Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich früher

der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen Augen

sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten, der ohne Rast

von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H. Müller, Beschreibung der

Bergstadt Brand, S. 4.)

Gespenstische Hunde sind meist Tod oder Unheil verkündend, auch wenn

ihnen die Sage nicht ausdrücklich die prophetische Gabe beilegt. Wenn

des Nachts vor seinem Hause ein Hund heult, so sagt man in Schleswig:

die Hel ist bei den Hunden, d. h. Hunde wittern die umziehende Pest.

Letztere aber wird mit einem Feuer verglichen, das als blaue Flamme

erscheint. Damit hängt nun jedenfalls wieder der Glaube zusammen,

daß der Hund eine Feuersbrunst anzeigt. (Rochholz, Deutscher Glaube

und Brauch, I. S. 159.) Im Erzgebirge sagt man: Heult ein Hund mit

erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so

stirbt jemand.

Sich den Menschen aufhockende gespenstische schwarze Hunde kennt auch

die slavische Sage. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 330.)

128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.

(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 471.)

An der Frankenberger Straße, die nach Chemnitz führt, steht in einem

Dorfe ein schöner neugebauter Gasthof, in dem kein Besitzer lange

bleibt, denn da läßt sich am Tage und des Nachts ein Hase sehen, der

überall neben dem Hausherrn herläuft, allerdings ohne ihm etwas zu

thun, für alle anderen aber unsichtbar ist.

129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.

(Nach Liberius Veridicus, Unmaßgebliche Gedanken von den Dittersbacher

Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., No. 588.)

Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine große

Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach. Bei

derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse, Quäker, Kiebitze,

Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen u. s. w. und gegen Morgen kamen

Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches Geschrei. Die Vögel

flogen um das Feuer herum, viele verbrannten, viele aber wurden

gefangen. Weil man sich aber den Grund dieser Vögelversammlung nicht

denken konnte, ist vom Gerichtsamte am 6. November eine Registratur

hierüber aufgenommen und an die sächsische Regierung eingeschickt

worden.

130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 49.)

In der Joachimsthaler Gegend hauste früher ein gewisser Schinderhans,

von welchem man manches drollige Märchen erzählt; dem Volksglauben nach

soll er mit dem Teufel im Bunde gewesen sein.

Ein anderer Räuber hieß Schwabenkunert; dieser verstand die Kunst,

verschiedene Gestalten anzunehmen.

Beide wurden nach Verübung vieler Unthaten am Galgenberge gehängt;

als dort vor einiger Zeit Steine gebrochen wurden, fand man noch ihre

Skelette. Als man diese herausnahm, reichten sich die zwei Galgenvögel

die Hände.

Auch geschah einst im Schindergründel ein Mord; als ein Fuhrmann später

über diese Stelle fuhr, bemerkte er zu seinem Entsetzen rückwärts am

Wagen einen großen schwarzen Hund; er hieb ihn mit der Peitsche, aber

siehe da, der Hund wurde viermal größer, und erst als der Fuhrmann aus

dem Schindergründel kam, verschwand der Hund, der Fuhrmann aber starb

nach einer kurzen Zeit. -- Auch war das Schindergründel berüchtigt als

Aufenthaltsort vieler Diebe und Räuber.

131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.

(Mündlich.)

Als vor einigen Jahrhunderten viel falsches Geld von Österreich nach

Sachsen geschafft wurde, kamen auch mit solchem Gelde einige Fuhrleute

in die Nähe von Blauenthal, da wo sich am linken Ufer der Bockau die

sogenannte Steinwand erhebt. Es kam ein schweres Gewitter und die

Fuhrleute suchten deshalb Schutz unter einem überhängenden Felsen.

