wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des
Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt, sie
habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen.
Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes sich das
Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund Schlüssel in
die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten schlief, und sagte:
Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als später die Kindermagd
einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen, ist das Gespenst darauf
losgegangen und hat es aus dem Bett reißen wollen mit den Worten:
»Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist die Magd aufgewacht, hat aber
das Kind so fest an seinem Hemdchen gehalten, daß dasselbe entzweiriß,
das Gespenst aber hat das Kind fahren lassen und ist auf die Magd
gefallen und hat solche dermaßen gedrückt, daß sie kaum mehr Atem holen
können. Von dieser Zeit an hat sich das Gespenst aber auch in der
eigenen Schlafkammer des Superintendenten, wo dessen Söhnlein in einem
Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat dasselbe öfter beunruhigt, die
Flügel in dem Bettchen aufgemacht und es gereizt, es solle aufstehen
und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe Pfennige geben, es hat auch
dergleichen Goldstücke mitgebracht und dem Kinde gezeigt. Während dem
ist aber die Nähterin einmal über das andere von dem Gespenste genötigt
worden, sie möge doch nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen
werde, es solle weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie
werde soviel finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde.
Daher hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf
das Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen
und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus
seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht hat,
welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem sich
aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der Wachsstock,
den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift
beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn des
Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich darüber
aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen gegeben,
daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken Hand
fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der
ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer
Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, und
haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit Geigen,
Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches alle im
Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der Nähterin an die
Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen Hund sitzen, der
eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist aber davon noch mehr
erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach, Hund beißt! Hund beißt!
worauf es sich aus den Händen des Gespenstes gerissen und wieder in
die Studierstube gelaufen ist. Da nun die Nähterin solches gesehen,
entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls um, allein es ist ihr
wie das erste Mal nicht wohl bekommen, sondern die bösen Geister haben
sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen und etliche Mal wider
den Boden gestoßen, wobei es ihr vorgekommen ist, als wenn neben ihrem
Kopfe lauter Pistolen losgeschossen würden. Indem sie nun noch mit
großer Mühe in die Studierstube gekommen und niedergesunken, nicht
wissend, wo sie sei noch wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein
umgewandt, sie bei der Hand genommen, und vollends in seines Vaters
Schlafkammer geführt, wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer
gelaufen kamen und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent
hat nun die ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde
des Morgens und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil
sie zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie
jedoch fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf
in der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme
hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft,
so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt
darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches
gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal
bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht ganz still
geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem Spuk hören
lassen.
67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.
(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S.,
No. 453.)
In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau und ward
gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf ein Student
auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften der Grabsteine.
Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende Frauensperson stehen,
die auf sein Befragen, warum sie das thue, antwortet: »Ach, daß Gott
erbarm, ein Kind und keine Windeln!« Da hat der Student aus Mitleid
sein Halstuch abgebunden und es ihr zugeworfen, worauf sie sogleich
verschwunden war. Nun hat den Studenten eine große Angst befallen, es
möge diese Person kein lebendes Wesen, sondern ein Gespenst gewesen
sein, er ist also sogleich zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen
und hat die Sache angezeigt, worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen
ließ und man fand, daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte,
welches tot zu ihren Füßen in das Halstuch des Studenten, welches
dieser, durch seinen darin gestickten Namen als sein recognosciert hat,
eingewickelt lag.
68. Der Katzenhans und seine Genossen.
(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.)
Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein schmaler
Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem die Sage den
Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein weithin tönendes
»hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und treibt ihn auf Irrwege.
Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft über Crottendorf hinweg
nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem Orte und Scheibenberg,
um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage berichtet aber nicht mehr,
wer jener Katzenhans gewesen sei und woher es komme, daß er gerade
dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger ist der Glasmeister mit
sehr großen Glasaugen, der in der oberen Braunelle, da, wo die Straße
von Neudorf nach Crottendorf den Wald durchschneidet, den Wanderer
in der Nacht schreckt und irre führt. Ob sein Herkommen auf die
ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf zurückzuführen ist, weiß aber
niemand zu sagen. -- Ist nun der Fußgänger des Nachts glücklich durch
Ober-Crottendorf und ein gutes Stück auf der Straße nach Scheibenberg
weiter gekommen, so begleitet ihn eine gespenstische Laterne eine gute
Strecke.
In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden des
Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach auf-
und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück verkündet,
wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe des Ortes, wo
die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein Feuer entstehen
werde.
Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische
Sage. Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem
Laufe des Wassers oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die
ihn Begegnenden führt er irre. Sein Roß hat er sich aus dem Meere
geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche Schimmel daraus hervor,
ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn aufsitzen, trug
ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses
geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt,
die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 54.)
69. Der Rachhals zu Aue.
(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.)
In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals.
Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine Furcht ein,
so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem Wege ging. Nach
seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine finstere Kammer seines
Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt worden und spuke darin
um Mitternacht. Die Kammer hatte nur ein kleines Fenster nach dem Hofe,
und es wurde erzählt, sobald dieses Fenster geöffnet werden würde,
sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig aber würde auch das Haus
abbrennen. Das Haus stand in der Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel.
Als daselbst im Jahre 1859 Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals
Rachhals'sche Haus ein Raub der Flammen.
70. Das Hammergespenst.
(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.)
Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte zugetragen,
daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung über Feld ins
nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht, begegnet
ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor zwei Jahren
gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg angezogen
gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du es?
Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der Knabe
erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung
aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er nicht
verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern. Da der
Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie müde bin
ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen Hammer, an dem
Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und damit däuchte es
dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern. Als er seinem
Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein Gebüsch gehen mußte, da fing
sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein war voll schwarzer Männer,
die den Hammermeister umringten. Bald verwandelten sie sich in große
rote Hirsche, daß der Knabe nicht wußte, wo aus oder ein; bald sah er
einen Mann kommen, der hatte eine Rute in der Hand und drohte damit den
Gespenstern und den Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern
fort, die Hirsche verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn
noch eines Stück Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm,
lehnte sich's noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf
unter die Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der
Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank.
Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein guter
Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann, ein
geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen und
Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch hat
der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet. Er
ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, da
er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer
Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter
über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die
Arbeiter, daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe und
Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr über eine
unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie heimfahren
und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische
Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel wieder an
und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser, auf dem Hofe
tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659 schlägt er stark
an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post und macht auf;
da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz und mit einem
spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei und begehet
andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor diesem gespenstischen
Gaste sehr gefürchtet haben.
71. Der unheimliche Hansmichel.
(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B. 1879.
S. 60.)
Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich der
wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide, kommt
nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel dahergebraust.
In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen stürmt er beim Glaserbergel
über den Ort und verschwindet im Walde. Während seiner rasenden Fahrt
läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen, bethört dadurch die Wanderer
in der Waldung und leitet sie auf falsche Wege. Früher hauste der
unheimliche Hansmichel auch mit besonderer Vorliebe am sogenannten
Hammerwege. Nach der Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter
Spindlerhofes gewesen und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu
dieser ruhelosen Luftfahrt verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat
sich der unheimliche Hansmichel nie gezeigt.
72. Der rote Hohensteiner.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)
Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg
hervorragender steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen
Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau
und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf seiner
Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige
Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten und zwar
alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit langem roten
Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. Angesprochen
hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, denn er
läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, ertönen. Der
rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm nur von einem
furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht mutig anspricht.
Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der
Teufel hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote
Lütli, Tüfelshüttli« und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot
wurdist« heißt: »Daß Dich der Teufel holte!« Der einen roten Bart
tragende Gewittergott Donar wurde zum Teufel. (Rochholz, deutscher
Brauch und Glaube. II. S. 224.)
73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.)
Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge, fand
sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte ihn Vollmer
den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die Liebe der schönen
Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war, gewonnen, und dieselbe
hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie ehelichen. So ritt er
denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor ein, zog ersteres,
ohne daß jemand es sah, -- nur hören konnte man seinen Tritt, -- in
den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am Schall seines
Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam ihm seine Braut
entgegen, der reichte er seine Hand, -- das war der einzige fühlbare
Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt -- und nun sprachen
und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun. Dann schritten sie
in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des Fräuleins harrte,
und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken nach
Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der Wein
in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es hinkam. Man
hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der Graf, dem früher vor
seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte immer mehr Neigung zu
ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen Berater und Warner bei
bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl vorüber war, verließ der Graf die
beiden Brautleute, und so saßen sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm
der gespenstische Gast eilig Abschied, so trieb er es viele Jahre; da
äußerte einmal das Fräulein, wie sie sich nach einem Kusse von seinem
Munde sehne, und siehe, ihr geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe
wohl auf ewig; weil ich an Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ
ich mein himmlisches Reich, um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische
Liebe denkst, ist mein Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie
wieder!« Damit verschwand er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe
empfunden.
74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)
Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters hat sich
am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen, des
Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen lassen,
welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende, übel
bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das Gespenst in
seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den Berg hinunter
geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg verwundet. Einen
Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain heimgeritten, hat's mit
dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach, und ist der Richter mit
großer Lebensgefahr nach Hause gekommen.
75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella.
(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II., S. 91.)
Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in alten
Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese Wesen
meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt man
sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein
Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen
wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt, in den
Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen versucht, sich
in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen.
76. Der Mönch von Komotau.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)
Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt man in einen
Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand desselben bemerkt
man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen Haupt und Hände
getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft der Stadt eine Gefahr
droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. Er geht
vom Rathause bis zur Kaserne, einem ehemaligen Jesuitenkloster, wo er
verschwindet. Viele Leute wollen ihn schon gesehen, namentlich soll er
im Jahre 1832 sich gezeigt haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen
ist die ganze Stadt abgebrannt.
