In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist auch

das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges

Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene Eisenhammer,

jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren vor langen

Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher, aber

ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn sie nur

zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe in der

Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt war, zur Kommunion

und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues Goldstück

als Opferpfennig auf den Altar legte. Da gab ihm der Teufel den bösen

Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen; er wartete also,

bis alle übrigen Kommunikanten an den Altar getreten waren, und als

er nun als der letzte hinzutrat, um die Hostie zu empfangen, stahl

er mit gewandter Hand das Goldstück vom Altare herab. Der Geistliche

hatte jedoch den Frevel bemerkt, und als nun Pessel auf der anderen

Seite des Altars den Kelch empfangen sollte, zog jener ihn zurück,

verkündete öffentlich seine Schandthat und verfluchte ihn. Pessel

wankte nach Hause, allein der Schreck und die Reue warfen ihn aufs

Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstand. Als nun aber einige Tage

darauf in früher Morgenstunde ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu

Grabe trugen, überraschte sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein

plötzliches Donnerwetter; sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese

hin und flüchteten in die im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem

furchtbaren Donnerschlage das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus

der Mühle heraustraten, um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war

der Sarg spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben

samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man

jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle zu

umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und sie

bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam aber auch

die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte mehr dort mahlen

lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe, woher es kam, daß sie

bald von ihren Bewohnern verlassen ward und als Ruine für ewige Zeiten

von dieser schauerlichen Geschichte Kunde giebt.

110. Die Erlösung.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.)

Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah man vor

längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln, der

auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin soll ich ihn

setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten, um seinen

Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese zum Nachteile seines

Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für diese ungerechte Handlung

so lange herumirren mußte, bis ihn jemand erlösen würde. Als an einem

Abende einen Bürger aus Platten der Weg über diese Wiese führte, stand

plötzlich der verwünschte Mann mit seinem Steine vor ihm und rief in

kläglichem Tone: »Wohin soll ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der

Angesprochene: »Trag ihn hin, woher Du ihn genommen hast!« Diesen

Worten folgte ein Blitz und Donnerschlag und der Mann mit dem Steine

war verschwunden; man hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen.

111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.)

Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer

Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines

Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe

zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. --

Der Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und

Pünktlichkeit diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und

Rast und machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern

einlud, schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem

auf dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber,

dessen wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der

Stadt Joachimsthal stolz in die Luft ragen. -- In dem Augenblicke,

als der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet

er in einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt

hatte, und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in

welchem viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit

Kegelspiel, wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber

sofort auf den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem

Gruße zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes

Drängen nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus

purem Silber war, in die Hand, schob und -- traf alle neun, was die

Ritter über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er

gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung

zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade die Uhr auf

dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden. Der Geselle

aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf demselben Platze, wo

er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er glaubte geträumt zu haben,

allein die Silberkugel, die er noch in der Rechten hielt, belehrte

ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. -- Voll Entsetzen und Grausen

eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und erzählte seinem Herrn das

seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm derselbe jedoch keinen Glauben

beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen seiner Aussage die silberne

Kegelkugel, durch welche beide, Meister und Geselle, reiche Leute

wurden.

Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen

Wesen finden sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt

auf dem Kyffhäuser Kegel auf, nach denen 12 ernste Ritter schieben.

Er war während dessen 20 Jahre aus seinem Dorfe abwesend und

niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor aus

Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am

Neujahrsmorgen daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von

ihnen geschenkte Kegelkönig verwandelte sich unten am Berge in Gold.

(O. Richter, deutscher Sagenschatz, I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im

Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren Kegel. (Größler, Sagen

der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln und Kugeln

spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den

Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen

Hügel zwischen Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S.

43 und 44.) Eine Kugel, mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge

Kegel geschoben hatten, verwandelte sich in Gold; auf dem Oderwitzer

Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen Kugeln nach

9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.)

In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel

vergraben sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.)

Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden

Geistern Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard,

sind, in welchem die Götter friedlich mit goldenen Tafeln und

Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht die goldene Zeit

wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem

Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach

Anderen soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer

bei den allabendlichen Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten,

nach Nork aber stelle die goldenen Kugeln Gestirne vor. In der

Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden, auf welchem

kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No.

91.)

Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit

seinen Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der

dazu kam, einen silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen

eine Kugel erhielt, welche zu Gold wurde, so erinnert dies an den

gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte. Auf ihn weist auch

unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel jedoch

auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim

Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die

eigentliche Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder

Odhin im Gewittersturme.

112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.)

Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch

fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die von

ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht,

als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte

es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus.

Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen

Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich dem

Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch einmal

erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte

eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten. Um Mitternacht

pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das Thor öffnete sich

und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine Kalesche, worin

sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des Nachtwächters kam der

damalige fromme und gottesfürchtige Prälat Cajetan im Ornate, ganz wie

er beim Altare erscheint, herbei. Der Mann trat ab und es entspann sich

zwischen dem furchtbaren Gaste und ihm ein Gespräch in lateinischer

Sprache. Alsbald führte der fromme Cajetan seine Begleiter durch die

Thür im Sommersalon, der schon vorbereitet war, hinaus in den Garten,

und man sah durch die Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche

Gestalt dahinfahren. Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen

angelegt. Bald nachher entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug

in eine Linde dieser Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel

aber oben zu stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und

zu hören. Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von

70 Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz.

In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in

einem schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die

Straßen der Stadt. Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen

und a. O. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische

Baron Hußmann von Tachau fährt in einem feurigen Wagen, der von vier

schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann a. a. O. S. 101.) Der Wagen

ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die Todesgöttin Hel

führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen, der ein

Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt.

Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen

wieder auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen

Gegenden die Toten auch in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es

mit Beziehung auf diese Vorstellung in einem Volksliede:

»Auf der Brücke steht ein goldner Wagen,

Wird mich und dich in Himmel tragen.«

113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.

(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)

Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe unter

Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche die armen

Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, dasselbe

aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu und Kleie war und

in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich beklagten und über das

ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: »Ei, meine Gottesgaber

Säue könnens schon fressen!« Als sie aber gestorben war, ist sie oft

wiedergekommen und hat den Mann geplagt. So oft der Müller seine Säue

fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische Sau mit zugelaufen und

hat samt den andern aus dem Troge gefressen.

114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.

(Mündlich.)

Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten

des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten

demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben;

nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte

ungehindert seines Weges ziehen.

115. Der Kirchenbau in Pritschapel.

(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)

Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt sich ein

nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen Gipfel

noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im Juli

1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von ihr

gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche

gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein

Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber der

Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine,

Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf dem Gipfel

des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, wie das

zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate und führte

die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In der Nacht darauf

tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute nach dortiger Sitte

aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen über den Himmel

dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig großes, sehr schönes

weißes Maultier gesehen haben, das die Baumaterialien den Berg wieder

hinauftrug. Man sah dies als einen Wink Gottes an, und die Kirche wurde

auf dem Gipfel des Berges erbaut.

Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877,

S. 77 meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den

Tempelbauversuchen nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu

denken. Das weiße Maultier erinnert vielmehr an das weiße Roß Odhins

oder des slavischen Gottes Swantowit, oder an die weissagenden Rosse,

welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven besessen

haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom

weißen Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom

Schafberge, auf welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen

wollte, hinab ins Thal trug, so daß nun hier die Anlage der Stadt

erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 189.)

116. Der große Bergsturz zu Altenberg.

(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430--32.

Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)

Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu Altenberg

der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon dadurch der

größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden ist, so ist es

doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so abgegangen, daß

nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und tiefer einging, sowie

vier Zechen und ein Schacht verfielen und des Bergschmieds Wohnhaus

versank. Die meisten Bergleute sind glücklich gerettet worden, obschon

sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne Speise in der Tiefe ausharren

mußten. Nur ein alter Bergmann von 79 Jahren, mit Namen David Eichler

(oder Siemon Sohr), ist nicht zu finden gewesen, auf welchem die

meiste Schuld hernach sitzen geblieben, weil er nämlich aller Warnung

ungeachtet, alle Bergvesten, d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze

der Decken stehen läßt, nach und nach weggehauen habe. Derselbe soll

auch sonst ein gottloser Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne

Gebet und in Teufels Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden

Klagereime sind aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld

gewesen; sie lauten also:

»Ich George Frölich der Alte,

ich wolt übern Bergwerck halte,

es wolt aber gar nicht seyn.

sondern die Gottlosen fuhren hinein,

und rissen die Berg-Vesten ein,

das ist bewust der ganzen Gemein.«

Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen, denn

man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen 4 und

5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet hatten,

wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von oben bis zum Ende

der Binge sprang und alsbald verschwand. Man hat dies auch für eine

Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem gemeinschaftlichen Gebet

eingefahren, den das Gebet versäumenden Bergleuten zwei Groschen von

ihrem Lohn für arme Leute abgezogen, wovon dann das sogenannte Aufrufen

gekommen ist. Im Jahre 1729 hat man, als man das damals Eingestürzte

wieder aufzuarbeiten suchte, was jedoch nicht gelungen ist, eine alte

Bergmütze von Filz gefunden, die man für die Fahrmütze jenes Eichler

gehalten hat.

117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau.

(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.)

Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine Gegend,

in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben und den

Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen. So

spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund, der

gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit seinem

Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer konnte sich

anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund zurufen oder

ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen, alles

umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis der Bauer die

sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war sein Begleiter

verschwunden.

Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem Wagen

den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen Hund, der,

als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen war. Der Bauer

wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen Gliedern, nahm die

Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich zu schimpfen;

allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da der Bauer einsah,

daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu beten und zu seiner

Überraschung wurde der Hund auf einmal halb weiß, blieb aber immer noch

liegen. Jetzt wußte sich der schlichte Bauer keinen Rat mehr; er rief

nun mit lauter Stimme: »Lieber Herrgott, laß mich doch nur wissen, was

dieses Höllentier von mir will!« Sobald er diese Worte gesprochen,

wurde der Hund ganz weiß und verschwand, und eine Stimme rief dem

Bäuerlein zu: »Tausend Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich

von meinem Leid befreit!«

Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges Bürschchen,

das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim zu seinen

Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling vorwärts.

Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte ringsum, nur

unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon hatte er Udwitz

hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St. Josephsstatue

entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige Augen wohl

auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot schleppte

sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen Begleiter

wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog sein Messer heraus

und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der Arm das Messer, ein

Schwefelgestank verbreitete sich, aber -- ruhig schritt das Tier wieder

neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß bedeckte die Stirn des

armen Knaben; schon glaubte er, sein letztes Stündlein sei gekommen. Da

faltete er die Hände und fing an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser

geendet, so war auch das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam

der Ärmste bei den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett

hüten.

In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein

den Göttern geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung

ausgestattetes Tier gegolten. Später wurde er Hüter der Unterwelt

und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger. Der eine von den

beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der indischen Sage

dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya, der

die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem

Höllenhunde und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage.

Nach letzterer wittern es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die

Nornen und Walkyren ausgesandt werden, oder wenn die Pestseuche

naht. Odhin und seine Walkyren werden von einem Hunde begleitet.

Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische Nachtgeist

Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer

der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und

Brauch I., S. 101.)

118. Der feurige Hund bei Graslitz.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.)

Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein Hund herum

gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe soll den Leuten,

besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich dann eine Strecke

forttragen lassen.

119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.

(Mündlich.)

Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün und Pöhla

sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit glühenden Augen

und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.

Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich

hat sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen

der beiden weißen Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes

in den beiden folgenden Sagen verknüpft. Die Bewohner der Glarner

Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in der Wildnis umkommt, er

habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet auch nach einem

Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling

den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der

Slaven zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S.

138.) vermutet, daß eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher

das Kennzeichen von Trauer und Freude durchgehend die weiße Tracht

gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches ins Leben

treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens«

bezeichnete.

120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg.

(Mündlich.)

Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen.

Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner von Aue mit Panduren

gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf ihm zuweilen des Nachts ein

weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.

121. Gespenstisches Schaf bei Wildenfels.

(Mündlich.)

Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels soll

sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben sehen lassen,

welches die Vorübergehenden erschreckte.

122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.

(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.)

In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden Eisenbrücke

stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg gegründet wurde, ein

Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches damals am Schneeberge

gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz gefahren, um es

daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen. Die Brücke war mit einem

Dache versehen und deshalb sehr dunkel, und weil außerdem auf beiden

Seiten der Mulde bis an das Ufer finstere Waldungen waren, wurden an

dieser damals schauerlichen Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter

andern wurde daselbst auch ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen

Pudel mit sich führte. Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren

bei der Brücke gesehen worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er

jedesmal plötzlich wieder verschwunden.

123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.

(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.)

Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter Kreis,

in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis verirrt,

der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon.

124. Der schwarze Hund in Grünthal.

(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)

Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern in

Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst ein

großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere

auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden

Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe

Landesgrenze verfolge.

125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.

(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.)

An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten »Köppe«

oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich öfters um Mitternacht

ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen, der entweder neben den

ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und dann plötzlich verschwindet,

oder auch sich diesen eine Weile in den Weg stellt und sie im

Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er zuweilen auch genötigt

haben den Straßendamm hinabzuspringen, wohin er darauf selbst gefolgt

ist, um in den nahen Muldengebüschen, von woher er zumeist gekommen

war, sich zu verlaufen. -- Von den letzteren ist bekannt, daß sich

darin etliche Personen erhängt, ebenso, daß in dem daneben rauschenden

Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige ihren Tod gesucht und gefunden

haben.

126. Der Walkpudel.

(Mündlich.)

Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf läßt sich

zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den die

Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen.

127. Der Hüttenmops.

(Mündlich.)

An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der Naundorfer

Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde, welcher der

Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops erscheint auch in

Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal und Umgegend. Er

heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«, und die ihn gesehen

haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen Pudel mit feurigen

Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen sogar auf Bäumen

angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der Hüttenmops ein böser

Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden Fleischer auf

den Rücken gesprungen, und trotz allen Schüttelns, Betens und Fluchens

konnte ihn der Mann nicht wieder herunterbringen, bis er vor seiner

Thür angelangt war, wo das Gespenst mit einem höhnischen Schrei

verschwand. Der Fleischer aber starb nach drei Tagen.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 10 / 62 段