Da das Unwetter lange anhielt, so vertrieben sie sich die Zeit mit

Kartenspiel. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder, ein schwerer Donnerschlag

folgte und die Felsenhöhle mit den darin sitzenden Männern war im

Nu verschwunden. Die stehengebliebenen Wagen wurden nach Eibenstock

gebracht. An gewissen Tagen lassen sich nun in der Nähe der Steinwand

Spukgespenster sehen. So kam einst wiederholt des Nachts ein weißer

Hase. Ein Arbeiter des Hammerwerks schlug nach ihm und rühmte sich

dann, er habe ihm eins ausgewischt. Aber in der folgenden Nacht fand

man den Mann tot.

132. Die Puppe von Brand.

(E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, 1858, S. 119 etc.)

An die ältere Geschichte des Gasthofes zum Erbgericht in Brand knüpft

sich folgende Sage:

In früheren Zeiten war eine wohlhabende Witwe im Besitze dieses

Erbgerichts. Dieselbe übertrug den ganzen Reichtum ihrer Liebe auf

ihre siebenjährige Tochter, und an einem Weihnachtsfeste wollte sie

derselben eine seltene Freude bereiten und schenkte ihr eine Puppe, die

mit der Tochter von fast gleicher Größe war. Als aber das Töchterchen

die Puppe erblickte, zeigte es mehr Furcht als Freude, und auch an dem

folgenden Tage mochte das Kind die Puppe nicht sonderlich anschauen,

vielmehr wurde es krank und starb noch in den 12 Nächten an dem bösen

Scharlachfieber. Als einen Ersatz ihres geliebten Töchterchens nahm nun

die Witwe die Puppe zur Hand, kleidete sie an mit den Gewändern der

Verstorbenen, ließ sie neben sich auf einem besonderen Stuhle sitzen,

setzte ihr Speisen und Getränke vor und sprach mit ihr wie mit einem

Kinde. Eine Magd mußte die Puppe aus- und anziehen und regelmäßig

ins Bett bringen. Ja die Frau ging allen Ernstes mit dem Plane um,

einen Hauslehrer für ihren Liebling zu berufen, als der Tod ihrem

wunderlichen Treiben ein Ende machte. Seltsame Gerüchte verbreiteten

sich über ihr Dahinscheiden; feierlich wurde sie zur Erde bestattet und

mit Grauen gedachte man der Puppe, die still in ihrer Lade lag.

Allein nach dem Begräbnisse der Hausmutter hatte dieselbe keine Ruhe

mehr; in nächtlicher Weile stand sie auf, suchte ihre Kleider, die der

neue Besitzer an sich genommen, und lief im ganzen Hause umher, so daß

jeder Einwohner sich in der Nacht nicht getraute, über die ängstlich

verschlossene Kammer zu schreiten. Selbst an Sonn- und Festtagen, wenn

sich das junge Volk durch Spiel und Tanz ein Vergnügen bereitete,

trippelte sie hinter den kräftigen Bergburschen und den rotwangigen

Mädchen her, so daß man anfangs floh, später aber, an die Erscheinung

gewöhnt, sich nicht sonderlich mehr stören ließ. Der Wirt aber nahm

sich ernstlich vor, dem Spuk ein Ende zu machen. In St. Michaelis

wohnte nämlich in einem einsamen halbverfallenen Häuslein eine alte

triefäugige Frau, von der man behauptete, es sei nicht ganz richtig mit

ihr, auch habe man in ihrer Stube einst ein Geschöpf, einer Fledermaus

ähnlich, bemerkt. Sie wurde nur die Haldenhexe genannt. An diese Person

wandte sich der Wirt in seiner peinlichen Lage, und sie versprach

unter seltsamen Geberden die Puppe in der Lade. Allein die Geschichte

scheint nicht geholfen zu haben, vielmehr rumorte die Puppe mehr als

je, und es schien ihr gar nicht in der zugenagelten Lade zu gefallen.