77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.)
Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal, erzählte, daß
er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus schönen Brunnen
angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen geleuchtet
habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen Quell zu betrachten und
wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein auf einer Seiten, auf
der anderen aber ein Mönch mit einem offenen Buche gesessen, darüber
er erschrocken und davon gelaufen. Er habe aber seit dieser Zeit den
Brunnen nicht wieder antreffen können.
78. Der Laternenmann in Alberode.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint, entsteigt
dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr ein Mönch mit
einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der Laternenmann
genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes auf dem Marktsteige
nach dem Klosterholze und verschwindet in einem Keller des Rittergutes
Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid.
In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen
Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne
bei Hackpfiffel in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a.
O. No. 195.) Wir finden überhaupt, daß in den Sagen von Laternen
tragenden und feurigen Männern, sowie von Irrlichtern mancherlei
Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B. heißt das Irrlicht
»Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als
persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das
»Lichtmandl« hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte,
als es derselbe anrief, ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr.
Touristenzeitung 1884, No. 21.)
79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.)
In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube
war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man die Stube
reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward. Dieser
Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil treiben
wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz gekommen,
und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn sehen wollen.
Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet, hat er
es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel Mühe gegeben. So
ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von Kameraden einmal
nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an und als unterdessen seine
Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er später aussagte, von einem
Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich -- es war gerade Winterszeit --
geworfen worden, und hat ihn derselbe dermaßen geängstigt, daß, als
seine Kameraden, die wieder umkehrten, ihn suchten, sie ihn winselnd
und fast vor Schrecken stumm antrafen, für tot herauszogen und so nach
Hause brachten. Sein Mund war ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er
über ein halb Jahr zubrachte, ehe er wieder gesund ward, auch in der
Kirche für ihn gebetet ward.
80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.)
Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus
Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen. Da nun ein
Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen Brunnen ging, um
Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen unbekannten Mann
liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern auf dem Rückwege
ihm auf den Hals fiel und ihn braun und blau drückte, so daß er infolge
dessen acht Wochen krank lag.
81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.
(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.)
Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von Stützengrün aus
dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es habe ihn ein Gespenst
erschreckt. Als er im Februar des nächsten Jahres wieder hinausgeht,
höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder ich thue es! Greif lieber
selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann sein Messer heraus und
schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme in den Schnee fallen.
Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet, finden ihn etliche Köhler
in seinem Blute liegen und führen ihn noch lebend heim. Nachdem er
gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, auch getröstet worden war,
ist er bald darauf verschieden.
82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.
(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs.
Obererzgebirge. Programmarbeit. 1862. S. 39.)
Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt
die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund hat,
sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz
geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr soll
derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen, mit seiner Peitsche
knallen und dabei »Hüoh!« rufen.
83. Der Feuermann von Komotau.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864, S. 21.)
In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann sehen, der den
Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint, bricht in derselben
Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus.
84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau.
(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.)
Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten »Berg«
des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen unangenehm, da schon
mancher von einer Gestalt, die dort mit einem Lichte herumläuft, geäfft
worden ist.
85. Der schwarze Mann zu Königswalde.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)
Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, und sein
Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher Ehe
lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott mit einer
jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat sich in der
Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der Stubenkammer
hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der Frau eingefunden und
hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!« Als sie sich aber dessen
geweigert, ist er wieder hinausgegangen und hat das Schloß hinter sich
zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14 Tagen kam etwas an den
Laden, daß sie auch den Schatten am Fenster sehen konnte, und weil
sie es für einen Hund gehalten, hat sie auf dasselbe gerufen: »Gehst
Du garstiges Aas!« Worauf es den Fensterladen gewaltig zugeschlagen
und weiter nichts unternommen. Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus
dem Bettchen gezogen, worauf sie es quer über dem Badewännchen auf
dem Gesichte liegend wieder gefunden, welches darauf eine Nacht um
die andere wiederholt worden. An einem Sonnabend im August hat die
Mutter zu Nacht das Kind kurz vorher gestillet und wieder hinaus in
das Wännchen gelegt. Da träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen
Arm gebrochen, worüber er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich
besonnen, es sei ja sein Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer
habe, ist er bald wieder eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette
vom Leibe gezogen, worüber er auffuhr und nach dem Kinde schrie,
welches sie leider aus dem Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend
tot fanden. Als nach dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit
im Kohlenhau gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner
Wiederkunft dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen
11 und 12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket,
ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und da
sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt:
»Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen,
und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, und der Hund
hatte es gemerkt und sehr gewinselt.
86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
(Mündlich.)
Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein schwarzes
Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand hatte. Eines
Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak darüber so
sehr, daß er bald darauf starb.
87. Der Schamprich zu Nossen.
(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.)
Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von der
Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt führt,
trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich, sein
Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des Weges
nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf bis zum
Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last immer
schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei der auch
der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden. Der
Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme, in
welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll, links am
Wege.