbenden und dieser erzählte ihm

die Geschichte von dem Bergmännchen. Der Bergmeister stand gerührt

an seinem Bette. Dann faltete der Kranke die Hände, betete still und

endlich sprach er mit schwacher Stimme: »Es ist vollbracht, Glückauf!«

und verschied.

Wenn ein redlicher Bergmann aus Armut stehlen will, warnt ihn das

Bergmännchen, und nur die, welche geübte Bösewichter sind, überläßt es

der Stimme ihres Gewissens und der strafenden Hand der Obrigkeit.

[1] Kämme sind festere Gesteinslagen.

[2] Knauer, ein festes und rohes Gestein.

[3] Berghenne ist eine Wassersuppe oder auch Brot und Käse.

166. Das gespenstische graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft«

bei Johanngeorgenstadt.

(Engelschall, Beschreib. d. Bergstadt Joh.-Georgenstadt. 1723, S. 136.)

In dem Bergwerke zur »Treuen Freundschaft« hat sich am 7. Aug. 1719

folgendes begeben: Es arbeitete vor Ort Johann Christoph Schlott, und

da man zu Mittag ausgepocht hatte, hörte er gegen den Schacht noch

jemanden husten. Da meinte er, es werde der Steiger vor Ort fahren,

solches in Augenschein zu nehmen. Nachdem sich aber niemand eingestellt

hatte, wollte er ausfahren; aber kaum hatte er sich umgewendet, da nahm

er wahr, wie ihm jemand vom Schachte her mit brennendem Grubenlichte

entgegen kam. Dadurch wurde Schlott in seiner früheren Meinung, daß es

der Steiger sei, wieder bestärkt. Doch als sie endlich beide auf der

Strecke zusammenstießen, nahm er wahr, daß es ein sehr kleiner Mann in

einem braunen Kittel war. Derselbe hing eben, als Schlott vorbei fuhr,

sein Grubenlicht ans Gestein, so daß es auch sofort hängen blieb,

legte die Tasche ab und sprach zu Schlotten. »Ists schon Schicht?«

denn die Bergleute fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des

Hammerwerksbesitzers eine Stunde früher aus. Bei dieser Anrede überfuhr

Schlotten ein Schauer, er eilte davon und traf keine Arbeiter mehr in

der Grube an. Dies Begegnis erzählte er darauf dem Steiger, welcher

anfangs nicht viel davon wissen wollte; doch mußte Schlott später

den Ort zeigen, woran das Männchen sein Grubenlicht gehangen hatte.

Daselbst nahm man eine kleine Kluft wahr und es wurde an der Stelle ein

Schuß gebohrt, der einen Gang öffnete, von dem man mehrere Quartale

nacheinander eine gute Ausbeute machte.

167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.

(Mündlich.)

Ein Bergjunge fuhr einst auf dem Bergschachte Orschel bei Schneeberg

an; da erschien ihm ein Berggeist, welcher ihn töten wollte. Doch ließ

er es bei der Drohung bewenden, wenn ihm der Junge alle Tage eine

Semmel mitbrächte; aber er solle niemandem etwas davon sagen. Eines

Tages brachte der Junge keine Semmel mit und wurde in einem Kübel

erwürgt. Als man ihn fand, lagen um ihn herum viele verschimmelte

Semmeln, mit denen er an das Tageslicht gefördert wurde.

Diese Sage hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit der vom Berggeiste

am Donat zu Freiberg. Das Geschenk einer Semmel, welches dem

Berggeiste gemacht werden muß, erinnert an das Essen, welches man

nach deutschen Sagen den Kobolden hinsetzen mußte. Wie die Kobolde

sind hier vielleicht auch die Berggeister als Geister der Vorältern

und zwar derjenigen, welche in der Erde ruhen, aufzufassen. Zwergen

und Berggeistern werden an gewissen Orten Speisen und Getränke

hingestellt, wofür sie sich durch Geschenke dankbar bezeugen. (Nork,

Sitten und Gebräuche, S. 241) In Idria stellen die Bergleute den

Wichtlein, die man im Bergwerke öfters klopfen hört, ein Töpflein

Speise an einen besondern Ort. (Grimm, deutsche Sagen, I. No 37.)

168. Der Berggeist verlangt für reiche Anbrüche eine Pfennigsemmel.

(Ed. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke. 1882, S. 1. etc.)