Kurze Zeit darauf kam auch das letzte Stündlein der Hexe und sie starb

eines rätselhaften Todes. In seiner Not wandte sich nun der geplagte

Erbgerichtsbesitzer an den Ortsgeistlichen in Erbisdorf. Der Pastor

erschien, las einige lateinische Gebete vor, beschwor die Gestalt

und schloß mit den Worten ~apage satanas~! Darauf entfernte sich der

Geistliche. Unterwegs aber hörte er ein leises Husten und als er sich

umdrehte, tanzte die Puppe spottend hinter ihm her, so daß er voll

Grausen eilends nach Hause lief und Thür und Thor fest zuschloß. Und so

blieb denn die Puppe ungebannt im Hause. Lange Zeit wohl mochte sich

dieselbe ruhig verhalten haben, bis sie dann endlich wieder mit ihrem

Spuke auftrat. Ihrem Treiben sollte aber nunmehr ein baldiges Ende

bereitet werden. An einem sonnenhellen Nachmittage wurde die Lade mit

allem Zubehör auf einen Schubkarren geladen und von einem Tagelöhner

dem dunklen Spitalwalde zugefahren. Je näher er demselben kam, desto

schwerer wurde die Lade, so daß ihm der Schweiß von der Stirne rann.

Unter einer Birke machte er ein Loch, einige Fuß tief; doch war ihm bei

dieser Arbeit nicht ganz wohl, denn der Himmel umzog sich mit dunklen

Wolken, Blitze leuchteten durch des Waldes Düster und in der Ferne

rollte der Donner. In aller Eile setzte er die Lade in das gegrabene

Loch, schaufelte Erde darauf, bedeckte es mit Rasen und begab sich

nun eiligst auf den Rückweg. Je näher er an Brand kam, desto eiliger

hörte er hinter sich trippeln und trappeln und als er sich auf einen

Augenblick umsah, erblickte er zu seinem Entsetzen die begrabene Puppe

mit hellleuchtenden Augen. Außer sich vor Schreck kam er halbtot nach

Hause, aß und trank nicht und legte sich zu Bette. Das hitzige Fieber

übermannte ihn und schon nach drei Tagen war er eine Leiche.

Seit jener Zeit hat man von der gespenstischen Puppe nicht mehr viel

vernommen. Als jedoch das Erbgericht neu aufgebaut wurde, wollen einige

Bauleute dieselbe gesehen haben, wie sie auf den halbvollendeten Mauern

herumgesprungen sei, und man sagt, daß sie heimlich samt der Lade

wieder aus dem Spitalwalde hereingeschafft worden wäre.

133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.

(Mündlich.)

Im Dönitzgrunde bei Eibenstock, in welchem noch die Überreste früherer

Zinnseifen zu sehen sind, zeigt man auch eine alte Binge. Von

derselben wird erzählt, daß einst zwei Reiter über dieselbe setzen

wollten, daß sie aber dabei mit ihren Pferden hinabstürzten. Wer nun

in der Johannisnacht an diese Binge kommt und aufmerksam horcht, der

vernimmt in der Tiefe nicht nur das Klirren von zusammenschlagenden

Hufeisen, sondern auch das leise Ticken einer Uhr.

134. Die geheimnisvollen Ambosschläge im Keller eines Hauses zu

Eibenstock.

(Mündlich.)

In Eibenstock zeigt man ein Haus, welches früher einem Schmied gehörte,

dessen Frau mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen hatte. Als die Frau

gestorben war, verkaufte der Mann das Haus und zog fort; doch ließ

er verschiedene Gegenstände in dem weitläufigen und in viele Gänge

auslaufenden Keller zurück. Da geschah es, nachdem das Haus wieder

bewohnt war, daß eines Abends eine Frau hinab in den Keller ging, in

welchem sich ein Brunnen befindet, um daselbst noch Wasser zu holen. Da

hörte sie heftige, wie auf einen Ambos ausgeführte Schläge, von denen

sie jedoch nicht sagen konnte, woher sie rührten. Dies wiederholte sich

noch zweimal nach einander. Darauf ist aber der Frau der Mut plötzlich

gesunken und sie ist eilends davongegangen. Solche Ambosschläge sind

übrigens noch mehrmals in der Nacht in jenem Keller gehört worden.

135. Die Klage in Kohlenschächten bei Bockwa.

(Gräße, Sagenschatz etc. No. 585.)

Hinter Bockwa, seitwärts von Hohndorf nach Reinsdorf zu, gab es vor

einigen dreißig Jahren noch einige verfallene Kohlenschächte; in einen

derselben soll einmal ein Offizier beim Spazierengehen hineingestürzt

und sein Leichnam erst nach langer Zeit wiedergefunden worden sein.

Wenn man in die Nähe dieses Ortes kam, so hörte man fortwährend Winseln

aus jenen Schächten, ohne heraus zu bekommen, woher dasselbe kam.

136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.

(Gräße, Sagenschatz etc. 2. Aufl., No. 611.)

Vor dem Schneeberger Thore an dem Wege nach Oberhohndorf liegt ein

Feld, auf welchem sich ein Kreuzweg befindet, den die Wege von

Schedewitz, Reinsdorf und Oberhohndorf bilden; über diesen geht des

Mittags zwischen 12 bis 1 Uhr niemand, auch soll denselben kein

Fuhrwerk passieren. Vor einigen Jahren fand man daselbst um diese Zeit

einen umgeworfenen Wagen, aber ohne Pferde und menschliche Begleiter,

und hat sich zu demselben auch nachmals kein Besitzer gefunden.

III.

Dämonensagen.

Auch die Sagen von den Dämonen, d. h. mit göttlichen und natürlichen

Eigenschaften ausgestatteten Wesen, welche wir sonst im Mythus mit den

Gottheiten selbst verkehren sehen, wurzeln in dem alten Götterglauben.

Wo die mit übermenschlichen Eigenschaften und daher mit der Kraft,

den Menschen zu helfen oder zu schaden, begabten, dabei ein eigenes,

abgeschlossenes Reich bildenden Dämonen in den Überlieferungen des

Volkes nicht mehr gefürchtet, sondern geneckt und verspottet werden,

da zeigt sich bereits der Einfluß des Christentums, dessen Verkündiger

und Hüter bestrebt waren, die alten heidnischen Gottheiten in ihrer

Ohnmacht und ihrem Nichts darzustellen.

Die Dämonenwelt zerfällt in Zwerge, Vegetationsgeister, Wassergeister

oder Nixe, Riesen und Tierdämonen; wenn wir aber diese Dämonenwelt an

uns vorüberziehen lassen, empfangen wir nicht bloß die Überlieferungen

des germanischen, sondern zugleich auch solche des slavischen

Götterkreises. In den Volkssagen der Wenden, Czechen und anderer

sprachverwandter Nationen leben gleiche mit menschlichen und göttlichen

Eigenschaften ausgestattete Wesen fort; sie sind demselben Quell

entsprungen, aus welchem alle dem indogermanischen Sprachstamme

angehörigen Völker schöpften, und das böhmische Volk erzählt vom

Ursprunge dieser Dämonen: »Als Gott die übermütigen Engel aus dem

Himmel verstieß, wurden aus ihnen die bösen Geister, welche den

Menschen bei Tag und Nacht beunruhigen, ihn necken und schädigen.

Die in die Hölle stürzten und in die Löcher und Abgründe, das sind

die Teufel und die Todmädchen. Aus denen aber, die auf die Erde

fielen, wurden die Kobolde, Schrätlein, die Zwerge, Daumlinge, die

Alpe, die Mittags- und Abendgespenster und die Irrlichter. Die in die

Wälder fielen, wurden zu Waldgeistern, als da sind: die Hemänner, die

wilden Männer, die Waldmänner und die wilden Weiber und Waldfrauen.