Vor langen Jahren lebte in Joachimsthal ein erfahrener, aber armer

Bergmann, namens Christoph Wattmer, der sich und seine zahlreiche

Familie, so gut es eben ging, durch seiner Hände Fleiß redlich

ernährte. War auch oft in seiner Hütte Schmalhans Küchenmeister, so

bewahrte sich doch Wattmer stets einen heiteren, zufriedenen Sinn, um

den ihn seine Kameraden nicht selten beneideten. Einmal hatte er aber

in der Nacht einen bösen Traum, der ihn recht traurig stimmte, da er

ein großes Unglück befürchtete. Deswegen wäre er gern von der kommenden

Morgenschicht weggeblieben, allein er mußte seiner Pflicht folgen. Mit

sorgenschwerem Herzen machte sich also Wattmer beim Tagesanbruch auf

den Weg zum Grubenhause, verrichtete daselbst sein Gebet und mit dem

üblichen »Glück auf!« fuhr er im Namen Gottes in den tiefen Schacht.

Als er vor Ort war, arbeitete er fleißig und unverdrossen, bis er

plötzlich in der Nähe ein Klopfen und Hämmern, ein Ächzen und Stöhnen

vernahm, das ihn nichts Gutes erwarten ließ. Wie er nun in Gedanken

versunken dastand, sah er einen großen, dicken Mann im schmierigen,

erdfahlen Grubenkittel auf sich zuschreiten. Er hatte einen großen

runden Hut auf dem Kopfe, Schlägel und Eisen im breiten Gürtel, in

der rechten Hand aber trug er ein Grubenlicht, das die ganze Strecke

taghell erleuchtete. Je näher die unheimliche Gestalt kam, desto enger

schnürten Furcht und Grausen des Bergmanns Brust zusammen. »Fürchte

Dich nicht,« redete der Berggeist den zitternden Bergmann an, »ich

will Dir kein Leid zufügen, denn Du bist mir gerade willkommen. Sorge

täglich für eine Pfennigsemmel, es soll nicht Dein Schaden sein!« Der

Bergmann that, wie ihm befohlen ward, und brachte dem Berggeiste jede

Schicht eine Pfennigsemmel. Darüber erfreut, sprach der Berggeist eines

Morgens zu Wattmer: »Da Du bisher meinen Wunsch erfüllet hast, will ich

Dich zum reichen Manne machen.« Nach diesen Worten schlug er an die

Wand und sofort öffnete sich eine Strecke voll Silbererzes. »Melde den

Anbruch«, fügte er hinzu, »Deinen Vorgesetzten, doch sage niemandem,

daß ich mit Dir im Verkehre stehe, sonst bist Du unrettbar verloren!«

Der Bergmann versprach Stillschweigen, schied mit dankerfülltem Herzen

von seinem Gönner und fuhr vergnügt zu Tage. Er eilte alsdann zum

Berghauptmann und hinterbrachte ihm die Nachricht von dem reichen

Silberanbruche. Wie ein Lauffeuer ging diese Kunde von Mund zu Mund

und Freude strahlte auf allen Gesichtern. Die gesamte Bergknappschaft

veranstaltete nun zu Ehren des wackern Christoph Wattmer ein glänzendes

Mahl, bei welchem er obenan saß. Als die Teilnehmer des Freudenfestes

im Saale schmausten, zechten und sich lustig machten, bestürmten sie

unablässig Wattmer, er möge ihnen doch endlich über das unerwartete

Auffinden des Anbruches näheren Aufschluß geben. Die Aussage, die

derselbe machte, genügte den neugierigen Kameraden, welche den

Zusammenhang der Sachlage ahnen mochten, noch lange nicht, sie wollten

mehr erfahren. Ihrem Drängen gab endlich der unbesonnene Wattmer nach

und erzählte mit beklommenem Herzen die ganze Begebenheit; dafür aber

sollte er schwer büßen. Als er nämlich am folgenden Tage mit Zittern

und Zagen anfuhr, erwartete ihn schon mit geballter Faust der ergrimmte

Berggeist, der ihm mit donnernder Stimme zurief: »Heißt das, armseliger

Erdenwurm, mir, dem Herrn über alle Gebirge dieser Gegend, Wort

gehalten?« Dann ergriff er Wattmer und schleuderte ihn unbarmherzig in

den Schacht hinunter, wo er zerschmettert tot liegen blieb.

169. Der Berggeist von Joachimsthal.

(Novellistisch in Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 12.

etc.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 14 / 62 段