Jene endlich, die ins Wasser fielen, wurden zu Wassergeistern, zu

Wassermännern, zu Meerjungfern und Meerfrauen.« (Grohmann, Sagenbuch

aus Böhmen und Mähren, I. S. 108.)

Die +Zwerge+, welche die Volkssage nicht bloß in Böhmen, sondern auch

in Tirol und der Schweiz als gefallene, obschon nicht ganz verdorbene,

sondern nur verführte Engel ansieht, die aber nach einer Überlieferung

aus Schwaben einst über die Menschen herrschten und von diesen

göttlich verehrt wurden, sind vorzugsweise die Phantasiegebilde der

Gebirgsbewohner. Sie gleichen vielfach den gnomenartigen ~Yakschas~

der indischen Sagenwelt, welche in den Gebirgen die Schätze des

Metallgottes ~Kuveras~ hüten, und wie nach dem Glauben der alten

Griechen die Pygmäen wie Ameisen in der Erde wohnten, so halten sich

auch die Zwerge des deutschen Sagenkreises, dem sie hauptsächlich

angehören, vorzugsweise in Höhlen und Klüften auf, während die Wenden

der Lausitz die Wohnungen ihrer Zwerge, der Ludki, in die heidnischen

Grabhügel verlegen, deren Urnen nach dem Volksglauben Hausgeräte des

Zwergvolkes sind.

Von allen Wesen wurden die Zwerge nach der Edda zuerst geschaffen,

sie schmiedeten gleich den Göttern Erze und lebten in dem Körper

des aus Reif oder gefrorenem Tau entsprungenen Riesen Ymir, der die

Welt bedeutet. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 282.) Unter einem Könige

zu einem Volke vereinigt, lebten sie friedlich mit den Menschen, für

welche sie arbeiteten und die sie häufig für kleine Dienste reichlich

belohnten. Besonders thaten sie frommen und armen Leuten Gutes.

Gewisse übermenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die Kenntnis

von geheimen Heilkräften, z. B. denen der Bärwurz und des Baldrian

gegen die Pest, ihr Auftreten als Hüter unermeßlicher Schätze, aber

auch nach Jakob Grimm die Liebe zu den Tönen, knüpft ihr Geschlecht an

höhere Wesen, vorzüglich an Halbgötter und Göttinnen. (Deutsche Myth.,

S. 264.) Während sie auf der einen Seite dadurch, daß sie den Menschen

beistehen, ihnen Glück bringen und sie belohnen, sich denselben nähern,

scheinen sie, um mich der Worte Jacob Grimms (a. a. O. S. 259.) zu

bedienen, doch überhaupt von ihnen zurückzuweichen, und »so machen

sie den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten Volksstammes, der im

Begriffe steht, die alte Heimat den neuen mächtigeren Ankömmlingen zu

überlassen«. Übereinstimmend damit bemerkt auch Preusker in seinen

Blicken in die vaterländische Vorzeit (I. S. 54.), daß die Zwergsagen

der Lausitz, des Vogtlandes, Harzes und Thüringens auf zerstreute

slavische Ansiedler hinweisen, die später von den vordringenden

Deutschen verdrängt und unterdrückt wurden, so daß sie sich verbergen

und ihre Wohnsitze verlassen mußten. Ja nach einer Lausitzer Sage, die

Veckenstedt (Wendische Sagen, S. 157.) mitteilt, stammen die Wenden

von den Ludkis ab. Unsere erzgebirgischen Sagen erzählen, wie die

Zwerge durch Lauch, den man in die Milch that, durch Aufrichtung der

Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks«, sowie dadurch vertrieben

wurden, daß man die Knödel im Topfe und die Brote im Backofen zählte.

Sie werden aber wiederkommen, »wenn die Hämmer würden abgehen.« Von

Schmiedeberg zogen sie über die Eger. Ähnlichen Überlieferungen

begegnen wir anderwärts. In der Lausitz konnten sie das Kümmelbrot

und Glockengeläute nicht vertragen und sie ließen sich von einem

Bauer aus Hainewalde über die böhmische Grenze fahren. Bei Langenberg

fuhren sie in einer mondhellen Nacht über die Elster, und die Zwerge,

welche ehemals in den Hüttener Bergen, besonders in dem Kindelberge

und im Pläterberge bei Wittensee wohnten, kamen in der Nacht an die

Hohner Fähre und ließen sich übersetzen. (Müllenhof, Schleswig-Holst.

Volkssagen, No. 329.) Auch die Wichtel- oder Heinzelmännchen des

Spatenberges fuhren über einen Fluß. (Witzschel, Sagen aus Thüringen,

S. 107.)

Überall spricht sich dabei der Groll über menschliche Treulosigkeit und

Unduldsamkeit, ursprünglich wohl über den Abfall von den heidnischen

alten Göttern aus. Wenn aber in anderen Gegenden der Glockenton

die Zwerge vertrieb und letztere demnach in der Sage der Kirche

unfreundlich gegenüber treten, so bauten sie wieder nach einer dazu

fremdartig erscheinenden Überlieferung im Erzgebirge die Steiner

Pfarrkirche, indem sie des Nachts das Baumaterial von unten, wo man die

Kirche zu errichten beabsichtigte, auf den Berg trugen. Sie übernehmen

hier eine Arbeit, welche nach anderen Sagen einem weißen Pferde oder

einem anderen gespenstischen Wesen zugeschrieben wird.

In den Volksüberlieferungen werden die Zwerge, deren Frauen nach einer

unserer Sagen die Klagemütter, in der Lausitz jedoch die Busch- oder

Holzweibel sind (Preusker a. a. O., S. 52.), in mehrere Gattungen

mit verschiedenen Namen geschieden, welche jedoch nicht immer streng

von einander zu trennen sind. Vielfach gehen die eigentlichen, bunte

Röcklein oder spitze rote Hüte tragenden und Höhlen und Schluchten

des Gebirges bewohnenden Zwerge in +Berggeister+ über. Letztere,

als ursprünglich gutmütige und in Gestalt sehr verschieden, meist

als Bergleute, Mönche, jedoch auch in einer erzgebirgischen Sage in

Roßgestalt auftretende Wesen, nähern sich wieder, indem sie zuweilen

boshaft werden, den Kobolden.

Der Berggeist kommt nur beim Bergwerke vor, und die Sagen von ihm

sind gewiß so alt wie der Bergbau selbst. Mit Recht weist daher

Wrubel (Sammlung bergmännischer Sagen, S. 5.) darauf hin, daß man

unsern Berggeist wohl vom Rübezahl des Riesengebirges, welcher besser

»Gebirgsgeist« zu nennen sei, unterscheiden müsse. Wenn wir auch in

den Sagen vom Berggeiste einen Überrest des heidnischen Götterglaubens

haben, so mochten doch die stetigen Gefahren, denen der Bergmann

bei seinen Berufsgeschäften ausgesetzt ist, das von verschiedenen

abergläubischen Meinungen beeinflußte Gemüt mit Bangen vor einer

unterirdischen Macht erfüllen, welche allmählich festere Form annahm

und zu einem Beherrscher des unterirdischen Reiches wurde. (Wrubel a.

a. O., S. 8.)

Die Berggeister waren die Hüter von edlen Erzgängen, und vielleicht

sind die sagenhaften Überlieferungen von den rätselhaften Fremden,

welche das Erzgebirge, den Thüringerwald, das Vogtland, Fichtelgebirge

und andere Landschaften nach Gold durchsuchten, und die als Venetier

oder Wahlen von dem Volke mit überirdischen Kräften ausgestattet

wurden, die das Innere der Berge kannten und mancher Zauberkünste

kundig waren, zum Teil auf die Schätze hütenden Berggeister

zurückzuführen.

Venetier, die nach der Volkssage in verschiedenen Gestalten auftraten,

wuschen auch die Goldkörner aus den Brunnen und Flüssen, und so

gehört wohl auch die Sage von dem Hutmanne in Wiesenthal, welcher

einstmals auf dem Fichtelberge an einem Brunnen, dessen Boden von eitel

Goldflammen leuchtete, einen in einem Buche lesenden Mönch antraf,

ebenfalls hierher.

Ein anderes Geschlecht der Zwerge sind die +Hausgeister+ und +Kobolde+,

welche eine mehr heitere und neckische, zuweilen selbst boshafte Natur

besitzen. Sie halten sich vorzugsweise in den Wohnungen der Menschen,

aber auch in Bergwerken auf, und nur ganz vereinzelt erscheinen sie

im Freien. Wie die Zwerge und die später besprochenen Moosweibchen

sind auch die Kobolde unselige Geister. Daher hat ein Knabe in Lauter,

welchem ein solcher Kobold keine Ruhe ließ, fleißig gebetet und gesagt:

»Laß mich doch in Ruhe; wenn Du nicht beten willst und auch nicht beten

kannst, so gehe Deiner Wege.« Andere Hausgeister sind befriedigt, wenn

man ihnen ein wenig Milch aufstellt, und wäre es auch nur in einem

Katzenschüsselchen, so daß sie daher Katzenveit, Heinzelmann, Katermann

u. s. w. heißen. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 18.)

Der erzgebirgische Katzenveit, dessen Jacob Grimm nur kurz und zwar

als eines »Waldgeistes« im Fichtelgebirge gedenkt, erinnert in mancher

Beziehung wieder an den Rübezahl des Riesengebirges.

Ein Hausgeist, wie das vogtländische »Schreckgökerle«, vor dem sich die

Kinder fürchten, ist das »Schreckagerl«, welches wie andere Kobolde

bei der Arbeit hilft; nur muß man ihm dafür zu essen geben. Dieses

hilfreiche Beistehen bei der häuslichen Arbeit, das Füttern des Viehes,

das Fegen der Küche und dergl. mehr gehört so recht zum Wesen der

Kobolde. Unser Bahnbrecher in der Kenntnis der germanischen Götterlehre

sagt in seiner deutschen Mythologie (S. 284.), daß es ihm scheine,

man habe früher aus Buchsbaumholz kleine Hausgeister geschnitzt und

dieselben in dem Zimmer aufgestellt; der Ernst habe sich in Scherz

umgewandelt und die christliche Ansicht habe die Beibehaltung des alten

Brauches geduldet. In gleicher Weise mag aber auch aus dem ursprünglich

dienstfertigen Kobolde, welcher das Gesinde weckte und nach dem

Rechten im Hause sah, mit der Zeit ein Polter- und Plagegeist geworden

sein, der dann mehr teuflisch und gespenstisch auftrat. So sank, wie

Jakob Grimm sich ausdrückt, der getreue Hausfreund des Heidentums zum

Schreckbild und Gespött der Kinder herab, ein Los, das er mit Göttern

und Göttinnen teilt. (Deutsche Myth., S. 293.)

Als Kindergespenst tritt überall im Erzgebirge das »Jüdel« oder

»Hütchen« auf, welches den letzten Namen vielleicht von dem roten

Hute der Zwerge hat. Das Jüdel spielt während ihres Schlafes mit den

Kindern; es spielt auch des Nachts mit den Kühen. Will man das Jüdel

als Hausgeist unterhalten, so muß man demselben Spielsachen geben.

Wie unter den Kobolden der Katzenveit vom Kohlberge bei Zwickau und

die Männchen des Koboldsteins bei Kloster Maria Sorg, so waren auch

der +Kaspar+ des Greifensteins und der Geist +Mützchen+ bei Freiberg

keine eigentlichen Hausgeister; bei letzterem ist durch die Nebelkappe

deutlich seine Zwergnatur gekennzeichnet.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 11 / 62 段